Ein paar Medikamente fürs Kind zu Hause zu haben ist gut. Aber bitte nicht mehrere Packung derzeit rarer Arzneimittel horten.

Wir haben in Kinderarzt-Praxen und Apotheken gefragt, wie es aktuell um die Gesundheit der Kinder steht. Die Zahl der (schlimmen) Infekte ist zurückgegangen, was aber auch an den Weihnachtsferien liegen könnte. Die Lieferung von Medikamenten ist weiter problematisch, allerdings können Familien bislang versorgt werden. Apothekerin Claudia Frilling und Kinderärztin Petra Zieriacks geben Tipps, was Eltern im Krankheitsfall tun können.

Kinderärztin Petra Zieriacks. Foto: privat

In den Kinderarzt-Praxen hat sich die Lage gegenüber Dezember deutlich entspannt, das geht aus bundesweiten Zahlen des Robert-Koch-Instituts hervor – und da bestätigt auch die Bergisch Gladbacher Kinderärztin Petra Zieriacks. Die meisten Erkrankungen gehen auf Influenzaviren (20 Prozent) und Respiratorische Synzytialviren (RSV, 17 Prozent) zurück. Corona macht aktuell nur 6 Prozent der Atemwegserkrankungen aus.

Auch in den Krankenhäusern ist die Zahl der Patient:innen mit schweren Atemwegserkrankungen gesunken, liegt aber dennoch weiter auf einem hohen Niveau, über den normalerweise zum Jahreswechsel beobachteten Werten. Bei den 0- bis 4-Jährigen in den Kliniken stieg der Anteil der RSV-Diagnosen wieder an und war mit 61 Prozent weiter sehr hoch.

Neue Corona-Variante?

Wie sich die neue, noch ansteckendere Corona-Variante auswirken wird, ist laut Petra Zieriacks noch unklar. Sie zitiert Christian Drosten, der in seinem letzten Corona-Virusupdate davon ausgeht, dass die Bevölkerung inzwischen gut immunisiert sei und die neue Variante nicht problematisch werden würde.

Eltern, die sich fragen, ob sie ihr Kind lieber nicht in die Kita schicken sollen, wenn dort gerade viele Infekte kursieren, rät sie ab: „Die Auseinandersetzung mit Virusinfekten gehört zur notwendigen Reifung des Immunsystems.“

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Auch, wenn das Kind etwas erwischt hat, müsse man nicht sofort zur Ärztin. „Wenn ein Kind kein Fieber hat, ist zunächst keine ärztliche Vorstellung notwendig – es sei denn, es liegen schwerwiegende andere Symptome vor“, sagt Petra Zieriacks. Erkältungs-Erkrankungen können Eltern ruhig erst einmal selbst zu Hause behandeln: mit viel Trinken und Ruhe.

Und wie ist die Lage bei den Medikamenten?

Claudia Frilling, Apothekerin:

„Wir haben schon länger Lieferprobleme, nicht nur bei Arzneimitteln für Kinder. Immerhin bekommen wir inzwischen ab und zu wieder manches, was nicht lieferbar war, zum Beispiel Ibuprofen-Saft oder bestimmte Antibiotika. Das kann allerdings von Apotheke zu Apotheke variieren, je nachdem was man gerade bekommt.

Die Bestellung von Medikamenten hat sich stark verändert. Normalerweise ging das schnell und unkompliziert über eine direkte Verbindung zum Großhandel. Jetzt müssen wir regelmäßig telefonisch nachfragen, was aktuell vorrätig ist, um es schnellstmöglich zu bestellen bzw. zu reservieren, teilweise sogar direkt beim Hersteller. Das macht uns viel zusätzliche Arbeit. So etwas habe ich während meiner gesamten Berufstätigkeit als Apothekerin noch nicht erlebt.

Familien mit Kindern empfehle ich, ein Medikament gegen Fieber und Schmerzen vorrätig zu haben, aber ich bitte dringend darum, nicht mehrere Packungen zu horten. Das habe ich in den letzten Wochen öfter erlebt, dass Eltern in Panik drei Flaschen Ibuprofen-Saft kaufen wollten. Was machen wir dann mit akut fiebernden Kindern, wenn der Saft ausverkauft ist?

Zum Glück haben wir bisher alle einigermaßen versorgen können. Manchmal müssen wir dabei etwas kreativer sein, zum Beispiel nach Rücksprache mit dem Arzt eine andere Stärke von Saft oder Tablette wählen und die Dosierung entsprechend anpassen. Das bedarf natürlich sehr guter Kommunikation mit den Kund:innen.

Im Notfall fragen wir auch bei benachbarten Apotheken nach, ob dort ein gerade dringend benötigtes Medikament verfügbar ist. So finden wir fast immer eine Lösung.“

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Laura Geyer

ist freie Reporterin des Bürgerportals. Geboren 1984, aufgewachsen in Odenthal und Schildgen. Studium in Tübingen, Volontariat in Heidelberg. Nach einem Jahr als freie Korrespondentin in Rio de Janeiro glücklich zurück in Schildgen.

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