Die Katholischen Gemeinden in Bergisch Gladbach sollen bei der umfassenden Konsolidierung des Erzbistums Köln eine Vorreiterrolle einnehmen: Schon zum 1. März werden die fünf Seelsorgebereiche der Stadt in einer „pastoralen Einheit“ unter Leitung von Kreisdechant Norbert Hörter zusammengefasst. Zwei von früher fünf leitenden Pfarrern werden kurzfristig freigestellt, eine Stelle bleibt unbesetzt.

Eigentlich ist das Projekt des Erzbistums Köln, die derzeit 178 Seelsorgebereiche in 66 „Pastorale Einheiten“ zusammenzulegen, auf mehrere Jahre ausgelegt. In Bergisch Gladbach geht dieser Prozess jetzt jedoch sehr viel schneller, mit großen personellen Konsequenzen.

Das geht aus einem Schreiben von Monsignore Markus Bosbach, dem Leiter der Hauptabteilung Entwicklung Pastorale Einheiten im Erzbischöflichen Generalvikariat hervor, das am Sonntag in allen katholischen Kirchen verlesen wurde (siehe Dokumentation unten).

Grundsätzlich, so führt es Bosbach aus, sollten die Seelsorgebereiche in einer ersten Phase die „Felder der Zusammenarbeit und Kooperation entdecken und umsetzen; in einer späteren Phase wird ein leitender Pfarrer ernannt und ein Seelsorgeteam auf Ebene der Pastoralen Einheit gebildet“. Nicht so in Bergisch Gladbach.

Modellprojekt Bergisch Gladbach

Kreisdechant Norbert Hörter

Um diesen Prozess besser gestalten zu können sollten „modellhaft Orte und Pastorale Einheiten“ als Pilotprojekte vorangehen und ein modernes Verwaltungsmanagement ausprobieren, erklärt das Erzbistum. Für ein solches Pilotprojekt biete „Bergisch Gladbach sehr gute Voraussetzungen“ – und verfüge mit Kreisdechant Norbert Hörter zudem über eine geeignete Führungsperson.

Die entsprechenden personellen Entscheidungen sind bereits getroffen und werden in Bosbachs Schreiben verkündet:

Norbert Hörter, Kreisdechant und Pfarrer von St. Laurentius, werde ab dem 1. März „als zukünftiger leitender Pfarrer der fünf Seelsorgebereiche und der Pastoralen Einheit“ in Kooperation mit dem Erzbistum das „Modellprojekt Bergisch Gladbach“ begleiten. 

Wilhelm Darscheid, Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Bergisch Gladbach-West (Schildgen, Paffrath, Hand), werde „seine Aufgabe als leitender Pfarrer Ende Februar 2023 beenden“. Er werde bis zum Winter freigestellt, um eine wissenschaftliche Arbeit abzuschließen. In dieser Zeit bleibe er als Subsidiar in Bergisch Gladbach tätig. Zum 1. Dezember werde er „voraussichtlich eine leitende Aufgabe in einer anderen Pastoralen Einheit im Erzbistum Köln übernehmen“.

Winfried Kissel, leitender Pfarrer der Pfarrgemeinde Sankt Johann Baptist (Refrath, Frankenforst), werde ebenfalls Ende Februar dieses Amt beenden und nach einer Auszeit im Herbst „eine andere priesterliche Aufgabe im Erzbistum“ aufnehmen.

Christoph Bernards, leitender Pfarrer von St. Joseph und St. Antonius (Herkenrath, Herrenstrunden, Sand, Bärbroich), bleibe vor Ort und werde Hörter als Pfarrvikar unterstützen.

Die Leitung von St. Nikolaus (Bensberg, Moitzfeld) ist seit dem Weggang von Andreas Süß nicht besetzt; sie wir ohne von Norbert Hörter als Pfarrverweser betreut.

Hörter und Bernards, so führt Bosbach weiter aus, sollen bei dem Modellprojekt maßgeblich von der Pastoralreferentin Christiane Kurth und von Gemeindereferent Armin Wirth unterstützt werden.

Monsignore Bosbach sieht auch Widerspruch gegen diese Entscheidungen voraus und wirbt dafür, „dass wir uns dazu auf den Weg machen, unterschiedliche Sichtweisen aushalten, um gemeinsame Lösungen ringen und die positiven Chancen dieses Weges in die Zukunft einer Pastoralen Einheit Bergisch Gladbach entdecken“.

Der Bosbach-Brief stößt in St. Johann Baptist bereits auf heftigen Widerspruch, der Gemeindevorstand und Pfarrer Kissel werfen der Leitung des Erzbistums vor, sie belogen zu haben.

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Die Entscheidung des Erzbistums Kölns, schon jetzt alle Bergisch Gladbacher Gemeinden in einer „Pastoralen Einheit“ zu vereinen und Norbert Hörter zum Pfarrer für die ganze Stadt zu machen, stößt in St. Johann Baptist auf heftigen Widerstand. Auch der langjährige Pfarrer Winfried Kissel, der sein Amt verliert, wendet sich öffentlich gegen diesen Schritt: Er fühle sich „bewusst getäuscht und belogen“.

Dokumentation

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Redaktion

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11 Kommentare

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  1. Weiter so, liebes Erzbistum!
    Die Austrittswelle wird immer größer und es scheint die Verantwortlichen nicht zu interessieren.
    Die Pfarreien, denen jetzt die Pfarrer genommen werden, werden zu diesem Verlust in Zukunft noch feststellen können, was es bedeutet, wenn die Qualifizierung als „Führungsperson“ offensichtlich Vorrang vor der Eignung als Seelsorger hat.

  2. Gibt es in diesem Erzbistum Köln noch irgendwas wie Wertschätzung, Nächstenliebe oder Respekt für die eigenen Mitarbeiter:innen❓Oder eine Wahrnehmung für die Bedürfnisse der eigenen (zahlenden) Mitglieder❓
    Meine 1. Gedanken lauten: Du musst da raus❗ Damit willst Du nichts mehr zu tun haben❗
    Die kranken Strukturen der katholischen Kirche treiben mich schon lange zur Verzweiflung. Aber hier in Bergisch Gladbach war es für mich bislang noch einigermaßen ok.
    Mit dem Weggang von Andreas Süß fing ich an mehr zu zweifeln.
    Und dann denke ich an so unglaublich liebevolle und wertvolle Impulse in der katholischen Kinder- und Jugendarbeit von Menschen wie Violetta Gerlach. Und verzweifele ich an diesem kranken Konstrukt – nun auch direkt in meiner Gemeinde.
    Ich bin aktuell Katechetin für die Kinder, die dieses Jahr zur Kommunion gehen. Bald soll ich ihnen etwas über Nächstenliebe, Freundschaft etc. beibringen.
    Es gibt wirklich Dinge, die kann man sich nicht vorstellen – und dann passieren sie doch‼️

  3. Mit Gleichberechtigung oder Demokratie hat der Verein halt nichts am Hut. Der Papst ist unfehlbar und der Rest ist eine logische Konsequenz dieser Geisteshaltung. Und als ob das Thema „Kindesmissbrauch“ und der Umgang der Verantwortlichen damit gerade im Erzbistum nicht schon schlimm genug wäre, jetzt auch noch das. So schafft die katholische Kirche sich selbst ab.

  4. „Um gemeinsame Lösungen ringen“ – das fällt schwer, wenn man vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Und „unterschiedliche Sichtweisen aushalten“ müssen wohl nur diejenigen, die nicht in einem warmen Büro im Generalvikariat sitzen.

    1. Leider völlig richtig. Und deshalb muss jenen im Generalvikariat Heizung und Licht ausgeschaltet werden, gleich so, wie es in vielen Kirchen passiert ist. Was wurde nur aus der bzw. unserer Kirche? Und Rom schaut zu, hat es schließlich überhaupt nichts zu befürchten; was juckt schon ein geringerer „Peterspfennig“!?

      Daher wiederhole ich die Folgerung, dass nur ein Abstimmen mit den Füßen, heißt ein formeller Austritt, die einzige und letzte Möglichkeit bleibt. Schmerzvoll für viele, aber noch unerträglicher ist das Nicht-Austreten und resignierende Ausharren.

      Die Katholische Kirche, insbesondere das Erzbistum verfügt über große Vermögenswerte, generiert auch Einnahmen aus Erbpacht. Ein Ende kann und wird also dauern; ähnlich wie beim Ukraine-Krieg muss man sich fragen, ob Helme und Medikamente anstelle ‚schwerer Geschütze‘ reichen.

      Ob es genügt, eine Unterschriftensammlung einzusetzen, wenn auf der Gegenseite (so weit ist es schon gekommen und schon das zeigt die ganze Misere) reine Machtworte, garniert mit Ausnutzung der Weiheversprechen des Gehorsams (zB bei Pfr. Kissel), zur Anwendung gelangen?

      Keiner der überaus gut bezahlten Verantwortlichen wird seinen Posten freiwillig räumen! Übrigens ist auch die Politik aufgefordert, sich der Sache der Deutschen Kirchensteuerregelung endlich anzunehmen.

  5. Der Artikel klingt neutral, die Veröffentlichung heute in St. Johann Baptist in Refrath hat Fassungslosigkeit ausgelöst. Pastoralteam und Gemeindemitglieder sind erschüttert aufgrund gebrochener Versprechen. Ein Blick in die offenen Briefe zeigt, dass es so nivht gghen wird Bistumsleitung und Kreisdechant haben jetzt schon jegliches Vertrauen für einen gemeinsamen Weg verspielt! So wickelt sich Kirche selbst ab!

  6. Wird man „um gemeinsame Lösungen ringen“ oder wird es eine sog. Basta-Entscheidung? Wenn man sich den offenen Brief des Kirchenvorstandes St. Johann Baptist und die Stellungnahme des Pfarrers anschaut, müssten diese Entscheidungen wohl abgeändert werden, wenn es um Ersteres und nicht um Letzteres gehen soll.

  7. Ob man austritt oder nicht, es ändert sich nichts. Also kann man nur austreten, da es die einzige Handhabe ist, die man hat. Stark verzögert wird das Auswirkungen auf diesen „Apparat“, der offensichtlich nicht geeignet ist, das Evangelium im Sinne der Lehre Jesu Christi authentisch zu verbreiten, haben müssen. Zugleich sollte man sich den persönlichen Glauben nicht nehmen lassen, geradezu besteht eine Pflicht, mittels offizieller Distanzierung Stellung zu beziehen.