Lutz Urbach in einem Gespräch zum Ende seiner Amtszeit als Bürgermeister. Foto: Thomas Merkenich

Der frühere Bürgermeister Lutz Urbach hat auf die Abberufung von zwei Bergisch Gladbacher Pfarrern durch das Erzbistum mit der Ankündigung reagiert, die katholische Kirche nun so schnell wie möglich zu verlassen. Schwester Barbara Offermann zollt ihm Respekt, nimmt aber die Gegenposition ein.

Lutz Urbach, bis 2020 Bürgermeister von Bergisch Gladbach, hat sich in der Debatte um das „Pilotprojekt Pastorale Einheit“ mit einem persönlichen Brief an Kreisdechant Norbert Hörter zu Wort gemeldet – und ihn gleichzeitig auf Facebook veröffentlicht.

Nach den „unerträglichen Vorgängen rund um die Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs im Erzbistum“ seien nun Personalentscheidungen im von Hörter geleiteten Kreisdechanat Rhein-Berg hinzu gekommen, schreibt Urbach. Sie veranlassten ihn und seine Frau Tanja zum Austritt aus der katholischen Kirche.

Urbach bezieht sich auf die Demission der Pfarrer Darscheid und Pfarrer Kissel sowie von Thomas Droege als Leiter der Katholischen Jugendagentur. „Falscher können Personalentscheidungen nicht sein“, schreibt Urbach. Nach elf Jahren als Bürgermeister könne er das beurteilen. „Diese drei kompetenten Männer werden geschasst, verbannt, gefeuert. An dieser Stelle bin ich meiner Kirche – nicht meinem Glauben! – verloren gegangen,“ klagt Urbach.

Der Facebook-Post stieß auf große Resonanz und fast einhellige Unterstützung.

„Wir sind doch die Kirche“

Auch Schwester Barbara Offermann, die als Dominikanerin im Bethanien Kinderdorf gewirkt hat und jetzt in der Gemeinde von Pfarrer Kissel, St. Johann Baptist in Refrath tätig ist, zollt Urbach für seine klare Haltung Respekt.

Einerseits, schreibt Schwester Barbara ebenfalls auf Facebook, danke sie Urbach für seinen Brief, den sie als Unterstützung werte. Andererseits führe sie „am laufenden Band Gespräche und werbe in unserer Pfarrei St. Johann Baptist darum, nicht auszutreten, nicht die Ehrenämter hinzuschmeißen, nicht zu kündigen, weiter in die Versammlungen und Gottesdienste zu kommen.“

Denn, so Barbara Offermann: „Wir sind doch die Kirche, nicht ‚die da oben‘! Wir leben unseren Glauben doch für Gott und für uns – nicht für den Kardinal oder den Dechanten. Was bleibt uns denn, wenn wir unser Gemeindeleben aufgeben? Nochmal: Danke! Und ich hoffe, dass unsere Katecheten und all die vielen anderen Ehrenamtler hier vor Ort bleiben.“

Gleichzeitig schreckt auch Schwester Offermann vor klaren Worten nicht zurück. Bereits in ihrem Vorwort für die aktuellen Pfarrnachrichten von St. Johann Baptist schrieb sie:

„In unserer Kirche ist einiges durcheinander. Streit und Zwietracht, wohin man blickt: Rom, Köln, Bergisch Gladbach, völlig egal. Überall alte (oder auch etwas jüngere) Männer, die lügen und manipulieren und Machtspielchen treiben – auf unser aller Kosten.“

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7 Kommentare

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  1. Die gute Schwester Barbara leidet offensichtlich stark unter kognitivier Dissonanz. Einerseits schreibt sie selbst wahre Sätze wie „In unserer Kirche ist einiges durcheinander. Streit und Zwietracht, wohin man blickt: Rom, Köln, Bergisch Gladbach, völlig egal. Überall alte (oder auch etwas jüngere) Männer, die lügen und manipulieren und Machtspielchen treiben – auf unser aller Kosten.“

    Andererseits scheint sie kein Problem damit zu haben, in einem Verein zu sein, in dem sie von Anfang an nur Mensch zweiter Klasse ist. Denn ein ernsthaftes Amt in dem Verein (Pfarrer, Bischof oder gar Papst) einzunehmen, wird ihr nur aufgrund ihres nicht-männlichen Geschlechts für alle Zeiten verwehrt.

    Bei soviel Uneinsichtigkeit und Unbelehrbarkeit wie auch beim „Aufarbeiten“ des sexuellen Missbrauchs wieder demonstriert wurde, hilft nur eines: sofort Austreten.

    Denn bleibt man weiter Mitglied, unterstützt man das alles nur weiter. Sowohl moralisch als auch finanziell. Egal was man privat oder öffentlich sagt, denn das Gerede an der Basis interessiert die Männer in den einflussreichen Posten ja nun wirklich nicht die Bohne. Wer Änderung bewirken will, muss mit den Füßen abstimmen und die Verantwortlichen dort treffen, wo es weh tut: beim Geld.

    1. Ernsthaft? Sie reden von kognitiver Dissonanz?
      Sie hat Ihren Glauben, trotzdem hat sie auch Kritikpunkte. Dazu gehört in der Kirche auch viel Mut, diese nach außen zu benennen. Es ist nicht immer leicht, eine Entscheidung zu treffen, es ist nicht alles schwarz und weiß. Es gibt halt auch Grautöne. Und wenn Sie diesen Weg damals gewählt hat, dann beendet man diesen auch nicht mal eben so. Auch wenn das heute anders gesehen wird.
      Lässt sich halt leicht sagen:“Austreten“
      Hier hängt aber ein Lebensentwurf dran, nämlich der von Schwester Barbara.

    2. An kognitiver Dissonanz (Sie meinten wohl eher Reduktion der kognitiven Dissonanz) leidet man nicht, das ist grundsätzlich und auch in diesem Fall ein Zeichen dafür, dass man über eine stabile Psyche verfügt. Es geht um die Frohe Botschaft und um Gemeinschaft. Wer das vor Ort annehmen möchte, sollte es sich nicht durch fragwürdige Netzwerke in Köln oder gar Rom verleiden lassen.

  2. Der Zwist, unter dem augenscheinlich Schwester Offermann leidet, klingt mir sehr eigenartig . Kann man sagen, dass wir ja ein einig Deutschland waren, wenn auch ein Hitler die Welt an den Abgrund brachte, aber um der Einigkeit den duldeten? Kann man sagen, dass ein Trump zwar Amerika spaltet, dieses Land aber die Welt beschützt und deshalb Trump wieder zum Präsidenten werden lassen? Wenn das katholische Lehre sein soll, dann nichts wie raus aus diesem Pfuhl!

  3. Wer soll in dieser Diözese noch vertrauen in der Menschen wie Marionetten behandelt werden.

  4. Die Kritik von Lutz Urbach trifft voll und ganz den Kern und das Problem kath. Kirche – leider, und leider werden jetzt noch gute Pfarrer kaltgestellt. Wir – meine Frau und ich – hatten eine sehr positive Erwartung an den damals neuen Kardinal Wölki. Leider hat er sich zu einem selbstherrlichen, ignoranten „Kirchenführer“ entwickelt, genauso enttäuschend ist das Verhalten des Papstes. Der müsste Wölki schon lange gefeuert haben.Aber wahrscheinlich wird er in seinen Entscheidungen von den Kurienkardinälen behindert – Entschuldigung wenn ich sage: den „alten Männern in den Frauenkleidern“.
    Leider werden alle positiven Ansätze von Bischof Bätzing von den erzkonservativen Kardinälen und Bischöfen der Deutschen Bischofs-Konferenz behindert. Wer möchte dafür noch Kirchen-Steuern bezahlen!
    Es wird höchste Zeit, dass – wie auch in anderen Ländern – die Pflicht-Kirchensteuer abgeschafft wird. Darum sollte sich die Politik kümmern, denn das wäre auch die Umsetzung einer Mehrheitsmeinung.Vielleicht schafft es die Kath. Kirche dann, sich neu – Gläubigengerecht – aufzustellen und den Willen der meisten Gläubigen zu respektieren und umzusetzen.
    Wir sind katholisch, praktizieren unseren Glaube als getaufte Katholiken, aber sind ausgetreten, weil Wölki und die Erzkonservativen, ewig Gestrigen, jede Reform boykottieren.
    mit freundlichen Grüssen
    Karlheinz Kockmann

  5. Lieber Herr Bürgermeister a.D. Urbach, ich kann Ihnen unter Verweis auf meinen Kommentar zum Parallelbeitrag unter https://in-gl.de/2023/01/15/pilotprojekt-pastorale-einheit-erzbistum-stellt-zwei-pfarrer-in-bergisch-gladbach-frei/#comment-139314 nur zustimmen und Ihnen und Ihrer Frau Respekt zollen.
    Die Ansicht von Sr. Barbara Oppermann OP kann ich zwar nachvollziehen, denke aber dass sie in ihrer -nicht ablegbaren Rolle- einer Dominikanerin geäußert wird. Nicht, dass weniger Respekt dazu gehören würde, offen zu kritisieren und auf ein „Weiter so oder Irgendwie“ zu setzen. Aber „Wir sind Kirche“ brauchen wir nicht zu uns untereinander zu sagen, wir sind Kirche auch und immer nur und gerade in Verbindung und in der Gemeinschaft mit der allumfassenden Weltkirche (Roms). Wir, das sind die, welche Gemeinde sind, wir sind die, die Evangelium und Liebe Christi leben sollen. Die von uns wesentlich mitfinanzierte Amtskirche hat die Aufgabe, sich gerade für uns einzusetzen, sich um uns zu kümmern, zu lehren, Vorbild und Ermöglicher zu sein. Der Kardinal sollte Hirte für uns Schafherde sein – welch ein Bild! Wir können die Strukturen nicht ändern, wir können immer wieder und noch mehr Petitionen oder Unterschriftenlisten erstellen und nach Köln oder nach Rom senden. Das wird ausgesessen und wir sterben -so- aus. Daher richtig: Bitte machen Sie ihre ehrenamtlichen, caritativen Dienste weiter, die Kirche als solche hat sich in den letzten Jahren gerade dort immer mehr eingestellt bzw. auf andere Träger umorganisiert, wo sie sich hätte beweisen und betätigen sollen. Stattdessen werden junge Priester an Hochschulen verschickt, um zu promovieren oder gar zu dozieren; der notleidenden Pastoral werden (dem Kardinal zumeist dankbare) Priester zunehmend aus anderen Teilen der Welt zugeführt. – Wie auch immer: wir (Schafe) haben keine Handhabe, setzen uns mit unserem Protest nur selbst ins Abseits zur sich offiziell nennenden Kirche. – Wenn diese ganz offensichtlich nicht mehr in der Lage ist, Evangelium in heutiger Zeit umzusetzen, dann bleibt nur der -für die meisten- extrem schwere Schritt des Austritts. Auch damit verbindet sich ein Drohszenario, auf das ich hier nicht eingehen möchte. Unschwer kann man selbst anstelle Kirchensteuer gezielt geben, helfen und spenden. Und beten und miteinander verbunden bleiben, das geht auch – solange nicht noch auf die Idee gekommen wird, die wenigen Gottesdienstbesucher auf ihre formale Zugehörigkeit zu diesem unehrlichen Apparat zu überprüfen. In GL ist es bisher noch ‚gut‘ gewesen, in anderen Regionen ist der Verfall und das Aussterben viel weiter geschritten. Der Apparat zieht seine Schlinge einfach immer enger – irgendwann gibt es nichts mehr als eine kirchlich begleitete Bestattung (und das oft von Ehrenamtlichen). Es fehlt mehr und mehr an allem, von Ministranten angefangen. Obwohl so viele ältere Geistliche versterben und diese Ruhestands-Verpflichtungen der Erzdiözese somit von Jahr zu Jahr geringer geworden sind.
    Geld ist Macht – diese muss gebrochen bzw. genommen werden! Daher, recht so, lieber Herr Urbach.