Die Kapazitäten der Planer der Stadt Bergisch Gladbach reichen zur Zeit nur, um zehn Bebauungspläne voran zu treiben. Ganz oben auf der Prioritätenliste stehen aber schon mehr als doppelt so viele Wünsche. Nun legt die Verwaltung dem Stadtrat den Vorschlag für eine „verbindliche Bauleitplanung“ vor. Damit die Politik und die Bauherren klarer sehen. Auf der Liste finden sich viele bekannte Projekte, aber auch ein paar Überraschungen.

Aktualisierung 8.2.: Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Mobilität (ASM) hat die Alte Marktstraße aus der Liste der aktiv betriebenen Planungsprojekte auf eine Warteposition herabgestuft, dafür wurde ein integrierter B-Plan für das Wachendorff- und Kradepohl-Gelände hochgestuft. Die Ampelkoalition führt für die Zurücksetzung der Alten Marktstraße Kapazitätsgründe der Stadtverwaltung und die Prioritäten der Ampel an: bei Wachendorff könnten 120 Wohneinheiten im geförderten Wohnungsbau, an der Alten Marktstraße nur sechs entstehen.

Bevor ein neues Wohngebiet entstehen, oder alte Industrieflächen neu genutzt werden, muss die Stadtverwaltung in einem aufwendigen öffentlichen Verfahren einen Bebauungsplan erarbeiten, der die Rahmenbedingungen festlegt. Für Verwaltung und Politik ist dieser „B-Plan“ ein wichtiges Instrument, um die Entwicklung der Stadt zu steuern. Aber auch ein gewaltiger Zeit- und Personalfresser, der zur sehr langen Vorlaufzeit vieler Vorhaben beiträgt.

Fast 80 solcher Groß-Projekte hatten sich auf und unter den Schreibtischen der Stadt angesammelt. Kein einziges wurde 2021 abgeschlossen, einige sehr große kamen hinzu. Um damit endlich aufzuräumen hatte der Stadtrat im vergangenen Jahr zwei Entscheidungen getroffen:

Erstens wurden zwei weitere Planer-Stellen geschaffen. Eine Ausschreibung brachte aber keinen Erfolg, es wird weiter gesucht.

Zweitens trug der Stadtrat der Verwaltung auf, die alte Liste gründlich aufzuräumen, und für 2022 eine verbindliche Bauleitplanung aufzustellen. Damit klar ist, woran gearbeitet wird und was warten muss. Diese Bauleitplanung stellt die Stadt am 6. Februar im Ausschuss für strategische Stadtentwicklung und Mobilität (ASM) vor.

Die Rheinberg Passage soll aufgestockt werden und Verwaltung sowie Stadtbücherei aufnehmen. Im Bild die Rückseite, gesehen von der Paffrather Straße. Foto: Thomas Merkenich

Auf der entschlackten Liste der „aktiven Verfahren aus 2021″ stehen noch zehn bekannte Projekte – wie die Feuerwache Süd, der grüne Mobilhof, die Malteser Komturei oder das Wachendorff-Gelände – wobei es bei einigen Projekten Neuigkeiten gibt (siehe unten).

Dann sind jedoch bereites zwei Projekte auf die aktive Liste gerutscht. Sie könnten die Kapazität der Planer schon wieder überfordern, sind aber so aktuell und dringend, dass sie nicht zu ignorieren waren: die Aufstockung der RheinBerg Passage durch ein neues Stadthaus sowie die Erweiterung des Porsche Zentrums Meisheide.

Diese zwölf aktiven Projekte mit Priorität 1 bergen bereits einigen Diskussionsstoff und noch mehr Arbeit, auf die Details gehen wir weiter unten ein.

Noch spannender, weil zum Teil nicht oder nur wenig bekannt, sind zwölf weitere Projekte. Auch hier, so die Stadtplaner, bestehe die Erwartungshaltung, dass sie zügig und intensiv bearbeitet werden. Was aber nur Schritt für Schritt gehe, wenn Projekte aus der aktiven Liste abgeschlossen werden.

Hier geht es zum Beispiel um das „Mischgebiet Kradepohl“, eine Photovoltaik-Anlage in Bärbroich, ein Gewerbegebiet am Bockenberg und um Pläne von Krüger für das bestehende Unternehmensareal an der Hüttenstraße. Auch dazu unten mehr.

Das steht an: Aktive Verfahren

Feuerwache Süd: Der Neubau hat allerhöchste Priorität, mit dem Waldgelände an der Frankenforster Straße ist nach vielen Jahren auch ein verfügbares Gelände gefunden worden. Doch ob es – nicht zuletzt unter Umweltaspekten – auch geeignet ist, soll eine Machbarkeitsstudie mit vielen Teil-Untersuchungen klären. Der Aufstellungsbeschluss für den B-Plan ist bereits für März geplant. Alle Beiträge zum Thema

Mobilhof: Hier handelt es sich um den Grünen Mobilhof des regionalen Verkehrsunternehmens RVK, dass hier seine Wasserstoffbusse stationieren und betanken will. Ein auch unter Klimaschutz-Aspekten relevantes Projekt, das auch im Rahmen der Regionale 2025 stark gefördert wird. Hier soll jetzt die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit gestartet werden, parallel muss der Flächennutzungsplan geändert werden. Alle Beiträge zum Thema

Im Straßendreieck zwischen Technologiepark (oben rechts), Miltenyi Biotec (oben rechts) und der Autobahn soll der Mobilhof entstehen. Foto: Stadt GL, Ratsinformationssystem

Odenthaler Straße / Hauptstraße: Hier geht es nicht um den Fahrrad-freundlichen Umbau der Odenthaler Straße, sondern um eine Neugestaltung des Bereichs um die Brachflächen der Alten Feuerwache durch den Eigentümer EVK. Um das Projekt zu beschleunigen wurde das Gebiet zuletzt kleiner gefasst und die frühzeitige Beteiligung durchgeführt. Das Projekt soll in diesem Jahr „konsequent weiter bearbeitet werden“. Alle Beiträge zum Thema

Schlodderdicher Weg: Dahinter steht die – bei Anwohnern und Naturschützern sehr umstrittene – Erweiterung der Psychosomatischen Klinik. Die Bearbeitung ist weit fortgeschritten, eine zweite Offenlage wurde abgeschlossen, daher soll eine entsprechende Satzung im Juni beschlossen werden. Alle Beiträge zum Thema

Auf dieser Wiese soll das neue Gebäude entstehen; rechts fließt die Strunde

Alte Marktstraße: Auch dieses Wohnungsbauprojekt in Refrath wird vor Ort kritisiert, nach der Flutkatastrophe im vergangenen Jahr räumt die Stadt jetzt ein, dass „die Auseinandersetzung mit Starkregen bzw. Überschwemmungen eine vertiefte fachliche Betrachtung notwendig“ mache – und Zeit in Anspruch nehme. Alle Beiträge zum Thema

Eine weitere Brachflächen mitten in der Stadt. Die Anbauten am historischen Pavillon, der lange als Diskothek genutzt worden war, sind bereits verschwunden, das Gelände dahinter wird für das Isotec Bauprojekt vorbereitet. Foto: Thomas Merkenich

Jakobstraße: Dieser Bebauungsplan musste neu aufgestellt werden, weil das Unternehmen Isotec das ehemalige Köttgengelände im Dreieck zwischen Jakobstraße und Johann-Wilhelm-Lindlar-Straße für einen neuen Firmensitz herrichten will. Nach einigem Stillstand geht es hier jetzt rasch voran, der Satzungsbeschluss ist für März geplant. Alle Beiträge zum Thema

Auf dem Langen Feld: Diese Bezeichnung steht für das Hetzenegger-Projekt, in Herkenrath ein ganz neues Einkaufszentrum mit Supermarkt, Discounter und einigem mehr zur Nahversorgung zu erreichten. Ein überfälliges, und sehr kompliziertes Projekt. Hier seien 2021 „intensive Abstimmungen und Vor-Ort-Termine“ durchgeführt worden, berichtet die Stadt, diese müssten in diesem Jahr „zügig“ abgeschlossen werden. Erst danach seien die Voraussetzung für die Offenlage gegeben. Alle Beiträge zum Thema

Wachendorff-Gelände: In Gronau sind neue Investoren am Start, mit großen Plänen für Wohnungsbau, Seniorenheim, Kita und Parkhäusern. Eigentlich gibt es hier seit sieben Jahren einen B-Plan, doch offenbar wollen die Investoren und auch das anliegende Mischgebiet Kradepohl einbeziehen. Das könne, so die Stadtplaner, „einer intensivere Auseinandersetzung“ erfordern und zu einer B-Plan-Änderung führen. Alle Beiträge zum Thema

Malteser Komturei: Anstelle der Reithalle neben der historischen Komturei sollen Wohnhäuser entstehen. Ihre Gestaltung ist heftig umstritten, aber auch hier merkt die Stadtverwaltung an, dass nach dem Hochwasser 2021 das Thema Starkregen und Überschwemmungen an dieser Stelle neu betrachtet werden müssen. Alle Beiträge zum Thema

Am der Malteser Komturei soll die Reithalle abgerissen und durch eine Wohnbebauung ersetzt werden. Foto: Stadt Bergisch Gladbach

Bockenberg: Hinter diesem Stichwort verbirgt sich ein weiterer Flächenbedarf der stark wachsenden Firma Miltenyi Biotech, die ihre Büro- und Produktionsstätten erweitern und eine Kita bauen will. Ursprünglich war das Verfahren als wenig aufwendig eingeschätzt worden, berichtet die Stadt, doch nun seien rechtliche Probleme aufgetaucht, die eine Umplanung erforderten. Daher könne die Offenlage noch nicht beschlossen werden. Alle Beiträge zum Thema

Im Herbst 2020 hatte Stefan Miltenyi den Grundstein für neue Gebäude gelegt, die Erweiterungspläne gehen darüber aber weit hinaus. Foto: Thomas Merkenich

Stadtmitteprojekt: Hier geht es um das neue Stadthaus, das ja nun nicht mehr auf dem Kopfgrundstück vor dem S-Bahnhof gebaut sondern auf die benachbarte RheinBerg Passage aufgesetzt werden soll. Nach dem abrupten Stopp des alten Projektes in 2021 wurden die Karten völlig neu gemischt – Aussagen zum Zeitbedarf macht die Stadt derzeit nicht. Alle Beiträge zum Thema

Meisheide: Das Porschezentrum baut einen neuer Werkstattbereich, plus Parkhaus. Mehr zum Thema

Das sind alles keine kleinen Aufgaben. Und nicht wenige. Aber gleichzeitig drängen weitere 18 Projekte nach vorne:

Nachrückende Verfahren 2022

Ganz oben steht hier das Mischgebiet Kradepohl, dass – wie oben beschrieben – von den Eigentümern des Wachendorff-Geländes zum Teil mit überplant werden soll. Wenn es bei Wachendorff vorwärts gehen soll muss also auch der Kradpohl nach vorne rücken.

Beim Carpark-Gelände handelt es sich um das früher von der belgischen Armee genutzte Gelände an der Bensberger Straße in Lückerath, auf dem bislang noch die Flüchtlingscontainer stehen. Hier soll ein Kindergarten gebaut werden (und nicht auf der Lenawiese). Mehr zum Thema

Hamburger Aero Lloyd, Hamburg Luftaufnahme von Bensberg aus Süden Mitte: Belgischer Carpark an der Gladbacher Straße rechts: Gaststätte Kaisersch Baach, Gladbacher Straße 1957 Nutzungsrecht für Dritte beim Stadtarchiv veröfftl. in: Eßer, Albert: Rundflug über Bergisch Gladbach und Bensberg (WL 5/56, WM 3136), S. 62/63
Das Carpark-Gelände 1957. Foto: Aero Lloyd, Hamburg, Stadtarchiv; aus: Eßer, Albert: Rundflug über Bergisch Gladbach und Bensberg

Buchmühle: Nach dem Abschluss des Kanalisationsprojektes Strunde hoch 4 steht hier eine Wohnbebauung an, die zunächst wegen rechtlicher Probleme auf Eis lag, jetzt aber in Gang kommen könne. Geplant ist hier schon seit langem ein Mehrgenerationenprojekt, zudem könnte hier die SPD-Idee verwirklicht werden, Parkplätze mit Wohnhäusern zu überbauen.

Gleisdreieck: Dahinter verbirgt sich ein komplexe Megaprojekt, mit dem die östliche Innenstadt durch bis zu zwei neue Straßen besser erschlossen werden könnte; beteiligt sind aber auch der Ausbau der S-Bahn-Strecke – und der alte Bahndamm. Alle Beiträge zum Thema

Der Bebauungsplan Nr. 1 mit der Ortsbezeichnung „Berzelius Kernbereich“ steht auf der Liste. Damit gemeint ist das Firmengelände von Krüger an der Hüttenstraße. Hier geht es offenbar um mögliche Nutzungsänderungen in dem ohnehin industriell genutzten Gelände, und nicht um den angrenzenden Neuborner Busch. Hoffnungen des Unternehmens, dort eine neuen Unternehmenszentrale mit Parkhaus und Kita zu bauen, Kita sind nicht dagegen wohl nicht mehr akut. Alle Beiträge zum Thema

Bei der Photovoltaikanlage Bärbroich geht es um ein Projekt der Belkaw, die versucht, mit eigener Produktion seinen Ökostromanteil zu erhöhen.

Auf den weiteren Positionen folgen einige potentielle Wohnbaugebiete in Bensberg, aber auch angedachten große öffentliche Projekte und Areal, wie zum Beispiel die Neunutzung der Grundstücke der alten Stadthäuser an der Gohrsmühle, das nun wieder freie Kopfgrundstück am S-Bahnhof, die mögliche Überbauung der Parkplätze am Bahnhof Duckterath, die Stationsstraße, usw.

Aber spätestens hier ist man auf der Prioritätenliste so weit unten angelangt, dass es eine lange Zeit dauern wird, bis sich die Planer diesen Projekten widmen können. Es sein denn, er Stadtrat – und damit vor allem die Ampelkoalition – nimmt Projekte weiter oben von der Liste oder sortiert die Prioritäten neu.

Das Zanders-Areals ist auf den Listen nicht zu finden. Hier sind tatsächlich noch viele Vorarbeiten zu finden, bereits jetzt werden einige dringende Nutzungen wie zum Beispiel der Bau einer neuen Schule diskutiert. Auch das würde einen Bebauungsplan erfordern.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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5 Kommentare

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  1. Betoniert Bergisch Gladbach weiter maximal zu. Die Investoren werden ihren Champagner schon jetzt knallen lassen. Alles aufKosten vonUmwelt, Natur ,Klima und Luftqualität.
    Was nützen bunte Klimakarten und Klimaversprechen, wenn alle Flächen weitgehend komplett zugebaut werden. Paar Alibibäumchen und Fahrradstellplätze werden die Grünen schon „erkämpfen“.

    1. Ihr Vorschlag? In die Höhe bauen?
      Irgendwo müssen die Menschen wohnen, einkaufen und behandelt werden.

  2. ich verstehe das nicht. Auf der Liste steht gar nicht der neue aldi in heidkamp. Heißt das der wird gar nicht gebaut? :-(
    ich dachte das wäre schon in Bearbeitung. Wie lange müssen wir wohl noch auf einen Supermarkt warten?

  3. Hoffentlich erinnert sich die Ampel-Koalition bei der Priorisierung und Planung der Bauvorhaben noch an ihre Vereinbarung im Koalitionsvertrag von Nov/Dez 2020.

    In diesem Vertrag (Seite 7) werden für Bergisch Gladbach u.a. „Lebenswerte Quartiere“ angestrebt. Keine Verdichtung um jeden Preis, sondern Bebauung erst, wenn die für eine zusätzliche Einwohnerschaft notwendigen Kitas, Schulen, Straßen und Verkehrsverbindungen vorhanden sind.

    So jedenfalls lese ich den Text der Vereinbarung (im Wortlaut):

    „Um dies zu realisieren muss bei der Nachverdichtung die notwendige Infrastruktur in Form von Bildungseinrichtungen und Mobilitätskonzepten mitgeplant werden. Zur Schaffung von Transparenz und dem Schutz des Charakters von Ortsteilen werden wir in der Verwaltung operative Regeln für die Nachverdichtung nach §34 BauGB etablieren.“

    Diese Vereinbarung im Sinne der heutigen und zukünftigen Bürgerschaft umzusetzen, wäre ein großer Fortschritt. Es hieße, zumindest beim Wachendorff-Gelände und an der Buchmühle rechtzeitig – d.h. vorab – Lösungen zu schaffen.

  4. Schöne Zusammenfassung. Es gibt keine Wohnungen mehr. Darauf sollte der Fokus liegen / z.B. in Bensberg wie der Artikel am Ende andeutet. Eigenheime sind völlig überteuert. Daran ist nicht nur die Geldschwemme schuld. Auch lokale Politik hat wenig zur Linderung beigetragen. Nur Bestandsbesitzer sind fein raus.