Peter Lob ist Obermeister der Bäckerinnung Bergisches Land

Peter Lob plädiert als Obermeister der Bäckerinnung Bergisches Land dafür, den Auszubildenden im Bäckerhandwerk in den laufenden Tarifverhandlungen mehr Gehalt zuzugestehen – dabei aber die Kosten der Betriebe im Blick zu behalten. Die Gewerkschaft NGG fordert mehr. Und warnt vor einem „Azubi-Vakuum“.

Für die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) ist der Befund klar: Die Arbeitsbedingungen im „Frühaufsteher-Handwerk“ sind nicht einfach, die Vergütung für den Nachwuchs rangiere in den Bäckereien im unteren Drittel aller Ausbildungsberufe.

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Es sei also kein Wunder, dass sich immer weniger junge Menschen in einer Bäckerei ausbilden lassen wollten, sagt Helge Adolphs, NGG-Geschäftsführer für die Region Köln. Im Herbst 2022 habe es in den 25 Bäckereien und 21 Verkaufsfilialen in Rhein-Berg nur noch 28 Auszubildende (Herstellung und Verkauf) gegeben. Zehn Jahre zuvor waren es dreimal so viele.

Um die Ausbildung attraktiver zu machen fordert die Gewerkschaft in den laufenden Tarifverhandlungen erhebliche Zuschläge: Im ersten Schritt soll die Ausbildungsvergütung von 680 auf 850 Euro im ersten und von 885 auf 1.075 Euro pro Monat im dritten Ausbildungsjahr steigen. Später müssten die Bäckerei-Azubis dann 950 bzw 1100 Euro bekommen. Und dann sollen die Bäckereien noch ein „Ausbildungs-Ticket“ von 49 Euro oben drauf legen.

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„Was ist, wenn es beim Bäcker kein Brot mehr gibt?“

Backen und kühlen – das Bäckerhandwerk verbraucht besonders viel Energie. In der Corona-Pandemie wurden die Rohstoffe bereits viel teurer, jetzt kommen explodierende Kosten für Gas und Strom dazu. Viel Einsparpotential habe er als Nahversorger nicht, berichtet Bäckermeister Peter Lob. Konkrete Hilfe aus der Politik ist derzeit nicht in Sicht.  

Die Letzten ihres Standes: Veedelsbäcker Hubert Kürten

Keine Filialen, keine Auslieferung, Konzentration auf das Handwerk: Der „Backofen“ in Herkenrath gehört zu den kleinsten Bäckereien Bergisch Gladbachs. Seit über 75 Jahren kommen hier Brote nach bewährten Rezepten aus dem Ofen – und keine modischen Sorten. Was es mit den „faulsten Bäckern der Stadt“ auf sich hat und was den Erfolg der Veedelsbäckerei in Herkenrath ausmacht, verrät Hubert Kürten bei einem Besuch in seiner Backstube.

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Im ersten Anlauf waren die bundesweiten Tarifverhandlungen gescheitert; daher fordert NGG-Mann Adolphs vom lokalen Bäckerhandwerk, Druck auf den eigenen Verband zu machen. Eine Forderung, die weder von der Innung noch von der Kreishandwerkerschaft aufgegriffen wird.

„Für das Bäckerhandwerk begeistern“

Peter Lob, Inhaber der Bäckerei in Pfaffrath, stimmt zu, dass „nur mit einer attraktiven Ausbildungsvergütung und einer attraktiven Gestaltung der Ausbildung es in Zukunft möglich ist, junge Menschen für die Arbeit im Bäckerhandwerk zu begeistern“.

Daher sei eine bundesweite Erhöhung der Ausbildungsvergütung unbedingt erforderlich, sagt Lob. Das müsse jedoch „mit Augenmaß, Kompromissbereitschaft und einem Blick auf die wirtschaftlichen Spielräume der Bäckereibetriebe geschehen.“ Betriebe die mehr leis- ten können, so Lob, sollten das auch zu tun.

Denn es gehe tatsächlich „um nicht weniger als die Nachwuchs- und Fachkräftesicherung im Bäckerhandwerk“, sagt Lob. Dies aufs Spiel zu setzen sei „verantwortungslos gegenüber der nachfolgenden Generation und zeugt nicht von besonderer Weitsicht“.

„Spielräume in den Backstuben beachten“

Markus Otto, Geschäftsführer der Handwerkskammer und des Einzelhandelsverbands
Markus Otto, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer

Marcus Otto, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, will zu den Tarifverhandlungen nicht direkt Stellung nehmen – weil das Mandat dafür auf der Bundesebene liege.

Die Kreishandwerkerschaft wolle statt dessen mit positiven Botschaften und Aktionen der Bäckerinnung vor Ort um Azubis werben. Dazu gehörten zum Beispiel die Teilnahme an Ausbildungsmessen, die jährliche öffentliche Stollenprüfung oder Aktionen zum Tag des Butterbrotes.

Dass es an Nachwuchsfachkräften bei so gut wie allen Gewerken im Handwerk fehlt, sei schon länger klar, betont Otto. Die Mitgliedsbetriebe im Bäckerhandwerk gestalteten die Ausbildung des Nachwuchses „so attraktiv wie möglich und nach den jeweiligen Spielräumen in den Backstuben und den dortigen Abläufen“.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. wenn man sich die Tendenz der Ausbildungsquote ansieht, ist eigentlich klar, das es bis 2050 kaum noch Bäckergesellen geben wird. Für viele kleine Bäckereibetriebe wird das heißen, zu schließen. die Kosten schossen in die Höhe, und die Preise an den Brotregalen tun auch dem Kunden richtig weh!
    Ein Umdenken auch in der Mehlwahl und Brotrezepten wird notwendig sein, um Betriebe zu retten. die Vergütungszahlen der Gewerkschaften klingen wie Weihnachtsgeschenke, sind aber nicht umsetzbar, weil das Brot einfach nicht die Lobby hat wie die Eisenbahner bzw. der ÖPNV.
    Ich kaufe das Brot aus Überzeugung nur beim Bäcker. Doch die Umstellung auf Massenbetrieb wird sich fortsetzten.

    1. Ich würde gerne etwas mehr bezahlen, um handwerkliche Qualität zu bekommen. Aber das ist hier vor Ort allmählich kaum noch möglich. In Refrath gibt es inzwischen nur noch eine Verkaufsstelle von Brot und Brötchen eines „echten“ Bäckers – „Helga’s Backstube“ an der Dolmanstraße.

      Ansonsten findet man eine „Bäckerei“ mit zwei Verkaufsstellen, die nur zugekaufte Teiglinge fertigbackt, eine Verkaufsstelle der Brotfabrik Kamps und eine Verkaufstelle der Brotfabrik Merzenich.

      Die zwei letzten Handwerksbetriebe mit eigener Backstube hinter dem Laden – die Bäckerei Becker am Vürfels und die Bäckerei Eilers – sind schon lange geschlossen, und seit einige Tagen hängt in der bisherigen Filiale der Bäckerei Rasch in der Refrather Mühle ein Schild „Ladenlokal zu vermieten“.

      Schuld an dieser Entwicklung mögen auch gestiegene Energie- und Personalkosten sein, hauptsächlich haben die Bäcker aber damit zu kämpfen, dass zahlreiche Kunden sich mit den Brot- und Brötchen-Imitaten der Discounter zufrieden geben, um noch ein paar Cent zu sparen. Die Verbraucher zieht es offenbar wie die Lemminge zu in jeder Hinsicht billigen Fabrik-Lebensmitteln.