Um geflüchteten Müttern mit Kindern im Vorschulalter den Besuch eines Integrationskurses zu erleichtern, haben die Indus Holding AG, die Gemeindemitglieder von St. Johann Baptist Refrath und die Bethe-Stiftung zusammengelegt: Über 30.000 Euro stehen künftig für die Kinderbetreuung während eines ausgewählten Kurses bereit. Als Betreuungspersonal sollen Geflüchtete mit pädagogischer Vorerfahrung eingesetzt werden, die darüber eine Qualifikation als Kindertagesmutter erlangen könnten, so der Plan.

Bis zu 20 Mütter mit Kindern im Vorschulalter (3 bis 6 Jahre) sollen ab September 2023 in den Räumen von St. Johann Baptist in Refrath einen besonderen Integrationskurs, sprich Sprachkurs der VHS absolvieren können:

Während des einjährigen Kurses, der von Montag bis Donnerstag jeweils vier Stunden am Vormittag umfasst und sich insgesamt auf 700 Stunden beläuft, werden die Kinder der Kursteilnehmer:innen nebenan im Pfadfinderheim betreut. Das Angebot richtet sich vor allem an Geflüchtete aus der Ukraine, steht aber auch Menschen aus anderen Krisenregionen offen.

„Bündnis für Integration“

Möglich macht dies eine Spende von einem „Bündnis für erfolgreiche Integration”, berichtete Klaus Orth vom Kuratorium Bethe-Stiftung bei der symbolischen Übergabe des Spenden-Schecks am Dienstag im Rathaus. Die Indus Holding AG steuert 15.000 Euro bei, die Gemeindemitglieder von St. Johann Baptist sammelten bislang 7.500 Euro. Die Bethe-Stiftung wird – weitere Spenden vorausgesetzt – deren Ergebnis bis maximal 8.000 Euro verdoppeln.

Während der Integrationskurs der VHS vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge finanziert wird, fließt die Spendensumme komplett in die Kinderbetreuung ein. Sie soll als Grundstock das Projekt auch über die geplante Laufzeit von einem Jahr hinaus unterstützen, erklärt Alexander Nix von der Gemeinde St. Johann Baptist.

Sankt Johann Baptist in Refrath – hier soll der Integrationskurs mit Kinderbetreuung stattfinden, Foto: Thomas Merkenich

„Ohne Betreuungsangebot besuchen Frauen keine Integrationskurse”, macht Brigitta Opiela klar, die das Projekt mit der Kirchengemeinde angeschoben hat. Der Bedarf dafür sei enorm, ergänzt Cornelia Dick von der VHS . Die geplante Kinderbetreuung sei, nach einem dreimonatigen Kurs in 2022 an der Waldorfschule, erst das zweite Angebot dieser Art in der Stadt.

Interessenten am Integrationskurs mit Kinderbetreuung melden sich bei der VHS an – der genaue Starttermin müsse nach Angaben von Dicks jedoch noch festgelegt werden.

Qualifizierung zur Tagespflege

Mit dem Projekt könnten zugleich geflüchtete Mütter in den Arbeitsmarkt gebracht werden. So versuche man ukrainische Frauen mit pädagogischer Vorerfahrung für die Betreuung zu gewinnen, zum Beispiel Lehrerinnen oder Erzieherin, so Opiela.

Nach Klärung aller formalen Voraussetzungen könnten diese die Kinderbetreuung als Praxiszeit im Rahmen einer Qualifizierung zur Kindertagespflege nutzen. Zwei Betreuerinnen wolle man auf diese Weise in das Projekt einbringen. Der Personalansatz sei nach Prüfung der Räumlichkeiten vom Jugendamt freigegeben worden.

„Der Krieg in der Ukraine ist nichts Abstraktes”, machte Bürgermeister Frank Stein bei der Scheckübergabe klar. Mit Projekten wie dieser Kinderbetreuung könne man Solidarität mit den betroffenden Menschen praktisch demonstrieren.

war bis Anfang 2024 Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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