Am 7. Oktober 2023 ist der Kibuz Nir Oz als erster Ort Opfer der Hamas-Terroristen geworden. Foto: SBGNO e.V.

Roman Salyutov, Petra Hemming und einige Mitstreiter:innen haben den Verein „Solidaritätspartnerschaft Bergisch Gladbach – Nir Oz e.V.“ gegründet. Um finanzielle Hilfen für diesen Kibbuz an der Grenze zu Gaza zu mobilisieren und den traumatisierten Bewohner:innen zur Seite zu stehen.

Niz Oz war ein blühender Kibbuz in Israel, nur einen Steinwurf von der Grenze zum Gazastreifen entfernt. Am 6. Oktober 2023 lebten dort 450 Menschen, viele Familien mit kleinen Kindern, aber auch einige Überlebende des Holocaust. Am 7. Oktober war Niz Or der erste Ort, der von den Hamas-Terroristen überfallen wurde. 40 Menschen wurden ermordet, 68 in den Gaza verschleppt, von denen immer noch 28 nicht zurückgekehrt sind. Der Ort ist auf Jahre nicht bewohnbar, die Überlebenden wurden evakuiert.

Diese nüchternen Fakten referiert Petra Hemming, als Vorsitzende des (von der Stadt nicht anerkannten) Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft 
Ganey Tikva-Bergisch Gladbach e.V. bekannt, bei einem Pressegespräch in der VHS. Roman Salyutov, Pianist und Musikmanager, ergänzt die Fakten durch ein Video, dass die einstige Idylle des grünen Kibbuz mit furchtbaren Fotos der Zerstörung und eines blutigen Massakers kontrastiert.

Den Menschen, die dieses Massaker überlebt haben, wollen Hemming, Salyutov, die weiteren Vorstandsmitglieder Andrea Valin und Daniel Seyliev und einige Mitsteiter:innen, in den kommenden Jahren beistehen, mit finanzieller Hilfe, mit konkreten Projekten und persönlichem Austausch – der langfristig in einen echten Austausch münden soll. Dazu haben sie zu Jahresanfang den Verein Solidaritätspartnerschaft Bergisch Gladbach – Nir Oz e.V. gegründet.

Die Vorstandsmitglieder Petra Hemming, Roman Salyutov, Daniel Seyliev und Andrea Valin mit Landrat Stephan Santelmann und VHS Leiter Michael Buhleier

Roman Salyutov hatte schon kurz nach dem Massaker Solidaritätskonzerte für Israel organisiert und Spenden gesammelt; das soll in der nächsten Zeit in verschiedenen Bundesländern fortgesetzt werden, berichtet er. Wie zuvor in Sachen Ukraine müsse man den Menschen im Krieg einfach helfen.

Ein Baby war bei der Entführung neun Monate alt, morgen hat es Geburtstag. Ein Viertel seines Lebens hat es in Gefangenschaft verbracht.Roman Salyutov

Darüber hinaus hat der Verein Kontakt zur Landesregierung NRW aufgenommen, die einen Hilfsfonds von 300.000 Euro für Israel zur Verfügung gestellt hat. Ein Förderantrag werde gerade geschrieben, erläutert Hemming. Dabei unterstützt Landrat Stephan Santelmann das Projekt mit seinen Kontakten. Das Land habe klug und richtig gehandelt, mit dem Fonds eine Initialzündung zu schaffen. Nun sei es sehr positiv zu sehen, wie das Ehrenamt die Strukturen für eine Hilfe von Mensch zu Mensch aufbaut, sagt Santelmann.

Der genaue Inhalt des Antrags sei noch nicht spruchreif – aber es gehe darum, für die Menschen aus dem Kibbuz einen Ort zu schaffen, an dem sie sich treffen, Erinnerung austauschen und Gemeinsamkeit erleben können, erläutern Hemming.

Mehr Informationen: Der Verein hat bereits eine eigene Website, dort sind auch das erwähnte Video und alle geplanten Veranstaltungen zu finden. U.a. ist eine Präsentation mit Konzert zum Tag der Befreiung von Auschwitz am 28. Januar in der Otto-Hahn-Realschule geplant. Kontakt: info@bgl-niroz.de

Der Kibbuz solle „größer, schöner und wehrhafter“ wieder aufgebaut werden, bekräftigt Hemming, aber bis eine Rückkehr möglich sei werde es wenigstens zwei Jahre dauern. Im Moment arbeiteten vor Ort immer noch Spurensicherer, die Gebäude sind zum großen Teil niedergebrannt oder zertrümmert worden. Die psychologischen Folgen bei den Überlebenden, die viele der Horrortaten mit ansehen mussten, seien immens.

Der neue Verein wird zu einem großen Teil von Personen getragen, die auch im Ganey-Tikva-Verein aktiv sind, beide seien aber voneinander unabhängig und arbeiteten parallel.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Ich halte die Gründung dieses Vereins für eine sehr gute Sache, die ich gerne, wenn möglich, durch meine Mitgliedschaft unterstützen möchte. Es ist wichtig, die Erinnerung an die unglaubliche Brutalität der faschistischen Hamas-Verbrecher wachzuhalten. Gleichzeitig ist es richtig, den Überlebenden zu zeigen, dass es auch in Deutschland Menschen gibt, die an ihrer Seite stehen. Hermann-Peter Steinmüller

  2. Eine sehr gute Initiative, die ich gerne unterstütze. Danke an alle, die das möglich gemacht haben.