Kinderärztin Dr. med Uta Römer. Foto: privat

Das RS-Virus ist einer der häufigsten Erreger von Atemwegserkrankungen und kann für Säuglinge und Kleinkinder gefährlich werden. Ab Oktober gibt es einen neuen Impfwirkstoff, den die Ständige Impfkommission für Neugeborene empfiehlt: Nirsevimab. Kinderärztin Uta Römer erklärt, wie die Impfung funktioniert, wer damit immunisiert werden sollte und was Eltern sonst noch beachten können.

Die kalte Jahreszeit steht vor der Tür, und mit ihr beginnt die Hochsaison für Atemwegsinfektionen. Einer der häufigsten Erreger von Atemwegserkrankungen ist das Respiratorische Synzytial-Virus, kurz RSV, das vor allem für Säuglinge und Kleinkinder gefährlich werden kann.

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Neu in diesem Jahr ist die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) zur passiven Immunisierung mit dem neuen Wirkstoff Nirsevimab, der ab Oktober verfügbar sein wird.

Was ist RSV?

Das RSV ist ein weltweit verbreitetes, hochansteckendes Virus, das bei Menschen jeden Lebensalters saisonale Atemwegsinfektionen verursacht (Saison ist zwischen Oktober und April).

Übertragen wird das RSV hauptsächlich über Tröpfcheninfektion, aber auch über kontaminierte Oberflächen wie Hände und Gegenstände. Ansteckung ist auch vor Symptombeginn der erkrankten Person möglich.

Nach durchgemachter Infektion besteht keine Immunität gegen das Virus, da der menschliche Körper keine Langzeit-Immunität aufbaut und es verschiedene RSV-Typen gibt. Re-Infektionen sind daher häufig. Diese verlaufen jedoch meist milder als bei Erstinfektion.

Welche Symptome verursacht RSV?

Bei älteren Kindern und Erwachsenen führt das RSV meist zu milden Erkältungssymptomen, bei Säuglingen, Kleinkindern unter einem Jahr und älteren Menschen kann es jedoch schwere Erkrankungen wie Bronchiolitis und Lungenentzündung auslösen.

Ganz besonders gefährdet sind Frühgeborene, Säuglinge mit Herzerkrankungen oder chronischen Lungenerkrankungen sowie Kinder mit geschwächtem Immunsystem – jedoch sind die Hälfte der Säuglinge, die stationär aufgenommen werden müssen, vorher gesund.

Typische Symptome einer RSV-Infektion sind die einer Erkältung: Husten, Schnupfen und Fieber. Bei hohem Fieber <39 Grad Celsius, anhaltender Trinkunlust, Atemnot (angestrengtes Atmen, Atempausen, bei Babys Nutzung des Bauches zum Atmen), pfeifenden Atemgeräuschen und ggf. bläuliche Verfärbung der Lippen ist eine sofortige ärztliche Behandlung notwendig!

Wiederholte Infekte im ersten Lebensjahr sind mit einem erhöhten Risiko für Asthma in der Kindheit assoziiert.

Neuer Schutz: Nirsevimab

Ab Oktober 2024 empfiehlt die STIKO eine passive Immunisierung gegen RSV mit dem Wirkstoff Nirsevimab (Handelsname Beyfortus). Im Gegensatz zu klassischen Impfungen, die das Immunsystem zur Bildung eigener Antikörper anregen, werden bei der passiven Immunisierung bereits fertige Antikörper verabreicht.

Nirsevimab wird als Einzeldosis verabreicht und schützt während der gesamten RSV-Saison. Das Risiko einer schweren RSV-Erkrankung wird bei Säuglingen unter einem Jahr, die ein erhöhtes Risiko für schwere RSV-Verläufe haben, durch die neue Impfung um etwa 80 Prozent verringert.

Wer und wann sollte immunisiert werden?

Die STIKO empfiehlt die Immunisierung für alle Neugeborenen und Säuglinge im ersten Lebensjahr vor bzw. während ihrer ersten RSV-Saison.

Der Impfzeitpunkt ist abhängig vom Geburtsmonat Ihres Kindes:

  • Bei Geburt im April – September (vor der RSV-Saison): Gabe im September – November
  • Bei Geburt im Oktober – März (also während der RSV-Saison): Gabe so früh wie möglich in den ersten Lebenstagen (z.B. bei der U2)

Dieser Text ist zuerst im Newsletter „GL Familie“ erschienen. Er richtet sich an die Eltern (und Großeltern) jüngerer Kinder, hier können Sie ihn kostenlos bestellen.


Kinder, die schon eine erste RSV-Saison erlebt haben, haben sehr wahrscheinlich mindestens eine RSV-Infektion durchgemacht und haben bei wiederholten Infektionen ein geringeres Risiko für einen schweren Verlauf.

Die Zulassung für die Gabe von Nirsevimab bei Kindern mit hohen Risiko einer schweren RSV-Infektion (z.B. bei chronischer Erkrankung) in der zweiten RSV-Saison wird im Sommer 2024 erwartet und wird dann erneut von der STIKO bewertet werden.

Was sollten Eltern beachten?

Eltern sollten sich frühzeitig beim Kinderarzt oder der Kinderärztin über den neuen Wirkstoff Nirsevimab informieren und die Immunisierung für ihr Baby planen. Die passive Immunisierung bietet eine wichtige Schutzmaßnahme, die das Risiko einer schweren RSV-Infektion deutlich senken kann.

Dennoch bleibt es wichtig, auf allgemeine Hygienemaßnahmen zu achten: Regelmäßiges Händewaschen und das Vermeiden von engen Kontakten zu erkälteten Personen tragen ebenfalls dazu bei, das Infektionsrisiko zu senken.

Wir wünschen Ihnen und Ihrer Familie einen entspannten Spätsommer und einen gesunden Start in den Herbst!

Ihre Dr. med. Uta Römer und das gesamte Praxisteam

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie u.a. auf Kinderärzte-im-Netz, der Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, STIKO und der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Hier geht es zur Webseite meiner Gemeinschaftspraxis für Kinder- und Jugendmedizin in Refrath.


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Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin. Sie hat eine Praxis in Refrath.

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