Franziska Hock leitet die Katholische Ehe-, Familien- und Lebensberatung. Foto: privat

Was trägt eine Partnerschaft langfristig – auch über die erste Phase der Verliebtheit hinaus? Ein Modell von Holger Kuntze beschreibt drei zentrale Ebenen für eine gelingende Beziehung: Leidenschaft, Gemeinschaft und Freundschaft. Franziska Hock von der Katholischen Ehe-, Familien- und Lebensberatung erklärt, welche Ebene häufig vernachlässigt wird – und wie man ihr mehr Raum geben kann.

Die Leidenschaft steht am Anfang vieler Beziehungen. Sie ist geprägt von Leichtigkeit, Spontanität und einer spielerischen, lebendigen Form der Liebe. In dieser Phase erleben Paare ein intensives Gefühl von Verbundenheit, genießen den Moment und begegnen einander oft mit Offenheit, Kreativität und Freude. Diese Qualität ist wertvoll – verändert sich jedoch im Laufe der Zeit.

Mit zunehmender Dauer der Beziehung tritt die Ebene der Gemeinschaft stärker in den Vordergrund. Aus der spontanen Verbindung wird ein bewusstes Miteinander. Themen wie Absprachen, Verbindlichkeit, Verantwortung und gemeinsame Planung gewinnen an Bedeutung.

Paare beginnen, ihre Beziehung aktiv zu gestalten, Entscheidungen zu treffen und Strukturen zu entwickeln. Diese pragmatische Form der Liebe schafft Stabilität und Orientierung im Alltag.

Die Herzensebene

Viele Paare pendeln zwischen diesen beiden Ebenen – zwischen Gefühl und Verstand, zwischen Spontaneität und Sicherheit. Dabei bleibt jedoch häufig eine dritte, wesentliche Dimension unberücksichtigt: die Freundschaftsebene.

Dieser Text ist zuerst im Newsletter „GL Familie“ erschienen. Er richtet sich an die Eltern (und Großeltern) jüngerer Kinder, hier können Sie ihn kostenlos bestellen.

Die Freundschaftsebene bildet die Herzensebene der Partnerschaft. Sie zeigt sich in einer Haltung von Milde, Mitgefühl und aufrichtiger Zuwendung. Hier geht es weniger um Tun oder Lösen, sondern um ein präsentes Dasein füreinander.

Freundschaft in der Partnerschaft bedeutet, dem anderen zuzuhören, ihn ernst zu nehmen, ihm Vertrauen zu schenken und ihm in herausfordernden Momenten Halt zu geben – ohne vorschnelle Bewertung oder Lösung.

Die Bedeutung der Freundschaftsebene zeigt sich besonders im Alltag. Kommt z.B. ein Partner / eine Partnerin nach Hause und berichtet von einem belastenden Erlebnis im Beruf, reagiert das Gegenüber häufig aus Gewohnheit: mit Unsicherheit oder dem Versuch, sofort Lösungen anzubieten – etwa durch Tipps, Ideen oder aufmunternde Worte.

Emotionale Resonanz

So gut gemeint diese Reaktionen sind, sie greifen oft zu kurz. Der schnelle Griff zu Vernunft und Problemlösung kann dazu führen, dass sich die betroffene Person nicht in ihrer Not gesehen fühlt.

Entscheidend ist in diesem Moment: emotionale Resonanz. Der Partner braucht vor allem Aufmerksamkeit, Verständnis und Sicherheit. Ein zugewandtes Zuhören, eine unterstützende Geste oder klare Sätze wie „Ich bin für Dich da“, „Du kannst dich auf mich verlassen“ oder „Wir stehen das gemeinsam durch“ wirken oft stärker als jede unmittelbare Lösung.

Erst wenn sich ein Mensch in seiner Situation wahrgenommen und angenommen fühlt, entsteht innere Ruhe, und aus der heraus können konstruktive Lösungen möglich werden.

Zum Abschluss einige Fragen zur Reflexion:

  • Wie reagieren Sie in belastenden Momenten eher – mit Lösung, Rückzug oder Präsenz?
  • Gelingt es Ihnen, Ihrem Partner / Ihrer Partnerin zunächst einfach zuzuhören, ohne sofort zu bewerten oder zu handeln?
  • Wo könnten Sie der Freundschaftsebene in Ihrer Beziehung mehr Raum geben?

Und ein Hörtipp: Podcast von Holger Kuntze zum Thema „Liebe ist eine Entscheidung“


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leitet seit 2021 die Katholische Ehe-, Familien- und Lebensberatung Bergisch Gladbach. Nach der Ausbildung zur Krankenschwester studierte sie „Soziale Arbeit“ und schloss einen Master of Counseling in Ehe-, Familien- und Lebensberatung ab. Eine Ausbildung zur systemischen Familientherapeutin ergänzt...

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