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Großeltern spielen im Alltag vieler Familien eine wichtige Rolle. Nicht selten knallt es aber auch mal, wenn unterschiedliche Generationen mit unterschiedlichen Vorstellungen aufeinanderprallen. Vera Gunawan von der Evangelischen Beratungsstelle beschreibt konkret an einem Beispiel, wie sich solche Konflikte lösen lassen – und wie alle Seiten davon profitieren.

Seit einigen Jahren geraten Großeltern immer mehr in den Fokus des Interesses. Die jetzige Großelterngeneration ist agil, voller Engagement und möchte noch Anteil haben am Leben ihrer Kinder und Enkelkinder. Die Beziehungen zwischen den Generationen werden bedeutsamer und verbessern sich.

Für die Familien gewinnen Großeltern an Bedeutung. Das Aufwachsen von Kindern in Deutschland ist häufig eingebettet in ein Unterstützungsnetz der Großeltern, die die Eltern bei der Kinderbetreuung oder im Fall von Krankheit unterstützen. Oma oder Opa stehen den Eltern auch häufig als Gesprächspartner bei wichtigen Fragen zur Verfügung.

In vielen Fällen harmonieren die Generationen und unterstützen sich gut. Doch gerade in der Kindererziehung gibt es öfters unterschiedliche Ansichten sowie unterschiedliche Wertevorstellungen, was zu Konflikten zwischen den Generationen führen kann.

Unterschiedliche Erziehungsvorstellungen

In der heutigen Erziehung wird das Kind als eigenständige Persönlichkeit mit eigenen Bedürfnissen und Rechten angesehen. Es erhält ein großes Mitsprache- und -bestimmungsrecht. Die Erziehung ist geprägt von viel Kommunikation, Verhandlung und Kompromissen.

So darf z.B. das Kita-Kind mit aussuchen, was es am nächsten Tag in der Kita anziehen darf. In unserem Beispiel findet die Oma dieses Prozedere übertrieben. Sie weiß doch mit Gewissheit , dass es sich morgen warm anziehen muss, weil es kalt werden soll. Sie legt der Enkelin eine lange dicke Hose raus, denn sie möchte, dass die Enkelin sich nicht erkältet.

Die Enkelin möchte aber ihre Lieblingskniestrümpfe mit den bunten Punkten anziehen. Diese hat sie von ihrer Lieblingstante zum Geburtstag geschenkt bekommen. Sie bringen ihr Glück, und das braucht sie morgen besonders dringend.


Dieser Text ist zuerst im Newsletter „GL Familie“ erschienen. Er richtet sich an die Eltern (und Großeltern) jüngerer Kinder, hier können Sie ihn kostenlos bestellen.


Wessen Bedürfnis ist wichtiger?

Zwischen Oma und Enkelin entsteht Frust. Jede hat ein anderes Bedürfnis. Beide Bedürfnisse sind berechtigt, befriedigt zu werden. Die Tochter bzw. die Mutter des Kindes bezieht in diesem Konflikt Stellung und hält zu ihrem Kind, dessen Bedürfnis für sie an erster Stelle steht.

Die Oma findet es nachlässig von der Mutter, nicht die Gesundheit des Kindes an erster Stell zu setzten. Wer hat nun Recht? Wer setzt sich durch? Wer unterliegt, wer gewinnt?

Diese Fragen stellen sich meistens bei Konflikten jeglicher Art. Es geht häufig um Macht und Niederlage. Laut T. Gordon (amerikanischer Psychologe, Familientherapeut) liegt die Konfliktlösung darin, dass beide siegen, weil sie eine annehmbare Lösung gefunden und eine gegenseitige Abmachung getroffen haben.

Ein Kompromiss, von dem beide profitieren

Symbolbild: Alejandro Ortiz/Unsplash

Der Kompromiss in unserem Beispiel sieht wie folgt aus: Das Kind zieht eine lange Strumpfhose an, darüber seine bunten Kniestrümpfe und eine kurze Shorts. In der Kita wird der neue Kleidungsstil sehr wohlwollend zur Kenntnis genommen.

Von dem Kompromiss profitieren beide Seiten: Die Enkelin fühlt sich ernst genommen in ihrem Wunsch. Sie findet mit Oma eine kreative Lösung. Sie erfährt, dass sie etwas bewirken kann. Das stärkt ihr Selbstwertgefühl. Sie wertschätzt aber auch Omas Sorge um ihre Gesundheit.

Die Oma erfährt, dass es sehr wohl wertvoll ist, sich Zeit für die kleinen Alltäglichkeiten des Lebens zu nehmen. Sie könnte genauer hinhören, um die versteckten Botschaften zu bemerken. Es könnte hilfreich sein, nicht über den Kopf der Enkelin zu entscheiden. Sie wird darüber informiert, warum die Enkelin einen Glücksbringer braucht.

Beide kommen mehr in Kontakt und Beziehung miteinander. Die Oma-Enkel-Beziehung wird gestärkt. Außerdem weitet sich Omas Blickwinkel für neue kreative Lösungen. Dies fordert Flexibilität und Offenheit ein und hält jung und fit.

Konflikt zwischen Mutter und Oma

Die Aussage der Oma, Gesundheit steht an erster Stelle, erlebt die Mutter des Kindes als Kritik. Sie gewinnt den Eindruck, dass ihre eigene Mutter sie für eine schlechte Mutter hält, die sich nicht gut ums Kind kümmert. Eigentlich wünscht sie sich Anerkennung seitens ihrer Mutter. Gleichzeitig ist sie stolz darauf, so eine patente Tochter zu haben, die gut für sich zu sorgen weiß.

Die Oma fühlt sich hingegen von ihrer Tochter nicht ernst genommen. Sie fragt sich, ob und was sie überhaupt in der Familie an Einfluss haben darf. Darf sie noch etwas sagen oder tun? Sie hat es doch nur gut gemeint. Sie ist verunsichert.

Auch hier wäre es hilfreich, ein klärendes Gespräch zu führen, ohne Vorwurf. Beide Seiten sind um das Wohl des Kindes bemüht. Sie haben aber unterschiedliche Vorstellungen von der Umsetzung. Unterschiedliche Sichtweisen, Bewertungen und Bedürfnisse werden sichtbar und sollten wie in unserem Beispiel konstruktiv besprochen werden.

Konfliktlösung in sechs Schritten

Manchmal kann eine Klärung schwierig sein oder sogar eskalierend. Dann kann es hilfreich sein, jemand drittes hinzuzuziehen, der neutral ist und zwischen den streitenden Parteien vermitteln kann.

Nach T. Gordon gibt es sechs Schritte zur Konfliktlösung:

  1. Das Problem identifizieren und definieren
  2. Alternative Lösungen entwickeln
  3. Alternative Lösungen bewerten
  4. Eine Entscheidung treffen
  5. Die Entscheidung durchführen
  6. Die Lösung überprüfen und neu bewerten

Haben Sie selbst eine Frage an unsere Expertinnen im Familienrat? Dann schreiben Sie uns bitte: redaktion@in-gl.de

Evangelische Beratungsstelle Bensberg

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