Einige Anwohner der Katterbachstraße sind irritiert: Droht dem Wald hinter ihren Häusern der Kahlschlag, nachdem die Stadt die Ländereien der Siemens-Familie gekauft hat? Mehr als 30 zum Teil sehr große Bäume sind mit auffälligen Zahlen markiert. Tatsächlich aber, erläutert die Stadt, handele es um überfällige Sicherungsmaßnahmen, die in allen neu erworbenen Flächen anlaufen. Wie viele Bäume gefällt werden sollen, legt sie jedoch nicht offen.

Östlich der Katterbachstraße beginnt ein Waldstück, das sich bis Dellbrück erstreckt und von der Anwohnerschaft gerne genutzt wird. Große Teile des Areals bis hinüber zum Kombibad Paffrath und zur Diepeschrather Mühle gehören zu den Ländereien, die die Stadt Bergisch Gladbach vor einem Jahr von der Siemens-Familie gekauft hatte. Ebenso wie in den Wäldern rund um Schloss Lerbach kommt die Stadt nun ihren neuen Aufgaben nach – und sorgt damit vor Ort für einige Unruhe.

Insgesamt mehr als 30 Bäume im Katterbacher Wald sind mit auffälligen Zahlen in verschiedenen Farben gekennzeichnet, die sich für Außenstehende nicht entschlüsseln lassen. Immerhin hat ein Förster, den Spaziergänger im Wald ansprachen, bestätigt, dass einige Bäume gefällt werden sollen.

Ein Nachfrage bei der Stadtverwaltung bestätigt diese Information. Allerdings bedeute die Tatsache, dass ein Baum markiert wurde, kein Todesurteil. In vielen Fälle reiche wahrscheinlich eine Entfernung von bereits toten Ästen aus, sagt eine Sprecherin der Stadt.

Nach dem Ankauf der Wälder hatten die Förster der von der Stadt beauftragten Holzkontor Rhein-Berg-Siegerland GmbH damit begonnen, alle Waldränder und Wege abzugehen und Gefahren aufzuspüren. Bei allen Maßnahmen gehe es nicht etwa um Holzgewinn, sondern allein „um die Sicherheit der Waldbesucher“, betont die Sprecherin. Beziehungsweise der Anwohner:innen, denn viele der markierten Bäume stehen direkt an der Bebauungsgrenze.

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36 Hektar Land hatte die Stadt von der Papierfabrik Zanders übernommen. Jetzt kommen rund 240 Hektar von der Familie von Siemens dazu. Im Gegensatz zur Industriebrache können diese Flächen in der Regel nicht bebaut oder vermarktet werden, das Potenzial für die Stadt ist dennoch groß. Ökologisch und ökonomisch. Neben Wäldern, Wiesen und Äcker in Sand und Heidkamp rund um Schloss Lerbach gehören auch einige FNP-Flächen dazu.

Bei dieser Routineaufgabe – die nur aufgrund der eher spärlichen Kontrollen der Siemens-Flächen in der Vergangenheit jetzt umfangreicher ausfallen – befinde sich die Stadtverwaltung in der Pflicht, sagt die Sprecherin.

Wieviele Bäume werden gefällt?

Offen bleibt jedoch, wieviele und welche Bäume gefällt werden müssen. Diese Bäume seien zwar von der Forstbetriebsgemeinschaft in einer „Maßnahmentabelle“ klar definiert worden, sagt die Stadt. Diese Tabelle sei jedoch eine „interne Arbeitsvorlage“ und werde nicht veröffentlicht.

Zu einer direkten Kompensation der zu fällenden Bäume ist die Stadt nicht verpflichtet. Da es sich um forstliche Flächen handelt, gilt hier die Baumschutzsatzung nicht. Wo die Notwendigkeit von Aufforstungen erkannt werde, werde diese auch durchgeführt, erläutert der zuständige Förster Conradin von Detten.

Zwar sei auch in den vergangenen Jahren Bäume in den Siemens-Wäldern nachgepflanzt worden, dann aber nicht ausreichend gepflegt, sagt Detten. Auch hier werde jetzt nachgearbeitet. Oberstes Ziel sei es, die Wälder durch eine natürliche Verjüngung zu stärken.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Warum kommuniziert die Stadt nicht offen, welche Bäume gefällt werden müssen? Ein schräger roter Strich ist normalerweise ein klares Zeichen dafür. Wenn die Bürgerinnen und Bürger nachher vor vollendete Tatsachen gestellt werden, ist immer schlechter als vorher in einen Dialog zu treten.
    Für das Leitbild der Waldbewirtschaftung sollten auch die Umweltverbände zu Rate gezogen werden. Diese haben auch gemeinschaftlich ein Papier erarbeitet. Wann spricht die Verwaltung wenigstens mit denen und hört deren Vorschläge? Da geht noch was! Mehr Transparenz und Bürgernähe bitte!

  2. Vielen Tieren Lebensraum,
    für den Sauerstoff ein Quell,
    für gesundes Klima essenziell;
    das ist unser Freund, der Baum.

    UNSER FREUND, DER WALD

    Tornados, Hitze, Wassernot;
    Feuer wüten in Wald und Flur.
    Das Wetter gerät aus dem Lot,
    Klimawandel zieht seine Spur.

    Borkenkäfer in der Kiefer,
    auch zur Fichte zieht Geziefer.
    Statt sattes Grün und Waldeslust,
    kranke Bäume und Förster’s Frust.

    Profitgier lässt Wälder schwinden,
    fördert weltweit Umweltsünden.
    Die grüne Lunge des Planeten
    in Gefahr, da hilft kein Beten.

    Zu viele Buchen und Eichen
    mussten schon der Kohle weichen.
    Retten wir den herrlichen Wald,
    bewahren die Artenvielfalt.

    Das oberste Gebot der Zeit
    muss heißen Nachhaltigkeit.
    Statt nur nach Profit zu streben,
    im Einklang mit der Natur leben.

    Ökonomie und Ökologie im Verein,
    der blaue Planet wird uns dankbar sein.

    Rainer Kirmse , Altenburg

    Herzliche Grüße aus Thüringen

  3. Ich verstehe nicht, wieso die Redaktion sich hier zum Sprecher der Stadtverwaltung machen muss. Warum lässt sie diese nicht selber sprechen?

  4. Bei Holzkontor Rhein-Berg-Siegerland stehen eindeutig holzwirtschaftliche Interessen im Vordergrund. Deshalb ist doch die Frage, ob die Stadt die Verantwortung für den Wald damit in die richtigen Hände gelegt hat.

    Google gibt die Meinung von Greenpeace wieder, wenn es hier heißt
    “Bisher steht die Wirtschaftlichkeit von Wäldern im Mittelpunkt – der kurzfristige Profit mit Holz als Rohstoff. In der Vergangenheit führte dies zur Ausbeutung der Wälder und dem Anlegen von Monokulturen. Aus lebendigen Wäldern sind Holzplantagen geworden. Dabei ist der Wald so viel mehr als nur ein Holzlieferant!”
    Diese Meinung enspricht wahrscheinlich auch der Meinung der Bürgerschaft, oder?

    1. Das Holzkontor ist hier im Auftrag der Stadt Bergisch Gladbach tätig. Und die hat sich eindeutig festgelegt, wie im Beitrag nachzulesen: Bei allen Maßnahmen gehe es nicht etwa um Holzgewinn, sondern allein „um die Sicherheit der Waldbesucher“.

  5. Das Bürgerportal setzt die Ausdrücke„Maßnahmentabelle“ und „interne Arbeitsvorlage“ zu Recht in Anführungszeichen. Wird hier doch Geheimniskrämerei und Verbergung vor der Öffentlichkeit mal wieder hinter unzugänglichen Vokabeln versteckt. Weil die Verwaltung mal wieder Dinge betreibt, die wahrscheinlich nicht im Sinne der Bürger sind. Und die Politik, sprich die gewählte Vertretung der Bürgerschaft, sagt mal wieder nichts dazu.

    1. Gibt es nicht eine Auskunftspflicht in Deutschland die eingefordert werden könnte?

      Immerhin haben wir bei diesem Thema nicht das Problem, dass irgendwer irgendwelche Persönlichkeitsrechte gelten machen kann, die verletzt werden könnten.