Kinderärztin Dr. med Uta Römer. Foto: privat

Der Herbst bringt nicht nur bunte Blätter und kühlere Temperaturen, sondern auch die Grippesaison. Eine wirksame Möglichkeit, sich und seine Mitmenschen zu schützen, bietet die Grippeimpfung. Doch warum ist die Impfung so wichtig, wer sollte sich impfen lassen, und wann ist der richtige Zeitpunkt? Das erklärt Kinderärztin Uta Römer in dieser „Sprechstunde“.

Die Influenza, besser bekannt als Grippe, ist eine hoch ansteckende Virusinfektion, die jedes Jahr Millionen Menschen betrifft – unabhängig vom Alter. Besonders in den kälteren Monaten breiten sich Grippeviren rasant aus.

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Die Grippe ist nicht mit einer einfachen Erkältung zu verwechseln. Während Erkältungen milder verlaufen, ist die Grippe eine ernsthafte Erkrankung, die plötzlich mit hohem Fieber, trockenen Husten, starken Kopf- und Gliederschmerzen, Schüttelfrost und extremer Erschöpfung beginnt.

Der Krankheitsverlauf kann schwerwiegend sein und zu Komplikationen wie Lungenentzündungen, Mittelohrentzündungen, Herzmuskelentzündungen bis hin zum Multiorganversagen führen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, kleine Kinder, Schwangere und Menschen mit chronischen Erkrankungen. Aber auch gesunde Erwachsene können schwer erkranken oder das Virus unbewusst weiterverbreiten.

Warum ist die Grippeimpfung so wichtig?

Die Grippeimpfung schützt nicht nur vor einer schweren Erkrankung, sondern hilft auch, die Ausbreitung des Virus in der Bevölkerung einzudämmen. Besonders in der kalten Jahreszeit, in der sowieso besonders viele Viren grassieren, ist der Schutz vor weiteren Infektionen entscheidend.

Es ist wichtig zu betonen, dass die Grippe nicht nur ältere Menschen betrifft. Auch Kinder, die in Kindergärten oder Schulen eng mit anderen Kindern zusammen sind, spielen eine große Rolle bei der Verbreitung der Viren. Eine Grippewelle kann ganze Familien und Gemeinschaften lahmlegen, daher ist die Impfung für viele von Vorteil.

Wer sollte sich impfen lassen?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Grippeimpfung vor allem (aber nicht ausschließlich) für folgende Personengruppen:

  • Menschen ab 60 Jahren
  • Schwangere ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel
  • Personen mit chronischen Erkrankungen (z. B. Asthma, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen)
  • Bewohner von Alten- und Pflegeheimen
  • Menschen, die in Gesundheitseinrichtungen arbeiten oder regelmäßig Kontakt zu Risikogruppen haben
  • Kinder ab 6 Monaten mit erhöhtem Gesundheitsrisiko aufgrund von Vorerkrankungen
  • Personen wie beispielsweise Angehörige und Pflegende, die Personen im selben Haushalt gefährden können
  • Menschen, die in großen Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen, Kitas oder Pflegeheimen arbeiten

Auch wer beruflich viel reist oder in engen Kontakt mit vielen Menschen kommt, profitiert von einem zuverlässigen Schutz und schützt damit auch andere.


Dieser Text ist zuerst im Newsletter „GL Familie“ erschienen. Er richtet sich an die Eltern (und Großeltern) jüngerer Kinder, hier können Sie ihn kostenlos bestellen.


Wann sollte man sich impfen lassen?

Der beste Zeitpunkt für die Grippeimpfung ist der Herbst, vorzugsweise zwischen Oktober und November. Es dauert etwa 10 bis 14 Tage, bis der Körper einen vollständigen Immunschutz aufgebaut hat. Die Grippewelle beginnt meist im Dezember und erreicht ihren Höhepunkt in den ersten Monaten des neuen Jahres, weshalb es ratsam ist, sich frühzeitig impfen zu lassen.

Da sich die Grippeviren ständig verändern, wird der Impfstoff jedes Jahr an die aktuellen Virusvarianten angepasst. Daher sollte die Impfung jährlich aufgefrischt werden, um einen optimalen Schutz zu gewährleisten.

Welche Impfstoffe gibt es?

  • Totimpfstoff: Standardimpfstoff, der für die meisten Menschen (ab 6 Monaten) geeignet ist und als Spritze verabreicht wird.
  • Lebendimpfstoff: Als Nasenspray für gesunde Kinder und Jugendliche zwischen 2 und 17 Jahren sowie für Erwachsene bis 50 Jahren ohne Risikofaktoren empfohlen.
  • Hochdosierter Totimpfstoff für Menschen ab 60: Speziell entwickelt, um älteren Menschen besseren Schutz zu bieten, da ihr Immunsystem schwächer auf Standardimpfstoffe reagiert.

Es ist wichtig, sich von Ihrem Arzt oder Ärztin beraten zu lassen, welcher Impfstoff für Ihre Situation am besten geeignet ist. Jeder Impfstoff trägt dazu bei, das Risiko einer Grippeinfektion und damit verbundener Komplikationen deutlich zu verringern.

Wie gut schützt die Grippeimpfung?

Die Grippeimpfung bietet keinen 100-prozentigen Schutz vor einer Infektion, kann jedoch die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung erheblich verringern. Zudem zeigen Studien, dass eine Impfung den Krankheitsverlauf mildern kann, falls man doch erkrankt.

Vor allem schützt die Impfung vor schwerwiegenden Komplikationen wie Lungenentzündung, die besonders bei älteren Menschen oder Personen mit Vorerkrankungen lebensbedrohlich sein können.

Darüber hinaus schützt die Impfung auch die Gemeinschaft. Menschen, die geimpft sind, stecken seltener andere an. Dies ist besonders wichtig für diejenigen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können, wie z.B. Neugeborene oder Menschen mit Immunschwäche.

Gibt es Nebenwirkungen der Grippeimpfung?

Nebenwirkungen sind in der Regel mild. Es kann zu einer leichten Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle kommen, manchmal treten leichte grippeähnliche Symptome wie Müdigkeit oder Kopfschmerzen auf, die nach ein paar Tagen wieder verschwinden. Schwere Nebenwirkungen sind äußerst selten.

Fazit

Die Grippeimpfung ist eine einfache, sichere und effektive Methode, um sich und andere vor einer potenziell schweren Erkrankung zu schützen. Besonders für Risikogruppen, aber auch für gesunde Menschen, die viel Kontakt zu anderen haben, ist die Impfung eine sinnvolle Vorsorgemaßnahme.

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, um herauszufinden, ob die Grippeimpfung für Sie und Ihre Familie empfehlenswert ist, und planen Sie, sich rechtzeitig impfen zu lassen, um die Grippesaison gut zu überstehen.

Ihre Dr. med. Uta Römer und das Praxisteam

Weitere Informationen finden Sie u.a. auf den Seiten des Robert-Koch-Instituts, der STIKO und des Paul-Ehrlich-Instituts. Hier geht es zur Webseite meiner Gemeinschaftspraxis für Kinder- und Jugendmedizin in Refrath.


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Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin. Sie hat eine Praxis in Refrath.

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  1. Ich habe mich Freitag gegen Grippe und Covid impfen lassen. Impfen überzeugt mich hätten wir nie geimpft wären Kinderlähmung Pocken Tetanus Hepatitis unsere Probleme. Die Kinder können wir vor Diphtherie Keuchhusten Masern Mumps und Windpocken schützen. Das ist die Errungenschaft unserer Zeit. Dafür sollten wir dankbar sein.

    1. Und manchmal kommt auch noch ganz unerwartet Jahrzehnte später ein positiver Effekt: Die jenigen unter uns, die noch standardmäßig gegen Pocken geimpft wurden, sind mit großer Sicherheit auch vor Mpox geschützt – wenn das mal um die Welt zieht, dürfte es leicht einzudämmen sein (wobei man damit natürlich auch jetzt schon in Afrika beginnen muss).

      1. Traurig, dass es sogar Ärzte gibt, die sich scheinbar mit den Impfungen nicht auskennen.
        Von einem eigentlich garnicht so jungen Arzt wurde ich mal gefragt, woher ich diese lustige rundliche Narbe auf dem Oberarm habe.