Nina Tackenberg leitet in Elternzeitvertretung die Katholische Ehe-, Familien- und Lebensberatung Bergisch Gladbach. Foto: Daniel Schubert

Im Familienalltag einfach mal innezuhalten ist gar nicht so einfach. Es hilft dabei, den Fokus auf das zu richten, was gut läuft und schön ist – und so auch festgefahrene, nicht so gute Verhaltensweisen zu ändern. Was das mit Bäumen zu tun hat und mit einem Angebot der Katholischen Ehe-, Familien- und Lebensberatung, schreibt deren Leiterin Nina Tackenberg.

Paare und Familien, die in unsere Beratungsstelle kommen, berichten immer wieder davon, dass „der Alltag alles zuschütte“, dass die Tage zu voll mit Aufgaben verschiedenster Art seien. Sie erzählen, dass es durchaus Ideen gegeben habe, Unmut und Streitigkeiten zu beenden, die dann aber nicht beibehalten worden seien – im Stress des Alltags sei irgendwie doch alles beim Alten geblieben.

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Der Beratungsraum kann dazu genutzt werden, innezuhalten. Die wahrgenommenen Schwierigkeiten zu betrachten, und gleichzeitig aber auch das, was gerade gelingt und Hoffnung macht, eine Veränderung zu schaffen.

Genau das ist es dann, was viele Menschen mit zu sich nach Hause nehmen: das feste Vorhaben, öfter mal innezuhalten, durchzuatmen und auch auf das zu schauen, was gelingt, was Freude macht, was gut tut. Das lässt die Schwierigkeiten nicht auf wundersame Weise verschwinden, und doch kann es beitragen zu einer etwas entspannteren Haltung, die vielleicht anderes Verhalten ermöglicht.

Eine Beziehung wie ein Baum

Der Alltag und seine ausgetretenen Pfade sind oft sehr mächtig, so dass bei der Ehe-, Familien- und Lebensberatung die Überlegung entstand, ein kleines Ritual anzubieten, um dem Vorhaben des Innehaltens mehr Raum zu geben. Rituale begleiten die Menschheitsgeschichte schon lange Zeit – sie schaffen Bedeutung und Ordnung,  sie heben etwas aus dem alltäglichen Einerlei heraus und können so Motivation schaffen, etwas Neues zu beginnen und auch durchzuhalten.

Als Symbol wurde der Baum gewählt, weil sich viele Parallelen zu Beziehungen finden lassen: Der Baum ist etwas Lebendiges und Gewachsenes, etwas, das Veränderungen unterliegt – Äste werden bewusst abgesägt oder brechen im Sturm. Neue wachsen nach. Das Laub kommt und geht, verändert seine Farbe, seine Größe.

Baum und Beziehung benötigen Pflege. Ein Baum kann ohne Wasser, Licht und Nährstoffe nicht gedeihen. Es gibt Zeiten, wo das Wachstum selbstverständlich wirkt, und dann – wie in den vergangenen Dürresommern erlebt – wird plötzlich deutlich, dass es eine Auseinandersetzung mit Wachstumsbedingungen braucht, dass manchmal Anstrengung und Mühen notwendig werden, um die Bäume gesund zu erhalten.


Dieser Text ist zuerst im Newsletter „GL Familie“ erschienen. Er richtet sich an die Eltern (und Großeltern) jüngerer Kinder, hier können Sie ihn kostenlos bestellen.


Dritte Baumpflanzaktion der EFL

Im Januar wird nun bereits die dritte Baumpflanzaktion der beiden EFL-Beratungsstellen in Gummersbach und Bergisch Gladbach stattfinden, dieses Mal in Kooperation mit der Kirchengemeinde St. Peter und Paul in Engelskirchen. „Beim ersten Mal ist es neu, beim zweiten Mal ist es Wiederholung, beim dritten Mal Tradition“, lautet ein Sprichwort aus dem Rheinland.

Zunächst als Impuls für Paare gedacht, haben wir in den vergangenen zwei Jahren erlebt, dass Bäume für verschiedenste Beziehungen gepflanzt wurden: für ganze Familien, für die Beziehung zu Verstorbenen, für Freundschaften, für die Beziehung zu unserer Umwelt, unserem Planeten…

An die neu gepflanzten Bäume können auf kleinen Schiefertafeln Gedanken, Namen oder Vorhaben notiert werden. So kann der Pflanzort zu einem Ort des Innehaltens werden, an den Teilnehmende immer wieder zurückkehren und sich erinnern an ihr Vorhaben, ihre Beziehung(en) zu pflegen.

Damit ist oft ein wichtiger erster Schritt getan von etwas Neuem hin zu etwas, das sich wiederholt und vielleicht eine Gewohnheit wird, eine kleine neue Tradition schafft.

Wer Lust bekommen hat, an unserer nächsten Pflanzaktion am 25. Januar teilzunehmen oder sie zu Weihnachten verschenken möchte, kann sich hier informieren und anmelden.


Haben Sie selbst eine Frage an unsere Expertinnen im Familienrat? Dann schreiben Sie uns bitte: redaktion@in-gl.de

Nina Tackenberg leitet als Elternzeitvertretung die Katholische Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle in Bergisch Gladbach. Sie hat einen M.A. in Arbeits- & Organisationspsychologie sowie ein Diplom in Sozialer Arbeit, ist Systemische Coachin (DGSF), Gesundheits- und Krankenpflegerin.

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