Kinderärztin Dr. med Uta Römer. Foto: privat

In der kalten Jahreszeit gehören Erkältungen der Kinder zum Familienleben. Husten ist eine der häufigsten Beschwerden und kann verunsichern: Wann ist er harmlos und wann sollte man besser einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen? Welche Medikamente und Hausmittel wirken? Und warum sollte auf Hustenstiller eher verzichtet werden? Eine Sprechstunde von Kinderärztin Dr. med Uta Römer.

Husten ist ein Reflex des Körpers, um die Atemwege von Schleim, Fremdkörpern oder Reizstoffen zu befreien. Millionen winziger Flimmerhärchen in unseren Atemwegen transportieren Schleim und in dem Schleim gesammelte Fremdkörper und Erreger aus der Nase und den Bronchien in den Rachen, wo der Schleim heruntergeschluckt wird.

+ Anzeige +

Das ist ein ganz normaler Prozess – der Schleim befeuchtet unsere Atemwege und wirkt wie eine Art „Müllabfuhr”. Bei einer Infektion wird jedoch mehr und zäherer Schleim produziert, der schlechter abtransportiert werden kann und sich auf der Schleimhaut ansammelt. Um den Schleim aus den Atemwegen zu entfernen, reagiert der Körper mit Husten.

Erkältungen werden zu 90 Prozent durch Viren ausgelöst und führen neben Husten auch häufig zu leichtem Fieber und Schnupfen. Akuter Husten im Rahmen einer Infektion sollte dabei nicht länger als acht Wochen andauern, ab dann spricht man von einem chronischen Husten, der dringend abgeklärt werden sollte.

Bei Husten kann man grundsätzlich zwei Arten unterscheiden, die mit jeweils anderen Mitteln gelindert werden können:

  • Trockener Husten (Reizhusten, unproduktiver Husten): Ohne Auswurf, oft zu Beginn von Erkältungen, auch bei Bronchitis, Asthma bronchiale und wenn Fremdkörper in die Atemwege gelangt sind. Der Hustenreiz entsteht durch Reizung der Schleimhäute.
  • Feuchter Husten (produktiver Husten): Mit Schleimabhusten, meist in späteren Erkältungsstadien. Tritt auch bei Bronchitis oder Lungenentzündung auf.

Basismaßnahmen bei Erkältung

Unabhängig von der Art des Hustens helfen folgende Maßnahmen, die Beschwerden zu lindern und die Genesung zu unterstützen:

  • Viel trinken: Flüssigkeit hilft, den Schleim dünnflüssig zu halten und erleichtert das Abhusten. Besonders geeignet sind warme Tees wie Kamille, Fenchel oder Ingwer, da sie entzündungshemmend und wohltuend wirken.
  • Inhalation: Dampfinhalationen mit Kochsalzlösung befeuchten die Atemwege und lösen Schleim. Bei kleinen Kindern sollte man heißen Dampf wegen Verbrennungsgefahr vermeiden. Stattdessen kann ein Vernebler verwendet werden.
  • Nasensprays:
    • Kochsalzhaltige Nasensprays helfen, die Schleimhäute feucht zu halten und die Atmung zu erleichtern.
    • Abschwellende Nasensprays dürfen nur kurzfristig (bis zu sieben Tage) und erst ab einem Alter von zwei Jahren angewendet werden.
  • Honig: Honig hat antibakterielle Eigenschaften und kann Hustenreiz mildern. Ein Teelöffel vor dem Schlafengehen kann bei Kindern ab einem Jahr den nächtlichen Hustenreiz lindern. Wichtig: Für Säuglinge unter einem Jahr ist Honig wegen des Risikos für Botulismus nicht geeignet!

Wie kann man bei Babys die Nase befreien?

  • Kochsalzlösung: Ein bis zwei Tropfen Kochsalzlösung in jedes Nasenloch geben, um das Sekret zu lösen. Diese Methode ist schonend und auch für Säuglinge geeignet.
  • Nasensauger: Nach der Anwendung von Kochsalzlösung kann ein Nasensauger verwendet werden, um überschüssiges Sekret sanft abzusaugen.
  • Anheben des Oberkörpers: Das Baby sollte beim Schlafen leicht aufgerichtet liegen, um die Atmung zu erleichtern. Ein flaches Kissen unter der Matratze kann helfen.
  • Luftfeuchtigkeit: Ein Luftbefeuchter oder eine Schale mit Wasser im Zimmer kann helfen, die Atemwege feucht zu halten.

Behandlung bei trockenem Husten (Reizhusten)

  • Pflanzliche Mittel (lokale Hustenreizstiller):
    • Hustensäfte, Bonbons und Tees mit Eibischwurzel, Isländisch Moos oder Spitzwegerich wirken reizlindernd und beruhigen die Schleimhäute.
  • Hustenstiller (Antitussiva – unterdrücken den Hustenreflex):
    • Hustenstiller wie Dextromethorphan unterdrücken den Hustenreflex und eignen sich nur bei trockenem, schmerzhaftem Reizhusten. Bei produktivem Husten würde das Sekret nicht abgehustet werden und die Erreger an Ort und Stelle bleiben.
      Hustenstiller sollten nur in Ausnahmefällen und nach Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt angewendet werden. Für Kinder unter sechs Jahren wird die Anwendung nicht empfohlen. Codeinhaltige Präparate sind aufgrund von Nebenwirkungen wie Atemproblemen und Abhängigkeit nicht für Kinder geeignet.

Dieser Text ist zuerst im Newsletter „GL Familie“ erschienen. Er richtet sich an die Eltern (und Großeltern) jüngerer Kinder, hier können Sie ihn kostenlos bestellen.


Behandlung bei feuchtem Husten (produktivem Husten)

  • Schleimlösende Mittel (Mukolytika):
    • Medikamente wie Acetylcystein (ACC) oder Ambroxol verflüssigen den Schleim und erleichtern das Abhusten. Sie sind für Kinder ab sechs Jahren geeignet. ACC sollte nur bei besonders festsitzendem Schleim verwendet werden.
    • Pflanzliche Schleimlöser wie Efeu-, Thymian-, Primel- oder Eukalyptusextrakte unterstützen die Sekretbildung und den Abtransport des Schleims. Diese sind auch für jüngere Kinder ab drei Jahren geeignet.
      Wichtig: Kinder unter drei Jahren dürfen keine Medikamente bekommen, die Pfefferminzöl, Eukalyptusöl, Menthol oder Kampfer enthalten (weder innerlich noch äußerlich), da die ätherischen Öle zu Reizungen und Verengung der Atemwege mit Verschlimmerung der Atemprobleme bis hin zu lebensbedrohlicher Atemnot führen kann.

Was sagt die Farbe des Schleims aus?

Schleim erfüllt wichtige Aufgaben: Er hält die Schleimhaut feucht, dient der Abwehr von Keimen, fängt Staub und Schadstoffe aus der Luft ab. Bei Erkältungen ändert sich die Konsistenz des Schleims häufig. Anfangs ist er dünnflüssig und klar, später wird er zäher und kann sich gelblich oder grünlich verfärben.

Diese Farbänderungen weisen nicht sicher auf Viren oder Bakterien als Ursache hin. Ein Antibiotikum ist daher nur bei zusätzlichen Hinweisen auf eine bakterielle Infektion erforderlich.

Wann sind Antibiotika sinnvoll?

Antibiotika sollten nur eingesetzt werden, wenn eine bakterielle Infektion nachgewiesen oder stark vermutet wird. Husten bei Erkältung ist meist viral bedingt und erfordert daher keine Antibiotika. Situationen, in denen Antibiotika sinnvoll sein können, sind:

  • Nachweis einer bakteriellen Superinfektion, z. B. durch Pneumokokken oder Staphylokokken
  • Verdacht auf oder Nachweis einer Lungenentzündung
  • Komplikationen wie eitrige Bronchitis oder Nasennebenhöhlenentzündungen
  • Stark verschlechterter Allgemeinzustand mit hohem Fieber und deutlichen Entzündungszeichen

Wann macht Cortison Sinn?

Kortisonpräparate können sinnvoll sein, wenn der Husten durch eine entzündliche Erkrankung wie Asthma oder Pseudokrupp ausgelöst wird. Sie wirken entzündungshemmend und abschwellend auf die Atemwege. Eine ärztliche Abklärung und Verordnung sind hierbei zwingend erforderlich.

Wann wird Husten gefährlich?

Folgende Warnsignale erfordern umgehend ärztliche Aufmerksamkeit:

  • Husten, der ohne Besserung mehrere Wochen anhält. Die häufigsten Ursachen für chronischen Husten sind asthmatische Erkrankungen, (auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten), chronische Bronchitis, chronische Nasennebenhöhlenentzündung, Lungenentzündung, Keuchhusten oder Pseudokrupp. Auch ständiges Einatmen von Luftschadstoffen wie Zigarettenrauch kann zu chronischem Husten führen.
  • Fieber über 39°C
  • Atemnot oder ein pfeifendes Atemgeräusch
  • Blutiger Auswurf
  • Deutliche Leistungsminderung oder auffällige Schlappheit

Fazit

Husten ist meist harmlos und ein natürlicher Reflex des Körpers. Medikamente und Hausmittel können die Beschwerden lindern, doch die Auswahl sollte an das Alter und die Art des Hustens angepasst sein. Die meisten Erkältungshusten klingen ohne spezifische Behandlung ab. Im Zweifelsfall hilft eine Rücksprache mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt.

Wir wünschen Ihnen und Ihren Kindern eine gesunde Winterzeit!

Ihre Dr. med. Uta Römer und das ganze PraxisteamHier geht es zur Webseite meiner Gemeinschaftspraxis für Kinder- und Jugendmedizin in Refrath.


Haben Sie selbst eine Frage an unsere Expertinnen im Familienrat? Dann schreiben Sie uns bitte: redaktion@in-gl.de

Auch interessant

Sprechstunde: Magen-Darm bei Kindern

Wenn ein Kind plötzlich erbricht, Durchfall bekommt und schlapp auf dem Sofa liegt, ist die Unsicherheit oft groß. Viele Eltern fragen sich dann: Soll ich etwas gegen die Übelkeit geben? Braucht mein Kind ein Medikament gegen den Durchfall? Muss ich sofort zum Arzt? Dr. med Uta Römer erklärt, was es jetzt zu beachten gilt.

Konflikte mit den Großeltern auflösen

Großeltern spielen im Alltag vieler Familien eine wichtige Rolle. Nicht selten knallt es aber auch mal, wenn unterschiedliche Generationen mit unterschiedlichen Vorstellungen aufeinanderprallen. Vera Gunawan von der Evangelischen Beratungsstelle beschreibt konkret an einem Beispiel, wie sich solche Konflikte lösen lassen – und wie alle Seiten davon profitieren.

„Deep Talk“ für Eltern

Arbeit, Haushalt, Kinder – Familienalltag ist häufig eine logistische Meisterleistung, die kaum Zeit für Gespräche lässt. Dabei sind gerade tiefe Gespräche für Paare wichtig, um sich selbst und einander zu verstehen. Nina Tackenberg, Co-Leiterin der Katholischen Ehe-, Familien- und Lebensberatung, schreibt, warum – und wie man es schafft, sie in den Alltag zu intergrieren.

Sprechstunde: Omega-3 fürs Gehirn

Das Gehirn von Kindern entwickelt sich über viele Jahre hinweg – von der Schwangerschaft bis ins junge Erwachsenenalter. Neben genetischen Faktoren spielt die Ernährung dabei eine wichtige Rolle. Besonders Omega-3-Fettsäuren sind für den Aufbau und die Funktion des Gehirns von Bedeutung. Dr. med Uta Römer beantwortet typische Eltern-Fragen: Braucht mein Kind Omega-3 zusätzlich? In welcher…

Sprechstunde: Apps auf Rezept

Viele Eltern haben inzwischen von „Apps auf Rezept“ gehört, den so genannten digitalen Gesundheitsanwendungen. Gibt es diese auch für Kinder und Jugendliche? Wenn ja, welche – und was sind ihre Chancen und Grenzen? Dr. med Uta Römer erklärt die Details.

Sprechstunde: Neue Meningokokken-Impfung

Meningokokken-Erkrankungen sind selten – können aber innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich verlaufen. Die STIKO empfiehlt deshalb seit Ende 2025 eine neue Impfung für Jugendliche. Dr. med Uta Römer erklärt die Details.

Something went wrong. Please refresh the page and/or try again.

Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin. Sie hat eine Praxis in Refrath.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.