Die IGP verfügt über ein wunderbares Auditorium. Für eigene Zwecke kann die Schule es weiterhin nutzen, für externe Veranstalter wird es schwierig. Thomas Merkenich

Matthias Helferich gilt sogar innerhalb der AfD als zu radikal, hat sich selbst als „das freundliche Gesicht des NS“ bezeichnet und wurde trotz eines laufenden Ausschlussverfahrens auf Platz 6 der Landesliste für den Bundestag gewählt. Mit diesem Mann tritt nun die AfD Rhein-Berg offensiv an, präsentiert ihn beim „populistischen Ascherfreitag“ in Overath und wollte ihn auf ein Podium im Otto-Hahn-Gymnasium schicken.

Die AfD Rhein-Berg hat es sich offenbar zum Prinzip gemacht, bei ihren Veranstaltungen besonders umstrittene rechtsextreme Aushängeschilder der ohnehin rechtsextremen Partei zu präsentieren. Nachdem sie im vergangenen Jahr Maximilian Krah angekündigt hatte (und dann Beatrix von Storch kam), bewirbt sie ihren „populistischen Ascherfreitag“ am 7. März im Kulturbahnhof Overath nun mit der Teilnahme von Matthias Helferich.

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Helferich ist fraktionsloses Mitglied des Bundestags, da er aufgrund seiner extremen Positionen trotz mehrerer Anläufe nicht in die AfD-Fraktion aufgenommen worden war. Er wird dem völkischen Flügel unter Björn Höcker zugerechnet, pflegt laut Presseberichten Kontakt zur gewaltbereiten Neonaziszene und identitären Gruppen und hatte sich selbst als „freundliches Gesicht der NS“ bezeichnet.

Zwar läuft im eigenen NRW-Landesverband ein Ausschlussverfahren gegen ihn, dennoch war Helferich auf dem Landesparteitag auf Platz sechs der Landesliste für die Bundestagswahl gewählt worden. Quellen: Wikipedia, FAZ, Zeit Online, Correctiv, Ruhr-Nachrichten

Podiumsdiskussion im OHG gesprengt

Ausgerechnet Matthias Helferich, dessen Wahlkreis in Dortmund liegt, hatte die AfD Rhein-Berg in der vergangenen Woche in eine Podiumsdiskussion der Bezirksschülervertretung (BSV) am Otto-Hahn-Gymnasium (OHG) schicken wollen – und sprengte damit die gesamte Veranstaltung. Ein Vorgang, über den die DBG-Schülerzeitung Blackout als erste berichtete.

Auf die erste Einladung zur Podiumsdiskussion hin, berichtet BSV-Sprecher Carlo Rückamp, habe die AfD zunächst gar nicht reagiert und später lediglich informiert, es komme ein Vertreter der ersten zehn der Landesliste. Erst fünf Tage vor der Veranstaltung sei Helferich als Redner benannt, ein Auftritt des lokalen Kandidaten Harald Weyel ausgeschlossen worden. Für die BSV, so Rückamp, sei klar gewesen, dass ein Politiker mit dieser Ausrichtung nicht auf die Bühne einer Schule gehöre.

Daraufhin schickte die BSV der AfD eine Ablehnung und forderte, eine andere adäquate Person zu benennen, anderenfalls werde darüber entschieden, die Partei auszuladen.

Striktes Neutralitätsgebot für Schulen

Damit jedoch, so entschied dann die Schulleitung des OHG, habe die BSV gegen das Neutralitätsgebot verstoßen. Die Mail sei zu spät abgeschickt und ungeschickt formuliert gewesen, erläutert Karl-Josef Sulski, der Leiter des OHG. Die AfD wurde so faktisch ausgeschlossen – was mit dem Neutralitätsgebot für eine Veranstaltung in einer Schule nicht vereinbar sei.

In den vergangenen Tagen hatte die Bezirksregierung Köln unter Druck der AfD in mehreren Fällen geurteilt, dass die AfD von Veranstaltungen zur Bundestagswahl in Schulen eben nicht ausgeschlossen werden dürfe. Das Schulministerium hatte zuvor klargestellt, dass Podiumsdiskussionen erlaubt seien, „sofern sie den Grundsatz der Chancengleichheit der Parteien wahren und ein breites Meinungsspektrum abbilden“. Quelle: KSTA

Also entschied sich die BSV in Absprache mit der Schule, die Podiumsdiskussion in der vergangenen Woche ganz abzusagen.

AfD-Stand mit Helferich vor dem Schulzentrum

Für die AfD war die Sache damit aber noch nicht gelaufen. Sie baute vor dem Otto-Hahn-Schulzentrum, knapp außerhalb des Schulgeländes, einen Wahlstand auf, bei dem dann auch Matthias Helferich anwesend war. Es gab einen kleinen spontanen Protest aus der Schülerschaft, die Aktion verlief aber unspektakulär. Die Polizei war vor Ort, sah aufgrund der Versammlungsfreiheit und des Abstands zur Schule keinen Anlass, einzugreifen.

Trotz dieser Zwischenfälle halten die BSV und die Schulleitung an einer schulinternen Podiumsdiskussion an diesem Dienstagabend im OHG fest. Dazu sind die eigenen Schüler:innen sowie diejenigen der anderen Bensberger Gymnasien (DBG, AMG) eingeladen. Damit keine unerwünschten Gäste dabei sind, sollen die Schülerausweise kontrolliert werden.

Für das Podium wurden nur Politiker:innen mit regionalem Bezug zugelassen. Zugesagt haben die Bundestagskandidaten Maik Außendorf (Grüne), Hinrich Schipper (SPD) und Tomás Santillán (Linke); in Vertretung kommen Alexander Engel (FDP) und eine noch nicht benannte Person der CDU. Die AfD hat Günter Schöpf gemeldet, Fraktionschef im Stadtrat.


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Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Hut ab vor dem Mut und Rückgrat der BSV sowie der tollen Leistung der Schüler:Innenzeitung Blackout!
    Kein Verständnis habe ich dagegen für das Verhalten der Schulleitung am OHG: Ein Neutralitätsgebot ist kein Absolutismus, auch hier gilt abzuwägen, ob man dieser A*D wirklich ein Podium bieten muss.
    Der Kompromiss einer schulinternen Veranstaltung klingt etwas halbgar aber nicht verkehrt – mich hätte es interessiert, wie es gelaufen ist.

  2. Das Problem sind nicht die rechtsextremen Parteien und deren Helfershelfer. Wir Demokraten müssen deren Wähler hinterfragen. Wie kommt der Rassismus in die Köpfe? Wie erklärt sich die Unfähigkeit, sich den Problemen der Gegenwart zu stellen? Warum ist Menschen verachtende Propaganda so stark in den öffentlich rechtlichen Medien möglich geworden? Warum gibt es in unserer doch so aufgeklärten Welt immer noch Menschen, die rechtsextremen Rattenfängern hinterher laufen?

    Und… warum ist die Moderation dagegen so schwach? Die 360-Grad-Runde bei Hart aber Fair mit Chrupalla hat doch gezeigt, dass er nicht einen einzigen klaren Standpunkt wirklich vertritt. Seine Argumentation bestand von der ersten bis zur letzten Minute aus Ausflüchten, Drumrumreden und Schlechtmachen von entgegen gesetzten Haltungen. Rechthaberei pur, ausschließlich mit selbstbewusst hervor gebrachten Worthülsen…

    Es die Rhetorik, welche die Populisten stark macht. Ohne die feurigen Reden Hitlers oder Goebbels wäre der Zuspruch einer nahezu ungebildeten Masse seinerzeit ja überhaupt nicht möglich gewesen. Erst wenn wir das Ende deren Lebenswerke einmal ganz genau betrachten, stoßen wir die „Erfolge“, welche ihre Politik versprach.

    Erstaunlich, wieviel WählerInnen der Gegenwart heute über dieselben Bildungsdefizite verfügen und den Großschwätzern wieder auf den Leim gehen.

    Wie sagte das „Nachkriegskind“ H.D.Hüsch? „Wir müssen uns in allen Anderen sehen“. Das bedeutet Schlussmachen mit Generalverdächtigungen. Jeder geflüchtete Afghane ist nicht besser oder schlechter, als ich. Psychopathen, welche Greueltaten verrichten, gibt es in jeder Kultur, in jeder Gesellschaft und zu allen Zeiten. Nur gegen die gilt es anzugehen.

    Von Einzelnen auf Alle zu schließen, ist Rassismus. Klare Ansage – klare Absage…. ++ Dieter Richter (74) ++

    1. Leider ist das Bildungsniveau kein Indiz für Anfälligkeiten gegenüber Nationalismus oder Rassismus.
      Das zu denken ist viel zu kurz gesprungen.
      Es geht eher um innere Einstellung und Sozialkompetenzen.
      In einer Ich-Gesellschaft haben die Extremisten großen Zulauf, insbesondere von wie auch immer Enttäuschten.
      Aufklärung und Sozialverhalten ist eine Aufgabe aller Gesellschaftsschichten und Bildungseinrichtungen.
      Da müsste mehr in den Bildungseinrichtungen, aber insbesondere auch in den Medien stattfinden.
      Faktenbasierte Berichterstattung im Gesamtkontext statt reißerische Einzelfallbetrachtungen könnte eine Maßnahme sein.

      1. „Leider ist das Bildungsniveau kein Indiz für Anfälligkeiten gegenüber Nationalismus oder Rassismus.“ – Da sagt die Statistik etwas anderes: Die Rechtspopulisten sind bei Wählern mit geringerem Bildungsgrad signifikant stärker.

      2. Dieter Richter sagt:
        22. Februar 2025 um 11:01

        Betrachten wir die AFD-Rhetorik, der viele Menschen auf den Leim gehen, müsste auch die Müllabfuhr abgeschafft werden. Schauen wir uns an folgendem Beispiel die fiktiven (um die handelt es sich bei den Rechten ja meist) Behauptungen mal im Chrupalla-Weidel-Sprech genauer au: „Seit Jahrzehnten opfern deutsche Regierungen Milliardenbeträge, um die Arbeitsplätze von Migranten zu sichern. Damit wird deren Sozialschmarotzertum scheinbar legal unterlaufen. Mit den Fahrzeugen werden Straßen verstopft und beschädigt und gute deutsche Luft mit Dieselabgasen vergiftet. Die Müllberge in der Natur sind Umweltzerstörung und rauben Erholungsraum für den fleißigen deutschen Arbeiter und die unermüdliche deutsche Hausfrau und Mutter. Jede Woche finden neue Versuche statt, die jedoch zu keinen Ergebnissen führen. Wir, die AfD, sorgen dafür, dass jeder einzelne deutsche Bürger von den damit verbundenen Zwangsabgaben endlich befreit wird. Wir schaffen die Müllabfuhr ab! Versprochen!“. Ja, wo sie Recht haben, haben sie Recht. Gegenargumente? Und die sind sowie alle Erlogen und Erstunken…. ;O)

  3. Wirklich schlimm zu sehen, wie man so dumm sein kann, diesen Leuten als RBK Kreisverband auch noch eine Bühne zu geben.

    Und dann wundert man sich, dass man so da steht, wie man da steht.

    Aus dem Trupp um Daniel Obst hätte damals wirklich was werden können. Schade, dass diese durch die Entwicklung ausgetreten sind. Da konnte man auch im Rat und Kreis mit sprechen. Aber mit diesen nun ist ja wirklich alles vorbei.

    1. Der AfD Kreisverband ist nicht dumm, sondern offensichtlich rechtsextrem. Was jetzt nicht gerade eine Überraschung ist.

      1. Ich bin schon erstaunt, dass man gerade hier die Katze aus dem Sack zu so einem Zeitpunkt lässt. Bisher wollte man den Eindruck (nach außen) erwecken, dass die Rechtsextremen ja alle woanders und nur Ausnahmen sind.
        Das mindestens ist nun vorbei.
        Die Maske ist herunter.
        Der Wolf hat keinen Schafspelz mehr an.
        Hoffentlich wird jede/r Wähler/in im RBK von dieser Personalie und wofür sie steht, vor Sonntag Kenntnis erhalten und, falls er (sie) noch nicht gewählt hat, die richtigen Schlüsse daraus ziehen.
        Am meisten hilft dabei die Reaktion, wählen zu gehen, und zwar eine andere Person und Partei.
        Das sollten so viele wie möglich umsetzen!

  4. Dem so wichtigen weil demokratischem Bürgerportal (im besten Sinne des Wortes) sei Dank für die wie immer sachliche INFORMATION.
    Es ist zu befürchten, dass einige/zu viele auf die zynische Strategie der AfD reinfallen: sich zZ nach AUSSEN moderat geben (Weigel:“strecken unsere Hand aus“) während sie im Kern unverändert braun, menschenfeindlich und rassistisch ist und bleibt.

  5. Die geschilderten Vorgänge werfen ein klares Bild auf die AFD im Rheinisch Bergischen Kreis.
    Mit der Personalie Helferich ist zumindest klar, wo die Schwerpunkte dieser Partei in NRW und besonders im Kreis GL gesetzt werden sollen.
    Ein selbst so genanntes “freundliches Gesicht des Nationalsozialismus” soll auf direkt Schüler einwirken dürfen, dass darf nicht möglich gemacht werden.
    Dass das verhindert wurde, ist richtig und wichtig.
    Es ist damit ist auch für jeden ersichtlich, wofür die AFD wirklich steht.
    Auch ein Wahlkampfstand direkt vor einer Schule sollte nicht geduldet werden. So geschehen auch in Kürten, wo Schüler von einem solchen Stand der AFD aus belästigt wurden, ohne die Möglichkeit zu haben sich dem zu entziehen, da es der zentrale Zugang zum Schulgelände war. Das sollte auch für alle Parteien gelten. In Kürten gibt es deshalb zwei Anträge für die kommende Ratssitzung, solche Agitation zu verhindern.
    Vielleicht benötigt Bergisch Gladbach auch einen solchen Antrag.

    1. Bergisch Gladbach benötigt unbedingt einen solchen Antrag.
      Danke Kürten, dass ihr vorangeht. Auch für euren langen Atem, der noch gebraucht wird.