Jugendliche bei der Stimmabgabe der U18-Wahl (Symbolbild) Foto: Fotoagentur Fox/Matthias Kneppeck

Bessere Radwege, mehr Busverbindungen und attraktivere Freizeitangebote: So lauten einige der Wünsche von Jugendlichen in Bergisch Gladbach an die Politik. Wir haben junge Erstwähler:innen gefragt, welche Themen ihnen bei der Kommunalwahl wichtig sind, wie sie sich informieren und was ihnen ihre erste Stimmabgabe bedeutet.

Wenn am 14. September gewählt wird, ist das für viele Jugendliche eine Premiere: Sie dürfen zum ersten Mal ihre Stimme abgeben. Anders als bei der Bundestagswahl gilt bei der Kommunalwahl – wie auch bei der Europawahl – ein Mindestalter von 16 Jahren, um wählen zu können.

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Wir haben mit Erstwähler:innen über die Kommunalwahl und Politik(verdrossenheit) gesprochen und darüber, was es ihnen bedeutet, wählen zu dürfen. Außerdem haben wir sie gefragt, was sie sich ganz konkret von der Politik in ihrer Heimatstadt wünschen – und lassen sie im Folgenden selbst zu Wort kommen. 

Charlotte (17): „Es fehlt an Orten der Begegnung

„Ich glaube, es würden sich viel mehr Menschen für Politik interessieren, wenn es andere Orte der Begegnung gäbe. Nicht nur leistungsorientierte Vereine, in denen es um Wettbewerb geht, zum Beispiel die meisten Sportvereine. Sondern Vereine, wo man sich einfach trifft, redet, Spaß hat – ganz unabhängig vom Parteihintergrund.

Ich frage mich manchmal: Wann hört Demokratie eigentlich auf zu existieren? Es nervt mich, wie viele Vorurteile es gibt. Parteien sind wichtig – aber Menschen sollten nicht nur auf ihre Parteimeinung reduziert werden.“

Sebastian (17): „Vor der Haustür mitentscheiden“

„Die Kommunalwahl ist für mich greifbarer als andere Wahlen. Ich sehe es als Chance, vor der Haustür mitzuentscheiden durch meine Stimme. Ich gehe am Sonntag auf jeden Fall ins Wahllokal. Ich war schon oft bei meinen Eltern dabei. Das ist für mich ein richtiges Ereignis.

Ich mache mir viele Gedanken über Politik und darüber, warum bestimmte Dinge so laufen und nicht anders. Wichtige Themen sind für mich, dass der ÖPNV und die Fahrradinfrastruktur verbessert werden. Ich bin auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Außerdem ist mir der Klimaschutz wichtig: Ich möchte lieber Fahrrad oder Busse nutzen, als von meinen Eltern gefahren zu werden.

Ich würde mir wünschen, dass die Schulen noch mehr über die Kommunalwahl und das Wahlverfahren informieren. Mein Eindruck ist, dass die sich die Positionen und Forderungen der Parteien auf kommunaler Ebene mehr ähneln als bei der Bundestagswahl. Im Bund habe ich eine klare Parteipräferenz, auf kommunaler Ebene bin ich noch in einer Findungsphase.“

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Benedikt (16): „Wahl als Verantwortung“

„Bei früheren Wahlen habe ich meine Eltern beim Sonntagsspaziergang zur Wahl begleitet, dieses Mal darf ich selbst mein Kreuz machen. Ich freue mich darauf, sehe es aber auch als Verantwortung, die ich trage. Über die Programm und Ziele der Parteien informiere ich mich auf deren Internetseite. Außerdem waren die Kandidaten bei einer Podiumsdiskussion an meiner Schule. Über den direkten Kontakt bekommt man ein besseres Bild als über das Internet.

Ich würde mich als politisch interessiert bezeichnen, aber einige in meinem Bekanntenkreis wussten nicht, dass sie schon wählen dürfen und waren überrascht, als sie die Wahlbenachrichtigung bekommen haben. Und viele wissen nicht, wie die Kommunalwahl funktioniert. Über die Bundestagswahl wissen die meisten besser Bescheid, nicht nur in meiner Altersklasse. Vermutlich werden so manche erst in der Wahlkabine überrascht feststellen, dass sie vier Stimmen haben. 

Für mich sind die entscheidenden Themen in Bergisch Gladbach die Radinfrastruktur und die Sanierung der Schulen. An vielen Stellen sind die Radwege in schlechtem Zustand – wenn es überhaupt welche gibt. An den Schulen gibt es zu wenig Platz, Turnhallen können nicht genutzt werden. Ansonsten wünsche ich mir mehr Grünflächen in der Stadt und dass das Thema Skatepark als Treffpunkt für Jugendliche angegangen wird.“ 

Mia (16): „Bildung hängt vom Geldbeutel ab“ 

„In den Privatschulen läuft es gut. Die sind super ausgestattet und haben auch genug Lehrer:innen. Das finde ich nicht gerecht. Bildung sollte nicht vom Geldebeutel abhängen.

Und ich würde mehr Geld in die Ausbildung von Tagesmüttern investieren. Das ist doch wichtig, dass kleine Kinder fachlich gut betreut werden. Kinder sind die Zukunft.“

Florine (16): „Mehr Beteiligung für Jugendliche“

„Ich finde es richtig, dass sich Jugendliche schon mit 16 mitbestimmen können und gehe auf jeden Fall wählen. Ich glaube, manche Leute wissen gar nicht, dass sie schon wählen dürfen. Oder dass man vier Stimmen hat. Anderen ist Politik egal. 

Um mir eine Meinung zu bilden, unterhalte ich mich mit meiner Familie und Freunden über die Themen, die mich interessieren. Für mich sind die Wahlplakate wichtig, weil ich so einen Überblick darüber habe, welche Parteien und Kandidaten antreten. Ich finde es gut, wenn die Kandidaten in Schulen gehen und sich den Fragen der Schüler:innen stellen. 

Für Bergisch Gladbach wünsche ich mir einen Ausbau der Bus- und Bahnverbindungen, vor allem am Wochenende, abends und nachts. Und die Schulen müssen nicht nur saniert, sondern auch digitaler werden. 

Ich bin Schwimmerin, aber in Bergisch Gladbach gibt es nicht so viele Möglichkeiten zum Trainieren, daher fahre ich nach Köln und bin viel mit Bussen und Bahnen unterwegs.

Außerdem wünsche ich mir in Bergisch Gladbach mehr Orte und Angebote, wo sich Jugendliche treffen und kennenlernen können. Schön wäre es, wenn es für Jugendliche eine Möglichkeit gäbe, sich einzubringen. Das könnte eine Art Postfach sein, wo sie Vorschläge machen, was sie sich wünschen und welche Themen Politiker angehen sollten.“

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Lilly (17): „Radwege gleichen Buckelpisten“

„Als die Wahlbenachrichtigung im Briefkasten lag, war das ein seltsames Gefühl. Ich hatte die Wahl bis dahin noch gar nicht auf dem Schirm. Bei der Bundestagswahl habe ich mir die Parteiprogramme durchgelesen, auch wenn ich da noch nicht wählen durfte. Das mache ich auch bei der Kommunalwahl so. Soziale Medien nutze ich kaum.

Für mich ist noch offen, wen ich wähle. Viele aus meiner Altersklasse fühlen sich der AfD nahe, sehen sie als Alternative. Das finde ich erschreckend. 

Ich wünsche mir mehr und bessere Radwege. Ich fahre Rennrad im Verein, in Bergisch Gladbach gleichen die Radwege Buckelpisten. Auf meinem Weg zur Schule muss über ich die viel befahrene Richard-Zanders-Straße. Da bin ich schon ein paar Mal fast überfahren worden.

In Bergisch Gladbach fehlt es zudem an Freizeitangeboten für Jugendliche, vor allem in der Innenstadt. Ein Kino gibt es nur in Bensberg, zum Bouldern fahre ich nach Köln oder Lindlar. Der Bus braucht ewig nach Lindlar, da fahren mich dann meine Eltern hin. Beim Thema ÖPNV muss sich auch was tun. Die Busse sind oft überfüllt, die S-Bahn fällt ständig aus.“

Bastian (17): „Was bringt mein Kreuz eigentlich?“

„In Bergisch Gladbach sind die Ergebnisse ja noch offen – aber in Kürten, wo ich herkomme? Da bekommt die CDU wahrscheinlich wieder über 40 Prozent. Das war schon immer so. Danach kommt lange nichts – alles im sehr niedrigen zweistelligen Bereich.

Da fragt man sich schon: Was bringt mein Kreuz eigentlich? Vielleicht entsteht daraus auch der Frust. Ich finde, es fehlt überall an Geld – und gleichzeitig machen einen die Summen, die ausgegeben werden, regelrecht schwindelig. Ich habe den Eindruck, dass Steuern verschwendet werden.“

Jonathan (17): „Unpolitisch sein ist auch politisch“

„Ich höre, dass Leute sagen, sie seien unpolitisch. Und damit haben sie ja schon was Politisches gesagt. Manche denken, Politik sei nur was für die Eliten mit guten Noten. Die Stadt sollte klar machen: Jeder hat hier eine Stimme. 

Ich bin aber auch ehrlich: Es ist schwer, sich mit Menschen zu unterhalten, die unpolitisch sind. Die gehen ja nicht raus und sagen danach: Ah ja, Demokratie ist erstrebenswert.“

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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