Die künftige Sitzverteilung im Stadtrat.

Wer Bergisch Gladbachs nächster Bürgermeister wird, ist noch völlig offen. Klar ist jedoch schon am Wahlabend, dass die Mehrheitsbildung im Stadtrat sehr schwierig wird. Das städtische Parlament wird mit 72 Mandaten noch einmal deutlich größer und umfasst neun Fraktionen bzw. Gruppen. Die CDU ist klar die stärkste Kraft, kann aber eigentlich nur mit SPD oder Grünen eine Mehrheit bilden.

Einerseits war es für die CDU ein Durchmarsch: Sie gewann in Bergisch Gladbach alle 26 Wahlkreise direkt und nach einer komplizierten Berechnung von Überhang- und Ausgleichsmandaten noch einen 27. Reserveplatz hinzu. Damit ist ihre Fraktion fast doppelt so groß wie die der zweitplatzierten SPD.

Andererseits ist die CDU aber auch mit ihrem Partner FDP (zwei Mandate) noch sehr weit von einer Mehrheit im Stadtrat entfernt. Denn der wird in der kommenden Ratsperiode aufgrund der vielen Überhangmandate von 56 auf 72 Sitze anwachsen – womit 36 Stimmen plus Bürgermeister zusammenkommen müssen, um eine Entscheidung fällen zu können.

Hinweis der Redaktion: Die Ergebnisse sind vorläufig, u.U. gibt es noch geringe Verschiebungen. Die Details können Sie in unserem Liveblog vom Wahlabend nachlesen. Die offiziellen Zahlen finden Sie hier.

Hinzu kommt, dass neben einer erstarkten AfD (sieben Sitze) eine weitere Fraktionen und vier Gruppen mit jeweils zwei oder drei Sitzen im Stadtrat vertreten sind, womit sich folgende Sitzverteilung ergibt:

  • CDU 27
  • SPD 14
  • Grüne 13
  • AfD 7
  • Linke 3
  • FDP 2
  • FWG 2
  • Volt 2
  • Bürgerpartei 2

CDU und SPD verändern sich gegenüber 2020 nicht, die Grünen verlieren deutlich. Die AfD gewinnt, bleibt mit 10 Prozent aber klar hinter dem Landesergebnis (14,5) zurück. Die Linke und Volt ziehen (wieder) in den Stadtrat ein, die FWG liegt nur sehr knapp vor der Bürgerpartei.

Jegliche Zusammenarbeit mit der AfD hatte CDU-Fraktionschef Michael Metten zuletzt beim Kandidaten-Karussell des Bürgerportals kategorisch ausgeschlossen. Zwar machte die AfD noch in der Wahlnacht beiden Bürgermeisterkandidaten ein Gesprächsangebot mit Blick auf die Stichwahl, doch das geht an der Realität vorbei. Hinzu kommt, dass auch CDU und AfD zusammen nur 34 Stimmen hätten.

Klar ist aber auch, dass sich gegen die CDU keine Mehrheit bilden ließ. Selbst ein so breites und buntes Bündnis von SPD, Grünen, Linke, FWG, FDP und Volt käme nur auf 36 Stimmen.

Im Detail: Alle künftigen Ratsmitglieder

CDUHenkel, HaraldDirektmandat im Wahlbezirk 001
CDUZapf, Friedrich DieterDirektmandat im Wahlbezirk 002
CDUSteinkrüger, VanessaDirektmandat im Wahlbezirk 003
CDUWillnecker, JosefDirektmandat im Wahlbezirk 004
CDUGleichmann, ThiloDirektmandat im Wahlbezirk 005
CDUGrabosch, JulianDirektmandat im Wahlbezirk 006
CDUMalek-Przemus, GabrieleDirektmandat im Wahlbezirk 007
CDUDr. Metten, MichaelDirektmandat im Wahlbezirk 008
CDURenneberg, OliverDirektmandat im Wahlbezirk 009
CDUGürster, UlrichDirektmandat im Wahlbezirk 010
CDUBecker, RolfDirektmandat im Wahlbezirk 011
CDUHaasbach, Hans JosefDirektmandat im Wahlbezirk 012
CDUHildner, ThomasDirektmandat im Wahlbezirk 013
CDUKindervater, MaxDirektmandat im Wahlbezirk 014
CDUWagner, Hermann-JosefDirektmandat im Wahlbezirk 015
CDUOpiela, BrigittaDirektmandat im Wahlbezirk 016
CDUKraus, Robert MartinDirektmandat im Wahlbezirk 017
CDUMeyer-Bialk, KerstinDirektmandat im Wahlbezirk 018
CDUBena, Martin HenrikDirektmandat im Wahlbezirk 019
CDUBillecke, GiannaDirektmandat im Wahlbezirk 020
CDUReiländer, FrankDirektmandat im Wahlbezirk 021
CDUHabrunner, ManfredDirektmandat im Wahlbezirk 022
CDUSchade, LutzDirektmandat im Wahlbezirk 023
CDULucke, MartinDirektmandat im Wahlbezirk 024
CDUBuchen, ChristianDirektmandat im Wahlbezirk 025
CDUDr. Schillings, OliverDirektmandat im Wahlbezirk 026
CDUKivilip, HelgaReservelistenplatz 27
GRÜNEMeinhardt, TheresiaReservelistenplatz 1
GRÜNEKirch, DavidReservelistenplatz 2
GRÜNEScheerer, Anna MariaReservelistenplatz 3
GRÜNEDr. Ufer, JonathanReservelistenplatz 4
GRÜNEDr. Steinmetzer, AnnaReservelistenplatz 5
GRÜNEDr. Bacmeister, FriedrichReservelistenplatz 6
GRÜNEAußendorf, AnkeReservelistenplatz 7
GRÜNESteinbüchel, DirkReservelistenplatz 8
GRÜNEKlupp, MartinaReservelistenplatz 9
GRÜNEEschbach, CollinReservelistenplatz 10
GRÜNERöhrig, BrittaReservelistenplatz 11
GRÜNEPaduch, WalterReservelistenplatz 12
GRÜNEKopner-Merky, HelenReservelistenplatz 13
SPDKreutz, MarcelReservelistenplatz 1
SPDLeveling, ChristineReservelistenplatz 2
SPDWaldschmidt, Klaus WolfgangReservelistenplatz 3
SPDDr. Lübbecke, BarbaraReservelistenplatz 4
SPDKochan, CorvinReservelistenplatz 5
SPDWinkels, BeritReservelistenplatz 6
SPDEbert, AndreasReservelistenplatz 7
SPDStauer, UteReservelistenplatz 8
SPDKomenda, JannesReservelistenplatz 9
SPDHäusling, BettinaReservelistenplatz 10
SPDKlaas, DominikReservelistenplatz 11
SPDTscheuschner, AndreaReservelistenplatz 12
SPDDemircan, CemReservelistenplatz 13
SPDShakil, SarahReservelistenplatz 14
FDPWasmuth, DorotheeReservelistenplatz 1
FDPDr. Engel, Alexander-SimonReservelistenplatz 2
AfDSchöpf, GüntherReservelistenplatz 1
AfDFornoff, FlorianReservelistenplatz 2
AfDCremer, FrankReservelistenplatz 3
AfDNiemann, JürgenReservelistenplatz 4
AfDDr. Conen, Hermann-JosefReservelistenplatz 5
AfDKowacic, ChristianReservelistenplatz 6
AfDKaul, AlexanderReservelistenplatz 7
FWGRöhr, RainerReservelistenplatz 1
FWGDr. Nuding, BennoReservelistenplatz 2
BGLKlein, ThomasReservelistenplatz 1
BGLSamirae, FrankReservelistenplatz 2
Die LinkeHäuser, MaraReservelistenplatz 1
Die LinkeSantillán, Tomás MarceloReservelistenplatz 2
Die LinkeVollmer, LeaReservelistenplatz 3
VoltBecker, Alexander JohannesReservelistenplatz 1
VoltReiff, BertholdReservelistenplatz 2

Damit bleiben auf dem Papier offenbar drei Optionen: Die CDU geht entweder mit den Grünen (zusammen 40 Mandate) oder mal wieder mit der SPD (zusammen 41 Mandate) eine Kooperation ein. Allerdings hatten sich Rot und Grün versprochen, ihre Kooperation über den Wahltag hinaus fortzusetzen und nur gemeinsam Bündnisse mit anderen Parteien einzugehen. Schwarz-Rot-Grün würden immerhin 54 Mandate auf sich vereinen.

Bevor es zu Gesprächen welcher Art kommen kann, muss jetzt jedoch zunächst die Stichwahl in zwei Wochen abgewartet werden – Alexander Felsch (CDU/FDP) liegt mit 20.941 Stimmen gerade mal 68 Stimmen vor Marcel Kreutz (SPD/Grüne).

Die AfD erhielt mit Günther Schöpf knapp zehn Prozent (und damit soviel wie im Stadtrat), die drei Kandidat:innen von Linke, Bürgerpartei und Volt spielten keine Rolle.

Falls Sie es noch nicht getan haben: Ein persönliches Bild von den beiden Kandidaten für die Stichwahl können Sie sich am kommenden Samstag beim Rede-Duell Felsch vs. Kreutz machen, auf Einladung des Bürgerportals um 12 Uhr vor der Schlosstreppe an der Schlossstraße in Bensberg.

Landrat geht in die Stichwahl, Mehrheit im Kreistag klar

Auch bei der Wahl des Landrats wird es eine Stichwahl am 28.9. geben, dort treten Arne von Boetticher (CDU) und Robert Winkels (SPD) gegeneinander an – wobei der CDU-Mann sich mit 41 Prozent einen sehr deutlichen Vorsprung sichern konnte.

 Im Kreistag gelang es der CDU ebenso wie im Stadtrat, alle Direktmandate zu gewinnen und erhielt noch ein Reservemandat dazu. Hier sieht aber alles danach aus, dass CDU und Grüne die bereits in der Vergangenheit praktizierte Kooperation fortsetzen können. Zusammen vereinen sie 40 von 72 Mandaten im ebenfalls deutlich gewachsenen Kreistag auf sich.


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Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Für alle, die neu auf unsere Plattform sind (oder es vergessen haben): Wir verlangen im lokalen Kontext keinen Klarnamen. Wer jedoch die Identität anderer Personen annimmt wird blockiert.

  2. Drucker, ich möchte keine unnötige Schärfe in die Diskussion bringen, bin aber auf der anderen Seite nicht bereit, jede unqualifizierte, substanzlose Äußerung, „…da haben Sie etwas nicht ganz verstanden“, hinzunehmen. Daher melde ich mich noch einmal.
    Sie zeigen mit Ihrer Antwort, dass Sie leider nicht in der Lage sind einen geschriebenen Text – ich schränke ein, meinen Kommentar von heute – in seiner Gesamtaussage zu erfassen. Zudem steckt in Ihrer Antwort noch eine freche Unterstellung drin, die sich auch nicht aus dem Text ableiten lässt.

  3. Ein breites und buntes Bündnis von SPD, Grünen, Linke, FWG, FDP und Volt käme auf 36 Stimmen + 1 Bürgermeister Kreutz, wenn der gewählt wird. Also 37 und damit eine Mehrheit!

    1. FDP wird nicht in dieser Konstellation koalieren. Wenn sie die Ampel zerstört haben, dann werden sie erst recht dieses Bündnis kaputt machen. Man kann nur hoffen, dass sie eines Tages unter “Sonstige” gelistet werden

  4. Erstaunlich viel Kontinuität imho – ich hatte größere Verschiebungen erwartet.
    CDU und SPD stabil, AfD und Linke gewinnen je 5%, Grüne verlieren 10% – angesichts des Grünen Höhenflugs von 2019/20 und des Nicht-Antretens der Linken 2020 war das zu erwarten.
    Auf die Stichwahl bin ich sehr gespannt. Ich hoffe auf eine hohe Wahlbeteiligung – auch wenn beide Kandidaten “sympathische junge Männer” sind, stehen sie doch für recht unterschiedliche politische Inhalte.

    1. (CDU und SPD stabil)
      Ja, und ich frage mich wirklich, warum die CDU (stabil) nicht etliche Stimmen mehr bekommen konnte, wo sie doch ihren Drall nach rechts damit begründet, der AfD Stimmen abluchsen zu können.
      Hat wohl nicht hingehauen?

      1. Guten Abend Ulla, festhalten kann man ja das die CDU klarer Wahlsieger der Stadtratswahl ist! Wir haben im Vergleich zur letzten Wahl 0,26 % gewonnen, in absoluten Zahlen sind das immerhin 1501 Wählerinnen/Wähler mehr als 2020! Dies bedeutet wohl, dass der Zugewinn an AFD-Wählern nicht aus den Reihen der CDU stammt. Hier muss wohl bei Parteien gesucht werden die weniger Zuspruch erhalten haben.

        Weiter haben wir einen Wahlkampf für unser CDU-Wahlprogramm geführt und vor Ort damit wohl ziemlich viele Menschen überzeugen können. In schwierigen Zeiten ist dieses Ergebnis (alle Direktmandate/ selbst gegen den BM-Kandidaten von rot/grün in seinem Heimatwahlkreis Lustheide) ein gutes Ergebnis und 36,47 % liegt auch über dem Landesschnitt der CDU. Somit hat unser Wahlkampf zum Stadtrat wohl sehr hingehauen ;-)

        Mit freundlichen Grüßen
        Robert Martin Kraus -Mitglied des Rates für Refrath/Lustheide CDU

      2. @Robert Martin Kraus
        Zur Wahrheit gehört aber auch, dass in diesem Jahr bei 1.564 weniger Wahlberechtigten (88.431 zu 89.995 in 2020) dennoch 3.771 mehr gültige Stimmen (51.995 zu 48.224 in 2020) abgegeben wurden. Also eine mit 59,25% deutlich höhere Wahlbeteiligung i.V. zu 2020 (54,25% – 5%-Punkte Unterschied bzw. 9,2% mehr Wählende).
        Allein dieses Mehr an Wählern würde das Plus bei der AfD (3.131 Stimmen) komplett erklären / abdecken.

        Bitte dennoch nicht vergessen (gerade in der Kommunikation & Analyse): im Vergleich zur Bundestagswahl 2025 hat diese Partei hier in GL gut 1%-Punkt verloren!
        SPD ist identisch geblieben, Grüne 2%-Punkte plus, ihre CDU 3,7%-Punkte plus.

        Das sollte den demokratischen Kräften ein Ansporn sein, mit guter, konstruktiver & zukunftsfähiger Politik UND Zusammenarbeit bzw. mehr Mit- statt Gegeneinander die gesichert rechtsextremen Kräfte in ihre Schranken und irgendwann auch wieder aus dem Stadtrat zu verweisen
        Die Einleitung des Verbotsverfahren beim BVerfG wäre dennoch zeitnah angebracht – das sind wir unserer Geschichte schuldig! Unangebracht hingegen ist die Übernahme deren Rhetorik, Framing, Narrative & faktenfreier Hetze…

      3. „Dies bedeutet wohl, dass der Zugewinn an AFD-Wählern nicht aus den Reihen der CDU stammt.“ – Um diese Aussage zu stützen, müssten Sie gesicherte Zahlen zur Wählerwanderung beibringen. So bleibt das eine reine Vermutung.

  5. Der Rat der Stadt Bergisch Gladbach wächst von 56 auf 72 Sitze. Ein Bürgermeisterkanditat erreicht eine Mehrheit und muss, da nicht über 50%, in eine Stichwahl.
    Kann mir einer erklären was durch das Aufwachsen der Sitze und der Stichwahl an Demokratieverbesserung erzielt wird?
    Der Bundestag wir nach langem Hickhack verkleinert. Der Bundeskanzler wird von den Mitgliedern des Bundestages gewählt.
    Sollte das für die Kommunen, die ja eh nicht Geld schwimmen, nicht Anlass zum Nachdenken sein?
    Nach der Wahl ist vor der Wahl. Zeit für eine sinnvolle Änderungen.

    1. Ihr Favorit liegt mit 0,12% vorne, also weg mit der Stichwahl? Ich fürchte, da haben Sie etwas nicht ganz verstanden.

      1. Ich habe mehr geschrieben als das worauf Sie eingehen. Schwach!!
        Erklären sie doch einmal, worin Sie die Vorteile der heutigen Regelung sehen, finanziell und bezogen auf die Demokratie.

    2. “Kann mir einer erklären ”
      Schon mal gehört, dass ein Bürgermeister per Direktwahl gewählt wird???
      Das es manchmal daher auch parteilose Bürgermeister gibt??? Ja
      Schon mal was von einem parteilosen Bundeskanzler gehört??? Nein

    3. Der enorme Zuwachs an Sitzen ist wahrlich nicht zu rechtfertigen. Mit nun 72 Ratsmitgliedern ist der Stadtrat GL identisch groß wie die Zahl an Sitzen der Stadt Bremen (580.000 Einwohner) in der Bremischen Bürgerschaft und nur noch 18 Sitze von der Größe des Rats der Stadt Köln (90 Sitze, 1,02 Mio. Einwohner) entfernt.

      Die damit zwangsläufig einhergehende Kostensteigerung (allein für Sitzungsgelder, Aufwandsentschädigung u.ä.) dürfte ordentlich sein – und da sind ggf. exorbitante „Verdienstausfallentschädigungen“ einzelner Mitglieder noch gar nicht einbezogen.

      Interessant wäre, ob mit „mehr Ratsmitglieder“ auch automatisch ein mehr an „Sachkundigen Bürgern“ einhergeht? Evtl. kann die Redaktion hier einmal nachfragen oder die Info ggf. direkt liefern?

      Dass der Bürgermeister in direkter Personenwahl und nicht durch die Fraktionen bestimmt wird, finde ich gut & richtig. Eine Stichwahl ist dann halt notwendig in diesem Fall – Direktwahl würde ich mir für das Amt der Bundeskanzlerin übrigens auch wünschen.

      Warum wir bei nur einer Stimme diese aber als „Direktmandatsstimme“ und nicht „nur“ als Stimme für die jeweilige Partei werten, ist mir unbegreiflich. Bei 26 Wahlbezirken müsste die CDU hier ja immer >50% erreichen, damit sog. „Direktmandate“ mit dem eigentlichen Stimmverhältnis einhergehen könnten. Einfach abschaffen!

      Die Parteien können gern nach der Wahl ihre Ratsmitglieder nach deren erreichten Stimmen in den Bezirken „aufstellen“ oder Bewerbern, die >50% in ihrem Bezirk erreichen, das Mandat garantieren – aber ansonsten sollten die Stimmen rein für das Stimmverhältnis der Parteien gewertet werden, also wie „Zweitstimme“ bei BT-Wahl, und Besetzung dann eben nach Liste.

      Dazu bitte noch eine 3% Hürde und generell max. 1 Ratssitz pro 2.500 Einwohner! Wären aktuell dann 45 Ratssitze, die einzig & allein nach Stimmverhältnis der Parteien verteilt werden sollten – das sollte locker für eine vernünftige Repräsentanz der Bürger ausreichen.

      Ich fürchte allerdings, dass das die CDU – ob ihrer „zementierten“ Vormachtstellung hier – nicht mittragen wird. So wie sie (mit CSU als Union) ja auch die vernünftige Wahlrechtsreform im Bund wieder zu Gunsten der Direktmandate (und damit zum Eigennutz & mehr Mandate) ändern und damit den BT erneut aufblähen will…

      1. Sehr gute Vorschläge. Der Rat ist in der Tat viel zu groß für die Einwohnerzahl.

        Die Idee der Direktmandate ist ja eigentlich, dass es eine direkte Repräsentation vor Ort gibt – das ließe sich aber auch beibehalten, wenn man Wahlbezirke zusammenlegt. Hier in Schildgen und Katterbach brauche ich jedenfalls keine drei Stadträte, die fußläufig erreichbar sind, um mich repräsentiert zu fühlen.

        Gäbe es statt 26 vielleicht 15 Wahlkreise, bräuchte es auch nicht so viele Überhang- und Ausgleichmandate.

  6. Was lese ich hier? Grüne und SPD haben nicht genug Mumm, ohne den anderen Politik zu machen? Die Selbstverzwergung der SPD kann ich nicht nachvollziehen

    1. Müsste man dann nicht den Grünen mit der gleichen Logik ebenfalls eine Selbstverzewergung vorwerfen?

  7. Dass die Grünen vom Wähler deutlich abgestraft worden sind, wird vorsichtshalber hier nicht so thematisiert.

    1. Wer in der Lage ist, Diagramme zu lesen und Bildunterschriften zu verstehen, findet die Fakten oben ganz klar ausgesprochen („die Grünen verlieren deutlich“). „Abstrafen“ wäre eine spekulative Interpretation der Zahlen. Das wünschen Sie sich von der Berichterstattung doch vermutlich auch nicht. Dann könnte man ebenso gut spekulieren, die AfD sei vom Wähler „belohnt“ worden (für was auch immer).

      1. “Wer in der Lage ist, Diagramme zu lesen und Bildunterschriften zu verstehen”
        ..oder Butterbrotpapier von Transparentpapier zu unterscheiden weis …

      2. Einen journalistischen Beitrag zum schlechten Anschneiden der Grünen vermisse ich. Die Zahlen sehe ich.

      3. “Herr Watzlaweck ist der Journalist!”
        Richtig erkannt! Und das unterscheidet nun mal die seriösen von den unseriösen.
        Mutmaßungen, Spekulationen oder Stochern im Nebel machen ja bereits die Unseriösen. Da kommt man eh nicht gegen an.

      4. Neben den Grünen wurde auch die FDP vom Wähler deutlich abgestraft. Setzt man den Verlust des Stimmenateils ins Verhältnis zum Ergebnis der letzten Wahl, dann stellt man für die FDP einen ähnlich hohen Verlust von Wählern (über 40 %) wie bei den Grünen fest. Beim WDR wird das falsch dargestellt, wenn für die Grünen “starke Verluste” und für die FDP “leichte Verluste” ausgewiesen werde. Aber warum hat die FDP so viele ihrer Wähler verloren? Wünscht man sich nicht auch hier eine journalistische Ausarbeitung?

      5. Herr Lehner, Sie wünschen sich offenbar, dass Herr Watzlawek sich einen Text ausdenkt, der sich darum dreht, dass „die Grünen vom Wähler deutlich abgestraft“ worden seien. So funktioniert Journalismus nicht. Entweder gibt es belastbare Fakten, die diesen Schluss nahelegen – wohlgemerkt, Sie formulieren da ein Motiv für das Wählerverhalten – oder es gibt keine. Im ersten Fall kann man darüber schreiben, im zweiten nicht.

    2. Das Ergebnis der Grünen liegt deutlich über der Tendenz in Land und Bund. Dass der Höhenflug von 2019/20 vorbei ist und es gegenüber der letzten Kommunalwahl deutliche Verluste geben würde, war klar – aber ein “Abstrafen” auf lokaler Ebene kann ich nicht erkennen.

    3. “Abgestraft” ist immer relativ. Sowohl im Kreis wie auch im Rat das zweitbeste Ergebnis der Grünen seit Gründung hier in Rhein-Berg und GL.

      Das Ergebnis i.V. zur Europawahl 2024 hier im Kreis um 1%-Punkt verbessert (von 15,77% auf 16,85%), in GL selber “bestätigt” (von 18,40% auf 18,94% Kreistag und 18,13% Stadtrat), im Vergleich zur letzten BT-Wahl im Kreis 1,8%-Punkte hinzu gewonnen (von 15,04% auf 16,85%) und hier in GL selber ca. 1,5%-Punkte (von 16,96% auf o.a. bereits angegebene Werte für Kreistag & Stadtrat, gemittelt ca. 18,54%).

      Die AfD hingegen hat i.V. zur BT-Wahl sowohl im Kreis wie auch in GL knapp 1%-Punkt verloren. ;)

      Ja, natürlich haben die Grünen im Vergleich zur letzten Kommunalwahl, zu der Europawahl 2019 und zur BT-Wahl 2020 massive Verluste – aber die Ergebnisse würde ich (auch rein statistisch, tbh) als massive “Ausbrüche” nach oben ansehen.

      Damals übrigens absolut nachvollziehbar bzw. relativ gut zu erklären (neben dem reinen Wunsch, nach erneut 16 Jahren Unionsregierung im Bund und durchgehend seit ich lebe – also 56 Jahren – hier im Kreis und in GL “CDU Regierung” mal andere Mehrheiten zu bekommen):

      2018 & 2019 waren die Jahre, in denen die Klimaerwärmung erstmals so richtig massiv spürbar wurde. 2018 mit einer Dürre- & Hitzewelle in D und Europa von April bis in den Dezember, 2019 mit Hitzewelle von Juni bis Juli und mit absoluten Temperaturrekorden auch hier in D (damals die offiziell gemessenen knapp 42° im Schatten).

      Dazu diverse Sturm- & Starkregenereignisse in Südeuropa mit Toten und Milliardenschäden, Orkan Sabine hier bei uns und zudem eine Fridays for Future Bewegung, die in diesen Jahren ihren Höhepunkt (öffentlich) erreicht hat – inklusive globalem Klimastreik im September 2019, an dem allein in D rd. 1,4 Mio. Menschen teilnahmen.

      Der menschgemachte Klimawandel war also medial wie politisch und gesellschaftlich “Top-Thema” – was er zwar heute noch viel mehr sein sollte & müsste, aber halt tragischerweise nicht mehr ist.

      Die “Flüchtlingskrise” von 2015/2016 war kein Thema mehr, die Zahlen waren (deutlich) rückläufig, Corona wurde 2020 noch gesamtgesellschaftlich mit Konsens, Hirn & Vernunft bekämpft, der Krieg in der UKR und die damit einhergehenden Sorgen & Preissteigerungen sowie die Kriegsflüchtlinge von dort waren genauso wenig abzusehen wie “Trump 2.0” oder gar die ab ca. 2023 einsetzende unfassbare Hetz-, Desinformations- & Verleumdungskampagne von Springer, KKR, INSM, AfD & Co zu bzw. gegen Grüne & Habeck.

      Die Gründe zu finden, ist eigentlich kein all zu großes Problem. Nur die Lösung habe ich nicht – obwohl wir die dringend bräuchten, angesichts der aktuellen, völlig rückwärtsgewandten Politik in D und auch auf der Welt.

      Wenn Sie aber eine Antwort darauf haben, wieso hier in GL & Rhein-Berg (ok, irgendwie auch im Bund) immer und immer wieder die eine Partei in Verantwortung gewählt wird, die Kreis & Stadt seit 60/70 Jahren durchgängig “regiert” hat (die knapp 3,5 Jahre “Ampel” hier in GL sind vernachlässigbar, genau wie im Bund) und somit für das Gros der akuten aber auch jahre- & jahrzehntelang “anhaltenden” Probleme hier verantwortlich ist, dann wäre ich daran sehr interessiert!

      Ich finde dafür wirklich KEINE rationale Erklärung…

  8. Vielleicht kann ich ja nicht rechnen oder ich verstehe Mehrheitsbildungen nicht, aber wieso sich gegen die CDU bei 27 Sitzen durch die anderen Ratsparteien auch ohne “afd” keine Mehrheit bilden lässt, entgeht mir.

  9. Puh, die CDU kommt im neuen Stadtrat auf einen Frauenanteil von ca. 22%. Ein echtes Armutszeugnis. Vielleicht aber auch eine Erklärung dafür, warum die Familienpolitik der CDU in den letzten Jahrzehnten so miserabel ausgefallen ist. Ich wünsche den CDU-Frauen viel Kraft, dies zu ändern und endlich für genügend Kitas (nebst Personal) und neue oder sanierte Schulen zu kämpfen. Ganztagsbetreuung inklusive. Es ist dringend nötig. Nebenbei, SPD und Grüne entsenden ca. 50% Frauen in den Stadtrat.

    1. Reine Stochastik, ist nicht schwer. Konservative Politik zieht eher Männer an, soziale, ökologische eher die Frauen.
      Dazu dann noch ein paar Quoten, und schon hat man die 50%.
      Da ich hoffe, dass die Parteien die besten Kandidaten aufstellen und nicht nach Quote, ist dies ein erwartetes Ergebnis und völlig in Ordnung.

      Welche Bewandtnis hat das Geschlecht denn für gute politische Entscheidungen? Wo ziehen wir die Grenze? Alter, Geschlecht, Farbe, sex. Orientierung etc? Was ist mit den zig anderen gefühlten Identitäten?

      1. Das haben Sie jetzt nicht wirklich geschrieben? Ich weiß nicht, ob ich bei so einer Haltung überhaupt zu Ihnen durchdringe, aber eine ausgeglichene Repräsentanz von Frauen und Männern in der Politik ist notwendig für einen gleichberechtigten Einfluss. Beispiele aus der Vergangenheit zeigen, dass positive Veränderungen in der Lebenssituation von Frauen oft dann erst erreicht werden konnten, wenn sich die wenigen weiblichen Abgeordneten im Bundestag fraktionsübergreifend zusammenschlossen, um notwendige Reformen anzustoßen, z. B. bei der Neuregelung des Schwangerschaftsabbruchs (1992), bei der Beseitigung der Straffreiheit der Vergewaltigung in der Ehe (1997), bei der Einführung des Prinzips „Nein heißt Nein“ im Sexualstrafrecht (2016) oder bei der Verabschiedung des Gewalthilfegesetzes (2024). Es sind auch die Frauen, die noch immer bei Gehältern benachteiligt werden. Wir haben Frauenhäuser in GL, wo sich Frauen vor gewalttätigen Männern verstecken müssen. Frauen brauchen Frauen für ihre politischen Themen. Ich empfehle Ihnen hierzu dringend einen Dialog mit der Gleichstellungsbeauftragten.

      2. “ich hoffe, dass die Parteien die besten Kandidaten aufstellen und nicht nach Quote”
        Sie würden sicher gerne bestätig haben, dass die Dame Bosbach (wg. Papa) die bessere Kandidatin war als eine Quoten-Frau?

        Dann doch lieber nach Quote, egal welcher sexuellen Orientierung und Hautfarbe.
        Hauptsache er/sie/es verfügt über Kompetenz, hat ein großes Herz, eine Vision und ist Wortgewandt.
        Und eine dicke Haut muss er/sie/es vermutlich auch haben.
        Aber, zugegeben, mit allzu klugen Kandidaten oder Kandidatinnen hätten etliche CDU-Politiker gewiss ihre Probleme, daher bleiben die Herren doch lieber unter sich gell.

  10. Es ist erfreulich zu sehen, dass Rot-Grün ihrer Linie treu bleibt. Schließlich braucht es beide Komponenten, die der CDU fehlen. Besonders freue ich mich darüber, dass Ragnar Migenda weiterhin Erster Beigeordneter bleibt und sich von der CDU nicht ideologisch unter Druck setzen lässt. Verwunderlich finde ich hingegen, dass viele Wählerinnen und Wähler einen Bürgermeister (Felsch) gewählt haben, der in Bergisch Gladbach kaum verwurzelt ist und sich daher nicht wirklich als Gladbacher verstehen sollte.

    1. Kleine Ergänzung: er ist auch (neben der von vornherein aussichtslosen Kandidatin für „Die Linke“) der einzige BM-Kandidat, der NICHT zugleich für den Stadtrat kandidiert hat.
      Alle anderen Kandidaten (gendern leider unnötig) haben sich auch auf dieses Ehrenamt (looking at you, Bürger“partei“-Vertreter) als normales Stadtratsmitglied beworben, nicht nur auf die „bezahlte Stelle“ als BM, und haben diese Mandate für ihre Heimatstadt auch gewonnen.

      Vielleicht hilft das ja auch der/dem ein oder anderen Bürger/in bei der Wahlentscheidung zur bevorstehenden Stichwahl…

    2. Migenda ist Verwaltung. Es ist zu hoffen, dass er in Zukunft weniger versucht, Politik zu machen, sondern mehr, seinen Laden im Griff zu halten. Da wird der neue Rat mit anderen Mehrheiten ihm hoffentlich mehr auf die Finger sehen.

    3. “Bürgermeister (Felsch) … der in Bergisch Gladbach kaum verwurzelt ist”
      Aber, wenn er es denn wird, können wir wenigstens noch darauf “hoffen”, dass er nicht die verschiedenen Bevölkerungsgruppen derart gegeneinander aufbringen wird, wie wir es von den hier bereits “seit langem verwurzelten” CDU-Vertretern in den Vergangenheit erleben durften.

      Vielleicht ist er, aus Düsseldorf kommend, ja aus edlerem Holz geschnitzt, wir werden sehen.

      1. „aus Düsseldorf kommend, ja aus edlerem Holz geschnitzt“ – Meine lokalpatriotische Ader sagt mir (zumindest im Scherz), dass das eine contradictio in adiecto sein muss.

      2. Wie soll er denn, wenn er selbst sagt: sein Lebensmittelpunkt sei Düsseldorf und seine Familie lebe dort…