Der britische Gartendesigner Pip Morrison und die Landschaftsarchitektin Andrea Lechte haben die Herausforderung angenommen, den verwilderten Park von Haus Lerbach zurück zur alten Pracht zu verhelfen, eng am historischen Vorbild und mit behutsamen Eingriffen. Im Gespräch erläutern sie erstmals, was genau geplant ist. Und welche Entdeckung sie gemacht haben.

Die Prämisse der neuen Eigentümer von Haus Lerbach gilt: Der 26 Hektar große Park wird vorsichtig im Sinne der ursprünglichen Gestalter Anna Zanders und Albert Brodersen angepasst. Wir wollen den Park zurück „zum ursprünglichen Glanz“ bringen, sagt Heribert Landskron-Reißdorf. Alle, die mit Erhalt und Umbau des englischen Landschaftsgartens beauftragt sind, handelten entsprechend der historischen Gegebenheiten.

Dafür stehen zwei renommierte Fachleute ein: der britische Gartendesigner Pip Morrison und die Landschaftsarchitektin Andrea Lechte konzipieren die Umgestaltung und begleiten die konkreten Arbeiten im Park – die zur Wiederherstellung der verwilderten Anlagen und für die geplante künftige Nutzung von Schloss Lerbach als Hotel und Konferenzort erforderlich sind.

Albert Brodersen war berühmt dafür, seine Parkkreationen optimal in bestehende Landschaften einzufügen. Das nehmen die beiden Gartengestalter jetzt auf; sie wollen alles „Neu-Entstehende“ nach aktuellen Standards schonend in die vorhandene Gartenlandschaft integrieren.

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Zwei Gartenfreunde in Lerbach: Anna Zanders und Albert Brodersen

Den Park von Haus Lerbach verdankt Bergisch Gladbach vor allem zwei Berlinern: Die „Schloss“-Herrin Anna Zanders und der Gartengestalter Albert Brodersen teilten vor gut 100 Jahren ihre Garten- und Naturliebe und schufen in Bergisch Gladbach ein grünes Refugium, das in seinen Grundzügen nach wie vor erkennbar ist – und mit der Sanierung von Schloss Lerbach wieder zur Blüte gebracht wird.

Zum Beispiel die neuen Parkplätze, die für den Hotelbetrieb notwendig und vorgeschrieben sind. Dazu wird die bestehende Fläche an der Zufahrt vom Lerbacher Weg deutlich erweitert. Die Parkplätze werden dann hinter einer Hecke „versteckt“, so dass sie von der Straße aus nicht sichtbar sind. 

Das Aussehen des Parks um 1900 lässt sich nach Meinung der beiden Gartenarchitekten allerdings nur annähernd rekonstruieren. Ein historischer Garten bestehe aus „lebendem“ Material, den Pflanzen, und verändere sich im Laufe der Zeit stark. Die bewegte Geschichte von Haus Lerbach weist außerdem viele Besitzer und Pächter auf, die den Park nicht so pflegten, wie es für diese historische Substanz nötig gewesen wäre. 

Eigentümer Heribert Landskron-Reißdorf (r..) mit Landschaftsarchitektin Andrea Lechte, Parkdesigner Pip Morrison und Sonja Müller (Öffentlichkeitsarbeit), v.r.. Foto: Annette Voigt

Im Gespräch stellen Morrison, Lechte und Landskron-Reißdorf eine lange Liste der einzelnen Maßnahmen vor – machen aber auch deutlich, wie komplex das Unterfangen ist.

Basis für die Wiederherstellung der historischen Gartenlandschaft ist das sogenannte Pflanzpflegewerk. Dafür hatte die beiden Planer historische Pläne und Fotos gesichtet sowie den aktuellen Zustand der Parklandschaft begutachtet. Inzwischen ist dieses Konzept fertig und liegt dem Landschaftsverband vor.

Zur Sache: Der Denkmalschutz

Seit 1987 steht Haus Lerbach mit seiner historischen Gartenanlage und dem Herrensitz (auch Schloss genannt) unter Denkmalschutz. Jede Veränderung an diesem Bau- und Gartendenkmal ist gesetzlich reglementiert. Fachbehörden, unter anderem der Landschaftsverband Rheinland (Abt. Denkmalschutz/ Gartendenkmalpflege) und die Untere Denkmalbehörde der Stadt Bergisch Gladbach, prüfen und kontrollieren.

Veränderungen beziehen sich auf Erneuerungen, die über eine Reparatur und eine aktuelle Pflege hinausgehen. Regelmäßige Instandhaltung bzw. Wiederherstellungsmaßnahmen sind also verpflichtend. Der Eigentümer Landskron-Reißdorf betont immer wieder, dass damit sehr viele Auflagen und zeitaufwendige Absprachen verbunden sind.

Nun müssen die Planer die Genehmigung des Pflanzpflegewerks abwarten, erst dann könne man etwas zum Beginn und Abschluss der Arbeiten sagen.

Die Freigabe des Parks für die Öffentlichkeit hänge davon nicht ab. Allerdings seien die Arbeiten an den Bäumen noch immer nicht abgeschlossen; wann der Park geöffnet werden könne, stehe noch nicht konkret fest. Aber auch in dieser Zeit soll es weitere Führungen geben.

Überraschende Entdeckung in alten Plänen

Foto: Annette Voigt

Seit Monaten laufen viele weitere Vorbereitungen für die Parkrestaurierung, diverse Fachleute sind vor Ort und erarbeiten konkrete Maßnahmen. So stellte ein Lampenspezialist fest, ob und welche der alten, gusseisernen Lampen erhalten werden können. Eine andere Firma reproduziert alte Bänke nach historischen Fotos. Auch die Suche nach historischen Pflanzen ist gestartet.  

Auch Pip Morrison hatte bei seinen Recherchen etwas Überraschendes entdeckt, als er einen sehr alten Plan aus der Zeit des Wasserschlosses, dem Vorgänger von Haus Lerbach, prüfte. Der kleine Pavillon unten im Park, an dem sich der Lerbach entlangschlängelt, ist auf diesem Plan bereits aufgeführt. Offenbar wurde er schon zu Zeiten des barocken Gartens gebaut. Der Pavillon wäre somit das älteste Gebäude auf dem Areal.

Erkunden Sie mit unserer Panoramatour Schloss Lerbach von innen und außen. Ein Doppelklick öffnet und schließt die volle Ansicht, mit der besten Wirkung auf einem größeren Bildschirm, auf dem Handy im Querformat. Sie können über die blauen Punkte und die Navigation oben verschiedene Perspektiven ansteuern. Sie können die Ansicht drehen, Details heranzoomen. Hinter den roten Symbolen finden Sie Texte, historische und aktuelle Fotos. Manche Infos sind ein wenig versteckt. Die Aufnahmen wurden im Frühjahr 2023 gemacht.

Die Maßnahmen im Einzelnen

Parkarchitektur und Landschaft bilden in einem englischen Garten eine Einheit. Daher ist es für die Gartenplaner selbstverständlich, Pavillons, Brücken, Treppen und Mauern ebenso wie die Gartenlandschaft wiederherzustellen.

Auch die Erweiterung des Hotels, die auf der Fläche des alten Parkplatzes hinter dem Bestandsgebäude entsteht, soll in das Gartenensemble eingefügt werden. Die alte Pergola soll an der Fassade des Neubaus, moderner interpretiert, fortgesetzt und das Dach begrünt werden. So werde ein einheitliches Gartenbild erzielt. Der Ehrenhof bildet mit seiner am historischen Vorbild angelehnte Gestaltung die Verbindung im Außenbereich zwischen Neubau und Herrenhaus.

Der Ehrenhof. Foto: Thomas Merkenich

Da der Bereich der Hotelerweiterung nördlich liegt, werden die alten Blickachsen, die den Planern sehr wichtig sind, Richtung Süden vom Schloss in den Park und in das Tal nicht eingeschränkt. Von der Auffahrt Richtung Schloss wird der Neubau ebenfalls kaum wahrnehmbar sein.

Das bestehende Wegnetz wird behutsam erweitert und mit einem Spezialbelag angelegt, der sich in anderen historischen Gärten schon lange bewährt hat. Das gesamte Wegesystem soll natürlich wirken und mit dem Gartengelände eine Einheit bilden. Die verwilderten Wege müssen erneuert werden und so ausgelegt sein, dass Feuerschutz und Rettungseinsätze schnellstmöglich gewährleistet sind. 

  

Geplant ist auch ein direkte Weg zum Bistro, das unter der Terrasse eingerichtet wird, dort wo früher das Restaurant „Coq au Vin“ lag. Für die Barrierefreiheit müsse noch ein relativ steiler Weg abgeflacht werden. Bestehende Wege werden zu einem Rundweg umgewandelt, der durch den Parkwald im Westen am Ehrenhof vorbei bis zum Parkwald im Osten führen soll.

Links unter der Terrasse soll wieder ein Bistro seinen Platz finden. Foto: Thomas Merkenich

Bestehendes wird zu Neuem

Ein englischer Landschaftsgarten lebt vom Wechsel der Perspektiven, die immer andere Aussichten freigeben. Diese rund 20 Sichtachsen sind jedoch oftmals zugewachsen. Daher sieht das Parkpflegewerk vor, alle Perspektiven nach historischen Vorlagen wiederherzustellen.

Haus Lerbach um 1914. Foto: Stadtarchiv Bergisch Gladbach

Um diese Ausblicke genießen zu können, sind viele Sitznischen und -gelegenheiten geplant. In Richtung westlichem Parkwald existiert noch ein Rondell mit Rundbank, das überwuchert ist. Es soll nach seiner Rekonstruktion wie einst bei Anna Zanders ein beliebter Treffpunkt für Parkbesucher werden.    

 Auch die Terrassen werden wieder wie bei Anna Zander üppig bepflanzt. Von Wildnarzissen, Magnolien, Hortensien ist unter anderem die Rede. Das Ganze soll jedoch lichter gestaltet sein. Selbstverständlich sind auch Rosenbüsche in den Gartenflächen geplant. Die Einfassungen der Beete auf der Südterrasse unterhalb des Schlosses sind noch im Ansatz zu erkennen.

Der Neptunbrunnen (Fotos links der aktuelle, Foto rechts alte Standort) soll an seinen ursprünglichen Platz auf die hintere Terrasse zurückkehren und Neptun seinen zweiten Arm zurückbekommen. Eine frühere Pferdetränke soll nachgebaut werden. Die marode Reithalle soll erst später restauriert werden.

Die historische Terrasse an der Westfassade, die durch die Überbauung mit dem ehemaligen Restaurantpavillon komplett verschwunden war, soll neu entstehen. Um auch barrierefrei erreichbar zu sein, muss sie gegenüber dem historischen Vorbild etwas angehoben werden.

Die Kunstobjekte, die zu Zeiten des Hotel Althoff auf dem Rasen hinter der Eibenallee in Richtung großer Kastanie standen, sind leider fast alle nicht mehr vorhanden.

Westlich vom großen Teich und jenseits der Eibenallee haben die Planer zwei weitere, kleinere Teiche vorgesehen, die jedoch anders als der jetzige Teich geformt sind. Lechte erläutert, dass laut Denkmalschutz das Neue gut erkennbar sein muss und nicht in Konkurrenz zum Bestehenden stehen darf. 

Es sind naturnahe Retentionsbecken, die Regen- und Schmelzwasser auffangen, um bei Trockenheit die Pflanzen ausreichend zu bewässern. Außerdem verhindern die Auffangbecken Überflutungen und kühlen durch Verdunstung. Die Gartendenkmalpflege und auch die untere Wasserbehörde kennen die Planung der Teiche bereits. Nach aktuellem Stand gehen alle Beteiligten davon aus, dass einer Genehmigung nichts im Wege steht.

Auf dem Gelände der früheren Obstwiese haben die Gartengestalter vor, erneut alte Apfel- und Birnensorten anzusiedeln. An der Stelle, an der Anna Zanders Kräuter und Gemüse anbaute, ist ein Kräutergarten nach historischem Vorbild vorgesehen. Gemüse wird nicht mehr angebaut. 

Pflanzen und Gehölze sind ebenfalls historische Dokumente. Bei der Wiederherstellung sollen daher möglichst Pflanzen aus der Entstehungszeit des Parkes verwendet werden. Die klimatischen Bedingungen haben sich jedoch im Laufe der Jahrzehnte stark verändert, so dass jetzt auch Pflanzen nötig sind, die den Wetterextremen trotzen.

Zur Sache: Die Geschichte des Parks

1834-1850: Eduard Knobel erwirbt das Gut und baut den Rittersitz zur Wasserburg im klassizistischen Stil um. Ab 1850 mehrfache Besitzerwechsel. 1865: Levin Graf Wolff-Metternich (Stadtverordneter und Beigeordneter in BGL) kauft Haus Lerbach. 1893: verkauft er an Anna und Richard Zanders.

Ab 1898 der Bau der jetzigen Anlage Haus Lerbach beginnt, 1900-1902: das Herrenhaus wird fertiggestellt unter der Regie von Ludwig Bopp und Gabriel Seidl, die baufällige Wasserburg wird abgerissen, der alte Schlossteich zugeschüttet, ein neuer Teich angelegt. 

Nach dem Tode von Anna Zanders 1939 erbt die Familie von Siemens Schloss und Park. Seit 1939 gab es sehr unterschiedliche Nutzungen, unter anderem Waisenhaus, Quartier der britischen Besatzungstruppen, Erholungsheim für belgische Offiziere, Tagungshaus für europäische Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit, „Gustav Stresemann-Institut“, Boutique- und Eventhotel (Pächter Althoff), Gourmet Restaurant, Kulturelle Veranstaltungen, z. B. 1997 Lerbacher Musiktage. 

Seit 2015 Leerstand, 2022: H. von Siemens und M. Aufseß, die letzten Besitzer verkaufen an Dr. Landskron-Reißdorf.2023: die Schloss Lerbach GmbH & Co. KG. wird gegründet. 2024: die Umbauarbeiten am Schloss beginnen.  

Eine ausführliche Darstellung der Geschichte des Parks finden Sie hier

Die detaillierte Pflanzvorgabe und Bestandsaufnahme liegt mit einer Diplomarbeit von Sabine Kühnle (heute Christiansen) mit dem Titel „Park Haus Lerbach, Möglichkeiten der Erhaltung und Wiederherstellung“ von 1988 vor. Sie erleichtere ihre Arbeit sehr, sagten Morrison und Lechte.  

Die Auffahrt vom Haupteingang aus lenkt die Besucher zum Herrenhaus. Hier sieht das Pflanzpflegewerk unter anderem Blumenrabatte vor, welche die Seitenränder dekorativ säumen sollen.

Foto: Thomas Merkenich

Die Randbereiche der beiden Parkwälder in den Park sind zugewachsen, hier gingen in den vergangenen Jahrzehnten Parkflächen verloren. Die Übergänge sollen nun wieder freigelegt werden.

Inzwischen haben Morrison und Lechte ein jeweils eigenes Verhältnis zum Park entwickelt, den beide ebenso wie das Ehepaar Reißdorf sehr mögen. Lechte schätzt im Park besonders die vielen kleinen Gartenräume, „die vielen netten Punkte“.

Morrison streicht die Wirkung des Parks heraus. Er sei nicht groß, wirke aber durch seine geschickte Aufteilung wesentlich größer. Es sei eine „geliehene Landschaft“ wie es in Fachkreisen heißt.  

Liebhaber des englischen Landschaftsgartens können daher aufatmen. Die beiden Parkgestalter stehen dafür ein, den Charakter und das stimmungsvolle Flair dieses Parks zu erhalten und (wo möglich) wiederherzustellen.

Er hat es verdient, denn der Park Lerbach ist ein beeindruckendes Zeugnis einer Gartenepoche, in der sich zwei Stile in einem Garten vereinten, der klassische englische Landschaftsgarten und der architektonisch ausgerichtete Garten. Pip Morrisons und Andrea Lechtes arbeiten daran, dieses Musterbeispiel vergangener Gartenkunst langfristig zu sichern, vielleicht sogar für die nächsten hundert Jahre. Es gibt nur noch wenige Parks aus dieser Epoche. 

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  1. “Liebhaber des englischen Landschaftsgartens können daher aufatmen.”
    Die Frage ist, ob die heute lebenden Liebhaber – möglicherweise ist auch die eine oder andere Liebhaberin dabei – noch zu ihren Lebzeiten aufatmen können.
    Es gibt viele in Gladbach, die sich auch freuen würden, wenn sie durch einen verwilderten Park spazieren könnten.

    1. Während dort gearbeitet wird? Ich nehme an, die meisten in Gladbach sind flexibel genug, solange einfach den Lerbacher Weg Richtung Süden zu überqueren und dann durch den Wald zu spazieren – es ist ja nicht so, dass der Schlosspark weit und breit das einzige Fleckchen Grün wäre, ganz im Gegenteil.