Caroline Bosbach. Foto: Thomas Merkenich

Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt nun auch gegen eine Frau aus dem Arbeitsumfeld der CDU-Bundestagsabgeordneten Caroline Bosbach. Diese Person soll nachträglich eine Rechnung für eine Begleitung im Wahlkampf ausgestellt und zurückdatiert haben. Sie selbst und Bosbach bestreiten die Vorwürfe.

Staatsanwalt Ulrich Bremer hat auf Anfrage des Kölner Stadt-Anzeigers bestätigt, dass im Umfeld der Betrugsvorwürfe gegen Caroline Bosbach gegen eine weitere Person ermittelt werde. Die Beschuldigte stehe im Verdacht, „im Juli 2025 eine Rechnung über die Ableistung einer Wahlkampfbegleitung erstellt, auf den 03.02.2025 rückdatiert und zur Verfügung gestellt zu haben“.

Zu welchem Zweck dies geschehen sei, sei Gegenstand umfangreicher Ermittlungen, sagte Bremer laut Stadt-Anzeiger. Im Dezember habe es bei der Frau eine Hausdurchsuchung gegeben.

Die Frau bestritt gegenüber dem KSTA alle Vorwürfe. Sie sei davon überzeugt, dass es sich bei der Angelegenheit „um eine bösartige Kampagne von dritter Seite gegen Frau Bosbach“ handele.

In einer Stellungnahme des Anwalts von Bosbach, die auch dem Bürgerportal vorliegt, bestätigt die CDU-Bundestagsabgeordnete, in der Sache von der Staatsanwaltschaft vernommen worden zu sein. Ihr seien jedoch keine Rechnungen bekannt, die (womöglich) gefälscht seien. Solche Rechnungen habe sie weder „bezahlt noch abgezeichnet oder freigegeben“.

Es geht demnach um eine Rechnung in Höhe von 2088,45 Euro für Dienstleistungen im Wahlkampf. Der Betrag sei nicht von der CDU, sondern von Bosbach bezahlt worden. Wäre sie überhöht, wäre also nicht die Partei, sondern allein sie selbst geschädigt worden, so Bosbach Anwalt. Diese Rechnung stammt aus dem Juli 2025, Mitte Juli waren die Vorwürfe öffentlich geworden.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit Ende Oktober gegen Bosbach und weitere Beschuldigte wegen des Anfangsverdacht des gemeinschaftlichen Betrugs. Hintergrund ist der Vorwurf, Bosbach habe im Januar 2025 einen damaligen Wahlhelfer dazu gebracht, eine fingierte Rechnung über 2.500 Euro bei der CDU Rheinisch-Bergischer Kreis einzureichen und ihr das Geld auszuhändigen.

Bosbach bestreitet nicht, die 2500 Euro in bar entgegen genommen zu haben – dadurch sei der CDU aber kein Schaden entstanden. Sie sei Opfer einer Schmutzkampagne. 

Gegen den damaligen Wahlhelfer, der ehrenamtlich tätig und zugleich beim CDU-Kreisverband als Azubi angestellt war, wird gesondert ermittelt. Er hatte sich am 10. Juli 2025 selbst angezeigt.

Nach Angabe des Kölner Stadt-Anzeigers wird inzwischen auch gegen einen weiteren ehemaligen CDU-Mitarbeiter (zunächst beim Kreisverband Köln, dann im Bundestagsbüro Bosbachs) ermittelt, der den Azubi bei der Geldübergabe begleitet hatte. Dieser Mann sei nach früheren Angaben von Bosbachs Anwälten Urheber der „Rachekampagne“. Laut KSTA wartet der Mann noch immer auf seine Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Was ist eigentlich aus der unabhängigen Untersuchung geworden, die die CDU in Auftrag gegeben hatte?

    1. Die ist doch im Grunde mit den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft obsolet geworden. Wenn die Staatsanwaltschaft belastende Tatsachen findet, interessiert ein anderslautendes Ergebnis CDU-interner Untersuchungen nicht weiter. Und wenn anderherum die Staatsanwaltschaft Frau Bosbach entlastet, wird die CDU den Teufel tun, dem zu widersprechen, ganz gleich, was sie herausgefunden hat.

      1. Die CDU hat die Prüfung angekündigt, nachdem sie die Staatsanwaltschaft eingeschaltet hatte. Auf iGL hieß es dazu:

        “Die CDU Rhein-Berg ließ eine erneute Anfrage unbeantwortet. Nachdem ein ehemaliger Auszubildender der CDU und Wahlkampfhelfer Bosbachs Ende Juli die Vorwürfe öffentlich gemacht hatte, hatte die CDU unter dem Kreisvorsitzenden Hermann-Josef Tebroke die Staatsanwaltschaft eingeschaltet und ihr alle Unterlagen zur Verfügung gestellt.

        Nach einem Gespräch mit Bosbach im August hatte der CDU-Kreisvorstand zudem erklärt, es seien weitere Schritte vereinbart worden, mit denen „die nötige Transparenz und Aufklärung“ zu leisten sei. Intern sollten „die Beweise, die den Vorwurf einer Scheinrechnung und den des Stimmenkaufs widerlegen“, bereits „in den nächsten Tagen“ von Kreisgeschäftsführer Lennart Höring und einem unabhängigen Prüfer eingesehen werden.”

        Die CDU hat Transparenz angekündigt; dann sollte sie auch liefern.

      2. Ja, das ist korrekt (auch wenn die CDU da niemanden „einschalten“ konnte, sondern die Staatsanwaltschaft nach der damaligen Selbstanzeige ohnehin ermitteln musste). Aber meiner Ansicht nach zeigt das nur, dass das alles eine öffentlichkeitswirksame Luftblase war, weil irgendeine angebliche oder tatsächliche Transparenz der CDU neben den Ergebnissen der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen völlig irrelevant ist.

      3. Und außerdem ist mal hervorzuheben, dass der Azubi Köpfchen (Hut ab) gezeigt hat, indem er sich selbst angezeigt hat.
        Weil, wenn er sich tatsächlich dazu hat verleiten lassen, diese Rechnung (ohne Leistung = Straftat) zu schreiben, und es gab ja auch Zeugen, hätte er sich ggf. für alle Zukunft erpressbar gemacht.

  2. Entweder es ist wirklich eine Schmutzkampagne, dann ist es ruchlos und widerwärtig, oder es stimmt – dann ist das eintreten von Frau Bosbach für eine besonders harte „law and order“ Linie in der Innen-, Asyl- und Rechtspolitik nicht nur aus grundsätzlichen Erwägungen zu kritisieren, sondern auch nicht anders als verlogen zu bezeichnen. Im ersteren Fall wäre Bosbach das soundsovielte Opfer einer Schmutzkampagne, die PolitikerInnen bewusst unmöglich machen und so die Zweifel an der Demokratie nähren und diese letztendlich zersetzen soll. Im zweiten Fall wäre ein Rücktritt von allen politischen Ämtern die einzige logische Konsequenz.
    Die staatsanwaltlichen Ermittlungen werden hoffentlich Klarheit in die ein oder andere Richtung bringen.
    Herzliche Grüße aus Bonn,
    Siebo M. H. Janssen