Zwei, die entschlossen sind, den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen: der Israeli Rami Elhanan (l.) und der Palästinenser Bassam Aramin. Foto: Parent’s Circle

Die Partnerschaft zwischen Bergisch Gladbach und der palästinensischen Stadt Beit Jala wird in diesem Jahr 15 Jahre alt. Den Beginn des Jubiläumsjahrs markiert eine Lesung im Theas Theater – aus einem Buch, das die außerordentliche Freundschaft des Israelis Rami Elhanan und des Palästinensers Bassam Aramin erzählt.

Wir veröffentlichen einen Beitrag des Städtepartnerschaftsvereins Bergisch Gladbach – Beit Jala

Nach einstimmigem Ratsbeschluss war es am 12. März 2011 soweit: Die damaligen Bürgermeister von Bergisch Gladbach und Beit Jala, Lutz Urbach und Raji Zeidan, besiegelten mit ihrer Unterschrift im Rathaus von Beit Jala die Partnerschaft beider Kommunen. Mit dabei der Vorsitzende des Trägervereins Axel Becker und weitere Gäste aus der Strundestadt. 

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Jetzt begehen wir das 15. Jubiläum der Städtepartnerschaft über exakt 3140 Kilometer hinweg. Keine große Zahl, aber eine bedeutende. Zur rauschenden Feier angesichts der fast täglich neuen Horrorbotschaften aus dem eher unheiligen Land gibt es keinen Anlass. Dennoch möchten wir mit unserem Jubiläumsprogramm dazu beitragen, den Menschen in Beit Jala Zeichen der Anteilnahme zu geben. Darüber hinaus wollen wir immer wieder miteinander ins Gespräch kommen und unseren Blick für die Lage im Westjordanland schärfen. 

Ein Friedenspreis und eine Lesung

Zahlreiche Veranstaltungen sind in diesem Jahr geplant – darunter die Stiftung eines Friedenspreises sowie der Besuch von Daoud Nassar vom Tent of Nations im Bethlehem.  Los geht‘s erstmal mit einer Lesung im Theas Theater.

Apeirogon – Lesung aus dem Buch von Colum McCann
Sonntag, 1. März 2026, 18 Uhr
THEAS-Theater, Jakobstraße 103, 51465 Bergisch Gladbach

Eintritt frei, Spenden erwünscht. Anmeldung bitte unter info@gl-beitjala.net

Die Vorgeschichte dazu erzählt uns Heinz-D. Haun.

Zufällige Bekanntschaft mit dem Parents Circle: Wie alles begann 

Als ich, Heinz-D. Haun, im Jahr 2016 anlässlich einer Begegnungsreise in Beit Jala weilte, steckte mir jemand einen Prospekt zu und sagte: „Das war eine total spannende Ausstellung.“ Es war der Prospekt zu einer Ausstellung daheim im Willy Brandt-Haus in Berlin, die dort einige Monate zuvor gelaufen war. Titel: „Die Gegenwart der Abwesenheit“. 

In der Tat, der Prospekt ließ erkennen: Das muss eine spannende Ausstellung gewesen sein! Es war dies eine Dokumentation des Parents Circle – sie dokumentierte, wie israelische und palästinensische Hinterbliebene von Opfern des nahöstlichen Dauerkonflikts sich mit dem Verlust eines nahen Angehörigen auseinandersetzen und Wege der gemeinsamen Trauerarbeit unternehmen. Gesine Schwan und Sigmar Gabriel hatten die Ausstellung damals prominent unterstützt.

Feind und bester Freund

In dem Prospekt fand ich auch die Kontaktadresse des Parents Circle auf palästinensischer Seite – und siehe da: Das Büro befindet sich gerade zwei-, dreihundert Meter von unserem Gästehaus, der Abrahams Herberge in Beit Jala, entfernt. Ich nahm sogleich Kontakt zu der Organisation auf, und zwei Jahre später saßen zwei sympathische Herren eines Abends während einer weiteren Begegnungsreise in einem Clubraum der Herberge und erzählten uns ihre Lebensgeschichten.

Es waren Rami Elhanan und Bassam Aramin, zwei inzwischen in aller Welt bekannte, engagierte Vertreter des Parents Circle. Elhanan stellte zunächst sich, dann Aramin vor: „This man is my enemy…“, dann grinste er und sagte: “… he’s my best friend!”

Rami und Bassam leben auf unterschiedlichen Seiten der Mauer, die sich durch das sogenannte Heilige Land zieht. Und doch eint sie die Trauer. 

Der Israeli Rami Elhanan und der Palästinenser Bassam Aramin haben jeder eine Tochter im Nahost-Konflikt verloren. Ramis Tochter wurde 1997 im Alter von dreizehn Jahren von einem palästinensischen Selbstmordbomber vor einem Jerusalemer Buchladen getötet. Bassams Tochter starb 2007 zehnjährig mit einer Zuckerkette in ihrer Tasche vor ihrer Schule durch die Kugel eines israelischen Grenzpolizisten.

Der Schmerz über den Verlust ihrer Töchter bringt die beiden Männer zusammen in gemeinsame Trauer: „Wir begegneten uns als Feinde, die miteinander reden wollten.

Das bewegende Schicksal in Buchform

Der irische Autor Colum McCann hat über die beiden Männer einen bewegenden Roman geschrieben, über den Tod ihrer Töchter und über ihr ungewöhnliches Miteinander. Dieses Buch wurde zu einem flammenden Aufruf zur Aussöhnung im Nahen Osten. Es trägt den Titel „Apeirogon“. Der Titel deutet darauf hin, dass man es hier mit einem Phänomen zu tun hat, das nahezu unzählig viele Seiten und Aspekte zeigt.

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Claudia Timpner, Intendantin des THEAS-Theaters, und Heinz-D. Haun lesen bei der Veranstaltung am 1. März Auszüge aus dem Buch. Der Musiker Matthias Kurth spielt Kompositionen und Improvisationen auf der arabischen Laute.

Die Veranstaltung ist ein Gemeinschaftsprojekt des Städtepartnerschaftsverein Bergisch Gladbach-Beit Jala mit dem THEAS-Theater und dem Katholischen Bildungswerk Rhein-Berg und Bestandteil des Kulturprogramms zum 15jährigen Bestehen des Partnerschaftsvereins.

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