Mindestens 130 Jahre lang hat die Schankwirtschaft Mödder am Heidplätzchen die Bensberger mit Bier versorgt, doch seit sieben Jahren war die traditionelle Kneipe an der inzwischen umtosten Kreuzung der Kölner Straße dicht. Nun erwacht sie ganz unerwartet zu neuem Leben – und verspricht als Jazz-Club „gute Kultur in behaglichen Räumen“.

Erst der Klausmann, dann der Mödder. Zwei Kneipen an der Kölner Straße in Bensberg, die dem Gang der Zeit zum Opfer fielen, nach einem letzten rauschenden Fest abgeschlossen und verlassen wurden. Doch fast wie im Märchen tauchen aus dem Nichts die Retter auf – hier wie dort ein Ehepaar, dass in Bensberg sesshaft geworden war und sich in die historischen Gebäude verguckt hatte. Der alte Klausmann erstrahlt inzwischen wieder im neuen Glanz – und jetzt kehrt auch der Mödder zurück.

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Am 2. Mai eröffnet ein Konzert des Kaufmann / Bergmann Quintetts die Jazzkneipe Mödder, schon am 9.5. folgt das Matti Klein Trio und noch vor der Sommerpause soll ein dritter Auftritt stattfinden. Dann wollen sie eine erste Bilanz ziehen und das weitere Programm aufstellen, auch andere kulturellen Veranstaltungen seien denkbar, sagen die neuen Eigentümer und Betreiber.

Das Ehepaar, beide sind Juristen, sieht das Mödder nicht als Beruf, sondern als Berufung. Es hatte das Gebäude bei einer Versteigerung günstig erworben, will es mit relativ geringem Aufwand wieder nutzbar machen und in Bensberg ein zusätzliches kulturelles Angebot aufbauen. Dabei wollen die beiden selbst gar nicht im Vordergrund stehen, ihre Namen daher auch nicht veröffentlicht sehen.

Jazzkneipe Mödder

Kölner Straße 23
51429 Bergisch Gladbach

Website
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Tickets: 20 Euro, ermäßigt 10 Euro

Im Moment sieht es vor Ort noch etwas chaotisch aus, aber die künftige Jazzkneipe wächst langsam aus dem Mödder des vergangenen Jahrhunderts heraus. Durch die alte Kneipentür tritt man in den gefliesten Flur und von dort rechts in den Gastraum mit Theke und Holzvertäfelung.

Durch Schwingtüren geht es in den ehemaligen Saal, der zum Zuschauerraum mit bis zu 70 Plätzen wird. Das dahinter liegende frühere Musikzimmer wird zur Bühne.

Im Musikzimmer wird bereits geprobt. Foto: Redaktion

Die für den Kulturbetrieb notwendigen Arbeiten (Brandschutz, Hygiene, etc.) wurden erledigt, zudem in Bühnentechnik investiert. Darüber hinaus wurde nicht viel verändert, sondern allenfalls zurückgebaut, was in den vielen vergangenen Jahrzehnten angebaut worden war.

Dabei kam zum Beispiel die schöne dunkle Holzverkleidung im Saal wieder zum Vorschein. Ihnen gehe es darum, die „erlebte Gemütlichkeit“ zu erhalten und mit Jazz und anderer Kultur neu zu bespielen, berichten die Eigentümer.

Zur Geschichte: Heidplätzchen und Mödder

Nach Angaben von Prof. Michael Werling lässt sich die Geschichte des Gebäudes „Mödder“ an der historisch wichtigen Kreuzung auf historischen Karten mindestens bis in das frühe 19. Jahrhundert zurückverfolgen. Seine heutige Form habe es größtenteils in den 1930er Jahren erhalten.

Müffling-Karte von 1825, Wikipedia

Das Heidplätzchen bezeichnet heute die kleine Straße hinter dem Mödder, sie verbindet die Falltorstraße mit der Ferdinand-Stucker-Straße. Das gleichnamige Gehöft entstand bereits im 12. Jahrhundert unterhalb der Festungsanlage Altes Schloss Bensberg. Später war es ein Ortsteil von Bensberg, wird mit der umliegenden Bebauung aber längst nicht mehr als eigenständig wahrgenommen. Quelle: Wikipedia

Rund zehn Veranstaltungen pro Jahr von September bis Mai stellen sie sich zunächst vor – und wollen dann sehen, was sich entwickelt. Geöffnet werden soll nur während der Veranstaltungen, ein regulärer Betrieb ist nicht geplant. Die beiden Betreiber sind zwar beide Musiker (sie Klassik, er Jazz), aber eben keine Gastronomen.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. “Rund zehn Veranstaltungen pro Jahr von September bis Mai stellen sie sich zunächst vor – und wollen dann sehen, was sich entwickelt. Geöffnet werden soll nur während der Veranstaltungen, ein regulärer Betrieb ist nicht geplant.”

    Ok, kann man machen, aber von einem “Gaststättenbetrieb” kann man da wohl nicht reden. Man kann dann also in 10 Monaten einmal im Monat hingehen und im Sommer in 2-3 Monaten nicht, weil der Laden überwiegend geschlossen ist.

    Ok, kann man machen, wenn man so ein “Konzept“ als Hobby betreibt und keine betriebswirtschaftlichen Belange eine Rolle spielen.

    In dem Zusammenhang wäre es interessant zu wissen ob es bei den „Öffnungszeiten“ überhaupt ein Speisen- und Getränkeangebot gibt, oder eben bzw. eher nicht? Ein frisches Bier kommt, wenn man alle vier Wochen mal aufmacht auf jeden Fall nicht aus der „Leitung“. Mit dem Konzept wird es keinen “Kneipenbetrieb” mehr geben. Wie auch? Koch und Personal das man mal alle vier Wochen braucht wird sich schwer finden lassen. Vermutlich gibt es da auch keinen tragfähigen Businessplan, weil man ja keine „Gewinnerzielungsabsicht“ hat.

    Was für ein Laden wird das? – ein ab- und zu mal „Musiktreff“?

    Ok, dasteht „Die beiden Betreiber sind zwar beide Musiker, aber eben keine Gastronomen.“ Vielleicht erklärt das einiges?

    Insofern ist die Aussage „Der alte Klausmann erstrahlt inzwischen wieder im neuen Glanz – und jetzt kehrt auch der Mödder zurück.“ –irreführend und suggeriert einen „Kneipenbetrieb“. Und das ist ein „Birnen-Äppel-Vergleich.“ Denn der Klausmann ist wieder eine Kneipe bzw. Gaststätte geworden, der Mödder wird mit dem Konzept keine.

    Aber wie gesagt, kann man machen ;-)

  2. Gute Nachrichten! Ich freue mich sehr. So ein Angebot bereichert Bensberg ungemein! Vielen Dank an das Ehepaar!

  3. In dem wenige Zeilen langen Absatz über dem Bühnenfoto dreimal kurz hintereinander „alt“ und im letzten Satz zwei überzählige Kommas – da ging es heute in der Redaktion wohl ein wenig hektisch zu …

  4. Na, ganz anonym scheinen sie aber doch nicht bleiben zu wollen. Im Impressum der Internetseite sind zwei Namen genannt, das werden wohl die Namen der Inhaber sein.

    1. Von „annonüm“ ist im Text nicht die Rede. Die beiden wollen sich nicht in den Vordergrund stellen, übernehmen aber natürlich Verantwortung.

    1. @U. Kleinert

      ? Alle schätzen kurze Statement, aber da solltest Du mal genauer erklären… Danke!

      Dein
      Tomás M. Santillan – Mitglied des Stadtrats Bergisch Gladbach Die Linke