Foto: Autorin Gamze Kubaşık (vorne rechts), Mit-Autorin und Journalistin Christine Werner (vorne links) und die Organisatorinnen der Veranstaltung Ines Juhl (hinten links) und Susanne Middendorf (hinten rechts). Foto: Rheinisch-Bergischer Kreis

Gamze Kubaşık und Semiya Şimşek sind selbst Opfer rechtsextremer Gewalt. Ihre Väter wurden durch den rechtsextremen NSU ermordet. Die Lesung aus ihrem Buch „Unser Schmerz ist unsere Kraft“, das für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert ist, hat Zuhörerinnen und Zuhörer im Kreishaus in Heidkamp beeindruckt.

Wir veröffentlichen einen Beitrag des Rheinisch-Bergischen-Kreises

Was bedeutet es, den eigenen Vater durch rechtsextreme Gewalt zu verlieren? Und warum bleibt die Auseinandersetzung mit dem NSU-Komplex eine wichtige Aufgabe für unsere Gesellschaft? Mit diesen Fragen setzten sich am Mittwoch rund 70 Schülerinnen und Schüler des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums in Bergisch Gladbach, Lehrkräfte, Mitarbeitende der Kreisverwaltung sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger im Kreishaus Heidkamp auseinander.

Auf Einladung des Kommunalen Integrationszentrums des Rheinisch-Bergischen Kreises stellten die Autorinnen Gamze Kubaşık und Christine Werner ihr Sachbuch „Unser Schmerz ist unsere Kraft – Neonazis haben unsere Väter ermordet“ vor.

Das für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominierte Buch erzählt die Geschichten von Gamze Kubaşık und Mitautorin Semiya Şimşek. Sie sind Teenagerinnen, als ihre Väter Memet Kubaşık und Enver Şimşek durch die rechtsextreme Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) ermordet werden. In Gedächtnisberichten, aus Telefonaten und Chats schildern die Autorinnen eindrucksvoll, wie die Morde ihr Leben verändert haben.

Falsche Verdächtigungen

Neben der Trauer um ihre Väter erzählen sie von falschen Verdächtigungen und davon, wie Hinweise der Opferfamilien jahrelang ignoriert wurden. Lange Zeit wurde angenommen, es gäbe keinen Zusammenhang zwischen den Morden und der rechten Szene – ein fataler Irrtum, wie sich später bei der Selbstenttarnung des NSU im Jahr 2011 herausstellte.

Besonders beeindruckt waren die Zuhörenden von der persönlichen Geschichte von Gamze Kubaşık. Nach der gut einstündigen Lesung nutzten vor allem die anwesenden Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, Fragen zu stellen.

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„Zutiefst verachtend“: Familien mit Hassparolen beschimpft

Auf einem Spielplatz, mitten im Zentrum von Bergisch Gladbach und am helllichten Tag wurden Familien rassistisch beleidigt und mit Vernichtungsäußerungen beschimpft. Eine betroffene Mutter wendet sich gezielt an die Öffentlichkeit. Dieser Vorfall ist kein Einzelfall, wie sich erst jüngst bei der Gedenkveranstaltung an Patricia Wright zeigte.

„Es ist toll, dass Gamze Kubaşık so offen über ihre Geschichte spricht. Ich finde es wichtig, dass dieses Thema behandelt wird. Vor allem auch in Anbetracht der gesellschaftlichen Entwicklung“, fasste ein Schüler des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums in Bergisch Gladbach zusammen. Beeindruckt waren die Jugendlichen auch von der Offenheit der Autorin, die persönliche Fragen beantwortete.

„Ich fand es groß und beeindruckend, als Gamze gesagt hat, dass sie niemals wie die Täter voller Hass sein möchte“, so das Fazit einer Schülerin des Bergisch Gladbacher Gymnasiums.

Auftrag für die Gegenwart

Bei der Lesung wurde deutlich, dass die Auseinandersetzung mit den NSU-Morden nicht nur ein Blick in die Vergangenheit ist, sondern auch ein Auftrag für die Gegenwart bleibt. „Wir wollen, dass unsere Väter nicht vergessen werden. Und wir hoffen und wünschen uns, dass nie wieder eine Familie so etwas durchmachen muss. Wir hoffen dabei auch auf euch. Denn wir schaffen es nur gemeinsam. Wir dürfen nicht wegschauen, wir müssen Rassismus bekämpfen. Wir alle zusammen“, appelliert Autorin Gamze Kubaşık an die Zuhörerinnen und Zuhörer.

Die Lesung ist Teil der kontinuierlichen Antidiskriminierungs- und Demokratiearbeit des Kommunalen Integrationszentrums des Rheinisch-Bergischen Kreises. Ziel ist es, gesellschaftliche Zusammenhänge durch persönliche Begegnungen erfahrbar zu machen und junge Menschen sowie die Öffentlichkeit für die Bedeutung von Vielfalt, Respekt und demokratischen Werten zu sensibilisieren.

Rheinisch-Bergischer Kreis

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