Auf dem Spielplatz an der Hauptstraße zwischen Stadtbücherei und Strunde wurden die Familien rassistisch beleidigt. Foto: Redaktion

Auf einem Spielplatz, mitten im Zentrum von Bergisch Gladbach und am helllichten Tag wurden Familien rassistisch beleidigt und mit Vernichtungsäußerungen beschimpft. Eine betroffene Mutter wendet sich gezielt an die Öffentlichkeit. Dieser Vorfall ist kein Einzelfall, wie sich erst jüngst bei der Gedenkveranstaltung an Patricia Wright zeigte.

Es sind sechs Worte, die Esther Günes tief erschüttern. Mit ihren Kindern zwischen vier und zehn Jahren ist sie an diesem Tag auf dem Spielplatz neben der Stadtbücherei am Forum, Kinder spielen miteinander, Eltern unterhalten sich. Viele der anwesenden Familien haben „einen internationalen Hintergrund – so wie wir“, berichtet sie.

Plötzlich sei ein Radfahrer vorbeigefahren und habe in ihre Richtung gerufen: „Alle abschieben und vergasen! White Power!“

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„Diese Worte waren nicht einfach eine Beleidigung“, sagt Günes. „Sie waren ein menschenverachtender Aufruf, der an die dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte erinnert.“ Dass so etwas mitten in Bergisch Gladbach, neben einer öffentlichen Einrichtung und gegenüber Kindern ausgesprochen werde, mache sie fassungslos. 

Besonders treibe sie die Frage um, was solche Situationen „mit unseren Kindern“ machen. Dabei sei unerheblich, ob sie hier geboren wurden oder hier aufwachsen: „Sie sollten lernen, dass sie Teil dieser Gesellschaft sind“, sagt Günes. Stattdessen müssten sie erleben, „dass Menschen ihnen aufgrund ihrer Herkunft das Recht auf Zugehörigkeit absprechen und sogar ihre Vernichtung herbeiwünschen“.

„Keine harmlose Provokation“

Ähnlich sieht das Redouan Tollih, Vorsitzender des Ausschusses für Chancengerechtigkeit und Integration (ACI, ehemals Integrationsrat), der sich „sehr betroffen“ über die Schilderung äußert: Wenn Familien mit Kindern im öffentlichen Raum mit solchen Aussagen konfrontiert würden, „ist das keine harmlose Provokation, sondern eine zutiefst menschenverachtende und rassistische Aussage“, sagt Tollih auf Anfrage des Bürgerportals. 

Redouan Tollih. Foto: Thomas Merkenich

„Solche Worte verletzen nicht nur die unmittelbar Betroffenen, sondern senden auch ein gefährliches Signal an alle Menschen mit internationaler Familiengeschichte: Ihr seid hier nicht sicher, ihr gehört nicht dazu.“

Hinter jedem Vorfall stehe eine Geschichte, hinter jeder Erfahrung ein Mensch. Für die Betroffenen bleibe so etwas nicht folgenlos, „erst recht nicht, wenn Kinder solche Hassparolen miterleben müssen“, betont Tollih.

Esther Günes ist mit einem Mann verheiratet, der in Bergisch Gladbach geboren wurde, als Sohn türkischer Einwanderer. Die beiden kennen sich seit der Grundschule. Im Unterschied zu ihm, der immer wieder mit Rassismus konfrontiert wurde, „habe ich als Deutsche erst mit unserer Eheschließung, der damit verbundenen Namensänderung sowie den anders aussehenden Kindern diese Seite der Gesellschaft hautnah kennengelernt“. 

Wer eine solche Parole ruft, überschreitet jede Grenze des Anstands und der MenschlichkeitEsther Günes

Der Vorfall auf dem Spielplatz stelle für die Familie eine neue Dimension dar. „Rassismus beginnt nicht erst bei körperlicher Gewalt. Er beginnt bei der Entmenschlichung anderer Menschen.“ Wer eine solche Parole ruft, überschreitet aus Esther Günes Sicht „jede Grenze des Anstands und der Menschlichkeit“.

Seither frage sie sich: „Was geht in einem Menschen vor, der solche Worte ausspricht? Und ich frage mich ebenso: Wie viele Menschen hören solche Aussagen und schweigen?“ 

Vorfälle sichtbar machen

In der Situation habe sie selbst nicht mehr als ein „Hau ab, du Vollidiot“ herausbekommen. „Ich war sehr traurig darüber, dass niemand auf dem Spielplatz oder dem Eiscafé nebenan Initiative ergriffen hat, mich zu unterstützen“, so Günes. 

Bergisch Gladbach verstehe sich als offene und vielfältige Stadt. „Diese Werte dürfen nicht nur auf Plakaten oder in Sonntagsreden existieren. Sie müssen im Alltag verteidigt werden – auf Straßen, Schulhöfen, Spielplätzen und in unserem Miteinander“, fordert Günes.

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„Ich wünsche mir, dass Bergisch Gladbach eine Stadt bleibt, in der alle Kinder ohne Angst spielen können – unabhängig von ihrem Namen, ihrer Hautfarbe oder ihrer Herkunft.“

Es liege ihr fern, Hass mit Hass zu beantworten. „Aber ich möchte nicht schweigen. Denn Schweigen macht solche Vorfälle unsichtbar. Und unsichtbar dürfen sie nicht werden.“ Daher habe sie sich bewusst an die Öffentlichkeit gewandt. Anzeige habe sie nach dem Vorfall nicht erstattet, weil sie sie für wenig erfolgversprechend halte. 

Esther Günes berichtet, dass die deutsch-türkische Familie seit Jahren mit den Kindern und Großeltern auf Demonstrationen gegen die AfD und gegen Rassismus gehe. „Leider entwickelt sich unsere Gesellschaft in eine Richtung, die uns sehr bedenklich stimmt. Wir fragen uns, wie lange wir hier noch unseren Lebensmittelpunkt haben können und wollen.“

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Auch die Großeltern der Kinder äußern sich dem Bürgerportal gegenüber „betroffen und geschockt“ über den Vorfall. „Wir haben große Ängste um unsere Enkelkinder, die der Situation ausgesetzt waren“, so Kerstin und Reiner Thum. „Wir hoffen, dass Menschen in ähnlichen Situationen den Mut zur Zivilcourage aufbringen, sich derart Menschen verachtenden Aktionen oder Äußerungen entgegenzustellen.“ 

Rassismus ist im Alltag präsent

Was Esther Günes und ihre Kinder erlebt haben, ist Redouan Tollih zufolge kein Einzelfall. Demnach berichten Betroffene immer wieder von rassistischen Beleidigungen, Bedrohungen oder abwertenden Erfahrungen im Alltag – etwa beim Einkaufen, in Bus und Bahn, in der Schule, bei der Arbeit, auf der Wohnungssuche oder eben auch auf Spielplätzen. Nicht jeder Vorfall werde öffentlich bekannt oder angezeigt, vieles bleibe im Verborgenen. 

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Gerade deshalb hält der ACI-Vorsitzende es für wichtig, „solche Erlebnisse ernst zu nehmen, sichtbar zu machen und Betroffene zu ermutigen, sich Unterstützung zu holen“. Rassismus beginne nicht erst mit Gewalt, sondern „viel früher“ – mit Vorurteilen, Sprache, Abwertung und der ständigen Botschaft, „dass bestimmte Menschen angeblich nicht dazugehören“. 

Tollih mahnt: „Worte bleiben nicht folgenlos. Sie prägen das gesellschaftliche Klima, sie beeinflussen, wie Menschen aufeinander blicken, und sie können Hass und Gewalt begünstigen. Deshalb dürfen wir Warnsignale nicht erst dann ernst nehmen, wenn sie bereits in Gewalt umgeschlagen sind.“

Hitlergruß bei Gedenken an Opfer von rechter Gewalt

Wie weit rechtsextreme Gewalt gehen kann, zeigt das Beispiel Patricia Wright aus Bergisch Gladbach, die 1996 von einem Neonazi vergewaltigt und ermordet worden war. Ausgerechnet bei der Mahnwache für die 23-Jährige am vergangenen Samstag kam es zu rechtsextremen Vorfällen, wie mehrere Teilnehmer:innen berichten.

Dabei sollen mehrere Jugendliche und ein Mann aus der Entfernung den Hitlergruß gezeigt und rechtsextreme Parolen gerufen haben. 

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Auch im vergangenen Jahr war es im Anschluss an die Mahnwache zu einem rechtsextremen Vorfall gekommen, den Redouan Tollih miterlebt hat. Teilnehmer:innen hatten vor der Gedenktafel für Patricia Wright gestanden, als ein junger Mann vorbeikam: „Er machte eine Pistolen-Geste in Richtung des Kopfes eines Teilnehmers, beleidigte ihn massiv und zeigte anschließend mehrfach den Hitlergruß – mitten in unserer Stadt und unmittelbar an einem Ort des Gedenkens an ein Opfer rechter Gewalt.“

Die Polizei sei verständigt, Anzeige erstattet worden. Während Tollih mit der Polizei telefonierte wiederholte der Mann den Nazi-Gruß.

Vorfall aus dem Sommer 2025: Ein Mann steht vor Redouan Tollih und zeigt den Hitlergruß. Foto: DeVi

„Dieser Vorfall hat uns alle tief erschüttert – auch deshalb, weil es sich bei dem Täter um einen jungen Mann handelte“, sagt Tollih. Dass es auch in diesem Jahr zu einem ähnlichen Vorfall gekommen sei, bezeichnet er als besonders alarmierend: „Diese Wiederholung darf nicht als bloßer Zufall oder als einzelne Entgleisung abgetan werden.“ 

Tollih betont: Hitlergruß und entsprechende Parolen seien keine „Jugendstreiche, sondern verfassungsfeindlich, strafrechtlich relevant und für eine Gedenkveranstaltung für ein Opfer rechter Gewalt besonders unerträglich“. Gerade an einem solchen Ort und in einem solchen Moment zeige sich, wie wichtig politische Bildung, klare Haltung und konsequentes Handeln gegen Rassismus und Rechtsextremismus sind.

Rassismus, rechte Parolen und Menschenverachtung dürfen in Bergisch Gladbach keinen Platz habenRedouan Tollih

„Als ACI-Vorsitzender sage ich ganz klar: Rassismus, rechte Parolen und Menschenverachtung dürfen in Bergisch Gladbach keinen Platz haben. Wir brauchen eine Stadtgesellschaft, die hinsieht, Betroffene ernst nimmt und ihnen solidarisch zur Seite steht.“

Öffentlich geäußerte „Vernichtungsfantasien“ wie im Fall von Familie Günes bezeichnet Tollih als „Ausdruck eines gesellschaftlichen Klimas, in dem rassistische und rechtsextreme Sprache wieder offener ausgesprochen werden“. Dass es sich dabei nicht um ein „lokales Randphänomen“ handele, zeige beispielsweise ein Fall aus Krefeld, über den der WDR erst kürzlich berichtet hat: Dort soll der Begriff „vergasen“ im Zusammenhang mit Muslim:innen gefallen sein.

Was können Betroffene tun?

Redouan Tollih gibt Betroffenen und Zeugen folgende Tipps im Umgang mit rassistischen Vorfällen:

  • bei akuter Gefahr oder Bedrohung: sofort die Polizei rufen
  • bei strafbaren Aussagen, Bedrohungen oder volksverhetzenden Parolen Anzeige bei der Polizei erstatten
  • den Vorfall möglichst genau dokumentieren: Datum, Uhrzeit, Ort, die genaue Aussage, Beschreibung der tatverdächtigen Person, mögliche Zeug:innen
  • Betroffene in Bergisch Gladbach und dem Rheinisch-Bergischen Kreis können sich an die Servicestelle Antidiskriminierungsarbeit Leichlingen und Rheinisch-Bergischer Kreis wenden. Die Beratung ist kostenfrei, unabhängig und auf Wunsch auch anonym möglich.

Was können Zeugen tun?

  • Menschen, die solche Vorfälle beobachten, sollten nicht wegschauen.
  • Niemand sollte sich selbst in Gefahr bringen oder allein in eine gefährliche Konfrontation gehen
  • im Notfall und bei Gefahr die Polizei rufen, den Vorfall dokumentieren
  • weitere Personen hinzuziehen, einbeziehen
  • Betroffenen beistehen, sie gezielt ansprechen und konkrete Unterstützung anbieten – zum Beispiel mit Sätzen wie: „Ich habe das mitbekommen, Sie sind nicht allein“, „Ich bleibe bei Ihnen“ oder „Möchten Sie, dass ich die Polizei rufe oder als Zeuge zur Verfügung stehe?“
  • Entscheidend ist, dass Menschen nach einem solchen Erlebnis nicht allein gelassen werden, sondern spüren: Wir haben das gesehen und stehen an Ihrer Seite.

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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  1. Wir leben seit 2004 in Bergisch Gladbach. Ich kann den vorherigen Kommentaren nur zustimmen: Anders habe ich es hier nie erlebt – auch wenn rassistisches Verhalten heute deutlich offener gezeigt wird.

    Vor 22 Jahren sprach mich eine ältere Dame im Aufzug an, während mein ältestes Kind im Maxi-Cosi lag, und sagte, wie toll sie es fände, dass ich ein N*-Baby adoptiert hätte.

    Mit meinen drei Kindern wurden wir in Supermärkten häufig schräg angesehen. Damals sah man im Stadtbild kaum Menschen mit afrikanischen Wurzeln – das hat sich im Laufe der Jahre immerhin verändert.

    Bei der Einschulung meines ältesten Sohnes wurde uns im Erstgespräch mitgeteilt, dass er aufgrund seines Migrationshintergrunds am Förderkurs Deutsch teilnehmen MÜSSE – obwohl wir zu Hause ausschließlich Deutsch sprechen. Nach einigen Monaten wurde diese Aussage korrigiert (mein Sohn konnte bei der Einschulung bereits lesen). Man erklärte mir dazu, dass der Förderkurs eine Kann- und keine Muss-Regelung sei und dass er häufig vorsorglich empfohlen werde, weil manche „nicht deutschen“ Eltern (trifft auf mich nicht zu) ihre Deutschkenntnisse überschätzen würden. Bei meinem zweiten Kind war das kein Thema mehr, und mein drittes Kind war im Förderkurs, ohne dass wir als Eltern darüber informiert wurden.

    Auch später, bis hin zum Gymnasium, wurde meinen Kindern von Mitschülern immer wieder abgesprochen, „deutsch“ zu sein. Teilweise hatte ich auch den Eindruck, dass sie von einzelnen Lehrkräften anders behandelt oder bewertet wurden, inklusive der nur zögerlich vergebenen Gymnasialempfehlung, um die ich „kämpfen“ musste. Wie erwartet war das Abitur bzw. ist das Studium kein Problem.

    An z.B. Karneval wurden meine Kids deutlich häufiger auf Drogen kontrolliert als ihre weißen deutschen Freunde.

    Erst kürzlich schloss eine Busfahrerin einer Gruppe Jungs zweimal am selben Tag die Tür vor der Nase, bevor sie einsteigen konnten. Den Vorfall habe ich der WUPSI gemeldet.

    1. #Sandra#Auch wenn es jetzt etwas blöd klingt, Ihre Kinder sind durch ihre Erfahrungen auf eine Weise gestärkt worden, wie es Kinder mit der (sorry!) vermeintlich “korrekten” Hautfarbe nie erfahren würden… Eine Toleranzschule erster Güte. Menschen, wie unsere Gegenwart sie bitter nötig hat. Sandra, Mütter wie Ihnen gehört meine volle Bewunderung.

      Seien sie bitte nachsichtig mit meiner Generation. Unsere Eltern sind im staatsverordneten Rassismus in einer Weise indoktrieniert worden, wie wir es uns heute nicht mehr vorstellen können. Und wie wird Erziehung gelernt? Durch nachmachen. Meine Generation unterlag also noch den Einflüssen eines Rassismusregimes. Das lässt sich auch nicht einfach abschütteln. Entscheidend ist nicht, ob die Wortwahl immer korrekt ist, sondern die Art und Weise, wie die persönliche Begegnung abläuft. Die von Ihnen zitierte alte Dame verhielt sich doch wohlwollend und nicht ablehnend.

      Das “N”-Wort enthält für mich auch heute nicht die geringste Diskriminierung, dazu bin ich zu wenig amerikanisiert. Ich benutze es trotzdem nicht mehr – wegen der Intoleranz der Superkorrekten…
      Ob sich diese ganze Problematisierung mit den nachwachsenden Generationen rauswächst, möchte ich bezweifeln. Tun wir unser Bestes.
      MfG Dieter Richter (75), Bergisch Gladbach

  2. Wie also kann Rassismus aktiv, jedoch gewaltfrei bekämpft werden? Wie kann man diesen, von ihren Minderwertigkeitkomplexen angetriebenen Feiglingen, (darunter versteht man Menschen, welche ohne sich selbst einem Risiko auszusetzen, durch Erniedrigung Schwächerer ihr mangelndes Selbstbesusstsein zu stärken versuchen) als Gesellschaft entgegentreten?

    Aus meiner Wahrnehmung heraus muss ich feststellen, dass die politisch Verantwortlichen auf höchster Ebene, also Kanzler und div. Minister, den Rassisten in der Absicht, der durch Migration so geschundenen Volksseele Linderung zu verschaffen, das Wort reden. Es wird von einem “Stadtbild” und von dem Migrantenproblemen gesprochen. Das Gegenteil ist der Fall. Es gibt ein Integrationsproblem. Dieser Fakt ist in der Masse der Demokraten jedoch noch nicht wirkungsvoll kommuniziert worden. Stimmen der Oppositionsparteien lassen Gewinnerparteien schon aus Prinzip ins Leere laufen… Auch ihnen gelingt es somit nicht, den existentiellen Problemen von Migranten ein Gehör zu verschaffen.

    Selbst die öffentliche Medienlandschaft vermittelt immer noch den Eindruck, dass das Flüchtlingsthema vor allem ein Kriminalitätsproblem ist… Jeder kriminelle Akt Einzelner Psychopathen wird hervorgehoben und dem Unterbewusstsein der Allgemeinheit substantiell der gesamten Ausländergruppe zugeordnet. Was ist das anderes als Rassismus?

    Macht sich überhaupt einer von den Medienschaffenden einmal die Mühe, und verweist darauf, dass friedlich arbeitende und integrationsbereite Mitbürger damit überhaupt nichts zu tun haben? Ach ja, es gilt ja Meinungsfreiheit, da soll sich jeder gefälligst selbst drum kümmern. Die AfD sagt Danke! und missbraucht diese, wo sie nur kann!

    Fakt ist, dass ohne die Menschen mit nichtdeutschem Hintergrund, weder Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, noch viele andere lebensnotwendigen Dienstleistungsbereiche, eine Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung überhaupt nicht möglich wäre. Wo sind die Statistiken hierzu? Die Sonntagsfrage mit dem permanenten AfD-Hoch hingegen ist dauerpräsent… Das Meinungsbild der Wähler wird allenfalls mit Stirnrunzeln vorgetragen.

    Wenn dem nicht endlich unmissverständlich ein deutliches Bekenntnis der Solidarität für unsere migranten Mitbürgern entgegengesetzt wird, werden sich selbstverständlich die Beleidigungen und nazistischen Äußerungen in unserem Alltag weiter ausbreiten – auch das ist “Stadtbild”. Gewöhnen möchte ich mich nicht daran und bin aktiv in der Flüchtlingshilfe tätig. Jetzt erst recht!!!

    MfG Dieter Richter, Bergisch Gladbach

  3. Was mich mindestens genauso entsetzt wie der Vorfall selbst, ist die Tatsache, dass sich offensichtlich niemand dazu berufen fühlte diesem Radfahrer Paroli zu bieten und lautstark Partei für die Betroffenen ergriffen hat. Wenn mehrere Leute darauf reagieren und ihm durch Hinterherrufen zeigen, dass er und seine Einstellung unerwünscht ist, dann wäre DAS mal ein deutliches Zeichen! DAS wäre gelebtes “Aufstehen gegen Rechts”! Wirklich traurig, dass niemand anderes den Mund aufbekam … So etwas muss als Reflex sofort folgen.
    Ich will gar nicht wissen, wie viele dort im Eiscafé saßen und sich insgeheim dachten “recht hat er”. :-(

  4. Herr Viebahn, auch wenn es mehr nach Schaf und Schaffell aussieht. Unverkennbar sind Sie ein Wolf!

  5. Als Person, deren Wurzeln ebenfalls nicht im deutschen liegen, kann ich Ihnen sagen, dass es immer schon Rassismus in dieser Stadt gab. In der Mehrheit begegnen wir hier eine offenen, toleranten Bevölkerung. So ist meine Wahrnehmung. Aber sowohl struktureller Rassismus als auch persönlicher ist und war immer vorhanden und zwar auf vielen Ebenen. Ich könnte Geschichten erzählen, die hier tatsächlich den Rahmen sprengen würden. Deswegen sind sie aber nicht weniger wahr.

  6. Liebe Redaktion, liebe Frau Stolzenbach: Danke, dass Sie einem Vorfall wie diesem die nötige Aufmerksamkeit verschaffen! Allen muss klar sein, welcher Abschaum durch und mit der AfD und ihren Sympathisanten an die Oberfläche gespült wird. Diese Menschen glauben inzwischen, Oberwasser zu haben und öffentlich zu ihren kriminellen Phantasien stehen zu dürfen. Man muss nicht links sein, um das verwerflich und verachtenswert zu finden. Nur anständig.

  7. Ich bin zutiefst entsetzt über diesen Vorfall . Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit müsssen in unserer schönen Stadt angegangen werden und bekämpft werden. Mir tun alle Menschen leid, die das erleben.. ich habe selbst schon Dinge erlebt, nur weil ich in der Flüchtlingshilfe bin. Wir müssen aufpassen auf unsere Stadt und unsere Mitbürger, egal welchen Glauben, woher sie kommen. Wenn sie sich an Regeln und Gesetze halten hören sie hier hin.

  8. Ich hätte mir einen ausgewogeneren und vor allen Dingen differenzierteren Artikel gewünscht.

    Warum wird – wie leider immer – nicht auf die Sicht der “ursprünglichen” oder einheimischen Bevölkerung eingegangen, der Deutschen?

    Warum wird mit keinem Wort die Sicht oder das Gefühl der einheimischen Bevölkerung berücksichtigt, welche sich mit der Tatsache abfinden muss, dass das eigene Land von fremden Volksgruppen regelrecht überschwemmt wird?

    Muss man hiermit glücklich sein? Nein!

    Doch wie eh und jeh wird jeder, der auch nur das geringste Zeichen äussert, sich in seinem eigenen Land fremd zu fühlen, umgehend in die rechte Ecke geschoben oder gar als Nazi abgeklatscht.

    Genau das ist es aber, was zu “rechten” Reaktionen führt: Die stillschweigende Erwartung an die deutsche Bevölkerung, der vollkommmen aus dem Ruder gelaufenen Überfremdung tatenlos zuzusehen, von Ausländerkriminalität vollkommen zu schweigen.

    1. Wie würde denn ein “ausgewogener” Bericht darüber aussehen, dass Menschen in Bergisch Gladbach rassistisch beleidigt und angegriffen werden?

      Auch in Ihrem Fall ist es doch so, dass Sie nicht in die “rechte Ecke geschoben” werden, sondern sich selbst dort hinstellen, wenn Sie sich rechte Kampfbegriffe und Verschwörungserzählungen zu Eigen machen: “vollkommen aus dem Ruder gelaufene Überfremdung”, “das Land wird von fremden Volksgruppen überschwemmt”.

    2. Das möchten wir als Redaktion nicht inhaltlich kommentieren, aber klarstellen: Wir haben nicht darüber berichtet, dass jemand „das geringste Zeichen äussert …“, sondern darüber, dass einige Personen öffentlich den Hitler-Gruß zeigen und Familien mit Kindern genau das Schicksal androht, das die Juden unter den Nazis erleiden mussten.

    3. Herr Viebahn, sie fordern einen Bericht aus Sicht der Deutschen. Dann sollten sie den Artikel nochmal lesen. Frau Günes ist hier geboren und Deutsche.
      Ansonsten ist ihr Kommentar nur noch als widerlich zu bezeichnen.

    4. In dem Artikel geht es ausschließlich um Deutsche. Eine deutsche Mutter mit einem deutschen Ehemann, deutsche Kinder, deutsche Großeltern. Dass Sie eine andere Definition davon haben und Menschen mit Wurzeln im Ausland ausgrenzen, macht Sie zu einem Rechten. Da hilft auch kein Geheule von Nazi-Ausgrenzung. Sie sind der, der Menschen ausgrenzt.

    5. Es sind exakt Beiträge wie Ihrer, Herr Viebahn, die als Gift in unsere Gesellschaft sickern und dazu beitragen, dass Menschen mit der falschen Haar- oder Hautfarbe beleidigt, bedroht, verletzt und getötet werden.

      Sie wünschen sich einen “ausgewogeneren” Beitrag? Daran werde ich Sie erinnern, wenn Sie das nächste Mal darüber spotten, dass ein Autodieb bestimmt eine schwere Kindheit hatte. Wollen wir mal sehen, wie groß Ihr Bedürfnis nach einer Darstellung der Sichtweise des Straftäters dann noch ist?

      Im Ernst: Hier werden Vernichtungsphantasien und zutiefst rassistische Parolen in aller Öffentlichkeit gerufen. Und Sie fordern “Ausgewogenheit”? Reißen Sie sich mal zusammen!

    6. Lieber Herr Viebahn,
      Ich kann ihnen nur wünschen, dass sie nie in ein Krankenhaus oder Altenheim gehen müssen. Über die Hälfte der dort Arbeitenden Personen sind Ausländer, weil Deutsche wie sie diesen Job nicht machen wollen. Das gleiche betrifft die Müllabfuhr..Ich bin Deutsche , aber die grosse Mehrzahl der Ausländer bei uns leben friedlich unter uns. Gladbach ist ein Musterbeispiel der gelungenen Integration der Flüchtlinge. Die große Mehrzahl sind am arbeiten oder studieren und sind zum großen Teil eingebürgerte Deutsche.

    7. Wenn Sie schon offen rassistisch kommentieren, dann verzichten Sie doch bitte auch auf die Anführungszeichen. Stehen Sie einfach dazu! Zu sagen, dass das eine das andere bedingt ist eine Schutzbehauptung, damit sie sich nicht angreifbar machen. Ich kenne diese Taktiken. Viele Grüße von einer, die nicht zur ursprünglichen Bevölkerung Germaniens gehört.

    8. Gut und ein wenig beruhigend zu sehen, dass Sie hier umfänglichen Gegenwind erfahren. Aber dieser kann nicht stark genug sein.

      Ich bin entsetzt von Ihrer Positionierung. Diese zeigt leider, dass die Verschiebung des gesellschaftlichen und politischen Diskurses deutlich nach rechts (extrem) zunehmend in offen rassistischen und rechtsextreme Äußerungen und Kommentaren mündet.

      Denn dorthin ist Ihr Statement klar einzuordnen. Wer allein das beschriebene, strafrechtlich relevante Verhalten (Hitlergruß) und die Äußerungen (“Alle abschieben und vergasen! White Power!”) als “geringste Zeichen” bewertet hat seinen eigene Kompass bereits sehr weit rechts ausgerichtet.

      PS. Ihre Opferrolle können Sie sich sparen.

    9. Es ist bereits viel zu Ihrem Beitrag geschrieben worden, und jedem dieser Kommentare stimme ich zu.

      Hinzufügen möchte ich Folgendes:

      1) Sie schreiben: “Genau das ist es aber, was zu ‘rechten’ Reaktionen führt”.
      Dieses Argument begegnet mir oft, von Menschen, die manipulativ eine Täter-Opfer-Umkehr durchführen, indem sie ihre positive Haltung zu demokratiefeindlichen Positionen als von anderen verursacht darstellen – hier: ich kann ja nichts dafür dass ich rechtsextrem bin, die anderen und nicht ich sind dafür verantwortlich.

      2) Sie müssen Ihrem Fremdheitsgefühl (ich will Ihren Begriff aus der ausländerfeindlichen rechtsextremen Rhetorik nicht wiederholen) durch die bei uns Schutz Suchenden nicht, wie Sie schreiben, tatenlos zusehen. Sie dürfen die Fremdheit überwinden, indem Sie sich in einer der zahlreichen Flüchtlingsinitiativen engagieren.

    10. Entschuldigung aber sind sie dumm? Was tuen ihnen denn “die Ausländer” allgemein? Genau, nix! Viele in ihnen arbeiten genau wie du und ich, sind friedlich und halten sich an Gesetze und Regeln.

      Und nur mal so: die AFD zu wählen weil die aktuelle Flüchtlingspolitik tatsächlich mehr als fragwürdig ist, ist wie in der Kneipe aus’m Klo zu trinken weil’s Bier nicht schmeckt!

    11. Sie kommen mit pseudointellektuellen Phrasen wie “ausgewogen” und “differenziert” um die Ecke, nur um Ihre rechts-feuchten Träume hier zu verbreiten.

      Erstens: es ist nicht IHR Land. Sie hatten nur das Glück in eine offene Gesellschaft hineingeboren worden zu sein. Das gilt für alle anderen, deren Eltern von wo auch immer her stammen, genauso wie für Sie. Lesen Sie vielleicht mal das Grundgesetz Art 1, wenn es dafür reicht.

      Zweitens: Sie meinen für die “einheimische Bevölkerung” zu sprechen, meinen aber nur diejenigen, die Ihre kruden Ansichten ebenso vertreten. Machen Sie sich erst mal mit dem eigentlichen Begriff vertraut, was Bevölkerung eigentlich bedeutet. Dann werden Sie sehr schnell darauf kommen, dass die Mehrheit derselben ganz und gar nicht Ihre Ansichten teilt.

      Drittens: Ob Sie Ihre Rhetorik bzgl. “überschwemmt”, “Überfremdung”, etc. aus der Zeitung (na ja…) mit den 4 großen Buchstaben haben oder vom Parteitag der Alternative für was auch immer, spielt keine Rolle. Sie ist weder theoretisch noch sachlich richtig, sondern einfach nur widerlich.

    12. Im Karneval singe ich „Der Stammbaum“ von den Bläck Föss mit Inbrunst, denn der Text stimmt!!!
      Ihre Deutschtümmelei ist einfach beschämend!
      Ich bin tatsächlich gebürtiger Deutscher und von Eltern- und Großelternseite ebenfalls „deutsch“. Für so einen Unfug, wie sie ihn schrieben, muss man sich als Deutscher schämen!

  9. Ich bin gebürtige Schweizerin, mit einem Deutschen Mann aus dem Bergischen, erkennbar durch meinen, immer noch vorhandenen Akzent. Ich wurde während dem Wahlkampf der Grünen als Eingeschleppte beschimpft. Hatte auch mehrere Diskussionen, wegen der Doppelbürgerschaft. Die wollen auch nicht begreifen, dass man als Doppelbürger auch ein Doppelherz hat, dass für beide Staatsbürgerschaften schlägt.

  10. Danke, dass Sie auf die zunehmenden öffentlichen und rassistischen Angriffe aufmerksam machen. Den meisten Menschen ist nicht bewusst, wie alltäglich diese rassistischen „kleinen“ Attacken geworden sind. „Klein“ bedeutet dabei nicht, dass sie nicht verletzen – im Gegenteil.

    Wir erleben das tatsächlich regelmäßig – wöchentlich und manchmal sogar täglich. Das mag übertrieben klingen, ist es aber nicht. Dabei geht es nicht nur um verbale Beschimpfungen, sondern auch regelmäßig um körperliche Angriffe: an der Kasse zur Seite gedrängt werden, Schubsen in der Bahn, Sitzplätze im Bus unter Drohungen einfordern, Anspucken kommt sogar häufig vor. Das ist leider nichts Neues.

    Erst gestern wurde meine Frau erneut auf dem Bahnsteig angegriffen, und es kam zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung, weil sie sich in Notwehr angemessen gewehrt hat. Am Ende wurde die Polizei hinzugezogen, die jedoch zunächst meine Frau beschuldigte, obwohl die Attacke von jemand anderem ausging. Auch das ist Alltag für viele Migrant:innen im Umgang mit Behörden: „Du bist keine Deutsche … du bist schuldig!“ Niemanden ist sich bewusst, was das mit einem Menschen macht, wenn dein Körper angegriffen wird, du dich dagegen verteidigst und die Polizei dich dann beschuldigt, weil du die “Ölaugen” hast.

    Wir erleben das nicht nur am eigenen Leib, sondern sehen auch, was um uns herum passiert, und mischen uns ein. Denn viele schauen betroffen zu Boden, haben Angst und schweigen. Andere stimmen sogar zu oder steigen selbst in den Rassismus mit ein. Die Opfer bleiben oft allein, weil zu wenige den Mut haben, sich gegen rassistische Übergriffe zu stellen.

    Wir sind mit Rassismus und zunehmendem Antisemitismus auch an Orten, bei der Arbeit, im eigenen Verein oder der Stadtteilinitiative konfrontiert, wo wir es eigentlich am wenigsten erwarten würden. Solche Erfahrungen finden also nicht nur im öffentlichen Raum statt, sondern durchziehen auch vermeintlich sichere Bereiche des Alltags, des Leben und auch in der Politik. Oft wird das von anderen gar nicht als solches erkannt, und wenn wir darauf hinweisen, stößt das nicht selten auf Zurückweisung – weil „das eigentlich nicht sein darf“. Doch es ist real und oft sehr subtil. Es bleibt aber immer rassistisch. Vielen fehlt offenbar die nötige Sensibilität, da sich manche bereits an solche Formen von Rassismus im Alltag und im Umgang gewöhnt haben. Betroffene reagieren zudem oft nicht mehr darauf oder schweigen einfach, um weiteren Ärger zu vermeiden, weil sie im Konfliktfall nicht selten erneut in die Rolle der Beschuldigten geraten könnten. Sie ziehen sich zurück und lassen sich wegschubsen, vertreiben und in Nischen verdrängen.

    Wir brauchen Courage – nicht nur bei einer großen Demo im Jahr, sondern jeden Tag im Alltag: im Supermarkt, im Bus, am Arbeitsplatz, in der Schule, im Verein und in der Stadtteilinitiative.

    Deshalb danke ich Ihnen, dass Sie heute darauf aufmerksam gemacht haben, was um uns herum geschieht und was wir eigentlich ständig erleben. Das Schweigen muss ein Ende haben. Hinsehen und nicht wegsehen! Wehrt euch!


    Tomás M. Santillán
    Mitglied im Stadtrat Bergisch Gladbach Die Linke

  11. Den Vorfall aus dem Sommer 2025 habe ich direkt nach dem Geschehen zur Anzeige gebracht. Bislang ohne jede Reaktion.

  12. wann war das denn man anders in bergisch gladbach. jeder der schon seit mindestens 20 Jahren in bergisch gladbach lebt sollte das eigentlich kennen

    jeder dürfte sich noch an die vorletzte marktplatz clique erinnern. die waren jeden tag am marktplatz. 30-70 Jugendliche alle in lonsdale london jacken, levis Hosen und glatze. es gab ja sogar nen großeinsatz durch die polizei.

    also als schwarzkopp so wie ich konnte man nicht den marktplatz über queren ohne einen fuß ins gesicht zu bekommen. und Solidarität gab es hier ebenfalls noch nie. es gaffen höchstens alle und tun nix

    deswegen kann ich die frage nur wiederholen: wann war es mal anders?!

  13. Der geschilderte Vorfall ist entsetzlich. Ich möchte ergänzend zur Gefahr des zunehmenden Rassismus’ auf den immer bedrohlicher werdenden Antisemitismus, besonders den auf Israel bezogenen, hinweisen. Jüdische und nichtjüdische Menschen, die sich für das Existenzrecht des jüdischen Staates einsetzen, werden in der belebten Innenstadt von Bergisch Gladbach beschimpft und als Kindermörder verleumdet. Protest dagegen bleibt aus.

    1. Sie greifen einen wichtigen Punkt auf, der in den meisten Debatten zum Thema immer wieder ausgeblendet wird.

      Rassismus und Antisemitismus haben gemeinsame Wurzeln: Beide beruhen auf der Vorstellung, Menschen in „Gruppen“ einzuteilen, ihnen Eigenschaften zuzuschreiben und sie dadurch abzuwerten oder auszugrenzen. Der entscheidende Unterschied liegt weniger im Prinzip als in der konkreten historischen und gesellschaftlichen Ausprägung – während Rassismus häufig an Hautfarbe, Herkunft oder Migration anknüpft, richtet sich Antisemitismus gegen Jüd:innen als religiöse, ethnische oder auch vermeintlich „verschwörerische“ Gruppe. Beide Ideologien greifen aber auf ähnliche Denkfiguren zurück: Entmenschlichung, Stereotype und Schuldzuweisungen.

      Genau deshalb ist es besonders problematisch, wenn sich Menschen ausdrücklich als antirassistisch verstehen, gleichzeitig aber antisemitische Narrative reproduzieren oder relativieren. Antisemitismus wird dabei oft nicht erkannt, falsch eingeordnet, oder sogar geleugnet, etwa wenn Verschwörungserzählungen, doppelte Standards oder einseitige Schuldzuschreibungen übernommen werden. Das ist kein Randproblem, sondern zeigt eine blinde Stelle in Teilen antirassistischer Debattenkultur und zunehmend auch in der Politik.

      Antirassismus kann nur glaubwürdig sein, wenn er konsequent alle Formen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit einschließt – also auch Antisemitismus. Alles andere bleibt selektiv und verliert seine moralische und politische Grundlage.


      Tomás M. Santillán
      Mitglied des Stadtrats Bergisch Gladbach Die Linke

      1. Vielen Dank für diese stabile Position gegen Antisemitismus, mit der Sie in Ihrer Partei ja leider zunehmend isoliert sind.

  14. Bergisch Gladbach muss endlich zusammenhalten, gegen jegliche Form der Diskriminierung, gegen Hetze und gegen Rassismus! Das Leben ist zu kostbar um es mit Hass zu füllen!
    Hierfür kann ich wärmsten die Fortbildung Stammtischkämpfer*innen von Aufstehen gegen Rassismus empfehlen!

    https://www.aufstehen-gegen-rassismus.de/kampagne/stammtischkaempferinnen/

    Ich möchte den betroffenen Familien sagen:
    Ihr werdet gesehen, ihr seid nicht alleine und Ihr gehört genau hier her!
    Lasst euch von diesen herzlosen Menschen nicht euer Leben formen.