Mechthild Burgmer lädt zum Gespräch auf dem Marktplatz ein. Fotos: Redaktion

Sie setzt der Spaltung der Gesellschaft durch Dialog und persönliche Begegnungen etwas entgegen: Mechthild Burgmer lädt Menschen auf dem Marktplatz in Bergisch Gladbach zu spontanen Unterhaltungen ein. Worüber sie reden und wie lange, entscheiden die Passantinnen und Passanten selbst. Der Gesprächsbedarf ist groß.

Zwei Stühle, ein Schild und Zeit. Das ist alles, was Mechthild Burgmer braucht. Woche für Woche führt sie Gespräche mit ihr bis dahin unbekannten Menschen. Dazu setzt sie sich an den Rand des Marktplatzes, mitten in der Innenstadt von Bergisch Gladbach. „Gerade ist viel los in der Welt. Was bewegt Sie? Herzliche Einladung zum Gespräch“, ist auf ihrem Schild zu lesen. 

 „Ich habe keine politische oder religiöse Motivation. Mir geht es einzig und allein um Menschlichkeit“, betont Burgmer. Sie möchte niemanden bekehren oder belehren, weder von einer bestimmten Partei noch von einer Glaubensrichtung überzeugen. „Ich möchte einen Beitrag dazu leisten, dass wir miteinander reden.“ Dafür wolle sie hinhören, was Menschen bewegt, wonach sie sich sehnen.

Wertschätzung und Respekt

Mechthild Burgmer ist 65 Jahre alt, kommt aus Odenthal und hat vor ihrem Ruhestand als Lehrerin an einer Gesamtschule gearbeitet. Im Schnitt einmal pro Woche sitzt sie nun vormittags für einige Stunden auf einem weißen Klappstuhl auf dem Konrad-Adenauer-Platz, mit Blick auf den Brunnen und das Rathaus. Neben sich das Schild mit der Gesprächseinladung und ein weiterer Stuhl, der ihr schräg zugewandt steht.

„Dem Menschen zugewandt“ lautet auch das Motto ihrer Aktion. „Es geht mir darum, Mitmenschen Wertschätzung über die persönliche Begegnung entgegenzubringen“, erklärt Burgmer. „Auch wenn wir unterschiedliche Ansichten oder politische Einstellungen vertreten, begegne ich allen Gesprächspartnern mit Respekt.“ Ihr Gegenüber lasse sie durchaus wissen: „Ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich respektiere Sie als Mensch.“

Gespräche auch mit AfD-Anhängern

Burgmer findet es wichtig, auch mit Anhängern der AfD zu reden. „Ich möchte es nicht als Aktion gegen die AfD verstehen“, betont die 65-Jährige. Die Spaltung der Gesellschaft, die teils vorherrscht, möchte sie überwinden, durch Gespräche. Auch wenn es manchmal anstrengend sei, wie sie zugibt. 

Begonnen hat alles vor der letzten Bundestagswahl. Zusammen mit ihrer Freundin Barbara Düllmann-McKee warb sie vor einem Supermarkt-Eingang in Odenthal dafür, eine demokratische Partei zu wählen. 

„Nach der Wahl wollten wir uns für den Zusammenhalt in der Gesellschaft einsetzen“, erzählt Burgmer. Und so entstand die Idee, Menschen Gespräche anzubieten. In Odenthal trafen die Frauen dabei zu viele Bekannte. Daher entschieden sie sich, das Gesprächsformat in Bergisch Gladbach auszuprobieren. Zunächst am S-Bahnhof, wo das Angebot verhalten angenommen wurde.

Die Gespräche sind auch für mich eine Bereicherung.Mechthild Burgmer

Anders auf dem Marktplatz: Der Stuhl neben Mechthild Burgmer ist die meiste Zeit besetzt. „Menschen haben ein großes Bedürfnis zu reden. Viele bedanken sich am Ende des Gesprächs bei mir“, so Burgmer. Häufig gehe es nicht nur um gesellschaftliche oder politische Themen. Viele erzählen sehr persönliche Dinge aus ihrem Leben. 

Als ehemalige Lehrerin ist Mechthild Burgmer schon von Berufs wegen ein kommunikativer Mensch. Außerdem ist sie regelmäßig ehrenamtlich am Kinder- und Jugendtelefon für den Kinderschutzbund im Einsatz und hat eine entsprechende Ausbildung in Gesprächsführung absolviert.

„Die Gespräche und die Begegnungen sind auch für mich eine Bereicherung“, betont Burgmer. Sie bekomme viel Vertrauen entgegengebracht und sei oft beeindruckt von der Kraft, die manche Menschen hätten – trotz Schicksalsschlägen.

„Viele strahlen so viel Zuversicht aus, das macht mir wieder Mut. Mein Ansinnen ist, die Stärke in den Menschen zum Leuchten zu bringen.“ Es klingt etwas pathetisch, aber überzeugend.

Irritierte Reaktionen

Negative Erfahrungen habe sie bisher keine gemacht, allenfalls irritierte Blicke oder Kopfschütteln geerntet. „Was soll das? Warum machen Sie das?“, habe eine ältere Frau barsch gefragt – und ihre anfängliche Skepsis überwunden. „Am Ende hatten wir ein sehr intensives und offenes Gespräch“, erinnert sich Burgmer. 

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Häufig bleiben Passanten stehen oder werden langsamer, schauen auf das Schild. „Ich suche ihren Blickkontakt, manchmal gehe ich auf sie zu.“ Ein Mann, der sich mit Mechthild Burgmer unterhalten hat, lobt das Format: „Das ist ein tolles Angebot und selten in der heutigen Zeit.“ Er lobt Burgmers unaufgeregte und aufdringliche Art. 

Die meisten Menschen hätten ein Thema, über das sie mit ihr sprechen wollen. „Nicht immer sind die Themen gleich tief, manchmal ergibt sich die Tiefe nach einem eher oberflächlichen Einstieg“, berichtet Burgmer. Viele Gespräch führe sie im Stehen, nicht immer wollen Menschen sich setzen. Manche Gespräche dauerten nur einige Minuten, andere bis zu zwei Stunden. 

Ihr Gesprächsangebot möchte Mechthild Burgmer „auf keinen Fall“ als Konkurrenz zur Plauderbank verstanden wissen. Sondern nur als weitere Möglichkeit für Dialog und persönliche Begegnung.

Die Plauderbank der Freiwilligen-Börse steht in der RheinBerg-Galerie. Dort können Menschen Platz nehmen und miteinander ins Gespräch kommen. Jeden Mittwoch von 14 bis 16 Uhr sind Mitglieder der Freiwilligen-Börse als Gesprächspartner vor Ort. Weitere Infos auf der Internetseite der Freiwilligen-Börse.


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ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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  1. Ich finde diese Initiative klasse!
    Danke fürs ,,Einfach Machen’‘und ins Gespräch kommen.
    Ich selbst stelle auch fest, dass es einen enormen Gesprächsbedarf gibt- auch über politische Themen. Bevorzugt im 1-1 Austausch .
    Brigitta Opiela