Seit Monaten fehlen die Schaukeln auf diesem Spielplatz in Hebborn. Fotos: Redaktion

Seit Monaten fehlen auf einem Spielplatz in Bergisch Gladbach die Schaukeln – offenbar kein Einzelfall. Die Zustände mancher Spielplätze sind für viele Familien ein Ärgernis. Bislang fehlt eine nutzerfreundliche Übersicht über die 136 Spielplätze im Stadtgebiet und deren Ausstattung. Das soll sich künftig durch die Spielplatz-Strukturanalyse ändern.

Jedes Mal, wenn wir aus dem Urlaub oder nach einer Auswärts-Übernachtung wieder nach Hause kommen, rennen meine beiden Töchter als erstes zum Spielplatz in unserer Siedlung. Kurz darauf kommen sie enttäuscht zurück: „Die Schaukeln fehlen immer noch.“ So ist das schon seit über einem halben Jahr.

„Warum dauert das so lange?“, fragen nicht nur meine Töchter. Ähnliche Geschichten höre ich auch aus dem Bekanntenkreis, und immer wieder weisen uns auch Leser:innen auf kaputte oder abgesperrte Spielgeräte hin. 

Ich habe der Stadt Mitte August einige Fragen zum Thema Spielplätze gestellt, darunter auch nach den Schaukeln in unserer Siedlung. Die Antwort lautete: „Bei dem Spielplatz fehlen tatsächlich die Schaukeln. Auf Grund des kleinen Fallschutzbereiches handelt es sich hier um keine Standardschaukel mit ‚normalgroßen‘ und handelsüblichen Pfosten. Nachdem neue Pfosten bestellt wurden, wurden falsche (zu lange) Pfosten geliefert. Die Pfosten in der richtigen Größe wurden daraufhin neu bestellt.“

Hängematte als Ersatz-Schaukel

Diese Antwort stammt vom 20. August. Bis heute fehlen die Schaukeln. Zwischenzeitlich haben wir unsere Hängematte zwischen die beiden Pfosten gehängt. Hat prima geklappt, die Schaukeln wünschen sich meine Kinder trotzdem weiterhin zurück. 

Das gleiche Bild bietet sich auch bei unserem Ausweichspielplatz, der sich nur ein paar hundert Meter weiter entfernt befindet. Auch dort sind die Schaukeln seit Monaten abgehängt.

Zugegeben, hier vermischt sich mein privates Interesse als Mutter mit dem meines Berufs als Journalistin. Wie es allgemein um die Spielplätze in Bergisch Gladbach bestellt ist, ist allerdings schwer zu erfahren.

Die Frage, ob die Stadt eine Übersicht darüber hat, wie viele Spielplätze aktuell nicht oder nur eingeschränkt nutzbar sind, bejaht diese. Wie viele es sind, konnte aber „aufgrund der Urlaubszeit“ nicht herausgefunden werden. Bis heute fehlen diese Informationen.

Die Dauer der Sperrung eines Spielplatzes oder von einzelnen Geräten hängt laut Stadt in den meisten Fällen von den Lieferzeiten der Ersatzteile ab, die sich in den vergangenen Jahren deutlich verlängert hätten. Auch allgemeine und finanzielle Ressourcen spielen demnach eine Rolle. Zudem müsse das gesamte Umfeld eines Spielplatzes ausreichend sicher sein, andernfalls der gesamte Platz oder einzelne Bereiche gesperrt werden.

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Mit deutlicher Verzögerung hat die Stadt Bergisch Gladbach am Dienstag ihre Pläne zum Spielplatz „Quirlsberg“ am Zanders-Bad offengelegt. Der bisherige Kinderspielplatz soll in eine „naturnah gestaltete Bewegungs- und Freizeitsportfläche“ umgewandelt werden, heißt es in der Pressemitteilung. Die zum Teil baufälligen Spielgeräte sollen rasch abgebaut, die Sandfläche ein Magerrasen werden.

Ein Spielplatzkataster befindet sich laut Stadt im Aufbau. Einen Überblick über die Standorte aller Spielplätze gibt es bislang online auf einer Spielplatzkarte. 

Was ist die Spielplatz-Strukturanalyse?

Mit der sogenannten Spielplatz-Strukturanalyse, die im Frühjahr 2025 gestartet ist, möchte die Stadt ihre Spielplatzlandschaft systematisch erfassen und neu bewerten, um sie künftig zielgerichtet weiterzuentwickeln. Über den bisherigen Zwischenstand informiert die Verwaltung in der kommenden Sitzung des Ausschusses für Infrastruktur und Umwelt, Sicherheit und Ordnung (AIUSO).

Die Analyse sieht laut Vorlage zwei Projektphasen vor. In Phase 1 werden zuerst alle Spiel-, Bolz- und Freizeitsportflächen und deren Ausstattung erfasst und bewertet. Die Ergebnisse werden in Phase 2 zu einem Spielplatzentwicklungskonzept zusammengeführt und anschließend untersucht, wie gut der ermittelte Bedarf durch vorhandene Spielplätze gedeckt wird. Auf dieser Basis sollen künftig Entscheidungen für Sanierungen, Erweiterungen, Schließungen oder Neubauten getroffen werden – fachbereichsübergreifend. 

Was ist bereits passiert?

Laut Verwaltung ist die „konzeptionell-strategische Arbeit der Phase 1 abgeschlossen“. Dazu gehört etwa die Bestandserfassung: Auf Bergisch Gladbacher Stadtgebiet gibt es 136 Spielplätze mit etwa 1100 Spielgeräten auf einer Gesamtfläche von rund 19 Hektar. Für sie ist die Abteilung Stadtgrün (Fachbereich 8) zuständig. 

Jeder Spielplatz wird nach einheitlichen Kriterien bewertet und erhält am Ende einen Gesamtspielwert. Bewertet werden unter anderem Sandspiel, Schaukeln, Drehen und Wippen, Klettern und Balancieren, Rutschen, informelles und inklusives Spielen, die Funktion als sozialer Treffpunkt, Bewegungsmöglichkeiten, Sicherheit, Atmosphäre, Zugänglichkeit und Lage. Diese Daten müssen nun noch ermittelt werden. 

Was sagen die Nutzer:innen der Spielplätze?

Um die Perspektive der Spielplatz-Nutzer:innen (also vor allem Kinder und Jugendliche) zu berücksichtigen, hat die Stadt sechs Bürgerdialoge veranstaltet (jeweils einen in jedem Verwaltungsbezirk) und eine Onlinebefragung durchgeführt. Auch die für Spielplätze relevanten Ergebnisse der Kinder- und Jugendbefragung wurden einbezogen.

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2204 Kinder und Jugendliche haben sich an einer Befragung der Stadt beteiligt. Die Antworten liefern Einblicke in ihr Freizeitverhalten und zeigen, woran es ihnen mangelt. Am liebsten sind junge Menschen zu Hause oder verbringen Zeit mit Freunden. Das hängt auch mit fehlenden Angeboten zusammen.

Demnach sehen die Nutzer:innen „deutlichen Verbesserungsbedarf“ beim Zustand und bei der Vielfalt der Spielgeräte sowie bei Aufenthaltsqualität, Sonnenschutz, Sauberkeit und Sitzmöglichkeiten. Unter anderem werden Müll und Hunde-/Katzenkot moniert sowie kaputte oder abgenutzte Spielgeräte – und die lange Dauer, diese wieder instand zu setzen.

Insbesondere wünschen sich Nutzer:innen vielfältige und naturnahe Spielangebote, Kletter-, Wasser- und Matsch-Spielbereiche, Bewegungs- und Sportangebote, Treffpunkte für ältere Kinder und Jugendliche sowie altersübergreifend nutzbare Flächen. Wiederholt werden die Aspekte Sicherheit, Erreichbarkeit, Barrierefreiheit und Inklusion genannt.

Das Fazit der Stadt: „Die Rückmeldungen sprechen deshalb dafür, Spiel, Bewegung, Sport, Aufenthalt und Begegnung künftig stärker gemeinsam zu betrachten. Die Flächen sollen insgesamt vielfältiger, inklusiver und für unterschiedliche Altersgruppen länger nutzbar werden.“

Ergo: Problem erkannt, noch nicht gebannt. 

Wie geht es weiter?

Eine neue „Spielplatzbedarfsplanung“ soll die bisherige aus dem Jahr 2014 ablösen. Sie soll sichtbar machen, wo wie viele Kinder und Jugendliche leben und wo der Bedarf an öffentlich zugänglichen Spielflächen besonders ausgeprägt ist.

Dafür wird ein Bedarfspunktesystem verwendet: Als Grundwert erhält jedes Kind einen Bedarfspunkt. Zu diesem Grundwert werden verschiedene Faktoren addiert, der die Wohnsituation oder sozialräumliche Aspekte berücksichtigt. Ein höherer Wert ergibt sich insbesondere dort, wo viele Kinder leben, die sozialräumliche Belastung höher ist und aufgrund der Wohnform potenziell weniger private Spielmöglichkeiten vorhanden sind. Die Ergebnisse sollen räumlich in einer Karte visualisiert werden. 

Wann ist die Analyse fertig?

Das wird aus der Vorlage nicht eindeutig ersichtlich. Vieles wurde bereits ermittelt – etwa Methoden oder Bewertungskriterien. Nun müssten die Daten für die einzelnen Flächen erhoben, geprüft, eingegeben und für eine Bedarfskarte bereitgestellt werden.

Erst danach sollen, in Phase 2, „konkrete Handlungsbedarfe formuliert und Prioritäten entwickelt werden“, sprich: politische Entscheidungen über zusätzliche Spielplätze, Verbesserung der Ausstattung, Sanierung, Ausbau oder Schließung bestehender Plätze. Berücksichtigt werden dabei vor allem der oben erwähnte Spielwert, Ausstattung, Erreichbarkeit, Barrierefreiheit, Inklusion und Klimaanpassung.

Die Verwaltung betont, dass die Bearbeitung mit dem vorhandenen Personal erfolgt, während die übrigen Aufgaben weiterlaufen. Auch laufende Spielplatzplanungen würden währenddessen fortgeführt.

Zur Sache: Pflege und Kontrollen der Spielplätze

Über das Thema Spielplatzpflege informierte die Verwaltung im April 2026. Demnach gelten für alle Spielplätze klare Vorgaben im Hinblick auf Sicherheit und Pflege. So müssen sämtliche Spielgeräte, Fallschutzflächen und Böden gepflegt und instandgehalten werden. 

Jeder Spielplatz muss in gesetzlich vorgeschriebenen Abständen von qualifizierten Spielplatzprüfern kontrolliert werden:

  • täglich bis einmal wöchentlich: Sichtkontrolle
  • monatlich bis quartalsweise: operative Inspektion 
  • einmal jährlich: Hauptinspektion 

Auch Sitzgelegenheiten, Umzäunungen, Schilder sowie Sand- und Grünflächen müssen gepflegt, gefährliche Gegenstände, giftige Pflanzen und Müll entfernt werden. Auch Baumpflege, Winterdienst und Reinigung angrenzender Wege unter die Spielplatzpflege. Darüber hinaus müssen Pflege und Kontrollen der Spielplätze dokumentiert werden.

Sechs Mitarbeitende stehen für die Leistung der beschriebenen Aufgaben auf Spielplätzen zur Verfügung, hiervon jeweils zwei Personen zur Pflege, Unterhaltung und Kontrolle. (Stand: April 2026). 

Unterstützung erhält das Spielplatz-Team etwa beim Sandtausch durch die Logistikkolonne und im Sommer durch die Mähkolonne. Die Leerung der Mülleimer und Reinigung des Umfelds werden durch die GL Service gGmbH durchgeführt. Reparaturen, Um- und Aufbauten von Spielelementen werden häufig an externe Fachbetriebe vergeben.

Die Mitteilungsvorlage dazu finden Sie im Ratsinformationssystem.

Die Spielplatz-Strukturanalyse soll alle fünf Jahre aktualisiert werden und perspektivisch in einer Spielplatz-App inklusive Bewertungsfunktion dargestellt werden.

Bei dem Spielplatz in unserer Siedlung würde die Bewertung meiner Töchter eindeutig negativ ausfallen. Zumindest solange die Schaukeln fehlen. 

Alle Informationen dazu finden Sie im Ratsinformationssystem.

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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