So etwas gibt es in der Bundespolitik einfach nicht, auf Landesebene höchst selten und auch im Lokalen ist es eine Ausnahme: Ein Politiker, der das Rampenlicht nicht wirklich genießt.  Einer dieser raren Spezis ist Friedhelm Weiß, der in Rösrath und im Kreis schon lange für die Grünen aktiv ist. Jetzt tritt er für seine Partei als Direktkandidat an – doch nach wie vor versteckt er seine Person hinter der Sache – und auch schon mal hinter einer gehörigen Portion Ironie.

Zu wenig Aufmerksamkeit auf die eigene Außendarstellung kann aber schon mal nach hinten losgehen, wie ein Detail  seiner sehr schlanken  Internetseite verrät: Dort wird im Titel der “Landratskandidat für den Rheinisch-Bergischen Kreis” vorgestellt – obwohl Weiß für den Landtag kandidiert.

“Statt Schwarz oder Rot lieber Grün mit Weiß”

Für den Grünen steht die Umweltpolitik im Vordergrund, seitdem er sich in Köln in den 70ern gegen den Ausbau des Gürtels engagiert hatte. Auch heute sieht er die wichtigen Politikbereiche aus diesem Blickwinkel:

“Ökologie und Ökonomie ergänzen sich sinnvoll zu einem Green New Deal. Maßnahmen für Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung schaffen neue Arbeitsplätze und Märkte.  Ich trete ein für die Entwicklung eines ökologischen Musterkreises auf der Grundlage des RBK 2020, für eine nachhaltige Verbindung von Ökologie und Wirtschaft zur langfristigen Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen, für eine solide Finanzpolitik und eine breit gefächerte Zusammenarbeit unter Berücksichtigung des demographischen Wandels.”

Spezial: Was Sie über die Landtagswahl wissen müssen

Für ihn selbst ist kein Direktmandat erreichbar, im Landtag könnten die Grünen ausschließlich als Juniorpartner der SPD wieder mitregieren, doch Weiß grenzt sich von beiden großen Parteien gleichermaßen ab. Sein utopischer Wahlkampfslogan:

“Statt Schwarz oder Rot lieber Grün mit Weiß”

Aus dem Sauerland nach Rösrath

Der 51-Jährige wurde in Iserlohn geboren, studierte Lehramt in Bochum, wohnte dann in Köln und arbeitete am Landrat-Lucas-Gymnasium in Leverkusen. Vor  29 Jahren zog er nach Rösrath, seit fast 15 Jahren unterrichtet er am Otto-Hahn-Gymnasium in Bensberg die Fächer  Geschichte, Politik und Französisch. Politik ist für ihn damit Beruf und Hobby zugleich, zudem wandert und liest er gerne.

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Das Wandern und die Natur habe er trotz seiner sauerländischen Herkunft erst hier im Bergischen schätzen gelernt. Im Gespräch mit dem KSTA auf dem Busenberg, seinem Lieblingsplatz am Rande der Wahner Heide sagt er:

“Das ist meine Heimat. Mich als Sauerländer zu bezeichnen, wäre kühn.“

Schon 1984 wurde Weiß in Rösrath in den Stadtrat gewählt, dort ist er derzeit Fraktionsvorsitzender der Grünen. Zeitweise hatte er den Vorsitz im Umwelt- und  im Rechnungsprüfungsausschuss inne. Außerdem ist Weiß seit 2004 Mitglied im Kreistag, dort arbeitet er im Verkehrs-, Bau- und Umweltausschuss sowie im interkommunalen Arbeitskreis Wahner Heide – die er inzwischen wie seine Westentasche kennt.

Was der Fluch der Karibik mit Rösraths Etat zu tun hat

Bei aller persönlichen Zurückhaltung nimmt Weiß die politischen Gegner – die daheim in Rösrath derzeit auch noch die Partner sind – gerne auf die Schippe. In seiner Haushaltsrede 2010 verglich der Politiker die Jamaika-Koalition (Schwarz-Gelb-Grün) im Rathaus von Rösrath mit dem „Fluch der Karibik”. Weiß im Originalton:

“Seit eingen Monaten geistert „Jamaika“ als „Fluch der Karibik“ durch unser Gemeinwesen.  Die Stadt Rösrath ist das Piratenschiff Black Pearl. Leider ist die Schiffscrew um Kapitän Barbosa – hier in der Besetzung mit Marcus Maria Mombauer – mit einem furchtbaren Fluch belastet. Sie ist dazu verdammt ziel- und planlos im ozeanischen Schuldenmeer herumzuirren – ohne Hoffnung und Aussicht auf Erlösung.”

Bei aller Zurückhaltung, feine Ironie hat noch nie geschadet. Ob Weiß damit aber auch bei den Wählern in Bergisch Gladbach und Rösrath ankommt entscheiden Sie am Sonntag an der Wahlurne mit. Aber dort herrscht das Wahlgeheimnis, hier nicht. Teilen Sie Ihre Meinung mit uns – unten im Kommentarfeld.

Quellen und weitere Informationen:

Kontakt:

  • Telefon 02202 257874
  • E-Mail: gruenekvrhein-berg@gmx.de
Kein Wunder bei einem gebürtigen Sauerländer, könnte man meinen. Aber weit gefehlt. „Mein Vater ist früher mit uns immer sonntags gewandert. Ich hab’s gehasst“, sagt Weiß und grinst fröhlich. „Meine Liebe zur Natur habe ich eigentlich erst hier entdeckt.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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