Wenn ein Politiker ankündigt, “jetzt mal Klartext” zu reden, räumt er ein, in der Regel genau das nicht zu tun. Was ist aber von Holger Müller zu halten, der das Wort “Klartext”  zu seinem Markenzeichen gemacht hat und es in diesem Landtagswahlkampf sogar als zweiten Vornamen trägt?

Wir werden sehen.

Ein Rösrather, durch und durch

Holger Müller wurde 1947 in Rösrath geboren, dort lebt er seit seiner Geburt in demselben Haus, mit seiner Frau Alice und Sohn Benedict, und diese Stadt vertritt er (zusammen mit Bergisch Gladbach im Wahlkreis 21) im Düsseldorfer Landtag. Dabei wollte Müller eigentlich, so verriet er uns, Pastor werden. An anderer Stelle träumte er von einer Karriere als Fussballspieler in der Nationalmannschaft – was seine zweite Leidenschaft neben der Politik verrät.

Doch im richtigen Leben studierte er im nahen Köln Jura, jobte nebenher als Reiseleiter und landete mit einem Reisebüro in der Selbstständigkeit. 17 Jahre später heuerte beim Flughafen Köln/Bonn an. Dort war er verantwortlich für die Bereiche Vertrieb, Touristik und Besucherdienst – bis der Mann mit der etwas altmodisch-soliden Brille Berufspolitiker wurde.

Multifunktionär – in jeder Lebenslage

Freitzeitpolitiker war Müller da schon seit Jahrzehnten. Als ehrenamtlicher Multifunktionär fast immer in der Spitzenposition zu finden, in jeder Lebensphase, von der Jungen Union bis zur Seniorenunion. In Rösrath, im Kreis und bald auch darüber hinaus.

Mit 22 war er in die CDU eingetreten, hatte die Junge Union in Rösrath, im Kreis und später auf Landes-, Bundes- und Europaebene geführt. Chef des CDU Ortsverbandes war er schon mit 30 Jahren geworden. 1990 gab er dieses Amt zwar auf, kehrte aber 2005 in dieses Amt zurück. Quasi nebenbei war er Vizebürgermeister von Rösrath, wurde seit 1975 sieben Mal direkt in den Kreistag gewählt und leitet seit zwei Jahren die Senioren-Union des Rheinisch-Bergischen Kreises.

Die zweite Leidenschaft: Sport

Dass es noch ein Leben außerhalb der Politik gibt beweist Holger Müller im Sport. Beim SV Union Rösrath war er Jugendtrainer und 33 Jahre lang im Vorstand, die DLRG Rösrath hat er mit gegründet. Zwar ist der 62-Jährige zu seinem großen Leidwesen  aus Zeitmangel  inzwischen nicht mehr selbst aktiv – aber als Sportpolitiker legt er sich im Kreistag und vor allem im Landtag gewaltig ins Zeug. In Düsseldorf ist er immerhin Sportpolitischer Sprecher der Regierungsfraktion. Privat geht er noch fanatischer zur Sache: angeblich hat er 150 Spiele der Nationalmannschaft live gesehen, den illustren Verein „Anhänger des deutschen Fußballs” mit gegründet.

Nur der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass Müller natürlich auch in drei Karnevalsvereinen, beim 1. FC Köln (nein, das ist kein Karnevalsverein, ihr Besserwisser) und im Männergesangsverein Mitglied ist.

Im Landtag: geradlinig und streitbar

Vor gut fünf Jahren machte sich der Lokal- und Regionalpolitiker Holger Müller nach Düsseldorf auf.  Bei der damaligen Kandidatenauswahl gab es so recht keinen Favoriten, da schlug die rasante Rede des Rösrathers um so mehr ein, sein zentraler Schlachtruf wird noch heute gerne zititiert:

„Wenn ich morgens aufstehe, überlege ich mir als erstes, wie ich der SPD schaden kann.“

Und tatsächlich, aus dem Stand heraus gewann er das Direktmandat für den Landtag. Diesen Erfolg will (und muss) er am 9. Mai wiederholen – denn wie seine direkte Konkurrentin Helene Hammelrath kann er nicht darauf hoffen, über die Landesliste ins Parlament zu rücken.

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Sein Direktmandat, so Holger Müller, sei für ihn von Anfang an die Verpflichtung gewesen, sich sieben Tage in der Woche für die Menschen in seinem Wahlkreis, in Bergisch Gladbach und Rösrath einzusetzen. Das habe er getan und zum Beispiel geholfen, die Infrastruktur zu verbessern. Außerdem, so der CDU-Mann,  stehe er “rund um die Uhr für die Menschen zur Verfügung:

“Außer wenn ich schlafe, in Sitzungen oder beim FC bin.”

Ein Rethoriker mit Nuancen

In der Debatte gilt Müller als geradlinig. Er redet eher zu knapp als zu lang – und gerne auch streitig. Aussagen wie “das musste ich einfach mal klarstellen”, oder “da bleibe ich ganz hart bei der Sache”, gehören zu seinen Standardsätzen.

Bei den Inhalten setzt Holger Müller wie die meisten anderen Landespolitiker auf den Bereich Bildung, macht sich lokal für die Schulmilchversorgung und in Düsseldorf für mehr Investitionen in Schulen und Sportanlagen stark. Allerdings stellt er auch immer wieder klar, dass im Land wie in der Stadt kaum noch Geld zu verteilen ist und man nicht auf Kosten der nächsten Generationen leben dürfe.

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In den Details ist Müllers Haltung durchaus nuanciert. In der Elefantenrunde” der Bergisch Gladbacher Landtagskandidaten bei CenterTV zum Beispiel hält er sich an die Parteilinie und verteidigt neben dem Abitur nach 12 Jahren das dreigliedrige Schulsystem. Nach seiner Haltung zur Gesamtschule bei Abgeordnetenwatch gefragt, gesteht er aber auch dieser Schulform einen Platz im Schulwesen zu.

Fluglärm versus Arbeitsplätze

Ein Thema, dem Müller oft nicht ausweichen kann, sind die Probleme der Rösrather mit dem Fluglärm. Immer wieder werfen politische Gegner dem ehemaligen Flughafenmanager vor, wirtschaftlichen Belange vor jene der Bürger zu stellen “sobald er sich auf der Autobahn nach Düsseldorf befindet”, kritisiert etwa Rösraths SPD-Fraktionschef Dirk Mau.

Tatsächlich hatte Müller im Kreistag (wo er CDU-Fraktionschef ist) für einen Antrag gestimmt, der das Land auffordert, die schon mehrfach beschlossene Kernruhezeit für Passagiermaschinen rasch durchzusetzen. Bei einer Abstimmung des Landtags über einen entsprechenden Antrag der Grünen im März stimmte Müller jedoch dagegen. Seine Begründung:  CDU und FDP lehnen ein generelles Nachtflugverbot ab, weil es über 3000 Arbeitsplätze vernichte, die vom Frachtflugverkehr in der Nacht abhingen. Er päferiere direkte Gespräche mit dem Flughafen.

In der CenterTV-Runde konkretisierte er, dass für ihn zwar wirtschaftliche Faktoren sehr wichtig seien, er Passagierflüge in der Nacht für verzichtbar halte und dass die Lärmschutzzonen rund um den Flughafen ausgebaut werden müssten.

Entscheiden Sie selbst

Dass Müller pointiert reden und mitreißen kann hat er häufig bewiesen. Beobachter rühmen ihn gar, selbst Haushaltsreden so zu gestalten, dass niemand einzuschlafen drohe. Da schaut hinter dem Politikeranzug dann offenbar manchmal sogar der Karnevalist durch. Und wer ihn beim öffentlichen Auftritt als zu trocken und hart erlebt ändert nach einer persönlichen Begegnung unter Umständen die Meinung: “Der weiß, wovon er redet – und scheut vor harten Worten nicht zurück”, berichtet ein Wähler.

Dass für Holger Müller Klartext bedeutet, klar – und hart – seine Meinung zu sagen, hat Müller nicht nur bewiesen, sondern auch vor Gericht verteidigt. Im Bundestagswahlkampf 2005 hatte Müller über einen Politiker der Familienpartei gesagt:

“Der hät ne Eck aff.”

Durchaus angemessen, wie Amtsrichter Günter Mischke befand:

„Der Beklagte hat lediglich klar und überspitzt das ausgesprochen, was jeder unbefangene Beobachter gedacht hat, nämlich dass das Verhalten des Klägers in der gegebenen Situation völlig unverständlich war.“

Holger “Klartext” Müller. Wird der CDU-Mann diesem Anspruch gerecht? Entscheiden Sie selbst. Das müssen Sie an der Wahlurne ja sowieso machen. Aber dort herrscht das Wahlgeheimnis, hier nicht. Teilen Sie Ihre Meinung mit uns – unten im Kommentarfeld.

Quellen und Weitere Informationen:

Kontakt:

  • Wahlkreisbüro:
    CDU-Center,  Hauptstraße 164b, 51465 Bergisch Gladbach, Telefon: 02202 93695-14
  • Im Landtag:
    Telefon:  0211 884-2263
    E-Mail: holger.mueller (at) landtag.nrw.de

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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