Wo immer Vertreter des linken Spektrums auftreten, da ist Tomás Marcelo Santillan nicht weit. Beim Schülerstreik in der vergangenen Woche, bei den Protesten gegen die rechtsextreme Partei pro NRW heute in der Bergisch Gladbacher Innenstadt, oder was auch sonst anliegt – Santillan ist präsent. Vor Ort in der ersten Reihe und im Internet mit seiner eigenen Medienmaschine.

Ein Fehlstart in der Jungen Union

Dabei hatte Santillan seine politische Laufbahn rechts begonnen, für seine heutigen Maßstäbe sogar ziemlich weit rechts. Aber das ist eine längere Geschichte.

Zur Welt kam Tomás Marcelo Santillán zwar in Köln, doch seit seinem ersten Lebensjahr wohnt er in Refrath. Zur Schule ging er folglich in der Kath. Grundschule Frankenforst, sein Abitur machte er am Otto-Hahn-Gymnasium.

Schon damals begann seine intensive Beziehung zur Politik, aber wie gesagt auf der „falschen“ Seite: Gerade 15 Jahre alt trat er in die Junge Union ein. Doch schnell merkte er, dass er sich dort auf dem falschen Dampfer befand. Schon nach wenigen Monaten trat er wieder aus und schloss sich der Friedens- und Antiatombewegung an, die er bis heute als seine eigentliche politische Heimat betrachtet. Später verbrachte er 20 „engagierte und aktive“ Jahre in der SPD, doch das betrachtet er längst als abgeschlossene Periode.

Ein Jurist als Internet-Experte

Nach dem Abitur studiert Santillan zunächst einmal Jura in Köln, schwenkt dann aber in die IT-Branche ab. 1995 gründet er zusammen mit Studienkollegen 1995 ein Internetunternehmen. Heute arbeitet er als IT & Softwareberater, spezialisiert auf Sicherheitslösungen für kleine und mittelständische Unternehmen.

Als Student trat er in die SPD ein, arbeitet zunächst bei den Jusos an der Uni Köln. Später kandidiert er für die SPD in Bergisch Gladbach, unter anderem für den Kreistag.

Schon in den Frühzeiten des Internets beschäftigt er sich nach 1987 mit dem Aufbau verschiedener politischer Onlineprojekte wie das CL-Netz, Link-GL, JusoNetz oder die Friedenskooperative.de. Auch heute setzt er seine Kenntnisse im Netz wendig und umfangreich um, er twittert, ist bei Facebook aktiv und betreut die Webseiten der Linken in Stadt und Kreis.

Krieg führt zum Bruch mit der SPD

Doch allmählich entfremdete sich Santillan von der SPD. Zunächst nur nebenbei freundet er sich mit der Anti-Globalsierungsbewegung Attac an. Als deren Kreissprecher feiert er seinen ersten größeren politischen Erfolg, als er 2003 mit einigen Mitstreitern einen Bürgerentscheid erzwang, der das so genannte Cross-Border-Leasing in Bergisch Gladbach zu Fall brachte. Die Stadtverwaltung wollte das städtische Abwasserwerk an einen amerikansichen Investor verkaufen und zurückmieten, um einen kurzfristigen finanziellen Vorteil einzustreichen. Daraus wurde nichts. Zum Glück, wie sich später herausstellte.

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Für den endgültigen Bruch mit der SPD führt Santillan die Haltung der Partei zum Krieg in Afghanistan und zu Hartz IV an. Die Gründung der neuen Partei „Die Linken“ kam ihm 2007 wie gerufen. Seit 2008 ist Santillan ihr Ortsverbandssprecher in Bergisch Gladbach. 2009 trat er für die Linke als Bürgermeisterkandidat an (siehe Video unten) – und brachte die Partei  mit 2,9 Prozent in den Stadtrat, wo er seither Vorsitzender einer kleinen, aber sehr aktiven Fraktion ist.

Streit bis vor das Verfassungsgericht?

Tatsächlich wirbelt Santillan die Lokalpolitik auf – und polarisiert kräftig. So schreckte er nicht davor zurück, sich mit dem Bürgermeister Lutz Urbach vor Gericht um die Zuweisung bestimmter Fraktionsräume zu streiten – und in diesem Zusammenhang sogar mit dem Gang vor das Bundesverfassungsgericht zu drohen. Für die meisten Vertreter der etablierten Parteien, die ihm im insgeheim für sein Engagement gegen das Cross-Border-Leasing dankbar waren, ist er spätestens seit diesem Rechtsstreit ein rotes Tuch.

Als seine politische Schwerpunkte nennt Santillan Soziales, Umwelt und Bildung. Auf den Wahlplakaten fordert er ganz populistisch den sofortigen Abzug aus Afghanistan und verspricht alle möglichen sozial- und bildungspolitischen Wohltaten.

Spezial: Was Sie über die Landtagswahl wissen müssen

Dafür nach der Wahl persönlich haftbar gemacht zu werden ist für Santillan jedoch keine Gefahr – mit einem hinteren Listenplatz hat er selbst bei einem sehr guten Abschneiden seiner Partei keine realistische Chance auf den Einzug in den Landtag – geschweige denn durch den Gewinn eines Direktmandats. Aber wie bei der Bürgermeisterschaftswahl ist es Santiallan wichtig, selbstbewusst Flagge für die Linke zu zeigen.

Die Schönheit der Träume

Dass seine Partei nach wie vor von einigen als SED-Nachfolgepartei angesehen wird ist für Santillan, den Friedensbewegten und Demokratie-Vorkämpfer, kein Thema. Sein Leitbild sei „die demokratische Bürgergesellschaft mit mehr statt weniger direkter Mitbestimmung für alle“, stellt er klar. Er ist auch Mitglied von Mehr Demokratie e.V., die sich für Volksentscheide einsetzt.

Denen, den all das als zu luftig erscheint, hält Santillan ein Zitat von Elenore Roosevelt entgegen:

“Die Zukunft gehört denen, die an die Schönheit ihrer Träume glauben.”

Als Hobbies nennt Santillan das Filmen, Geschichte und Natur. In seiner Freizeit bringt er so unterschiedliche Dinge wie die Friedensbewegung,  Attac und den bergischen Karneval (KG für uns Pänz Refrath) unter einen Hut.

Ob Santillan mit seinen politischen Zielen und seiner Person  bei den Wählern in Bergisch Gladbach und Rösrath ankommt entscheiden Sie am Sonntag an der Wahlurne mit. Aber dort herrscht das Wahlgeheimnis. Hier nicht. Teilen Sie Ihre Meinung mit uns – unten im Kommentarfeld.

Quellen und weitere Informationen

Kontakt

  • Mozartstr. 12,  51427 Bergisch Gladbach
  • Telefon 02204 22073
  • Mobil  0172 2410212

Video: Tomás M. Santillan vor der Bürgermeisterwahl 2009 bei CenterTV

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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