Im Stadtanzeiger vom 26.9. lernten wir, dass „Gedanken und Kritik der Öffentlichkeit“, in Architektensprache übersetzt, „durchgedrehter Müll“ heißt. Leider ist Architektensprache nicht immer so deutlich. Wenn sie zum Beispiel bei der Neugestaltung der Strundequelle einen Ausdruck wie „Inwertsetzung“ benutzt. Als hätte dieser Ort bis dahin keinen Wert gehabt.

Noch sieht unsere Fußgängerzone so aus.

Aber ausreichend „durchgedreht“ wurde dieser „Müll“ offensichtlich nicht. Deshalb kam manche Kritik aus der Bevölkerung und aus dem Rat auch etwas spät, was die Geduld eines Architekten und vielleicht auch mancher „handlungsorientierter“ Politiker offensichtlich stark strapaziert hat.

Aber gibt es eine Alternative zu einer breiten Öffentlichkeitsbeteiligung, will man nicht einer engstirnigen Betondemokratie das Wort reden, nach dem Motto: Mehrheitsbeschluss ist Mehrheitsbeschluss, und wir haben ja schließlich Politiker gewählt, damit sie für uns handeln?

Und genau da hakt es: bei einer rechtzeitigen, praktikablen, transparenten und konkreten Information der Öffentlichkeit. Da ist es nicht damit getan, dass man eine Infobox an der S-Bahn einrichtet und eine Internetseite mit dem schönen Namen „Stadt gestalten“.

Nein, die „Box“ muss jederzeit einsehbar sein, nicht nur 2 Stunden in der Woche. Und sie muss wirkliche, verstehbare und konkrete Informationen enthalten, nicht nur ein schönes Modell der Stadt, auf das einige Leute aus der Verwaltung so stolz sind, dass ihnen Tränen der Rührung in die Augen treten, wenn sie es präsentieren.

Da müsste man rechtzeitig sehen können, welche Bäume in der Fußgängerzone gefällt oder ersetzt werden sollen.

Da müsste rechtzeitig und deutlich zu sehen sein, dass die Bänke an der Strundequelle zum Sitzen nicht geeignet sind, weil zu kalt und ohne Rückenlehne.

Wie die Fußgängerzone nach den Plänen mal aussehen soll

Und dort und auf der Internetseite müssten rechtzeitig und langfristig alle relevanten Entscheidungstermine zusammengestellt sein, damit man sich als Bürger darauf einrichten kann. Und gestellte Fragen und Anregungen von Bürgern und vor allem Ratsmitgliedern –wenigstens kurz- zu beantworten, müsste eine Selbstverständlichkeit sein. Und es würde sich auch lohnen, weil sich letztlich die Planungsprozesse nicht in die Länge ziehen würden, weil Einsprüche rechtzeitiger kämen.

Also: In Zukunft den „Müll“ nicht verachten, sondern ihn verantwortungsbewusst und gemeinsam „durchdrehen“, Herr Architekt, Damen und Herren Politiker und Damen und Herren von der Verwaltung!

Weitere Informationen:

Engelbert M. Müller

ist pensionierter Lehrer, Mitglied von Wort und Kunst, Verfasser von "Der letzte Lehrer"

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  1. Wieder ein Projekt der Regionale 2010, das viel Geld kostet und deren Nutzen fraglich ist. Bei dem Strundeprojekt geht es nicht um nachhaltige Investitionen oder Umweltschutz, sondern um die Selbstverwirklichung einiger Stadtplaner und die Profilsucht eines ehemaligen Bürgermeisters von der SPD und seinem Nachfolger von der CDU, die gerne Steuergeld verschwenden. …