Seit Mitte Juli bin ich Kunde bei der Gladbacher Tafel in der Kalkstraße. Ich wurde gefragt, ob ich Lust hätte, eine Fotoreportage zu machen, aus Sicht des Tafel-Kunden. Ja, fand ich gut diese Idee und habe den Vorstand kontaktiert um zu fragen, ob da Interesse besteht. Das war gar keine Frage, man hat sich gefreut und kürzlich hatte ich einen Termin mit Herrn Kerkhoff und Herrn Fehler. Ich habe so viel Informationen bekommen und Fotos gemacht, dass ich den Bericht in drei Teile aufteilen möchte, damit er nicht zu lang und zu unübersichtlich wird.

In der kleinen Mitarbeiterküche hatten wir eine nette Gesprächsrunde, in der wir auch vom Hölzchen aufs Stöckchen kamen. Daten und Fakten über die Bergisch Gladbacher Tafel will ich hier nicht zum Thema machen. Wer sich dafür interessiert, findet das alles unter diesem Link: Hier kommen nun die wichtigsten Gesprächspunkte, die mir aber auch den beiden Herren aus dem Vorstand am Herzen lagen.

Die allererste Frage ging an mich. Herr Kerkhoff wollte wissen: “Wie erleben Sie die Tafel als Kunde?”

Beim Beantworten dieser Frage habe ich gemerkt, dass ich auch nicht ganz vorurteilsfrei dort hin gegangen bin. Ich musste eine gewissen Schwellenangst überwinden, mich unter alle die einzureihen, die auf einem sehr niedrigen finanziellen Level leben und auf Einkaufsmöglichkeiten wie diese angewiesen sind. Das ist nicht lustig.

Aber die Rente ist tatsächlich weniger als meine Hartz-IV-Bezüge waren, und es wäre schon Dummheit, das Lebensmittelangebot der Tafel auszuschlagen, wegen einer unbegründeten Scham. Inzwischen ist diese Schwellenangst aber überwunden und ich freue mich ganz einfach, dort mit einer großen Tasche voller Brot, Obst, Gemüse und anderen Dingen wieder rauszugehen, für die ich dann kein Geld mehr auszugeben brauche.

Weitere Berichte zur Tafel finden Sie ganz unten

Zwei Argumente, die ich immer wieder in Gesprächen über die Tafel hörte, waren diese:

  1. Viele alte und gebrechliche Menschen können dort nicht einkaufen, weil sie nicht hinkommen.
  2. Ich kann dort nicht hingehen, weil ich nicht so lange stehen kann.

Punkt 1 lässt sich ganz schnell klären: Wer selbst nicht zur Tafel gehen kann, weil er zu alt, zu gebrechlich oder aus gesundheitlichen Grünen nicht in der Lage ist, sich dort anzustellen, darf eine Person seines Vertrauens für den Einkauf benennen, die das für ihn erledigt. Das ist gar keine Frage und ganz schnell im Büro dort zu klären.

Punkt 2 ist nicht so einfach zu lösen. Sitzgelegenheit anzubieten geht nur in einem kleinen Rahmen, wenn wirklich jemandem die Beine zu versagen drohen. Das Problem ist, dass die Zufahrt, in dem die Kunden anstehen müssen, nicht der Tafel gehört. Sie muss freigehalten werden. Es dürfen leider keine Sitzgelegenheiten irgendwelcher Art aufgestellt werden. Und der Ausgaberaum der Tafel bietet nicht genug Platz für Sitzgelegenheiten. Da wird es schon eng, wenn die Kunden dort ihre Taschen abstellen für die Zeit des Einkaufs.

Rollstuhlfahrer müssen sich auch nicht anstellen. Sie dürfen vor der offiziellen Ausgabezeit einkaufen. Der Zugang ist barrierefrei.

Der Wartebereich im Hof:
Während der heißen Tage wurden an der Außenwand zweier Garagen Jalousien ausgefahren, die dort ein wenig Schatten spendeten. An der dritten Garage kann keine Jalousie angebracht werden, so dass auch die schattigen Bereiche leider klein sind. So sind die Örtlichkeiten und Umstände für die Wartenden nicht perfekt, aber mehr ist einfach nicht drin. Die Geduld der Nachbarn ist groß, aber auch ausgereizt.

Über die Abholzeiten haben wir gesprochen. Wie ist das überhaupt geregelt, dass nicht alle Kunden auf einmal dort vor der Tür stehen?

Bei der Tafel in der Kalkstraße gibt es Ausgabetermine am Dienstag und am Samstag. Ich bin Dienstagskunde und habe für meine Einkäufe den Buchstaben E bekommen. Dazu gehört dann dieser Plan, auf dem jetzt die Einkaufszeiten für den Monat August stehen. Im September bekomme ich einen neuen Plan. Die Einkaufszeiten für den Buchstaben E verschieben sich von Dienstag zu Dienstag immer um 25 Minuten.

Dadurch bin ich einmal bei den ersten Kunden, wo noch alles da ist, und irgendwann mal bei den letzten Kunden, wo vielleicht nicht mehr alles da ist. Dieses rotierende System finde ich gerecht.

Trotzdem gibt es lange Wartezeiten.
Ich muss mich in der Regel eine halbe Stunde früher anstellen, um auch während meiner Einkaufszeit dranzukommen.Die Bergisch Gladbacher Tafel ist groß. Eine Freundin, die dort hilft sagte mir, dass am Dienstag über 150 Leute da waren. Bei 3 Stunden Öffnungszeit muss da jeder in etwas mehr als 1 Minute wieder raus sein, sonst staut es. Ich brauche ganz eindeutig länger. Auf die Uhr geschaut habe ich noch nicht, aber ich schätze, dass es 5 Minuten sind, bis ich alles habe und einzupacken beginne. Da gerät schon einiges durcheinander.

Ein Grund ist, dass sich viele Kunden nicht an die ihnen zugeteilten Ausgabezeiten halten und zu früh kommen. In Extremfällen hat man schon Kunden wieder hinauskomplimentiert und sie aufgefordert, zur richtigen Zeit zu kommen. Dafür gibt es dann Mecker seitens der Kundschaft. Aber wie Herr Kerkhoff sagte: “Im Kino oder beim Fußball muss ich auch warten bis die Show beginnt. Da werden die Zeiten auch nicht zu meinen Gunsten verschoben.”

Andererseits geht es nicht ohne Kompromisse, denn Kunden die mit dem Bus kommen, haben Probleme, die Ausgabezeiten einzuhalten. Ich mit meinem Bus von Hand nicht. Der fährt alle 20 Minuten. Aber eine Kundin von Voiswinkel hat keine so gute Anbindung, sie kann sich nicht an die Ausgabezeiten halten. Ist mal zu früh und mal zu spät.

Ein anderer Grund ist, dass nicht immer alle ehrenamtlichen Helfer zur Verfügung stehen. Nicht alle können immer kommen. Dann fehlen Leute in den hinteren Räumen beim sortieren und einpacken, oder vorne in der Ausgabe. Denn jeder Kunde wird von einem Helfer beim gesamten Einkauf begleitet. Je weniger Helfer in der Ausgabe zur Verfügung stehen, um so langsamer geht es voran.

Es gibt andere Systeme der Ausgabe in Kürten und Leverkusen, die vielleicht auf den ersten Blick kundenfreundlicher erscheinen, aber auf den 2. Blick nicht auf Bergisch Gladbach zu übertragen sind, weil die Gladbacher Tafel einfach viel mehr Kunden versorgen muss.

Dass es im Ausgaberaum ein bisschen heller sein könnte, ist da das geringste Problem. Aber das ist auch bekannt, da wird man sicherlich auch noch was dran tun können.

Nach dem Gespräch sind wir dann gemeinsam durch die Räumlichkeiten gegangen und ich durfte Fotos machen. Die Mitarbeiter waren alle einverstanden mit der Veröffentlichung der Fotos im Internet, was ich sehr schön fand.

Fortsetzung folgt.

Evelyn Barth

(Frau Wirrkopf) Seit 1980 bin ich Bürger dieser Stadt, das ist fast mein halbes Leben. Nach 6 Jahren Hartz IV genieße ich nun seit Herbst 2012 meine wohlverdiente Rente. Ich lebe gerne hier. Daran, dass ich mehr Zeit als Geld habe, hat sich aber auch mit der Rente nichts geändert. Darum bin ich mit...

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