Bergisch Gladbach ist keine Bananenrepublik – denn dort wird die Zukunft nicht bestimmt von kompetenten öffentlichen Planern, sondern von Immobilienmaklern und ihren Parteifreunden. Langfristige Entwicklungschancen werden dort vertan zugunsten von kurzfristigen Profiten einiger weniger einflussreicher Leute, die meistens im Verborgenen bleiben.

In Bananenrepubliken wird vergessen, dass das Wort Republik aus dem Lateinischen stammt, von Res Publica = Öffentliche Sache. Deshalb wird dort nichts so richtig transparent gemacht, sondern das Entscheidende läuft stets hinter den Kulissen ab. Dort weiß man auch nicht, dass Demokratie Volksherrschaft bedeutet und dass deshalb die Interessen der großen Mehrheit vertreten werden sollen. Wird das Volk wider Erwarten doch einmal unruhig oder sogar aufmüpfig, so beruhigt man es mit falschen Versprechungen, um zu gegebener Zeit seine egoistischen Pläne unverdrossen weiter zu verfolgen.

In Bergisch Gladbach leben wir stattdessen in einer Kommune mitten in einer parlamentarischen Demokratie. Wir haben Volksvertreter, die im Rat die Interessen der Bürger vertreten, die sie gewählt haben.

Und doch geschehen auch hier manchmal unfassbare Dinge, obwohl man den Verantwortlichen eine gewisse Sensibilität nicht absprechen kann. So soll der Waatsack, wo Max Bruch einmal dirigiert hat,  im Zuge des Max-Bruch-Jubiläums nicht abgerissen, sondern vorsorglich im Freilichtmuseum Lindlar untergebracht werden.

Nun mehren sich Stimmen, die die anderen stadtprägenden Gebäude dorthin nachfolgen lassen wollen: die Villa Zanders, das Kulturhaus Zanders, den Bergischen Löwen, das Bensberger Rathaus und das Bensberger Schloss. Die Probleme von guter Erreichbarkeit und ausreichendem Parkplatzangebot würde man somit in einem Schwung lösen.

Vorteile, nichts als Vorteile

Eine Kombi-Eintrittskarte soll am gleichen Tag den Besuch eines Galeriekonzerts in der Villa, einer Theateraufführung im Löwen, einer Vernissage im Kulturhaus, die Teilnahme an einer Ratssitzung und ein anschließendes mexikanisches Essen mit einer verbilligten Nacht im Schloss ermöglichen.

Der Vorteil: eine enorme Geld- und Zeitersparnis und endlich freier Raum für die Errichtung von Parkhäusern in den Zentren von Gladbach und Bensberg und von Hochhäusern für Seniorenresidenzen und weiteren Einkaufszentren.

Außerdem würde die lange ersehnte Tourismusförderung des Bergischen einen enormen Aufschwung nehmen. Unsere Region geht einer glänzenden Zukunft entgegen.

Nur lokalpolitische Querulanten wollen die architektonischen Eigenarten der Stadt erhalten und plädieren zusätzlich auch für eine Versetzung des Kölner Doms auf den Gladbacher Marktplatz, da dessen Verbleib in Köln wegen unbedingt notwendiger und alternativloser Verkehrsmaßnahmen gefährdet ist.

Weitere Informationen:

Engelbert M. Müller

ist pensionierter Lehrer, Mitglied von Wort und Kunst, Verfasser von "Der letzte Lehrer"

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3 Kommentare

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  1. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, den Standpunkt der Ratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen zum dem Dauerthema Kreuzungsbereich Odenthaler Straße / Hauptstraße darzustellen.

    Zunächst möchte ich betonen, dass wir uns stadtweit für den Erhalt historischer Gebäude einsetzen. Dies gilt nicht nur für das jeweilige Gebäude selbst, sondern auch für seinen Standpunkt.

    Klar könnte man den Waatsack in einem Freilichtmuseum aufstellen, aber der Waatsack hat einen untrennbaren historischen Bezug zu seinem aktuellen Standort und diesen örtlichen Bezug gilt es ebenso zu erhalten, wie das Gebäude selbst.

    Bergisch Gladbach ist eine alte Stadt und zu alten Städten gehört historische Bausubstanzt.

    Zu diesem Thema hat unsere Fraktion im Planungsausschuss vom 19.09.2012 einen entsprechenden Antrag gestellt, der jedoch keine Mehrheit fand und somit abgelehnt wurde.

    Bezüglich des Verkehrsknotenpunktes Odenthaler Straße / Hauptstraße unterstützt unsere Fraktion die Version der angemessen erweiterten T – Kreuzung mit neuer Ampelanlage.

    Hier würden wir auch einer Verschiebung des Waatsacks (von der Odenthaler Straße aus gesehen, befindet sich neben dem Waatsack ein freies ungenutztes Grundstück) zustimmen.

    Die vorliegenden Pläne für einen Kreisverkehr, finden in unserer Fraktion aus Kostengründen, wegen des Flächenbedarfs und der Belastbarkeit keine Zustimmung.

    Dirk Steinbüchel
    Planungspolitischer Sprecher der Ratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen

  2. Eigentlich… also so ganz eigentlich will ich mich ja aus politischen Dingen raushalten. Depressionen in meinem Alter kann und will ich mir nicht mehr leisten, dafür ist mir das Restleben zu wertvoll. Aber es erzürnt mich doch immer wieder, dass behauptet wird, unsere Regierung und deren Mitarbeiter seien vom Volk gewählt worden. Niemand in diesem Lande wurde vom Volk gewählt. Weder an der Spitze noch die in den kleinen Gemeinden. Das Volk hat seit Jahrzehnten keiner der vorhandenen Parteien einen Regierungsauftrag erteilt. Mehrheiten gibt es nicht mehr seit ich mich mit Verstand an Wahlen erinnern kann.

    Unsere Regierungen und die Beauftragten die sich auf die Fahne schreiben, das Volk zu vertreten – Hä? – sind ein Ergebnis von Additionsaufgaben. Am Ende einer Wahl wird zusammengerechnet, welche Kombination über 50 % kommt, die rotten sich dann gegen das Volk zusammen und behaupten, sie hätten einen Auftrag und nennen sich Volksvertreter.

    Wie nennt man diese Regierungsform?