Eschrott 230

Dieser Tage lag der städtische Abfuhrkalender 2014 in meinem Briefkasten. Als Beilage erhielt ich auch das “Tonnen-Journal”. Dieses Journal der Abfallwirtschaftsbetriebe der Region erklärt auf vier DIN A3-Seiten, welcher Müll in welche Tonne gehört und wo man Dinge los werden kann, die nicht in Tonnen gesammelt werden.

Elektroaltgeräte und Sperrmüll zum Beispiel. Das Tonnen-Journal erklärt auch, warum es illegal ist, zum Beispiel einem Schrotthändler, “der mit der Bimmel von Tür zu Tür fährt”, ein Elektroaltgerät mitzugeben, auch wenn der es haben will. Nur die städtischen Abfallwirtschaftsbetriebe dürfen demnach Elektroaltgeräte sammeln. Ich zitiere auszugsweise:

Alle sonstigen gewerblichen Sammlungen, die nicht in diesem Rahmen erfolgen – auch diejenigen bei Schrotthändlern …. sind illegal! Das betrifft jeden Schrottsammler, der mit der Bimmel von Tür zu Tür fährt und erst recht jeden, der Elektroaltgeräte wegnimmt, die zur Abfuhr bereit gestellt werden.“

Viele Elektrogeräte enthalten schadstoffhaltige Bauteile, die mit besonderer Sorgfalt behandelt werden müssen. Den illegalen Sammlern kommt es nur auf werthaltige Schrottteile an, Umweltschutz spielt keine Rolle.“

Und schon meldet sich mein bösartiges, misstrauisches Gehirn mit zwei Fragen:

  1. Worauf kommt es den Abfallwirtschaftsbetrieben bei der Entsorgung von Müll an, und welche Rolle spielt dort der Umweltschutz? Man möge mich bitte einmal fragen, ob ich den zuständigen Betrieben in dem Punkt  mehr vertraue als einem Schrotthändler!
  2. Warum wird hier ein ganzes Gewerbe als illegale Sammler bezeichnet? Es gibt sie sicher, wie es in jedem Beruf schwarze Schafe gibt, aber die Formulierung hier finde ich diskriminierend.

Auf Sperrmüll sind die Abfallbetriebe genauso heiß wie auf Elektroaltgeräte. In diesem Fall sind das übrigens die Bergische Wertstoffsammel GmbH,  der Bergische Abfallwirtschaftsverband Engelskirchen, die AVEA GmbH & Co KG Leverkusen und auch unser eigener Abfallwirtschaftsbetrieb Bergisch Glabach, die laut Impressum gemeinsam für das Tonnen-Journal verantwortlich sind. Und die schreiben wörtlich:

Das Durchsuchen und Wegnehmen von Sperrmüll, der zur Abholung bereitgestellt wird, ist illegal.“

Die Wegnahme von Abfällen ist damit Diebstahl!“

Also auch die Wegnahme durch Privatpersonen ist dann Diebstahl? Alle die sich was von einem Sperrmüllhaufen wegnehmen sind Diebe?

Aber dort steht auch:

Mit der Entsorgung gehen die Abfälle in das Eigentum der öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger über.“

Mit der Entsorgung!  Vor der Entsorgung gehört es ihnen demnach noch nicht!

Vor der Entsorgung gehört es demnach weiterhin demjenigen, der es bereitgestellt hat. Und demjenigen ist es bis zur Entsorgung völlig wurscht, ob sich jemand was mitnimmt oder nicht. Wieso werden hier Menschen, die sich aus dem Müll ein Teil rausfischen, das sie noch gebrauchen können, als Diebe abgestempelt?

Für diese beiden Textepassagen gehört den Verantwortlichen zwei Mal kräftig in den Hintern getreten, finde ich. Für jeden Text mindestens ein Mal!

Denn diese beiden Texte liegen jetzt in jedem Haushalt herum und jeder kritische oder unkritische Leser bekommt auf eine ganz subtile Weise vermittelt, alle Schrotthändler seien illegal und jeder, der Sperrmüll mitnimmt, sei ein Dieb. Tolle Diskriminierung!

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Evelyn Barth

(Frau Wirrkopf) Seit 1980 bin ich Bürger dieser Stadt, das ist fast mein halbes Leben. Seit Herbst 2012 genieße ich meine wohlverdiente Rente. Ich lebe gerne hier. Mit dem Reporterhund BamBam erkunde ich die Stadt und die Umgebung. Dabei halte ich Ausschau nach Schönem und Ärgerlichem. Über beides...

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1 Kommentar

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  1. Das ist doch gesetzlich völlig klar geregelt. Solange die Sachen zur Sperrmüllabholung angemldet sind und am Straßenrand bzw. auf dem eigenen Grundstück liegen, ist der bisherige Eigentümer weiterhin Eigentümer. Sobald die städtischen Abholer die Sachen einsammeln, sind sie Eigentümer.

    Dazwischen gibt es keine Grauzone. Wenn mich jemand fragt, ob er sich ein bestimmtes Stück von meinem Sperrmüllhaufen mitnehmen darf, dann werde ich ihm das wohl in den meisten Fällen schenken. Nimmt er es einfach mit, ist das Diebstahl. Letzteres gilt erst recht für die organisierten Gruppen von Sperrmüllsammlern.

    Ich halte das auch für richtig, da die städtischen Abfallwirtschaftsbetriebe kostendeckend arbeiten müssen und sich die Müllabfuhrkosten aus dem konkreten Finanzbedarf errechnen. Jedes Stück von Wert, das ein Abfalldieb mitnimmt, erhöht die Kosten bzw. verringert die Einnahmen der AWB und verteuert so die Müllgebühren für alle.

    Ich frage mich auch, wie Sie auf den Satz „Man möge mich bitte einmal fragen, ob ich den zuständigen Betrieben in dem Punkt mehr vertraue als einem Schrotthändler!“ kommen. Natürlich sind die AWB weit stärker den umweltrechtlichen Gesetzen und Verordnungen verpflichtet als die organisierten Gruppen, die sich bei einbrechender Dunkelheit einfach vom Sperrmüll bedienen. Vertrauen Sie diesen gewerblichen Sammlern, die sich einfach etwas nehmen, ohne zu fragen, stärker als den entsprechenden Fachabteilungen und -betrieben der Stadt?