Der freigelegte Kalkofen

Vor Wochen wollte ich mit dem Krankenhausaufzug des Evangelischen Krankenhauses (EVK)  von der Hauptstraße hinauf zur Ferrenbergstraße. In Gedanken versunken gehe ich den schmalen Weg von der Hauptstraße in Richtung Aufzug. Plötzlich klafft rechts vor dem Parkhaus eine Lücke. Wo kürzlich noch ein altes Haus stand, dort blicke ich jetzt auf eine Ruine, die ich erst einmal nicht zuordnen konnte. Spontan habe ich gedacht, dieses alte Gemäuer gehört bestimmt zum alten Wasserturm.

Tage später sehe ich in der Facebook-Gruppe „Du kommst aus Bergisch Gladbach, wenn …“  ein Bild dieser Ruine. Daran entspinnt sich eine Diskussion, die Spekulationen über das Gebäude werden immer wilder.

Der Quirlsberg mit Wasserturm und dem Rundbau des EVK

Von Neugier gepackt diskutiere ich mit. Die Theorien, es müsse ein Bunker oder ein Kalkofen sein, irritieren mich sehr. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ein Krankenhaus neben einem Kalkofen steht. Das EVK wurde laut meiner Recherche im Internet im Jahr 1928 fertiggestellt. Der Kalkofen hingegen sollte aus den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts sein? Für mich unwahrscheinlich! Ich recherchiere weiter im Internet, im Archiv des Bergischen Geschichtsvereins , in Büchern wie „Bergisch Gladbach, alte und neue Ansichten“ von Willi Fritzen. ,

Rasch stoße ich auf die Information, dass es einmal eine Quirlsmühle gegeben hat. Diese Quirlsmühle war der namentliche Vorgänger der Schnabelsmühle. Diese Mühle war nach dem Besitzer Heinrich Schnabel benannt worden, der sie ab ca. 1782  sein Eigentum nennen konnte. Der nächste Eigentümer war ab 1797 sein Enkel Heinrich Fauch, dessen Erbe 1824 mit Johann Wilhelm Zander die Fa. Fauth und Zanders gründete. Nach dem Tod von Gottfried Fauth übernahm Zanders 1829  Fauths  Geschäftsanteile und gründete am 28. Juli 1829 die Papierfabrik J.W.Zanders.

1954 stiftete J.W Zander II (1899-1978) der Stadt anlässliche des 125 jährigen Bestehens der Fa. Zanders einen hohen Betrag als Grundstock für einen „räumlich fehlenden kulturellen Mittelpunkt“. Mit Hilfe dieses Geldes entstand in den 1960er Jahren das Gebäude des Forums für die Volkshochschule und die städtische Bücherei an der oberen Hauptstraße.


Die Karte können Sie bearbeiten – Großansicht oben rechts öffnen, Hinweise eintragen.

Bis hierhin wusste ich nicht, woher der Name Quirlsberg überhaupt kommt. Ich beginne meine eigenen Überlegungen und mir fällt das Hans Zanders Bad an der Bensberger Straße ein und prompt erhalte ich die Information, dass hinter dem alten Gasthaus Paas ein Bunker gewesen wäre, der einst auch als Bierlager genutzt worden sei. Ja, es wird lebendig .

Nun weiß ich woher der Quirlsberg seinen Namen hat, von der ehemaligen Quirlsmühle. Dort wo heute die Bensberger Straße in Richtung Dombach ihre Gabelung macht, gab es früher die alte Lumpenkammer des Firmengelände Zanders, nebenan auf der Anhöhe steht alte Wasserturm.

Dieser Wasserturm wurde 1906 erbaut um die Wasserversorgung der Fa. Zander zu gewährleisten. Seit dem Jahre 1936 wurde er nur noch als Entlüfter genutzt,  und seit einigen Jahren ist er wieder in Betrieb, um den Wasserdruck im Zanders-Werk auszugleichen.

Ein aktuelles Bild des Wasserturms. Foto: Markus Ruhkiek

Mir wurde schlagartig klar, dass das gesamte Gebiet vom Hans Zanders Bad, vorbei am alten Gasthaus Paas, vorbei an der evangelischen Gnadenkirche bis hoch zum evangelischen Krankenhaus ehemaliger Zanders-Besitz gewesen sein musste.

Aber Fragen über Fragen bleiben vorerst offen, da ich die nicht abschließend klären konnte, wie die Besitzverhältnisse gewesen sind.

Am Qirlsberg war außerdem ein ehemaliger Kalksteinbruch, der sich sehr wahrscheinlich bis zur Höhe der alten Feuerwache gezogen haben muss. Jedenfalls waren Papiermacher und Kalkbrenner im neunzehnten Jahrhundert aus wirtschaftlichen Gründen teilweise auch gleichzeitig Kalkbrenner. Auf dem zur Schnabelsmühle gehörenden Gelände Schornhäusgen bzw. Schönhäusschen wurde von Fauth Kalk mit Braunkohle gebrannt. Wie oben nachzulesen ist agierte Fauth ab ca. 1797. Hingegen errichtete  Steinbruchbesitzer Albert Grah 1865 den jetzt freigelegten Kalkofen

Ich wusste nur, dass die Familie Zanders der Gnadenkirche sehr zugetan war und 1900 die Brüder Hans und Richard Zanders Fenster für die Kirche gespendet haben.

Da ich nun heraus gefunden habe, dass die Familie Zander eine Familie mit evangelischem Glauben war, wurde mir klar, was Zanders mit der Gnadenkirche  verbunden haben muss.. Diese wurde  1777 erbaut, da sich 1755 durch die Papiermacher und deren Zuzug die Lutherische Kirche  und die reformierte Gemeinde Gladbach-Dombach niederließen.

Wir befinden uns wie gesagt an der Kirche des Quirl. In Gedanken ging ich an der Kirche vorbei und lief weiter die Hauptstraße in Richtung Dombach. Hundert Meter vor der Ferrenbergstraße geht es rechts ab und einen schmalen Weg bis zum unteren Eingang des oben genannten Krankenhausaufzuges zur Ruine des alten Kalkofen.

Zuerst ungläubig wie ich war, habe ich dies noch in Zweifel gezogen und habe im Archiv des Bergischen Geschichtsverein einen Artikel „ Grüne Lunge unter Schutz“ gefünden. Zudem erfuhr ich im Buch „Vom Alabasterberg bis zum Teufelsloch“ auf Seite 217 per Flurkarte, dass es zwei Kalköfen von Albert / Grah / F.W. Mahlberg gegeben haben muss.

Alle Zweifel waren beseitigt. Man hatte ein altes Relikt aus grauer Vorzeit freigelegt.

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R. Merkenich Schmal

interessiert sich für Bergisch Gladbachs Geschichte - und möchte dazu inspirieren, vor der eigenen Haustür auf Entdeckungsreise zu gehen.

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