Auf zwei Wegen sind Menschen besonders gut zu erreichen: über Musik und über (Haus-)Tiere. Dementsprechend wächst die Nachfrage nach den Besucherteams mit Therapiehunden für Alten- und Pflegeheime, aber auch für Schulen und Kindergärten.

„Wir würden gerne viel mehr Menschen mit unseren Teams besuchen, wir erhalten viele Anfragen, die leider unsere heutigen Möglichkeiten noch übersteigen.“, berichtet Thomas Wardin, Vorsitzender des Vereins „Mein Tier mit Dir“ mit Sitz in Bergisch Gladbach: „Deshalb sind wir froh, dass nach den Sommerferien wieder eine Ausbildung für neuen Mitgliedern beginnen soll.“

Auf die Frage, warum sich ein Halter zusammen mit seinem Hund einer Ausbildung unterziehen soll, sagt Bernd Bobisch, Leiter Soziale Dienste im Rösrather Wöllnerstift:

„Wir sind froh und dankbar, dass öfter Ehrenamtler zu uns kommen. Deren Engagement soll auch keineswegs gering geschätzt werden, aber es ist ein merklicher Unterschied, ein ausgebildetes Team im Einsatz zu sehen: Ich sehe einen einfallsreicheren Zugang zu unseren Bewohnern, ein abwechslungsreicheres Programm und nicht zuletzt gezieltere Aktionen. Wenn ich etwa beobachte, wie ein Schlaganfallpatient unter unseren Bewohnern durch die Besuche der Australian Shepherd-Hündin Branca mit ihrem Frauchen Tina Lorig aktiviert wird, wie sich seine Bewegungs- und Ausdrucksmöglichkeiten von Besuch zu Besuch etwas weiter entwickeln, dann geht mir das Herz auf. Es ist ja verständlich, dass es gewisse Berührungsängste gibt, wenn man als Ehrenamtler mit einem halbseiten-gelähmten Bewohner konfrontiert wird. Da leistet eine Ausbildung wirklich Großartiges, in der zum Beispiel gelernt wird, über welche Körperseite ein solcher Patient aktiviert werden sollte und die ein Repertoire an Übungen zur Förderung der Körperwahrnehmung vermittelt. “

Ideenreichtum ist natürlich ganz besonders in Kindergärten gefragt, um die Gruppe unter Kontrolle der jeweiligen Erzieherin zu unterhalten, aber auch den richtigen Umgang mit Hunden zu vermitteln. Birgit Arnold vom Katholischen Familienzentrum St. Aldegundis in Büttgen hat beobachtet:

„Wenn wir bei schönem Wetter draußen sind, hat unser Besuchsteam, Freda Lenke mit ihrer Golden-Retriever-Hündin Lara, z.B. große Reifen, Eimer, Löffel und kleine Bälle dabei. Die Kinder stellen sich in zwei Reihen gegenüber auf, halten die Reifen fest und ein Kind darf abwechselnd mit Lara durch die „Reifenraupe“ kriechen. Die Eimer, Löffel und kleinen Bälle werden zum „Eierlauf“ benutzt. Wenn ein Ball runterfällt, ist das nicht schlimm, denn Lara hebt ihn wieder auf und bringt ihn dem Kind zurück.“

Wichtig ist aber insbesondere, wie aufmerksam Lara an die Kinder herangeführt wird. Nicht immer sagen Eltern oder Kinder vorher, dass sie Angst vor dem Hundekontakt haben, da braucht es ein geschultes Auge, um die zurückhaltenden Kinder zu erkennen und eine Vorstellung , wie ihnen die nötige Sicherheit vermittelt werden kann. „Wenn dies der Fall ist, geht Frau Lemke behutsam auf das Kind ein und bietet an erst einmal zu schauen, was in der Stunde so passiert“, sagt Birgit Arnold.

Besuchshunde können aber natürlich nicht nur in der Kinder- und Altenarbeit eingesetzt werden, auch wenn das die häufigsten Einsatzfelder für ehrenamtliche Teams sind. Seit neuestem ist der Verein „Mein Tier mit Dir“ auch in der Behindertenarbeit engagiert.

In den Gemeinnützigen Werkstätten Köln finden mittlerweile regelmäßig Spaziergänge mit einer ständig wachsenden Gruppe behinderter Beschäftigter statt. Arndt Schumacher, Leiter der Betriebsstätte Bergisch Gladbach, hatte die Idee Schwer- und Mehrfachbehinderten auf diese Weise „etwas Besonderes“ zu bieten und sie zu aktivieren.

Im Dialog mit Beatrix Probst-Wardin, die die Ausbildung des Vereins konzipiert hat und leitet, entstand die Idee, die Alltagstätigkeit „Spazierengehen“ durch die Hundebegleitung stimulierender, kurzweiliger und insgesamt attraktiver zu machen. „Die Rechnung ist komplett aufgegangen.”, freut sich Schumacher. „Waren manche Beschäftigten anfangs noch sehr reserviert gegenüber der Mischlings-Hündin Rieke und ihrer Hundeführerin, so warten sie inzwischen ungeduldig auf den nächsten Termin.Durch Mund-zu-Mund-Propaganda wächst die Gruppe kontinuierlich. Vor allem aber sehe ich, dass Beschäftigte, die aufgrund körperlicher Grenzen eher bewegungsscheu sind, sich voller Eifer beteiligen und keinen Besuchstermin verpassen wollen.“

Solche Erlebnisse sind weder Einzelfälle und noch Zufälle, wenn Menschen mit ihren Hunden zu Besuchsdiensten gehen. Der Verein „Mein Tier mit Dir“ sorgt dafür, dass seine Mitglieder mit ihren  Hunden zu Therapie-Hunde-Teams ausgebildet werden. Denn die Tiere dürfen nicht in Panik davonlaufen, wenn Kinder vielleicht etwas ungestüm von allen Seiten auf sie zukommen oder wenn ein Gehstock polternd umfällt. Und die Halter müssen wissen, wie sie auf autistische Kinder oder demente Patienten zugehen können. Dann wird die Arbeit – spielerisch in der Durchführung, aber ernsthaft in Vorbereitung und Durchführung – zu einem Erlebnis für alle Beteiligten.

Interessenten an der Ausbildung zum ehrenamtlichen Besuchsteam sind herzlich eingeladen zum (kostenlosen) Eignungstest am 28.6.2014. Zur Anmeldung steht ein Formular bereit unter www.mein-tier-mit-dir.de/et2014, und auf der Website www.mein-tier-mit-dir.de gibt es weitere Informationen über den Verein, seine Arbeit und die Ausbildung.

Mein Tier mit Dir

Verein für Tiergestützte Aktivitäten und Tiergestützte Therapie

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2 Kommentare

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  1. Liebe Frau Mewes,

    in Ihrer Nähe gibt es – wenn auch nicht als Verein organisiert und nicht auf Ehrenamtler ausgerichtet – das Institut für soziales Lernen mit Tieren in der Wedemark (http://lernen-mit-tieren.de), das ausgezeichnete Arbeit leistet, auch für Teams mit anderen Rassen als Hunden.

    Ich hoffe, das hilft Ihnen weiter.

    Mit freundlichen Grüßen
    Th. Wardin

  2. Sehr geehrte Damen und Herren vom Verein- ” Mein Tier mit dir “,

    gibt es in Niedersachsen-Landkreis Schaumburg- mit der Kreisstadt Stadthagen (Postleitzahl 31655 ) einen Verein wie den Ihrigen und könnten sie mir Kontaktdaten senden?
    Mit freundlichen Grüßen
    Monika Mewes