Ein Denkmal zum Nachdenken steht vor dem Bensberger Schloss.

Es erinnert an den Krieg von 1870/71, der von Bismarck gegen Frankreich geführt wurde, um das Deutsche Reich unter der Führung von Preußen begründen zu können. Vorher hatte Bismarck schon zwei Kriege mit dem gleichen Ziel vom Zaun gebrochen, den gegen Dänemark und den gegen Österreich. Mit diesen Kriegen wollte er die Einheit der deutschen Fürsten ohne Österreich zustandebringen, was ihm auch gelang.

Das Volk wurde selbstverständlich nicht gefragt. Der bayrische König, der lange Zeit widerstand, wurde mit Geld für seine aufwändigen Schlösser geködert.

Die Sockelinschrift auf dem Bensberger Denkmal lautet: „Den Gefallenen zum Ruhm, den Lebenden zur Erinnerung, den kommenden Geschlechtern zum Vorbild, der Kreis Mülheim, 1882“.

Der Krieg kostete 45 000 Deutschen und 80 000 Franzosen das Leben.

Die „Erziehung“ zu Ruhm und Vorbild, im gesellschaftlichen Leben und in den Schulen, trug in den nächsten Jahren bittere Früchte. In den Ersten Weltkrieg 1914-1918 zogen viele – vor allem junge- Menschen mit Begeisterung. Dieses Mal waren es aber in Deutschland und in den anderen Ländern Europas schon zig Millionen, die für Ehre und Vaterland ihr Leben lassen mussten.

Trotzdem war auch dieses Mal das Volk nicht gefragt worden. Allerdings die Abgeordneten des Reichstags, und es gehört zu den traurigen Kapiteln unserer Geschichte, dass eine Partei, die sich eigentlich die Anliegen des Volks auf die Fahnen geschrieben hatte, nämlich die SPD, nicht bei ihrer ursprünglichen Absicht blieb, den Krieg zu verhindern. Sie ermöglichte ihn leider, indem sie die Kriegsanleihen im Reichstag billigte, ohne die der Massenmord nicht möglich gewesen wäre.

Der Katzenjammer schon während des Kriegs, aber vor allem danach, folgte natürlich auf dem Fuß. Und trotzdem: Viele waren auch dann noch unbelehrbar, wie die Dolchstoßlegende zeigt, die nicht unmaßgeblich war für den Aufstieg Hitlers. Dass viele immer noch nicht begriffen hatten, was eigentlich geschehen war, zeigen auch viele Erinnerungsstätten an den Ersten und sogar noch an den Zweiten Weltkrieg, auch in unserer Stadt. Als Beispiel möchte ich das Denkmal in Bärbroich zeigen:

„Den in Ehren gefallenen Helden ………die dankbare Dorfgemeinde“

Viele der aufgeführten Familiennamen sind sicher manchen von uns bekannt. Und vielleicht trauern ihre Angehörigen noch heute um ihre Verwandten. Aber um welche Ehre handelt es sich hier? War es eine Ehre für die Toten und ihre Familien, dass sie elendiglich sterben „durften“? Waren sie deshalb Helden? Ich meine, sie waren eher traurige Opfer, wobei auch der Begriff „Opfer“ gefährlich ist, weil er oft suggeriert, dass die Opfer einen Sinn hatten. Sie hatten aber keinen Sinn. Und deshalb ist es auch unbegreiflich, wieso eine Gemeinde ihnen dankbar sein kann. Ein Dank wofür? Ihr Tod hat niemandem etwas genützt, allenfalls der Waffenindustrie.

Wörter wie „Ehre“, „Held“, „Vaterland“ sind ein schleichendes Gift, welches von den Mächtigen immer dazu benutzt wurde, die Menschen in etwas hineinzutreiben, was diese eigentlich nicht wollten. Und diese schreckliche Tradition ist leider nicht zu Ende.

Auch heute gibt es solche Wörter, auf die viele geneigt sind, hereinzufallen. Heute sind es Wörter wie „Verantwortung“ und „Engagement“, die dazu geeignet sind, Menschen davon zu überzeugen, dass sie Kriegseinsätzen –womöglich in fernen Ländern- zustimmen.

Deshalb sollte man die Auftritte von Frau von der Leyen und Herrn Gauck genau im Auge behalten. Auffällig ist auf jeden Fall, dass die Begriffe „Verantwortung“ und „Engagement“ in letzter Zeit häufiger im Zusammenhang mit militärischen Einsätzen fallen. Von der Verantwortung und dem Engagement unseres reichen Landes für die Verbesserung der Lebenssituation in Drittweldländern ist dagegen weniger die Rede.

Konflikte entstehen meistens erst dort, wo vorher wirtschaftlich und diplomatisch nicht ausreichend gehandelt wurde. Das ändert natürlich nichts an der Tatsache, dass es andere Länder gibt, die noch weniger in diesem Sinne aktiv sind. Doch sollte unser Land deutlich mehr für sinnvolle –wohlgemerkt sinnvolle- Entwicklungspolitik als für militärische Aktionen ausgeben. Nur dann wären solche unverdächtig- und natürlich nur im Rahmen von Uno-Missionen.

Was hat das alles mit Bergisch Gladbach zu tun? Damit uns alte und neue Gift-Begriffe nicht pervertieren, wäre es meines Erachtens sehr gut, wenn der Bergische Geschichtsverein oder der Rat der Stadt veranlassen würden, dass Denkmäler wie die oben gezeigten durch Täfelchen ergänzt würden, vielleicht aus Glas, in denen sie in unserem demokratischen Sinne kommentiert würden.

Die Denkmäler sollten auf keinen Fall verschwinden. Sie können uns auch für die Zukunft eine wichtige Mahnung sein. Aber eben nur, wenn sie entsprechend kommentiert werden. Wenn deutlich wird, welches Schindluder man mit Begriffen wie „Ehre“, „Vaterland“, „Heldentum“ und „Opfer“ (und heute „Verantwortung“ und „Engagement“) treiben kann.

Vorbildlich in diesem Sinne ist ein weiteres „Denkmal“ in Bärbroich, welches vor kurzem von unserem Bürgermeister eingeweiht wurde, ich meine den Stolperstein zur Erinnerung an Gertrud Stockhausen:

An diesem schrecklichen Fall wird deutlich, dass wir keine Helden zu feiern brauchen, allenfalls Opfer. Es ist gut, dass dieser Stolperstein auch mit dem Begriff „ermordet“ die Dinge beim Namen nennt. (Eine Übersicht aller Stolpersteine in Bergisch Gladbach finden Sie hier.)

Nun ist es aber so, dass es trotzdem Helden gibt, wenn man das Wort nicht so hoch hängt, den Schüler, der auf dem Schulhof gegen seine Mitschüler einschreitet, wenn sie gemeinsam und johlend einen anderen malträtieren, die alte Frau, die in der S-Bahn gedankenlose Rüpel ermahnt, die die Polster der Sitze verschmutzen oder beschmieren, die Menschen, die sich in der Tafel um die Verpflegung von Minderbemittelten kümmern und viele, viele andere, oft Unbekannte. Denen möchte ich auf keinen Fall dieses Prädikat verweigern. Es kommt also immer auf den Zusammenhang an. Der zweite Teil der Überschrift dieses Artikels, „Absage an das Heldentum“, müsste also vielleicht geändert werden in „Absage an das falsche Heldentum“.

Wir sollten aber stets auf der Hut sein und vor allem Politikern genau „aufs Maul schauen“.

Engelbert M. Müller

ist pensionierter Lehrer, Mitglied von Wort und Kunst, Verfasser von "Der letzte Lehrer"

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4 Kommentare

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  1. Ein nicht nur zum Nachdenken auffordernder Artikel. Bei Heldentum-Verantwortung leben, Vaterlandsliebe usw. stößt man in den meisten Gesprächen auf wenig Diskussions-
    bereitschaft. Man will in Ruhe gelassen werden, man könnte sich ja evt. Nachteile
    einhandeln. Und unsere meistverbreiteten Medien tun ein übriges, den Konsum-
    bürger zu lenken. Und wie könnte Menschen in Krisenländern geholfen werden, wenn
    mit den Verantwortlichen gute wirtschaftliche Beziehungen nicht gestört werden sollen?
    Und unsere Politiker?

  2. Ein wirklich guter Artikel.
    Vielleicht ließe sich ja eine Absage an ‘falsches Heldentum’ und ähnlich sinnlose Opfer einschließlich die vorlaufende Lügerei und Hetze auch durch entprechende zusätzliche Mahnmale manifestieren, die auch mal größer sein dürfen als Stolpersteine. Ein schönes Beispiel ist das auf privatem Grund stehende Mahnmal von Ignatius an der Ecke Reuterstraße/Paffrather Straße.
    Noch grundlegender ist allerdings eine Politik, die das Gemeinwohl im Auge hat und den Bürger nicht nur von bestimmten Zielsetzungen überzeugen will sondern den Bürger die Ziele (und nicht bloß die Pflastersteinfarbe) selbst bestimmen lässt.

  3. In der Tat ein guter Artikel.
    Bedauerlich nur das er unterstellt das alle Menschen dumm sind und ihnen sogar ein Denkmal anhand einer Glastafel erklärt werden müsst.
    Scheint als hätte da ein Lehrer kein Vertrauen in seinen eigenen Berufsstand.:-)

  4. Ein guter Artikel.
    Er zeigt auf, dass es kaum einen Unterschied zwischen dem einzelnen Menschen und einem Staat gib:. Wenn reden zu anstrengend oder zu wenig lukrativ ist, werden die Fäuste geschwungen. Sie sind bei Staaten nur größer. Und aus Stahl.