Horst Franke, Polizeihauptkommissar in Bergisch Gladbach

Hauptkommissar Horst Franke will nicht leugnen, dass es in Bergisch Gladbach Kriminalität gibt. Seit 1987 ist er als Polizist in RheinBerg unterwegs, seit sechs Jahren als Dienstgruppenleiter in der Wache in Bergisch Gladbach tief im Tagesgeschäft verankert: „Bei uns geht alles über den Tisch, vom Parkplatzkratzer bis zum Mord.“

Aber dennoch vertritt Franke am Stammtisch des Bürgerportals eine beruhigende Botschaft: Wenn man sich an ein paar Grundregeln hält, kann man sich ohne Angst in Bergisch Gladbach bewegen, Tag und Nacht.

Franke nimmt aber zur Kenntnis, dass dennoch viel Angst in der Bevölkerung herrscht, wie sich am Stammtisch rasch zeigt. Da ist die 65-Jährige, die sich abends nicht alleine mit dem Bus auf den Heimweg traut und sich daher vom kulturellen Leben ein Stück weit abgeschnitten sieht. Da ist der Senior, der in der S-Bahn die unverschämten Jugendlichen gerne mal zur Ordnung rufen würde – und sich nicht traut. Da ist der Familienvater, der sich angesichts der Angst seiner Familie ohnmächtig fühlt, nachdem in der Nachbarschaft eingebrochen worden ist.

Was ist Gewaltkriminalität?

Horst Franke

Der Hauptkommissar antwortet zunächst mit den nüchternen Fakten. Ja, auch in Bergisch Gladbach gibt es immer wieder Raubüberfälle, im vergangenen Jahr wurde eine 95-Jährige mitten in der City gewaltsam beraubt, in den ersten acht Monaten dieses Jahres hat das Blaulicht-Radar des Bürgerportals 24 Fälle von Gewaltkriminalität in Bergisch Gladbach registriert (siehe unten), für 2013 weist die Polizei offiziell 170 Fälle aus.

Dabei sind aber auch, so argumentiert Franke, Fälle sogenannter Handyabzockerei unter Jugendlichen und Prügeleien. Ziehe man die ab, blieben wenige Fälle übrig.

Und im Vergleich zu Städten wie Köln sowieso: Laut Kriminalstatistik gab es im vergangenen Jahr in Bergisch Gladbach je 100.000 Einwohner 161 Gewaltstraftaten. Im NRW-Schnitt waren es 263, in Köln sogar 312. Und auch die Aufklärungsquote sei in diesem Bereich mit 78,89 Prozent sehr hoch.

Selbst der Busbahnhof ist ziemlich sicher

Selbst in Bereichen wie dem Busbahnhof könne man sich ziemlich sicher fühlen. Zwar gebe es hier eine „ganz bestimmte Klientel“ – aber damit komme man als unbeteiligter Bürger gar nicht in Kontakt. Diese Personen, so Franke, blieben in der Regel unter sich – und trügen Konflikte unter sich aus. Auch der Totschlag am S-Bahnhof vor zwei Jahren sei ein solcher Fall gewesen.

Ein Kapitel für sich ist die Einbruchskriminalität. Auch hier habe es Bergisch Gladbach noch relativ gut, doch gebe es Bereiche in der Nähe der Autobahn oder der Straßenbahn, in denen sich die Fälle häuften. Und hier ist die Aufklärungsquote ziemlich niedrig.

Starke Präsenz und Wachsamkeit der Nachbarn hilft gegen Einbrecher

Anita Rick-Blunck, Vizekreisvorsitzende der FDP RheinBerg, fragt nach.

Daher setze die Polizei auf starke Präsenz, fahre in Uniform und in Zivil Streife, kontrolliere an den Ein- und Ausfahrtsstraße. Besonders wichtig sei jedoch die Mitarbeit der Bürger. Diese sollten nicht nur auf sichere Schlösser achten, sondern auch ihre Umgebung aufmerksam beobachten – und im Zweifelsfall die Polizei unter der 110 anrufen. „Jeder Hinweis hilft – und wir fahren lieber einmal zu oft als zu wenig raus“, sagt Franke.

Anita Rick-Blunck, FDP-Politikerin und Geschäftsfrau, fragt am Stammtisch nach, ob es nicht Sinn mache, Nachbarschaftsaktionen zu organisieren. Dazu, so der Kommissar, gebe es eigentlich keinen Anlass – weil es keine Stadtviertel gebe, die besonders hart betroffen seien. Da sei es besser, „wenn alle gemeinsam aufpassen“.

Die Präventionsangebote der Polizei, so berichtet Franke, würden gut angenommen und wirkten. Das lasse sich daran ablesen, dass der Anteil der gescheiterten Einbrüche deutlich gestiegen sei. Aber absolute Sicherheit, gesteht er offen ein, gebe es nicht, wenn man sich nicht völlig einbunkern wolle.

Hilfestellungen gegen das Gefühl der Unsicherheit

Für die Bürger, die sich abends und nachts nur mit großem Unwohlsein auf den Straßen bewegen, hat Franke ein paar Hilfestellungen parat:

  • Wenn man sich verfolgt fühle helfe es häufig, sich umzudrehen und der entsprechenden Person aus der Entfernung offen in die Augen zu sehen.
  • Wer tatsächlich belästigt werde, solle auf jeden Fall seinen Willen deutlich machen und möglichst laut schreien; aktiven Widerstand solle man nicht leisten und im Zweifelsfall Wertgegenstände herausgeben.
  • Bei Konflikten zum Beispiel in der S-Bahn könne man seine Meinung durchaus laut äußern, aber die Übeltäter nicht unnötig provozieren; auch hier sei es oft klüger, der Konfrontation auszuweichen und die Polizei zu alarmieren.
  • Bei Streitigkeiten zwischen Betrunkenen oder Jugendlichen solle man sich nicht einmischen.
  • Von jeder Art von Waffe, vom Pfefferspray über Elektroschocker bis hin zu Gaspistolen rät die Polizei dringend ab, weil sie ohnehin verboten sind und fast immer zur Eskalation führen.
  • Im Zweifel, auch bei verdächtigen Beobachtungen in der Nachbarschaft, anrufen:
    Polizeinotruf 110, Zentrale Polizeiwache: 02202 205-0.

Kommissar Franke ist sich bewusst, dass er das subjektive Angstgefühl nicht wegdiskutieren kann – und will es auch gar nicht. Aber am Ende erzielt er dennoch einen Erfolg: „Ich glaube inzwischen, dass meine Angst zum Teil übertrieben war”, sagt eine Teilnehmerin des Stammtischs.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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