Klassisches Grau, klare Linien: Bergisch Gladbachs neue Fußgängerzone

Klassisches Grau, klare Linien: Bergisch Gladbachs neue Fußgängerzone

Man möchte gar nicht wissen, wie lange Architekt und Gestaltungsbeirat der Regionale 2010 darüber gebrütet haben, welcher Mülleimer am besten zu Bergisch Gladbach passe. Heraus gekommen sind dunkelgraue Zylinder mit schrägem Deckel und einem Stückpreis von 900 Euro.

Schön sind sie nicht, aber über Geschmack lässt sich streiten. Über Funktionalität nicht. Denn wie man es dreht und wendet, so sehr sich der Abfallwirtschaftsbetrieb auch um Nachbesserung bemüht: diese Mülleimer funktionieren nicht. Statt den Dreck aufzunehmen sorgen sie dafür, dass er in der Fußgängerzone verteilt wird.

Dabei hatte es sich der Designer so schön ausgedacht. Die abgeschrägte Deckenplatte soll verhindern, dass der Müll einfach oben abgelegt wird. Und ein kleines Loche an der Seite nimmt die Zigarettenkippen auf. Kennt dieser Mann Menschen, hat er schon einmal einen Raucher beobachtet?

In der Praxis wird der Müll natürlich doch auf dem Deckel abgestellt, Zigaretten werden auf der schönen grauen runden Fläche ausgedrückt und liegen gelassen. Das Ergebnis kennen Sie: verfleckte Mülleimer, verdreckte Fußgängerzone.

Lesen Sie mehr: Der Weg alle Stummel, KSTA 4.9.2014, alle Beiträge zur Fußgängerzone

Ein Zustand, mit dem sich die Männer von der Abfallwirtschaft nicht abfinden wollten. Zunächst brachten Sie neben den Kippeneinfüllloch ein Pictogramm an: Liebe Raucher, HIER rein! Der Effekt: nicht wahrnehmbar.

Klare Ansage: Hier geht's rein.

Klare Ansage: Hier geht’s rein.

Im zweiten Schritt brachten die Müllwerker ovale Metallplatten auf dem Deckel an: He Ihr Raucher, Kippen bitte HIER ausdrücken. Der Effekt: nicht wahrnehmbar.

Jetzt verloren die Handwerker bei der Müllabfuhr die Geduld, griffen zum großen Bohrer und setzten ein fettes Loch in den Deckel. Wenn das der Architekt erfährt. Aber das Huusmeister-Herz schlägt höher! Die Botschaft ist klar: Verdammt noch mal, Ihr Raucher, Kippen gehören HIER herein.

Der Effekt? Lies sich heute morgen wunderbar in der Fußgängerzone beobachten.

Während ich das Designkunstwerk fotografiere drängt mich eine knapp 50-Jährige beiseite. Zerdrückt die Kippe mit brachialer Gewalt auf dem Deckel, knapp neben der Zigarettenkippenausdrückfläche. Dann legt sie die Kippe genau auf dieses Plättchen und marschiert davon.

Platte, Loch, Kippe

Platte, Loch, Kippe

Ein Windhauch später ist der Mülleimer wieder kippenfrei.

FGZ Mülle oben 600

Ohne Worte

PS. Diese Geschichte ist keine Geschichte aus Herrlisch Raubach.

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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  1. …wie auf den fotos gut zu sehen ist, ist der mülleimer einfach voll. die in das loch geworfenen kippen fallen dadurch wieder raus und landen auf dem boden. öfter mal ausleeren könnte eventuell abhilfe schaffen…

  2. Wenn man endlich das Dealen mit dieser Droge unterbindet, lösen sich viele Probleme, die sich daraus ergeben von selbst.
    Die Entzugserscheinungen lassen auch irgendwann wieder nach.

  3. Es würde mich gar nicht wundern, wenn´s in Herrlisch Raubach ähnliche Problemlagen gäbe (und da lässt man sich bestimmt ´was Visionäres einfallen).

    Davon abgesehen liegt auch in diesem herrlischen Beispiel etwas auf vertrackte Weise Menschliches, Allzumenschliches:

    Denn was hat unsere Spezies mittlerweile nicht alles zustande gebracht (und bringt sie weiter täglich zustande, Schönes und Schauriges, Großartiges und Grottiges, Wegweisendes und Wahnsinniges etc.)
    – bloß den Alltagsmüll in den Eimer und die Kippe in´s Loch bringt sie nicht …

    Ein Problem mangelnder Ausbildung? Design oder Nichtsein, liegt´s daran?
    Früher, ja früher soll es mit ganz schlichten “Papierkörben” (so hießen die schonungslos transparenten Behältnisse) funktioniert haben …
    Und die Kippen? Wie war das mit denen, früher, meine ich?

    Das Problem scheint – ganz richtig: komplex!
    Also Arbeitskreis, Ausschuss, Fachtagung, interdisziplinäres Seminar …

    – oder schlicht, vielleicht zu schlicht der Weckruf an jeden,
    seine(n) Müll / Kippen mit einem Minimum an Sorgfalt in die dafür reichlich vorhandenen Behältnisse zu verbringen, deren ästhetische Gestaltung gleichwohl der Funktionalität wie Bequemlichkeit entschieden entgegenkommen sollte …

    HGU