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In diesem Pavillon auf dem Herkenrather Schulgelände sollen zwei größere Familien unterkommen

Woche für Woche werden Bergisch Gladbach vom Land NRW Flüchtlinge zugeteilt, und das in noch größerer Zahl als bislang erwartet. Da das geplante große Flüchtlingsheim im Lübbe-Gebäude frühestens Ende Januar fertig ist und sich auch der Wiederbezug der Unterkünfte am Gierather Weg verzögert, sucht die Verwaltung ständig nach neuen Unterkünften und auch unkonventionellen Lösungen.

Daher überprüft sie alle eigenen Immobilien – und ist beim Schulzentrum in Herkenrath fündig geworden.

Dort soll ein Pavillon mit zwei Klassenräumen am Rand des Schulgeländes jetzt so hergerichtet werden, dass er zwei größere Familien aufnehmen kann, sagte Stadtsprecherin Marion Linnenbrink am Dienstag. Dabei handele es sich nicht um Container, sondern um ein festes Gebäude.

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„Wir unternehmen alles, menschenwürdigen Wohnraum zu gestalten“, betonte Bürgermeister Lutz Urbach in einer Presseerklärung. „Aber leider gibt es keine andere Möglichkeit, als nun zu prüfen, ob wir auf städtische Immobilien, wie zum Beispiel den Pavillon am Schulzentrum Herkenrath zugreifen können.“

Unter anderem muss jetzt geklärt werden, ob in den Räumen Wasch- und Kochgelegenheiten eingebaut werden können oder ob dafür ein separater Container aufgestellt wird oder das Essen angeliefert werden muss.

Gymnasium Herkenrath hat Eltern bereits informiert

Mit dem Gymnasium, dass die Räume zuletzt genutzt hatte, ist das Vorgehen abgesprochen, die Eltern wurden bereits informiert.  „Wir sind in enger Absprache mit Schule und den zuständigen Ämtern und denken, dass zwei Familien hier vorübergehend leben können“, sagte Beate Schlich, Fachbereichsleiterin für Jugend uns Soziales.

Schlich hatte in der vergangenen Woche am Stammtisch des Bürgerportals berichtet, dass alleine im Oktober 49 Flüchtlinge nur in Bergisch Gladbach angekommen sind.

Beate Schlich, Fachbereichsleiterin Jugend und Soziales, am Stammtisch des Bürgerportals

Volksschule Heidkamp und Stadtarchiv werden geprüft

Darüber hinaus wurden weitere städtische Gebäude wie die ehemalige Volksschule in Heidkamp (Bensberger Straße 133) und das Gebäude des Stadtarchivs (Hauptstraße 310) in Gladbach geprüft. Grundsätzlich, so die Vorprüfung, sei hier eine Unterbringung von Flüchtlingen möglich. Jetzt wird geklärt, welche Umbaumaßnahmen und vor allem welcher Brandschutz dafür nötig sind, sagte Linnenbrink.

„Versuchen, Unterbringung in Turnhallen und Zelten zu verhindern“

Fachbereichsleiterin Schlich betont, das die Stadt „auch weiterhin versucht zu verhindern, dass die Menschen in Turnhallen und Zeltstädten untergebracht werden“. Damit geht Schlich hinter eigene Aussagen und solchen von Bürgermeister Urbach zurück. Sie hatten bislang gesagt, solche Notmaßnahmen sollten auf jeden Fall verhindert werden.

Aber, so Schlich schon vor Wochen: „Ungewöhnliche Ereignisse erfordern ungewöhnliche Maßnahmen.“

Appell an alle, die über ungenutzten Wohnraum verfügen

Tatsächlich hat sich die Situation offenbar weiter verschärft, die Zuweisungen nach Bergisch Gladbach zeigten derzeit „einen rasanten, bisher nicht gekannten Anstieg. Daher können wir keine Prognose geben, wie wir die nächsten Monate meistern können“, warnte Schlich.

Nach wie vor appelliert die Stadtverwaltung dringend an alle, die leerstehenden Wohnraum haben, diesen zur Verfügung zu stellen. „Wohnungen, Hotelzimmer, leerstehende Immobilien, wir suchen händeringend nach solchen Unterbringungsangeboten“, sagte Andreas Kuhlen, zuständiger Abteilungsleiter Soziale Förderung.

Gerüchte wie zuletzt in einem gefälschten Brief in Pfaffrath gestreut, Wohnungseigentümer können zur Aufnahme von Flüchtlingen gezwungen werden, haben jedoch keinerlei Grundlage.

Anstieg um 270 Prozent in gut zwei Jahren

Im Sommer 2012 hatten nur rund 100 Flüchtlinge in den Unterkünften in Bergisch Gladbach gelebt, jetzt muss die Stadt bereits 370 Flüchtlinge unterbringen. „Und wir können nicht abschätzen, wie sich die Zahlen weiter entwickeln“, sagt Kuhlen.

In Herkenrath hat sich der Direktor des Gymnasiums, Dieter Müller, bereits auf die Aufnahme der Flüchtlinge eingestellt. Mit Unterstützung von Grund- und Realschule könne der Unterricht so verlegt werden, dass die beiden Klassenräume frei werden.

Falls Sie bei der Betreuung der Flüchtlinge helfen wollen oder
(zum Beispiel Kühlschränke) spenden wollen –
hier finden Sie alle Informationen und Ansprechpartner.

In einem Brief hatte Müller die Eltern am Montag informiert: „…Ende Oktober teilte mir unser Bürgermeister, Herr Urbach, mit, dass die Stadt Bergisch Gladbach überaschenderweise deutlich mehr Flüchtlinge aufnehmen muss, als vorher zu erwarten war, und daher dringendst Unterbringungsmöglichkeiten gesucht werden. Da der Stadt aufgrund der Kurzfristigkeit keine weiteren Räumlichkeiten zur Verfügung stehen, sollen in diesem Zusammenhang Familien mit Kindern als Übergangslösung bei uns an der Schule untergebracht werden. Hierfür ist der Pavillon, der am Rande unseres Schulgeländes liegt, vorgesehen…“

Urbach dankte der Schule, die „kooperativ auf unsere Notlage reagiert“. Er bot Unterstützung an, damit der Schulbetrieb reibungslos gewährleistet bleibt.

Schulleiter Müller betonte, es sei sich sicher, dass „wir gemeinsam diese zeitlich begrenzte Notsituation meistern werden.“

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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