Die ersten Flüchtlinge treffen in der Erstaufnahme in Sand ein.

Vor einer Woche trafen die ersten Flüchtlinge in Sand ein.

Bürgermeister Lutz Urbach macht der Bevölkerung in Sand nichts vor: Die Turnhalle des kleinen Stadtteils wird nach Ende der Sommerferien wahrscheinlich noch als Notunterkunft für Flüchtlinge gebraucht – und steht für den Schulsport und die Vereine nicht zur Verfügung.

Zwar hat auch die Stadt keine Sicherheit, was die Zukunft der 78 Menschen angeht, die im Moment in der Turnhalle vom DRK betreut werden. Aber die zuständige Bezirksregierung macht auf Nachfragen deutlich, dass es eher mehr als weniger Flüchtlinge werden, die nach Bergisch Gladbach kommen.

Bergisch Gladbach hatte nach Urbachs Intervention statt 150 „nur” rund 80 Flüchtlinge kurzfristig aufnehmen müssen. Dabei hatte die Bezirksregierung angewiesen, dass jede Stadt mit mehr als 60.000 Einwohnern 150 Menschen unterbringen müsse. Bergheim oder Kerpen, mit  nur wenig mehr als 60.000 Einwohnern deutlich kleiner als Bergisch Gladbach, fügten sich.

Der DRK-Einsatz in Sand erfordert viel Organisation

Die Aufgabe des DRK in Sand erfordert hohen Einsatz und viel Organisation

Mit Hilfe des DRK waren auch die 78 Flüchtlinge in Sand schnell versorgt. Doch zum Schulbeginn kann in Sand wohl kein Schulsport stattfinden, die Halle in Herkenrath fällt wegen Sanierung als Ausweichlösung aus. Und den Sportler des DJK SSV Ommerborn Sand fehlen die Duschen. Seit Tagen suchen Verwaltung und Vereine zusammen nach Auswegen, bislang ohne verkündbare Ergebnisse.

Aushang informiert in Sand: „kreative Lösungen” in der ganzen Stadt

Über den aktuellen Stand informiert Urbach die Sander mit einem Aushang (siehe unten), der für die ganze Stadt interessant ist. Bergisch Gladbach werde zwar insgesamt in Zukunft auch weitere Flüchtlinge versorgen müssen. Aber für Sand deutet der Bürgermeister eine Entlastung an: er spricht von „kreativen Lösungen” und der Suche nach anderen Unterbringungsorten, die den Schul- und Sportbetrieb nicht so stark belasten. Und zwar in der ganzen Stadt.

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Vorerst bleiben diese Aussagen wenig konkret. Auch die Verwaltung ahnt nur, was auf sie zukommt. Zwar werden die 78 Flüchtlinge in Sand auf die allgemeine Unterbringungsquote der Stadt angerechnet, bestätigte die Bezirksregierung. Damit sollten im August keine weiteren Regelzuweisungen erfolgen. Aber schon im September werden sie wahrscheinlich wieder aufgenommen – und dann nicht mit 50, sondern mit 70 oder mehr Flüchtlingen pro Monat.

Den offenen Fragen weichen Urbach und die Stadtverwaltung nicht aus. Im Gegenteil: bei einer Gesprächsrunde des Bürgerportals (Dienstag, 19 Uhr, St. Severin Sand, alle Infos hier) wollen sie über den aktuellen Stand informieren und sich der Diskussion stellen.

Dokumentation: Aushang der Stadtverwaltung in Sand

Liebe Sanderinnen und Sander,

die Nachrichten zur Flüchtlingssituation in NRW aus Landesverwaltung und Bezirksregierung überschlagen sich zur Zeit. Ob die 78 in der Turnhalle Sand untergebrachten Personen tatsächlich nur bis zum Ende der Sommerferien hier bleiben, wird immer unwahrscheinlicher. Die Bezirksregierung Köln hat auf eine entsprechende städtische Anfrage geantwortet, dass bei der derzeitigen Lage nichts garantiert werden könne.

Die Stadtverwaltung mit allen beteiligten Dienststellen sucht derzeit nach Lösungen der Unterbringung an Orten, wo Schul- und Sportbetrieb in unserer Stadt möglichst wenig beeinträchtigt werden. Denn es muss nicht nur die längere Verweildauer der Menschen sichergestellt werden; es wurden auch bereits Regelzuweisungen für die kommenden Monate in steigender Zahl angekündigt.

Hier ist nicht nur Kreativität und Improvisationskunst gefragt, sondern es werden sich auch künftig Einschränkungen für die Bürgerinnen und Bürger in der gesamten Stadt nicht vermeiden lassen. Ich bin mir sicher, dass Sie – ebenso wie die Bewohnerinnen und Bewohner der anderen Stadtteile Bergisch Gladbachs – diese Ausnahmesituation weiterhin positiv mittragen. So können wir alle gemeinsam dafür sorgen, dass die entwurzelten Menschen sich in unserer Stadt auch in den nächsten Wochen und Monaten willkommen und gut aufgehoben fühlen.

Mit herzlichen Grüßen, Lutz Urbach, Bürgermeister

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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