Aktualisierung 31.8.2015: Gerüchte, keine Fakten

Trotz der Stellungnahme von Polizei und DRK (siehe unten) kursieren in Sand nach wie vor Berichte von angeblichen Straftaten, die von in der Turnhalle untergebrachten Flüchtlingen begangen worden sein sollen. Darüber informierten mehrere Bürger das Bürgerportal am Wochenende. Einige dieser Berichte sind sehr konkret, schildern zum Teil Aktionen von Polizeibeamten in der Turnhalle.

Nur: Offene Quellen gibt es nicht, der Polizei ist nichts dergleichen bekannt. Es wurden, dass bestätigt eine Polizeisprecherin am Montag ausdrücklich, keine Vorfälle mit Beteiligung von Flüchtlingen aus Sand angezeigt. Ebensowenig habe es einen Einsatz in der Halle auf der Suche nach Diebesgut gegeben.

Auch DRK-Vorsitzende Ingeborg Schmidt bekräftigte, von den erneut geschilderten Vorfällen sei ihr nichts bekannt.

Bereits am Freitag hatte ein Polizei-Sprecher betont, dass es in den vergangenen vier Wochen  genau drei Einsätze bei der Halle in Sand gegeben habe. Dabei hatten Flüchtlinge selbst die 110 angerufen, um Streitigkeiten schlichten zu lassen. Nie habe die Polizei einen Grund gesehen, einzugreifen. Dabei zeige die Beamten in Sand erhöhte Präzenz, um für Flüchtlinge und Anwohner ansprechbar zu sein. (Mehr dazu weiter unten.)

Aktualisierung 28.8.2015: „Total unproblematisch”

Peter Raubuch

Die Lage rund um die Flüchtlingsunterkunft in Sand ist nach Angaben der Polizei „total unproblematisch”. In den vier Wochen seit der Belegung der Turnhalle mit 78 Flüchtingen habe es insgesamt drei Einsätze der Polizei dort gegeben, sagt (Noch-)Pressesprecher Peter Raubuch: „Das ist nichts!”

Auch im Gebiet rund um das Lübbe-Gebäude und anderen Flüchtlingsunterkünften sei die „Situation aus polizeilicher Sicht völlig unproblematisch.”

Raubuch betont aber auch, dass die Einsatzwagen der Polizei in diesen Bereichen präsenter sind als sonst. „Wir wollen für beide Seiten ansprechbar sein, sowohl für die Anwohner als auch für die Bewohner. Das dient einer vernünftigen Kulturpflege in beide Richtungen.”

Der ursprüngliche Artikel: „Kein Grund zur Sorge”

DRK-Gruppenleiterin Ingeborg Schmidt vor Ort in Sand. Foto: WSD

Nach wie vor ist die DRK-Vorsitzende Ingeborg Schmidt jeden Tag in der Flüchtlingsunterkunft in der Turnhalle in Sand, sie kennt ihre Pappenheimer sehr genau – und sie legt ihre Hand ins Feuer: „Hier ist in den letzten Wochen nichts Ernsthaftes passiert. Es gibt keinen Grund, sich Sorgen zu machen.”

Damit reagiert sie auf einzelne Berichte aus der Anwohnerschaft, es habe Großeinsätze der Polizei gegeben. Die Polizei sei sogar angewiesen, nichts über die Konflikt in der Unterkunft zu berichten, das sei in Sand „ein offenes Geheimnis”, hieß es. Tatsächlich ist es kein Geheimnis, sondern ein Gerücht auf der Basis fehlender Informationen.

Tatsächlich, so Ingeborg Schmidt, sei die Polizei in den vergangenen zehn Tagen genau zweimal in der Unterkunft gewesen, und zwar von den Betroffenen selbst alarmiert: „Die Flüchtlinge haben einen Riesenrespekt – und großes Vertrauen zu den Polizisten. Wenn es mal Zoff gibt, sollen die das klären.” Dann kämen die Beamten auch raus, gestern mit zwei Wagen. Einen Grund einzugreifen konnten sie aber nicht erkennen, sagt die DRK-Chefin. Und schreiben natürlich auch keine Pressemitteilung.

Natürlich gebe es Streit zwischen den vielen Menschen unterschiedlicher Herkunft in der engen Unterkunft: „Jetzt regnet es auch noch, die Kinder können nicht raus und fahren in der Halle Fahrrad.” Wenn es, wie gestern geschehen, ein Mädchen etwas übertreibt, gebe es Schimpfereien, die Mutter stelle sich vor ihr Kind, dann mischten sich die Männer ein – und schon fliegen die Fetzen. Genauso schnell, so Schmidt, beruhige sich die Lage: „Heute Abend lagen sie sich schon wieder in den Armen.”

Stillstand seit vier Wochen

Schmidt weist aber auch auf die große Ungewissheit der Flüchtlinge hin. Seit über einem Monat sind sie in Sand, noch immer konnten sie ihren Asylantrag nicht abgeben, nichts geht voran. Gleichzeitig könnte jeder Tag der Bus kommen, der sie nach Dortmund zur Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge bringt – und von dort aus wahrscheinlich in eine andere Unterkunft in einer anderen Stadt.

Ein Perspektive, der Frau Schmidt sogar etwas Positives abgewinnen kann: „Dann geht es wenigstens vorwärts, es kann sich etwas Neues entwickeln.” Die Turnhalle in Sand jedenfalls sei keine Lösung auf Dauer, auch nicht mittelfristig. Bereits jetzt sei es in der Halle so kalt, dass die Flüchtlinge in ihren Mänteln schliefen. Und feste Unterkünfte für die Flüchtlinge gebe es in Bergisch Gladbach schon lange nicht mehr.

Dennoch seien die Sander Flüchtlinge dankbar für alles, was DRK, Stadtverwaltung und Anwohner für sie leisten, berichtet die DRK-Frau: „Die schauen auch die Nachrichten, die wissen, was im Osten los ist – die sind sehr froh, dass sie hier sein können.”

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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4 Kommentare

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  1. Leute es wurden nie irgendwelche Wände mit Kot oder sonstigem beschmiert, die lage in Sand ist nach wie vor ruhig! Lebt doch mal einen Monat mit 79 anderen Leuten in einer uralten Turnhalle, es ist kalt, es stinkt und viele Menschen sind Traumatisiert und auf engstem Raum zusammen untergebracht. Statt immer nur doof rumzukotzen, solltet ihr euch mal ein eigenes Bild machen und euch eure eigene Meinung bilden.
    Auch die Bundeskanzlerin ist für Null-Toleranz gegenüber der Flüchtlings-Feindseeligkeit.

    Und zweitens solltet ihr mal über eure Worte nachdenken, bevor ihr sie aussprecht. Wärt ihr in so einer Lage, wärt ihr auch für jede Hilfe dankbar! Also ein bisschen mehr Respekt und Toleranz bitte! Ich weiß, dass es für die Anwohner nicht immer einfach ist, aber es ist nun mal so wie es ist und damit müssen wir alle zurecht kommen und das Beste draus machen! Zum Punkt Berichterstattung ist zu sagen, dass es keine „rosarote“ Darstellung ist, sondern so dargestellt wird wie es tatsächlich ist!

    Wenn euch das nicht passt, ist das euer Problem! Sand ist ein „Dorf“ und auf dem „Dorf“gibt es viele Gerüchte! Das heißt nicht, das es jeder jedem glauben muss! Wenn ich die Kommentare von einigen lese, kriege ich nicht nur das Kotzen – nein, da denke ich mir nur was sind wir für eine Gesellschaft und schäme ich mich langsam, dass so Leute in Deutschland leben!

    Anmerkung der Redaktion: Der Kommentar wurde geringfügig redigiert. Bitte verzichten Sie auf Schimpfwörter. Und wenn Sie nicht anonym posten, erhöht sich die Schlagkraft eines Kommentars deutlich.

  2. Hier zum Beispiel eine Stimme einer Anwohnerin, aus unserer Facebook-Gruppe „Politik in Bergisch Gladbach“:
    „Die Diskussion geht doch am eigentlichem Problem vorbei, denn das es den Bewohnern dort auf engstem und inzwischen kaltem Raum zu bedrückend und nervenaufreibend ist nicht verwunderlich. Wir alle würden uns auch reiben und streiten und dann sicherlich auch wieder zusammen reißen weil alle im selben Boot sitzen.
    Von Polizeieinsätzen habe ich nichts mit bekommen, wir wohnen direkt am Sportplatz.
    Das einzige was ich an einem warmen Sommerabend wahr genommen habe waren fröhliche Stimmen die gesungen haben.
    Das das bei schlechtem Wetter kippt, kann ich mir sehr gut vorstellen. Wo ist hier die Lösung?
    Da nach Antworten zu suchen fände ich begrüßenswert!“

  3. Näher als Frau Schmidt ist wohl kaum jemand dran. Mit den Gerüchten in Sachen Polizeieinsätze setzt sich der Text explizit auseinander. Und das nicht alles glatt läuft bei einer solchen Überlastung der Turnhalle, ist ja wohl klar. Wenn Sie andere Fakten haben, teilen Sie uns das bitte mit, wir gehen dem nach: info@in-gl.de

  4. Guten Abend, vielen Dank für Ihre Berichterstattung! Ein Verbesserungsvorschlag hätte ich jedoch: Vielleicht sollten Sie Ihre Information mal verstärkt aus dem näheren Umfeld der Anwohner beziehen und nicht nur von den Verantwortlichen. Wie alles dargestellt wird ist vielleicht der Wunsch vieler, entspricht aber leider nicht der Realität. Ich wohne in unmittelbarer Nähe zur Sander Sporthalle und kann diese „Kuschel-Berichterstattung“ nicht so ganz nachvollziehen. Es ist schon lange nicht mehr alles so „rosarot“ und ruhig in Sand. Ein paar Beispiele: Es gab in den letzten Tagen vermehrt Polizeieinsätze und dies nicht nur wegen „Lapalien“!! Ebenso stößt die Halle an ihre Kapazitäten und ist in innerhalb weniger Wochen massiv heruntergwirtschaftet worden!! Ein für die Sportler zur Verfügung gestelltes Umkleidezelt wurde mit Kot verunreinigt und ist schon nicht mehr nutzbar!! Dies um nur mal ein paar Punkte anzusprechen. Für eine objektivere Berichterstattung in Zukunft wäre ich Ihnen dankbar.