Wir dokumentieren den Offenen Brief der Bürgerinitiative petitiongl im Wortlaut:

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„Deutsche Gründlichkeit ist super, aber es wird jetzt deutsche Flexibilität gebraucht.“ Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel am 31.08.2015

Bleiberecht für Flüchtlinge in Kommunalen Erstaufnahmeeinrichtungen für die Dauer des laufenden Asylverfahrens

Sehr geehrter Herr Jäger,

auf Anweisung der Bezirksregierung Köln wurden am 24.07.15 78 Flüchtlinge zur Erstaufnahme in Bergisch Gladbach „über Nacht“ untergebracht. Seit dem ersten Tag stützt sich die Stadt auf ehrenamtliche Kräfte, um dieser Situation Herr zu werden und die Offenheit und Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung beeindrucken nach wie vor.

Obwohl das Zusammenleben in einer Turnhalle und die ständige Unsicherheit, kurzfristig an einen unbekannten Ort abtransportiert zu werden, verständlicherweise sehr belastend sind, haben sich sehr schnell Freundschaften mit den Einwohnern der Stadt, aber auch unter den Geflohenen gebildet.

Trotz der improvisierten Umstände ist das Verhalten von Flüchtlingen und Bürgern zueinander menschlich, pragmatisch, herzlich, offen und hilfsbereit. Niemand schaut auf die Uhr oder den Geldbeutel, denn alle Beteiligten sind sich der Ernsthaftigkeit der Situation bewusst und um es mit den jüngsten Worten des Bundespräsidenten zu sagen: „Es gibt auch das helle Deutschland!“

Leider zeichnet sich das aktuelle Verfahren so ab, dass nicht Energie und Tatkraft für die aufgabenreiche Zukunft aus der Trias Flüchtlinge/Verwaltung/Bürgerschaft freigesetzt werden, sondern weitere Entwurzelung der bereits Heimatlosen, unnötiger Stressaufbau durch das Auseinanderreißen sozialer Kontakte, daraus resultierend unter Umständen Erhöhung des Aggressionspotentials in einer menschlich empfindlichen Schicksalsgemeinschaft beispielsweise in einem Massencamp, das Verebben der bürgerlichen Bereitschaft zur Integration, Spenden und Hilfe, unerklärliche Entscheidungen und willkürliches Behördenhandeln, unnötige Kosten durch das ineffiziente Herumschieben und Neuverwalten von (Vor)Asylbewerbern, achselzuckend erzeugt werden.

Die Bezirksregierung Arnsberg gibt aber an, von diesem Verfahren auf keinen Fall abweichen zu wollen. Dieses Abarbeiten des Prozederes ist menschenverachtend, kostspielig und der aktuellen Lage nicht angemessen.

Wir nehmen das nicht hin!

Vor zwei Wochen hat sich in Bergisch Gladbach eine Initiative gebildet, die sich für ein Bleiberecht der in Kommunalen Erstaufnahmeeinrichtungen aufgenommenen Menschen für die Dauer des Asylverfahrens stark macht. Innerhalb von zwei Wochen haben sich 3.000 Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Unterschrift hinter diese Forderung gestellt.

Frau Angela Merkel sagte am 31.08.15 in Berlin: „Deutsche Gründlichkeit ist super, aber es wird jetzt deutsche Flexibilität gebraucht.“ Genau diese deutsche Flexibilität fordert auch unsere Initiative.

Was wir nicht verstehen, sehr geehrter Herr Jäger: Die Verteilung der Flüchtlinge unmittelbar auf Kommunen stellt einen Sonderweg dar, warum zeigt man im weiteren Verlauf des Verfahrens nicht auch die bei der Verteilung praktizierte Flexibilität? Warum ist man nicht glücklich darüber, wenn es in einer kommunalen Erstaufnahmeeinrichtung sehr gut läuft und lässt dieses positive Beispiel nicht fortwirken?

Warum produziert man durch unnötige, leider auch noch schlecht organisierte Umzüge (siehe Frechen und Remscheid) Unruhe bei den Flüchtlingen und den vielen hauptberuflichen und ehrenamtlichen Helfern und Organisatoren?

Kann man es sich angesichts der zunehmenden Dramatik bei der Bewältigung der Flüchtlingsströme tatsächlich leisten, dass Arbeitsressourcen und Steuergelder verschleudert werden?

Irren die 3.000 Menschen, die unser Anliegen unterstützen, mit ihrer Einschätzung, dass hier etwas falsch läuft?

Wir möchten Ihnen die von uns gesammelten Unterschriftslisten persönlich überreichen, um mit Ihnen über unser Anliegen zu diskutieren.

Bitte kontaktieren Sie unseren Ansprechpartner Patrick Graf zeitnah, um den Menschen in NRW – ob sie in Kommunalen Erstaufnahmeeinrichtungen leben oder sie hier schon immer ihre Heimat haben – eine gewissere Zukunft zu schenken.

Um jedem Missverständnis vorzugreifen, möchten wir abschließend betonen, dass unser Bemühen um einen menschenfreundlicheren unbürokratischeren Umgang mit den Flüchtlingen nichts mit dem Ausgang des Asylverfahrens zu tun hat.

Mit freundlichen Grüßen, Patrick Graf

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Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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