Szymon Bartoszewicz im November 2014 am Flüchtlingsstammtisch des Bürgerportals

Aktualisierung 1.5.2016: Szymon Bartoszewicz hat seine Tätigkeiten in der Flüchtlingshilfe abgegeben und die Leitung des Schulkinderhauses in Hebborn übernommen. Seine Nachfolgerin im Mentorenprojekt ist Lucrecia Lopez.

Der ursprüngliche Beitrag:

Wenn es in Bergisch Gladbach um Flüchtlinge geht, ist Szymon Bartoszewicz zur Stelle. Der Volljurist ist stellvertretender Vorsitzender des Integrationsrates, Flüchtlingskoordinator der Gnadenkirche, Netzwerkkoordinator, Mentorenausbilder – und vor allem Sozialarbeiter im Dienst der Evangelischen Kirchengemeinde.

Das Netzwerk Stadtmitte ist auf Initiative des Sozial- und Jugendamtes entstanden, wird aber von der Gnadenkirche getragen. Es kümmert sich grundsätzlich um den Auf- und Ausbau von Helfersystemen, um Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien zu unterstützen – und damit fühlt sich Bartoszewicz auch für die Flüchtlinge zuständig. Wobei der das Wort inzwischen hasst – und am liebten nur noch von „Menschen” spricht.

Name der Einrichtung
Soziales Netzwerk Stadtmitte, Evangelische Kirchengemeinde Bergisch Gladbach, 1. Pfarrbezirk „Gnadenkirche“

Wer sind die Ansprechpartner, wie sind Sie am besten zu erreichen?
Pfarrer Thomas Werner, Homepage „Gnadenkirche“, Mail: pfarrer-werner@kirche-gl.de
Szymon Bartoszewicz, Mail: szymek@q1-gl.de

Worin sehen Sie Ihre Hauptaufgabe?
Auf- und Ausbau von Strukturen im Helfersystem der Flüchtlingshilfe. Planung und Durchführung von Angeboten und Maßnahmen in der Flüchtlingshilfe. Ansprechpartner sein (für Flüchtlinge und Bürger der Stadt).

Was motiviert Sie zu dieser Arbeit?
Weil ich sie kann und die Arbeit mir Spaß macht.

Lesen Sie mehr:
Wir helfen (1): Neue Heimat
Flüchtlingshilfe: Alle Ansprechpartner
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Was machen Sie konkret? 
Von A bis Z. Teilnahme an unterschiedlichen Arbeitsgruppen und Arbeitskreisen. Konkrete Bedarfsermittlung und Konzeption zielgerichteter Angebote. Vernetzung und Strukturaufbau. Niederschwellige Angebote im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit (zum Beispiel der „Bauwagen am Übergangswohnheim). Aufsuchende Arbeit (baldiger Einsatz des SpielMobils). Einzelfallhilfe (Betreuung einer Familie im alten Pfarrhaus, Behördengänge, Vermittlung zu entsprechenden Fachdiensten). Akquise von Finanzmitteln zur Durchführung gezielter Angebote…

Aktuell haben wir ein Mentorenprojekt installiert, über das hilfsbereite Bürgerinnen und Bürger die Gelegenheit bekommen, sich gezielt um eine Flüchtlingsfamilie zu kümmern. Wir schaffen einen Raum für Begegnung und Hilfe zur Selbsthilfe. Kontakt: kontakt@mentorenprojekt-gl.de, mehr Infos

Was können Sie besonders gut?
Mit Menschen arbeiten und kreativ Lösungen finden. Ich bin im Moment mit viel Ehrenamt umgeben. Dieses benötigt Hauptamtlichkeit, die ich alleine nicht mehr aufbringen kann.

Wieviele Menschen sind bei Ihnen engagiert?
Wir sind ein lebendiger Pfarrbezirk und ich kann auf Hilfe in der großen Mitarbeiterschaft (Gemeindebüro, Mehrgenerationenhaus, Q1 Jugend- Kulturzentrum,…) zurückgreifen.

Wieviele Menschen betreuen Sie?
Ich betreue im Rahmen der Einzelfallhilfe vier Familien (ca. 20 Personen)
Im Rahmen der Angebote betreue ich zwei städtische Übergangswohnheime an der Jakobstraße und der Gierather Straße. Das dritte, die alte Schule in Heidkamp, wird nicht mehr von Familien bewohnt. Bis dahin hatte ich ein Kunst- und Sprachangebot für Kinder vor Ort. Mit dem SpieleMobil werden weitere Unterkünfte angefahren werden können.

Was/wer fehlt Ihnen bei Ihrer Arbeit?
Fähiges Personal! In einem Team wäre ich produktiver.

Mit wem kooperieren Sie?
Mit jedem, der dazu bereit ist (Verwaltung, Kirchengemeinden, Fachdienste, Diakonie, Caritas, AWO, KI, Schulen, Kindergärten, Kreisverwaltung, Sportvereine, Wirtschaftsunternehmen, und und und …

Wo sehen Sie Probleme bei der Flüchtlingshilfe konkret in Bergisch Gladbach?
Fehlende Strukturen können weder die große Zahl der Flüchtlinge, noch die große Hilfsbereitschaft der Bevölkerung sinnvoll und effektiv zusammenbringen. Dadurch macht sich ein Gefühl der Überforderung breit, was völlig unbegründet ist, allerdings auf kommunaler Ebene nur schwer zu beeinflussen ist.

„Was können Sie tun? Das ist ganz einfach, spenden Sie Vertrauen. Gehen Sie auf die Menschen zu, lächeln Sie sie an.”

Worüber ärgern Sie sich im Rahmen Ihrer Arbeit?
Insbesondere über den Umgang mit diesem Thema in der Öffentlichkeit und die daraus resultierende diffuse Angst der Bevölkerung.

Wie kann man Ihnen helfen? Was würden Sie sich wünschen?
Ausreichend finanzielle Mittel für zwei ganze Stellen und die entsprechenden Personen.

Was wurde nicht gefragt, sollte aber dennoch gesagt werden?
Die meisten Probleme, die in der Öffentlichkeit in diesem Zusammenhang diskutiert werden, sind auf Bundes- und EU-Ebene zu lösen. Vor Ort können wir da nichts ändern und wir sollten darauf gucken, wie wir in unserer Stadt die Situation gemeinsam meistern können. Die Probleme aus der Tagesschau sind nicht die Probleme bei uns. Wir haben andere.

Insbesondere die Frage der Unterbringung. Aber auch hier können wir die Verwaltung nur unterstützen. (Lesen Sie dazu auch: Task force sucht nach Wohnraum)

Der Bund muss Geld schicken, damit wir vor Ort handeln können. Bis dahin arbeiten wir damit, was wir haben und müssen kreativ werden. Die einfachste Hilfe wäre ein gesunder Umgang mit und eine positive Grundhaltung der Bevölkerung zu diesem Thema und zu den Menschen, die in unsere Stadt kommen.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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