Der Leser merkt, dass Engelbert Manfred Müller die Innenstadt von Bergisch Gladbach sehr schätzt. Das Ensemble um den Konrad-Adenauer-Platz und die Fußgängerzone bilden die Kulisse für die meisten Texte seines neuen Buches. Die Titelerzählung „Das Auge der Stadt“ wird in das Jahr 2025 verlegt, wodurch es dem Autor ermöglicht wird, Zukunftsprojekte des Jahres 2014 und den gegenwärtigen Zustand des kulturellen und politischen Lebens in Bergisch Gladbach weiterzudenken und auszumalen.

Im Mittelpunkt dieses Textes steht eine attraktive städtische Angestellte, die Sicherheitsbeauftragte des Bürgermeisters, und ein Fremder, der sich als Sachverständiger für die Bilder im Rathaus einführt. Die beiden verlieben sich ineinander. Mit modernen erzählerischen Mitteln (z.B. Rückblende) wird der Stoff, der weit über das Liebesmotiv hinaus geht, entwickelt. Der Leser bleibt neugierig und gespannt bis zum Ende.

Im Zentrum  aller Erzählungen stehen Personen des normalen Lebens, z.B. ein Polizist und eine Marktfrau, deren Tochter verschwunden ist. Oder ein früherer Kunstprofessor und seine ehemalige Studentin, in die er immer noch verliebt ist, die aber inzwischen Führungen im Kunstmuseum Villa Zanders macht und einen „Fürsprecher“ hat.

Parallel dazu wird die Geschichte eines drogenabhängigen Obdachlosen erzählt, der in der Laurentius-Kirche nachts Zeuge einer geheimnisvollen Aktion wird. Die beiden Erzählstränge werden geschickt miteinander verbunden.

Lesen Sie sich ein:
Viele der Erzählungen sind vorab im Bürgerportal erschienen
26 Fragen an Engelbert Manfred Müller

In einer der Erzählungen rückt der Autor die Gefühlwelt von zwei Alzheimer-Patienten in den Mittelpunkt, die sich früher einmal liebten, über Jahrzehnte getrennt waren und sich unverhofft wiedersehen.

Engelbert Manfred Müller

Engelbert Manfred Müller hat die Fähigkeit, sich mit hoher Sensibilität in andere Personen herein zu versetzen, sodass die Lektüre seiner Texte oft ein Lesegenuss ist. Er ist ein nachdenklicher Mensch, der sogar die Fahrstuhl-Situation literarisch nutzt und philosophisch vertieft.

Müller spricht von der Flüchtigkeit und dem geheimen Sinn des Fahrstuhls (S. 151) und vergleicht dieses kurze Erlebnis mit der Geschichte des Mönchs von Kloster Heisterbach, der auch nur „kurze Zeit weg war und doch so lange“.

In vielen Texten kann der Autor nicht verbergen, dass er ein politischer Kopf ist, der den Finger in die Wunden legt. So kritisiert er die Neugestaltung der Fußgängerzone mit dem neuen grauen Pflaster und den „mickrigen Alibibäumchen“. Einige Seiten später beschreibt er eine Demonstration gegen das Fällen der großen marktbeherrschenden Linde. „Ihr vernichtet unsere Träume. Denn ihr schlachtet unsere Bäume.“

E.M. Müllers Erzählband ist vielseitig, unterhaltsam, nachdenklich machend und gut zu lesen. Ich kann eine Kaufentscheidung nur unterstützen.

Engelbert Manfred Müller
„Das Auge der Stadt“, BoD Norderstedt
ISBN 9 783738 628982, 259 Seiten, € 11,99

Das Buch ist im Buchhandel erhältlich, hier vor Ort zum Beispiel bei Thalia und im Löwencenter in Gladbach, bei der Buchhandlung Funk in Bensberg, beim Buchhandel 7Morgen in Refrath oder in der Bücherscheune in Schildgen.

In der Stadtbücherei Bergisch Gladbach sind folgende weitere Bücher von Engelbert Manfred Müller auszuleihen:

  • Extremadura und andere Erzählungen aus Südeuropa
  • Globalisierung oder Tod oder was (Geschichten aus Lateinamerika),
  • Wittenberg und andere Erzählungen aus einem merkwürdigen Land
  • Nur ein Schlüsselanhänger (Lissabon-Roman)
  • Flechtenblüten, Gedichtband
  • Spätlese im Halbschatten, Gedichtband
  • Der Ewige Webstuhl, Gedichtband
  • Blumen (Gedichte und Fotos)
  • 800 Jahre Glasmalerei in Köln (Kunstgeschichte)

Günter Helmig

Autor und ehemaliger Lehrer, Vorsitzender von "Wort & Kunst e.V."

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