Kai Thormeyer (Leiter Betrieb von Entwässerungsanlagen) und Klärwerkmeister Wolfgang Nix

Pumpenkiller! Was gehört nicht ins Abwasser?

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Der nachhaltige Umgang mit der Ressource „Wasser“ ist eines der aktuellsten Umweltthemen unserer Zeit – wie hoch der technische und finanzielle Aufwand der Abwasserreinigung tatsächlich ist, ist vielen Menschen jedoch nicht bewusst.

Vieles, was in der Kanalisation und somit über aktuell 55 Pumpstationen in Bergisch Gladbach in der städtischen Kläranlage Beningsfeld landet, ist schädlich für deren Betrieb und die Unterhaltung der Kanalnetze, die in der Stadt immerhin rund 650 km Länge ausmachen.

Neben Essensresten, Lumpen und Medikamenten sorgen gerade Feuchttücher (Babytücher, Hygienetücher) in jüngster Zeit für erhebliche Störungen.

Reißfeste Tücher legen Klärwerke lahm

Besonders tückisch ist hier die Eigenschaft, die die Tücher im Alltag so beliebt macht: Sie sind extrem reißfest. Sie werden zwar während des Reinigungsprozesses zerkleinert, fügen sich aber rasch wieder zu so genannten „Verzopfungen“ zusammen und legen damit Abwasserpumpen, Rührwerke und komplexe Anlagenteile im Klärwerk lahm. Die Folgen sind kostspielig – letztendlich für die Gebührenzahler.

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Das städtische Abwasserwerk zählte im letzten Jahr ungefähr 150 Noteinsätze in den Pumpstationen, die durch Störstoffe wie z. B. Feuchttücher ausgelöst wurden. Die Personal- und Gerätekosten für die Beseitigung der Störungen verursachten im letzten Jahr Kosten in der Höhe von rund 54.000 Euro. Hinzu kommen etwa 50.000 Euro Wiederbeschaffungskosten für defekte Pumpen in den Außenstationen.

Investitionen summieren sich auf 1,3 Millionen Euro

Auf der Kläranlage setzt sich der Störprozess fort, indem auch hier die Pumpen und Rührwerke aufgrund von Störstoffen ausfallen. So muss aktuell ein Faulraummischer zur Klärschlammumwälzung neu projektiert, beschafft und eingebaut werden – das Gerät gleicht einem Riesenmixer im mit Klärschlamm beladenen 3.300 m³ fassenden Faulturm. Die Kosten hierfür liegen bei rund 500.000 Euro.

Durch den jährlich weiter steigenden Störstoffanfall plant das Abwasserwerk der Stadt eine Störstoffentnahmestation auf der Kläranlage zu errichten, die mit ca. 800.000 Euro zu Buche schlägt.

Mehrkosten belasten jeden Haushalt mit 18 Euro pro Jahr …

Zusammengenommen schätzt der Leiter der Kläranlage, Kai Thormeyer, einen durchschnittlichen jährlichen störstoffbezogenen Kostenanteil von rund 500.000 Euro, der sich direkt auf die Berechnungshöhe der Abwassergebühr auswirkt. Werden alle gebührenpflichtige Haushalte Bergisch Gladbachs zugrunde gelegt, lässt sich somit ein durchschnittlicher Abwassergebührenanteil in der Größenordnung von 18 Euro im Jahr pro Haushalt errechnen, der allein auf die Störstoffe im Abwasser zurückzuführen ist.

… aber jeder Bürger kann helfen, Kosten zu vermeiden

Jeder Bürger kann durch sein Verhalten Einfluss auf die Abwassergebühren nehmen. Darüber hinaus leistet er einen wichtigen Umweltbeitrag, wenn er Feuchttücher und andere Störstoffe nicht über die WC-Anlage, sondern in die dafür vorgesehenen Behälter wie z.B. Restmülltonnen entsorgt.

Was nicht ins Abwasser gehört, ist in der „Kleinen Abwasserfibel“ der Stadt Bergisch Gladbach im Überblick zusammengefasst. Sie liegt auf den Fluren im Rathaus Bensberg und auf der Kläranlage Beningsfeld aus, kann aber auch auf den städtischen Internet-Seiten heruntergeladen werden. Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Abwasserwerks beraten Sie gern persönlich.

Die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (DWA) hat einen Flyer „Vorsicht, Pumpenkiller!“ speziell zum Problem Feuchttücher herausgebracht, der ebenfalls vom Abwasserwerk Bergisch Gladbach bezogen werden kann.

Kontakt:
Kai Thormeyer, 02204 92 34 23, k.Thormeyer@stadt-gl.de

Pressestelle Stadt BGL

Hier werden offizielle Pressemitteilungen der Stadtverwaltung veröffentlicht. Sie geben nicht die Meinung des unabhängigen Bürgerportals iGL wieder.

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