Mentor Wolfgang Wiepking mit einem Schüler der KGS Bensberg. Der Junge ist inzwischen auf zum Gymnasium gewechselt.

Bereits seit fünf Jahren arbeitet der Verein MiKibU (Migrantenkinder bekommen Unterstützung) mit großem Einsatz. Mit der großen Zahl neuer Flüchtlingskinder kommen ganz neue Aufgaben auf die 152 Mitarbeiter zu, die sich längst als Mentoren und nicht als Nachhilfelehrer verstehen.

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Die Fragen des Bürgerportals beantwortete Projektleiter Dirk Cromme ausführlich – und spricht dabei auch einige kritische Punkte an.

Name der Einrichtung
MiKibU e.V. (Migrantenkinder bekommen Unterstützung), ein Kind des Integrationsrats und der Ideen bei der Erarbeitung des Integrationskonzepts der Stadt im Jahre 2009.

Wer sind die Ansprechpartner, wie sind Sie zu erreichen?
MiKibU ist per Mail zu erreichen unter info@mikibu.de.
Ansprechpartner von MiKibU sind:
– Dirk Cromme (Projektleiter), T: 02204-66532
– Anke Hohenstein, T: 0172-9138108
– Karl-Heinz Becker, T: 02174-41432
– Christiane Müller, T: 0160-4425031
Weitere Abgaben, Informationen, Filme und Radiosendungen über uns gibt es auf der Website.

Worin sehen Sie Ihre Hauptaufgabe?
Die Aufgabe von MiKibU ist definiert in unserer Vereinssatzung: „Förderung hilfsbedürftiger Kinder … besonders aus Zuwandererfamilien. Ihr schulischer Weg … soll durch ehrenamtliche Helfer begleitet und unterstützt werden, um ihre späteren beruflichen Chancen zu verbessern und damit die gesellschaftliche und berufliche Integration der Kinder … wie ihrer Familien zu erleichtern.“

Dazu kommt Sprachförderung und Unterstützung kürzlich angekommener Flüchtlingskinder, die kein Wort Deutsch oder Englisch verstehen und zum Teil keine lateinischen Buchstaben kennen.

Was motiviert Sie zu dieser Arbeit?
Die Motive unserer oft älteren Mitarbeiter/ Mentoren sind:

  • Freude an der Arbeit mit den Schülern und bei der Beobachtung ihrer Leistungs-Steigerung.
  • Befriedigung bei der Hilfe für die neue Generation, besonders für Kinder und Jugendliche aus Zuwandererfamilien, die oft wegen ihrer Sprachprobleme kaum Chancen im Berufsleben haben.
  • Mitwirkung bei der großen gesellschaftlichen Aufgabe: die Integration von Zuwanderern.

Was machen Sie konkret?
Jeder Mentor unterstützt – je nach seiner Entscheidung ein- oder zweimal je Woche – Schulkinder an einer der acht Grundschulen (GGS Gronau, GGS An der Strunde, KGS Bensberg, EGS Bensberg, GGS Bensberg, GGS Heidkamp, GGS Hebborn und GGS Moitzfeld). Dabei gibt es mehre Wege der Förderung:

  • Die Mentoren helfen nach dem Unterricht im Schulraum ein bis zwei Kindern bei den Hausaufgaben.
  • Durch Spiele, Erzählungen, Lesen interessanter Geschichten, Sprechen, Schreiben über Erlebnisse u.a. wird die deutsche Sprache angewandt und weiter verbessert.
  • An der Hälfte der Schulen haben wir Leseclubs eingeführt, in denen zu festen Zeiten ein Mentor mit 4-6 Kindern interessante Geschichten, Märchen, Neuigkeiten aus Kinderzeitschriften usw. vorliest bzw. von den Kindern vorlesen lässt. Anschließend wird über die Geschichte gesprochen.
  • Da Lesen eine Grundkompetenz ist, bekommt jedes MiKibU-Kind in diesem Schuljahr zu seinem Geburtstag ein auf seine Wünsche und Bedürfnisse abgestimmtes Buch geschenkt, das zum häuslichen Lesen (ver)führen soll.
  • Je Schuljahr machen wir mit allen MiKibU-Kindern einen Ausflug, z.B. ins Odysseum, in ein Museum, ein Kindertheater, besuchen einen Bauernhof u.a., um dadurch sie und ihre Familie auch für außerschulisches, kulturelles Leben zu interessieren und die Kinder für ihre Mühen zu belohnen.

Was können Sie besonders gut?
Unsere Mentoren sind durch die vielen Fortbildungen und Seminare der letzten 5 Jahre zu Experten in Sachen Förderung von Grundschülern mit Problemen in der deutschen Sprache geworden. Dazu stehen ihnen auch zahlreiche von Fachleuten ausgesuchte Materialien wie Spiele, Bücher, Lexika u.a. Fördermaterialien im sog. „MiKibU-Schrank“ in jeder Schule zur Verfügung. Zurzeit ergänzen wir die Schränke mit neuem Material für Flüchtlingskinder völlig ohne Deutschkenntnisse und bieten auch unseren Mentoren Fortbildungen für diese besondere Herausforderung an.

Wie viele Menschen sind bei Ihnen engagiert? Wie viele Menschen betreuen Sie?
Bei MiKibU unterstützen derzeit 152 Mentoren über 160 Grundschulkinder aus Flüchtlings- und Migrantenfamilien an acht Bergisch Gladbacher Grundschulen.

Was/wer fehlt Ihnen bei Ihrer Arbeit?
Es fehlen gut deutschsprechende Mentoren aus den Kulturen unserer Schüler, besonders mit arabischen Sprachkenntnissen, um die Arbeit mit den Kindern zu erleichtern, die kein oder kaum Deutsch sprechen.

Lesen Sie mehr:
Wir helfen (1): Neue Heimat
Wir helfen (2): Symon Bartoszewicz
Wir helfen (3): Herwi
Wir helfen(4): Unternehmen helfen Flüchtlingen
Wir helfen (5): Netzwerk Wohnpark Bensberg
Wir helfen (6): Willkommen in Schildgen
Flüchtlingshilfe: Alle Ansprechpartner
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Mit wem kooperieren Sie?
MiKibU kooperiert besonders eng mit „unseren“ acht Grundschulen, mit der Schulaufsicht, dem Kommunalen Integrationszentrum (KI), dem kath. Bildungswerk, der ev. Gnadenkirche, dem Integrationsrat, den Parteien, der Stadt Bergisch Gladbach (besonders mit der GL-Service eGmbH), dem Rheinisch-Bergischen Kreis, Berg TV, dem Kinderschutzbund, der Freiwilligenbörse, den drei Lions Clubs in Bergisch Gladbach, der ADRA, der KiWo und der Fröbel-KiTa im ZAK-Bensberg und vielen anderen.

Wo sehen Sie Probleme bei der Flüchtlingshilfe konkret in Bergisch Gladbach?
Zur Lösung der Frage, an welchen bisherigen und neuen Schulen wir uns in Zukunft stärker engagieren müssen (z.B. mit neuen Mentoren, Materialbeschaffung, Fortbildungen u .ä) wäre es sehr hilfreich, Informationen von städtischen Stellen darüber zu bekommen, an welche Schulen in den nächsten Wochen und Monaten voraussichtlich wie viele Flüchtlingskinder geschickt werden.

Um die Flüchtlinge in unserer Stadt kümmern sich viele Institutionen und Vereine. Ich vermisse eine strategische Fortschreibung des Integrationskonzepts der Stadt Bergisch Gladbach aus dem Jahre 2009. Zu wünschen wäre ein „Konzept für Flüchtlings-Hilfe und -Integration“, das unter Beteiligung der bisherigen Initiativen eine systematische Problemanalyse heute und in den nächsten Jahren mit Anforderungen, Lösungsvorschlägen und Durchführungsmaßnahmen beschreibt.

Worüber ärgern/freuen Sie sich im Rahmen Ihrer Arbeit?
Ich ärger mich oft über mich, wenn ich nicht alles erledigen kann, was ich mir vorgenommen habe. Aber meistens freue ich mich über die Mentoren im Projekt, die Kinder und die starke Hilfe von außen.

Wie kann man Ihnen helfen? Was würden Sie sich wünschen?
MiKibU hat keine eigenen Einnahmen und wir wissen nie, ob wir für unsere Arbeit auch im nächsten Jahr Sponsoren finden. Deshalb wünschen wir uns eine nachhaltige Finanzierung.
Außerdem brauchen wir derzeit noch mehr Helfer/innen, da sich auf Grund der Flüchtlingsproblematik ein ganz neues Betätigungsfeld für MiKibU öffnet.

Was wurde nicht gefragt, sollte aber dennoch gesagt werden?
Zum Schluss muss noch ein großes Lob für die Bürger der Stadt und ihrer Umgebung ausgesprochen werden: Unsere Erwartungen an die Hilfsbereitschaft vieler Firmen, sozialer Institutionen und Privatleute sind bisher weit übertroffen worden. Danke sehr!

Weiter finde ich gut, wie intensiv sich das Bürgerportal in-gl.de um die Flüchtlingsproblematik kümmert.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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