Helmut Krause und Olaf Schmiedt, Vorstände der Bensberger Bank

„Spannend” und „voller Herausforderungen”, so fassen die Vorstände Helmut Krause und Olaf Schmiedt das vergangene Geschäftsjahr der Bensberger Bank zusammen. Dabei bestand die Herausforderung vor allem darin, die kleine Genossenschaftsbank durch eine Zeit zu steuern, in der es für die Kunden kaum noch einen Anreiz gibt, das Geld zur Bank zu tragen.

Tatsächlich bekommt, wer einen größeren Geldbetrag bei der Bensberger Bank einzahlt, Null Prozent Zinsen, bestätigt Krause. Diese „Niedrigzinsphase” werde mindestens noch zwei Jahre, wahrscheinlich aber viel länger anhalten. Kein gutes Umfeld für eine Bank, deren Gewinn zum größten Teil aus dem Zinsüberschuss stammt.

Auch die Bensberger Bank wächst nicht mehr ganz so schnell wie in den beiden Vorjahren – und auch der Zinsüberschuss, der nach wie vor den größten Anteil für den Gewinn liefert, schmilzt ab. Aber dennoch gelingt es den Bensbergern, ihren Überschuss stabil zu halten und den Marktanteil zu vergrößern.

  • Die Bilanzsumme stieg um 3,5 Prozent auf 470 Millionen Euro. In den beiden Vorjahren war sie mit 4,8 bzw. 5,1 Prozent deutlich rascher gewachsen.
  • Die Kundeneinlagen erhöhten sich um 3,1 Prozent auf 317 Millionen.
  • Dabei stieg der Bestand an Sichteinlagen und Tagegelder um 17 Millionen, die Termin- und Spareinlagen schmolzen um 7,4 Millionen ab.
  • Das Kreditausgabe stieg um 7 Prozent auf 315 Millionen: die Bensberger Bank ist vor allem in der Wohnungsbaufinanzierung tätig, aber die kleineren Konsumentenkredite zogen stärker an.
  • Der Bestand der Kundenwertpapiere stieg um 4,9 Prozent auf 221 Millionen.
  • Der Zinsüberschuss ging zurück, wurde aber durch gesunkenen Abschreibungen ausgeglichen; die Kosten blieben stabil – und damit auch der Jahresüberschuss, der wie im Vorjahr bei 1,8 Millionen Euro liegen wird.
  • Die Bank beschäftigt 87 Mitarbeiter und 8 Auszubildende. 2013 waren es 90 /12.
  • Die Zahl der Mitglieder der Genossenschaftsbank stieg von 8089 auf 8431.
  • Die Zahl der Kunden ging nach einer Bereinigungsaktion von 21.200 (2013) auf knapp unter 20.000 zurück.
  • An Spendengeldern wurden 50.000 Euro ausgeschüttet, die Bürgerstiftung gab 17.500 Euro aus.

Niedrige Zinsen,  hohe Sicherheit

Die Höhe des Zinssatzes, das beobachtet Schmiedt, spielt in der aktuellen Lage keine große Rolle. „Die Leute warten ab, dass der Zins wieder steigt – bis dahin ist ihnen viel wichtiger, dass das Geld sicher liegt.”

Und bei diesem Punkt kann die Bensberger Bank punkten: Sie gehört zur Genossenschaftlichen Finanzgruppe, die alle Kundeneinlagen (auch über 100.000 Euro) zu 100 Prozent absichern. „Seit 80 Jahren ist keine Genossenschaftsbank pleite gegangen, hat kein Kunde sein Geld verloren”, betont Krause.

Hohe Dividende und Zusatzleistungen für Mitglieder

Geld gewinnen auf jeden Fall die Mitglieder der Bank. Ihre Einlagen erzielen erneut eine Dividende von 5,6 Prozent. Allerdings darf jedes Mitglied nur zehn Anteile zu jeweils 150 Euro zeichnen. Daher begründen Krause und Schmiedt den stetigen Mitgliederzuwachs mit besonderen Angeboten der Bank für ihre Genossen: neben der goldenen VR Bankcard plus sind das Infoveranstaltungen, Reisen oder Wanderungen.

Leichte Abstriche bei den Öffnungszeiten der kleinen Filialen

Angesichts der sinkenden Margen muss auch die Bensberger Bank sparen. Sie hat zwar schon vor einigen Jahren grundsätzlich beschlossen, ihre vier Geschäftsstellen in Bensberg und Refrath zu halten. Aber der Mitarbeiterstamm ist in den vergangenen zwei Jahren leicht zurückgegangen.

Seit Anfang 2016 gibt es auch bei den Öffnungszeiten der beiden kleineren Bensberger Filialen (Moitzfeld und Kölner Straße) leichte Abstriche: dienstags, mittwochs und freitags gibt es dort nachmittags nur  Beratungstermine, die üblichen Servicedienstleistungen gibt es nur noch vormittags sowie am Montag- und Donnerstagnachmittag.

Lesen Sie mehr: Alle Beiträge über Bergisch Gladbachs Banken

Die Vorräume aller Filialen bleiben seit Ende 2015 von Mitternacht bis 5:30 Uhr geschlossen, als Vorsichtsmaßnahme gegen Banden, die Bankautomaten sprengen – wie gerade erst bei der Commerzbank in Refrath geschehen.

Wenig Bewegung bei Immobilien

Die Bensberger Bank hat zwar im vergangenen Jahr Bauprojekte im sozialen Bereich (Kindergarten, Altenheim) finanziert, aber sieht im Baubereich wenig Bewegung. Schon vor der Flüchtlingsdebatte habe es in Bensberg potenzielle Investoren für größere Wohnungsbauprojekte gegeben, berichtet Schmiedt. Insgesamt sei die Nachfrage nach Immobilien hoch, aber weder für den privaten Wohnungsbau noch für Gewerbebauten gebe es in und um Bensberg herum freie Flächen

„Das ist eindeutig ein Verkäufermarkt, von einer Überhitzung würde ich in unserer Region aber definitiv noch nicht sprechen”, betont Schmiedt. Bislang habe sich die Stadt schwer getan, neue Flächen auszuweisen. Aber mit der Aussicht, dass mehr Menschen aus Köln herausziehen und eine große Zahl von Flüchtlingen untergebracht werden muss steige der Druck deutlich.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.