Schnabelsmühle Krill 12 900

Die Baustelle Schnabelsmühle. In der Bildmitte der Fundort der Schadstoffe. Hier stand früher die Lumpenhalle von Zanders. Foto: BergischSchön

Irgendwann in den 1950er Jahren stellte wahrscheinlich ein Zanders-Arbeiter in einer Ecke der Lumpenhalle der Fabrik Schnabelsmühle ein Fass Teer ab. Da stand es immer noch, als das Gebäude abgerissen und die Bensberger Straße darüber hinweg gelegt wurde. In den 60er Jahren wurde gegenüber der Busbahnhof gebaut, das Gelände direkt vor der Villa Zanders und dem damaligen Finanzamt mit einer weiteren Straßendecke überzogen.

Genau dort wird jetzt der Kreisverkehr Schnabelsmühle gebaut. Ende Januar 2016 wurde hier Straßenschicht für Straßenschicht abgetragen – und ein Baggerfahrer stieß auf Gebäudereste und eine schwarz-braune zähe Masse. Die stank gewaltig, daher legte der Baggerführer seine Fracht auf einer Plane ab und alarmierte den Strundeverband als Bauherren.

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Ein Gutachter bestätigte den Verdacht: bei der verdächtigen Substanz handelt es sich um so genannte Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). Das hört sich gefährlich an, ist aber eben Teer und nur dann gefährlich, wenn man es direkt einatmet oder einnimmt, erläutert Daniela Reuschen, Ingenieurin des Strundeverbands. Diese Gefahr besteht auf der Baustelle jedoch nicht; der Stoff ist nicht wasserlöslich, daher gibt es auch keine Gefahr für das Grundwasser.

Damit müssen Sie rechnen: Bauarbeiter in weißen Schutzanzügen

Dennoch startete der Strundeverband das gesamte Programm. Ab der kommenden Woche soll die kontaminierte Erde unter großen Sicherheitsvorkehrungen (Messung der Luftwerte, Schutzkleidung, abgedichtete Bagger, Spezialreinigungen) abgetragen und in einer Deponie entsorgt werden. Das ist aus Gründen des Arbeitsschutzes so vorgeschrieben, macht aber auch Sinn.

„Wir wollen auf jeden Fall für optimalen Schutz auf dem gesamten Weg der Dekontamination sorgen”, erläutert Michael Kremer, Verbandvorsteher  und Fachbereichsleiter Umwelt und Technik der Stadt Bergisch Gladbach.

Die betroffene Fläche ist wenige Quadratmeter tief, die Kontamination wurde etwa vier Meter tief gefunden. Genau dort, wo künftig das unbebaute Zentrum des Kreisels liegen soll.

Unter einen grünen Plane liegt der Aushub, darüber das Loch.

Unter einen grünen Plane liegt der Aushub, darüber das Loch.

Entsorgung dauert wenige Wochen, Zeitplan nicht in Gefahr

Die Entsorgungsarbeiten beginnen in der kommenden Woche. Die Dauer – und damit auch die Kosten – stehen noch nicht fest, da offen ist, wieviel Erde entsorgt werden muss. Dadurch kommt es in der Baustelle (die rund um den betroffenen Bereich weiter in Betrieb ist) zu Verzögerungen. Den gesamten Zeitplan und Fertigstellungstermin des Kreisverkehrs sehen die Planer aber nicht in Gefahr.

Die zusätzlichen Kosten wird voraussichtlich der Strundeverband (und damit zum größten Teil die Stadt Bergisch Gladbach) tragen müssen; es sei denn, man könnte Zanders schuldhaftes Verhalten nachweisen – was wohl aussichtslos ist.

Natürlich können auf der Baustelle weitere Schadstoffe gefunden worden. Zwar hatte der Strundeverband Voruntersuchungen machen lassen, aber das Raster ist nicht so engmaschig – und bei der reichen Bau- und Industriegeschichte in diesem Bereich stößt man immer wieder auf Überraschungen.

Der Verkehr wird nicht behindert, die Bauarbeiten gehen weiter

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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