Wir dokumentieren im Wortlaut den Appell der Kulturverbände und Einzelunterzeichner:

Offener Brief zur Kultur in unserer Stadt

Sehr geehrte Mitbürgerinnen und Mitbürger,

zu Beginn des Jahres bietet es sich an, darüber zu nachzudenken, wie sich das kulturelle Leben in Bergisch Gladbach entwickelt hat und vorwärts zu schauen, wie es sich entwickeln könnte und was wir alle als Mitglieder der Stadtgesellschaft für die Kultur in unserer Stadt tun können.

Was bedeutet Kultur für unsere Gesellschaft?

Kultur: Das ist die Gesamtheit unseres gemeinschaftlichen Lebens – mit Sprache, Religion, Bildung, Brauchtum, Naturschutz, Architektur, Musik und natürlich den bildenden und darstellenden Künsten, für junge und ältere Menschen, für Alteingesessene wie Neubürger.

„Kultur ist kein Luxus, den wir uns entweder leisten oder nach Belieben auch streichen können, sondern der geistige Boden, der unsere innere Überlebensfähigkeit sichert.”

So drückte es der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker aus.

Kultur ist wie auch die Bildung eine Investition in die Zukunft und Basis für unsere Ausbildung und Wirtschaft. Kultur wirkt übergreifend über Altersklassen und unabhängig vom Einkommen.

Alle Jahre wieder stehen kulturelle Einrichtungen auf der Liste eventuell möglicher Sparmaßnahmen – verständlich bei schwieriger Haushaltslage, aber unverständlich beim Blick auf die langfristigen Folgen. Werden die tragenden Strukturen erst einmal zerstört, sind sie nicht mehr wieder zum Leben zu erwecken.

Die Schätze unserer Stadt wie das Bergische Museum, das Kunstmuseum Villa Zanders, das Schulmuseum, die Musikschule, die Stadtbibliothek, der Arbeitskreis der Künstler, das Sinfonieorchester Bergisch Gladbach und die vielen engagierten Chöre und Orchestergruppen oder all die privaten Institutionen und Menschen, die den Begriff Kultur in unserer Stadt mit Leben füllen, müssen Jahr für Jahr um ihren Bestand fürchten.

Mehr Hintergrund zum Offenen Brief

Die wenigen aber bedeutenden architektonischen Schätze der Stadt sollten uns allen Ansporn sein, auch dem Erscheinungsbild der Stadt wieder mehr Bedeutung zuzumessen. Die Entscheidung für den Gestaltungsbeirat ist ein positives Signal.

Das weit über Bergisch Gladbach hinaus geschätzte Kunstmuseum Villa Zanders mit seinem hervorragenden Programm und seiner museumspädagogischen Arbeit für die nachfolgenden Generationen muss erhalten bleiben und darf nicht der Eventkultur und dem Kommerz geopfert werden.

Was bleibt, wenn die Kultur verarmt?

Was bliebe von unserer Stadt, wenn das kulturelle Leben Schaden nehmen würde? Ohne den gesellschaftlichen ‚Kitt’ Kultur würde Bergisch Gladbach zu einem großen Wohn- und Schlafplatz mit Gewerbe- und Industriegebieten, überlasteten Straßen und relativ guter Nahversorgung werden.

Ein trauriges Bild. Dabei erhält eine Stadt ihre Bedeutung und ihr Image vor allem durch Kultur. Das nützt den Menschen, der Wirtschaft, das bewirkt den Zusammenhalt und schafft Identifikation.

Bergisch Gladbach hat kulturell viel zu bieten. Doch Vieles – initiiert und getragen von engagierten Mitbürgerinnen und Mitbürgern – blüht am Rande der öffentlichen Wahrnehmung. Nicht zuletzt auch wegen der fehlenden Identifikation mit Bergisch Gladbach.

40 Jahre nach dem Zusammenschluss zu einer Großstadt erleben viele diese Stadt nicht als Heimat, 40 Jahre später fehlt es immer noch an dem Gefühl, „Bergisch Gladbacher“ zu sein.

Was sollte geschehen?

Das Stadt- und Kulturfest reicht in seiner bisherigen Form als identitätsstiftendes Ereignis nicht aus.

Kultur und die Stadt müssen im Mittelpunkt stehen. Alle gesellschaftlichen Kräfte müssen sich bei diesem großen Fest wiederfinden. Das erfordert ein Umdenken – bei den Veranstaltern, bei uns Bürgerinnen und Bürgern, bei Politik und Verwaltung.

Wir brauchen eine öffentliche Diskussion, um die Bedeutung von Kultur gerade auch bei diesem Thema zu vermitteln und zum Beispiel die im Stadtverband Kultur organisierten Vereine für ein gemeinsames Auftreten zu aktivieren – für Gladbach Mitte, für Bensberg, Refrath, Schildgen und alle anderen Stadtteile. Ergreifen wir die Chance.

Was können Politik und Verwaltung tun?

Kulturförderung ist eine ständige Aufgabe für unsere Ratsmitglieder und unsere Verwaltung. Und sie ist vor allem Chefsache. Und die Bürgermeister geben den Staffelstab an ihre Nachfolger weiter. Über einige Legislaturperioden wird sich bei Beteiligung der Bürgerschaft ein Konsens herauskristallisieren, der allen Bürgerinnen und Bürgern nutzt und die Identifikation mit Bergisch Gladbach als Heimat fördert.

Eine wichtige Aufgabe dabei ist die Verbesserung der Information zum Beispiel durch den Kulturticker. Mit einer Aktualisierung der Software könnte eine bürgernahe Kulturvermittlung nach dem Muster einer gut organisierten Wirtschaftsförderung durch die Stadt einhergehen.

Lesen Sie mehr:
Alle Orte und Akteure: Kulturportal BGL
Alle Beiträge zu den Themen Schauspiel, Kunst, LiteraturMusik, Film
Alle Beiträge zum Bergischen Löwen, Theas, Puppenpavillon
Alle Beiträge zum „Kulturnetzwerk Stadtmitte”

Als Hauptstadt des Rheinisch Bergischen Kreises hat Bergisch Gladbach gegenüber den anderen Städten und Gemeinden eine Vorbildfunktion und damit die Verpflichtung einer kulturellen Reputation. Diese dürfen die Bürgerinnen und Bürger von der Politik und der Verwaltung erwarten.

Was können Sie tun?

Bitte nutzen Sie zu Ihrem eigenem Vergnügen die Angebote in den Veranstaltungskalendern der verschiedenen Medien, nutzen Sie den Kulturticker, die Angebote privater Veranstalter. Lassen Sie sich inspirieren und inspirieren Sie Ihre Freunde und Nachbarn.

Das bewundernswerte Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger in der Hilfe für Menschen in Not gibt Anlass zur Hoffnung, dass wir als Stadtgesellschaft auch diese Gemeinschaftsaufgabe bewältigen.

Besuchen Sie die kulturellen Veranstaltungen unserer Stadt, besuchen Sie die Museen, nutzen Sie das Kunstmuseum Villa Zanders mit seinen Angeboten für alle Altersgruppen, als Ort der Kultur, der Begegnung und des lebenslangen Lernens, dessen Wert für die Menschen dieser Stadt unersetzlich ist, besuchen Sie die Theateraufführungen, die Musik- und Vortragsveranstaltungen in den öffentlichen und privaten Einrichtungen in allen Stadtteilen.

Es lohnt sich.

Wir – die fast 6.000 Kulturschaffenden dieser Stadt – sind interessiert an Ihrer Meinung. Diskutieren Sie mit, schreiben Sie an den Stadtverband Kultur / Galerie + Schloss e.V.

Mit freundlichen Grüßen

Stadtverband Kultur e.V. (obk@stadtverbandkultur.de)
Stadtverband musikausübender Vereine e.V. (manfredrath@gmx.de)
AdK – Arbeitskreis der Künstler BGL e.V. (giz.schwarz@gmail.com)
Arbeitskreis Baukultur (d.corts@gmx.de)
Galerie + Schloss e.V. (buero@galerieundschloss.de)

Einzelunterzeichner
Klaus Hansen (klaus.hansen@koeln.de)
Dr. Lothar Sütterlin (L-suetterlin@web.de)

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Jetzt sind Sie dran: Nehmen Sie Stellung, äußern Sie Ihre Meinung, mischen Sie sich ein. Schreiben Sie an die genannten Kontaktadresse: obk@stadtverbandkultur.de.

Oder Sie nutzen das Kommentarfeld unten oder unsere Diskussionsforen „Kultur in BGL” sowie „Politik in BGL” auf Facebook.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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1 Kommentar

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  1. Lieber Herr Watzlawek,
    danke für den hervorragend ausgebauten offenen Brief. Hier werden die Zusammenhänge erkennbar, die Noch-Unbeholfenheit, was im Detail zu tun ist, aber auch der Wille der Akteure, sich für unser kulturelles vielschichtiges Bergisch Gladbach einzusetzen.
    Ihr
    Lothar Sütterlin