Der Bensberger Busbahnhof. Foto: HG Ullmann

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) hat kein Verständnis für das Vorgehen der Bergisch Gladbacher Stadtverwaltung. Bei dem am 5. April veröffentlichten Entwurf für das Mobilitätskonzept der Stadt gehe die Stadt nur wenig auf die Interessen ihrer eigenen Bürger ein; sie nehme offensichtlich auch nicht hinreichend wahr, was außerhalb ihrer Stadtgrenzen im Bereich der Verkehrspolitik passiert, muss der VCD Bergisch Gladbach feststellen.

Die Stadt hat im November 2015 Maßnahmenvorschläge für das Mobilitätskonzept vorgelegt und die Öffentlichkeit zur Beteiligung aufgerufen. Im Dezember hat die Stadtverwaltung stolz erklärt, dass es in den fünf Bürgerversammlungen mehr als 500 Einzelanregungen aus der Bürgerschaft gegeben habe. Auch der VCD hatte eine umfangreiche Stellungnahme abgegeben.

Im Verhältnis dazu finden ich nur wenige qualitative Änderungen oder Ergänzungen im heutigen Entwurf des Mobilitätskonzepts wiederfinden.

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Nicht nachzuvollziehen ist aus Sicht des VCD vor allem, dass

  1. die Verlängerung der Stadtbahn (Linien 3 und 18) von Thielenbruch nach Bergisch Gladbach nicht im städtischen Konzept vorkommt, obwohl der Rheinisch-Bergische Kreis (RBK) als Aufgabenträger für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) dies im vom Kreistag im Dezember 2015 beschlossenen Entwurf seines Mobilitätskonzepts gefordert und inzwischen auch für den ÖPNV-Bedarfsplan des Landes NRW angemeldet hat.
  2. auch der Plan des Kreises, die Machbarkeit einer Schnellbuslinie zwischen Herkenrath/Spitze und dem Bergisch Gladbacher S-Bahnhof prüfen zu wollen, im Konzept der Stadt nicht enthalten ist.
  3. ebenso die vom RBK zum ÖPNV-Bedarfsplan des Landes NRW angemeldeten Bahnsteigverlängerungen an allen Haltestellen der Stadtbahn-Linie 1 zum Betrieb von Langzügen fehlen.
  4. die Stadtverwaltung ein Lkw-Vorrangroutennetz entwickelt hat und bereits im März dieses Jahres auch vom zuständigen Ausschuss hat beschließen lassen, obwohl bei dem Projekt „Mobil im Rheinland“ bis 2018 ein für die Metropolregion zwischen den Städten abgestimmtes Netz für eine effiziente und stadtverträgliche Lkw-Navigation entwickelt werden soll.
    Bei dem Bergisch Gladbacher Lkw-Netz laufen die Handstraße, die Hermann-Löns-Straße und die Mülheimer Straße konzentrisch auf die Bergisch-Gladbacher-Straße zu, obwohl in Köln – vor allem in der Bezirksvertretung Mülheim – seit langem eine Verkehrsberuhigung dieser Straße gefordert wird.
  5. die Belange von Menschen mit Behinderungen – wie z.B. durch Absenkung der Bordsteine an Querungsstellen – nicht hinreichend im Konzept festgehalten sind, obwohl die Stadt mit ihrem „Aktionsplan Inklusion“ und ihrer „Zielvereinbarung nach § 5 Behindertengleichstellungsgesetz“ hierzu eindeutige Verpflichtungen eingegangen ist.

Diese fünf Punkte stehen nur beispielhaft für die zahlreichen Schwachpunkte des Mobilitätskonzepts der Stadt. Der VCD wird bis zum von der Stadt vorgegebenen Termin 24. April eine ausführliche Stellungnahme abgeben.

Hinweis der Redaktion: Die Stadtverwaltung hat sofort auf die Kritik reagiert und diese Stellungnahme dazu abgegeben.

Friedhelm Bihn

ist Regionalbeauftragter des VCD-Regionalverbandes Köln für Bergisch Gladbach und RheinBerg, Vorsitzender des Inklusionsbeirates Bergisch Gladbach und des Beirats für die Belange von Menschen mit Behinderungen des Rheinisch-Bergischen Kreises

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