Das Straßenschild „Charly Vollmann-Platz” wird enthüllt

Am Samstag wurde neben dem Rathaus der kleine Parkplatz in einer beeindruckenden Feier als „Charly-Vollmann-Platz” getauft. Eine Bank und eine Infotafel laden zur Erinnerung an Charly Vollmann ein, der am 13. April 1945 die Stadt Bergisch Gladbach durch sein mutiges Handeln vor einem Beschuss durch die alliierten Befreier bewahrt hatte.

Bei der Zeremonie trug der Rezitator Gerd J. Pohl Erinnerungen von Charly Vollmann an diesen Schicksalstag vor, die sich an historischen Berichten orientieren, zum Teil der Fantasie entsprungen und von Susanne Schlösser aufgeschrieben worden sind. Wir dokumentieren den Vortrag und weiter unten die Berichte von Augenzeugen, die den Tag miterlebt hatten.

Charly Vollmann mit seinem Lastwagen

Freitag, der 13., so denkt ihr, sei ein Unglückstag. Stimmt nicht!

Freitag der 13. ist ein Tag des Glücks – zumindest im Jahr 1945.

Ein schlimmes Jahr. Der Krieg hatte Deutschland zerstört, unzählige Menschenleben gekostet und die Menschen in Armut und Zerstörung zurückgelassen. Die letzten deutschen Soldaten hielten krampfhaft ihre Stellungen, so auch rund um Bergisch Gladbach.

Am Freitag, dem 13. April 1945, war Bergisch Gladbach ausgestorben. Die Straßen leergefegt, die Leute hatten ihre Wohnungen verrammelt, weiße Tücher aus den Fenstern gehängt und sich in ihre Keller oder in die Bunker zurückgezogen. Schließlich lagen die Amis schon vor den Toren der Stadt.

Ich war völlig allein auf der Straße unterwegs, aber schließlich musste ich mein kleines Unternehmen und auch meine Familie am Laufen halten. Wie so häufig war ich auf der Suche nach Lebensmitteln und wollte auf den Bauernhöfen nach etwas Essbarem suchen. Ich war dieses Mal auf dem Weg nach Paffrath. Auf meinem Lkw hatte ich auch ein bisschen Schrott geladen. Den hatte ich hier und da aufgesammelt. Im Krieg kann man eben alles gebrauchen – und tauschen.

Ich zuckelte die Paffrather Straße hinauf und hörte schon von weitem dieses elende Schießen. In Höhe der Abzweigung nach Kürten und Wipperfürth wurde mir die Sache dann zu heiß. Ich hatte zwar auf der Kühlerhaube meines LKWs ein weißes Hemd gehisst, aber man weiß ja nie, mit wem man es zu tun bekommt. Mit einer weißen Fahne deutschen Soldaten zu begegnen, ist nicht eben ratsam.

Hört denn dieses Schießen nie auf? In Gladbach haben sie schon weiße Fahnen aus den Fenstern gehängt, und hier ballern immer noch ein paar Soldaten herum. Wofür?

Naja, ich stelle lieber meinen Wagen hinter den Schuppen da und verziehe mich. Rein in den Graben.

Och nee, wer sitzt denn da? Zwei GIs? Zwei dekorierte GIs, Offiziere also.

Da liegen wir nun – Feinde – gemeinsam im Straßengraben und suchen Schutz. Mal hören, was die sich erzählen.

Was soll denn das? Bombardieren? Mit Panzergranaten oder gar aus der Luft? Meine Stadt bombardieren? Meine Familie, meine Nachbarn und meine Freunde?

Hi, guys, what are you doing? I’m American, too! Semi-American actually. My mother was from New Jersey. I was born in Hoboken. You know Hoboken, New Jersey? My father is German, from the town down the hill. Please, don’t bomb the town. People are waiting for you, they’re waiting for freedom and peace! They won’t fight!

Ja, genauso war es, ich habe den Offizieren von meiner Mutterstadt in den USA und von meiner Vaterstadt in Deutschland erzählt. Gequasselt ohne Ende. Bloß Sympathie wecken, dachte ich. Für die Vaterstadt wollte ich mich einsetzen. Es waren schließlich genug Menschen gestorben.

Die Offiziere hörten mir aufmerksam zu. Ich glaube, auch sie hatten das Töten satt. Wir einigten uns auf eine Strategie. Dieses Mal eine Strategie des Friedens.

Ich sollte den Revierhauptmann der Schupos aufsuchen. Das war damals der Wilhelm Kuhlmann. Und den Bürgermeister Doktor Kappes zu den Amerikanern bringen. Höhere Amtspersonen gab es nicht mehr. Beiden sollte ich die Botschaft der Amerikaner übermitteln, dass sie die Stadt verschonen, wenn sich die Menschen freiwillig ergeben. Mit diesem Auftrag drehte ich um und fuhr, so schnell mein Lkw es zuließ, wieder hinunter zum Rathaus.

Dann wurde es kompliziert. Deutsche Gründlichkeit.

Der Hauptmann Kuhlmann, nur Befehl und Gehorsam gewöhnt, fing an zu diskutieren:

„Nein, mein Lieber, ich kann doch die Stadt nicht so ohne weiteres übergeben.
Weiß ich, was die deutsche Wehrmacht plant? Nachher stellen die uns noch an die Wand!
Andererseits … wenn die Amis uns bombardieren … das wäre die Katastrophe!
Das einzige, was ich ziemlich sicher weiß, ist, dass die innere Stadt frei von Wehrmachtstruppen ist. Nur oben an der Odenthalerstraße, da stehen sie noch glaube ich. Trotzdem, Charly, das kann ich nicht entscheiden. Geh zu Bürgermeister Doktor Kappes. Der soll das entscheiden.”

So war Charly Vollmann in Gladbach bekannt

Also bin ich rauf zum Mühlenberg, wo der Dr. Kappes wohnt. Ich läute Sturm und der Kappes lugt vorsichtig zum Fenster heraus. Als er mich erkennt, lässt er mich ein. Und was sagt mir der Kappes? Er könne nicht rauskommen, geschweige denn mit mir kommen. Es werde ja geschossen. Ich versuche ihn umzustimmen, rede mit Engelszungen, aber er ist ganz weiß vor Angst. Klar, er hat viel zu verlieren. Immerhin erklärt er mir, der Kuhlmann solle selbstständig handeln. Er sei ja schließlich die Schutzpolizei. Also wieder zurück zum Polizeihauptmann.

Jetzt rede ich auf den Kuhlmann ein, dass die Amerikaner darauf warten, dass der oberste Polizeiführer die Stadt übergeben möge. Und der oberste Polizeiführer sei nun mal er. Er solle an die Menschen denken. Wir – also die Deutschen – sind doch sowieso besiegt. Warum noch mehr Tote riskieren? Kuhlmann grübelt:

„Ja Charly, du hast ja Recht! Geh zurück zu den Amis und erklär ihnen, dass wir die Stadt friedlich übergeben und als Polizeibeamte keinerlei Widerstand leisten werden. Meinst du, das klappt?”

Es hat geklappt!!!

Mit Kuhlmanns Auskunft rase ich wieder den Berg hinauf zu den beiden Offizieren. Und sie glauben mir, das ist das eigentliche Wunder.

Wenig später fuhren die amerikanischen Panzer bis zum Bahnhof herunter und dann in die Innenstadt, ganz langsam. Die wussten ja auch nicht, was sie erwartete. Es gab ja genug verbohrte und verbissene Kämpfer, wahnsinnige Wehrmachtssoldaten, die immer noch glaubten, sie könnten die Amis aufhalten.

Leider fiel dann doch noch ein Schuss. An St. Laurentius fürchteten die Amerikaner Scharfschützen im Turm, dort hatte sich etwas im Kirchhof bewegt. Deshalb jagten sie dort eine Panzergranate rein. Aber das war auch alles, kein Menschenleben zu beklagen, kein weiteres Haus zerstört.

Es war Viertel nach Fünf nachmittags, als sie auf dem Markt eintrafen.

Die Besatzung des ersten Panzers stieg schwer bewaffnet aus. Zu mir hatte sich der Kaufmann Metzner vom Höhenweg herunter gewagt und wir beide gingen zu den Männern und unterhielten uns mit Ihnen. Die Gefahr, die immer noch in der Luft hing, hatten wir damals völlig ausgeblendet. Das war unsere Chance! Mehr haben wir damals nicht gedacht.

Wir beide haben noch einmal bestätigt, dass die Stadt friedlich übergeben wird. Einer der Offiziere wollte nun den Polizeihauptmann Kuhlmann treffen und ging auf das Rathaus zu. Ein Dolmetscher und einige bewaffnete GIs begleiteten ihn.

Aber der Kuhlmann hatte sich bereits ein Herz gefasst und kam den Amis aus dem Rathaus entgegen. Auch er machte klar, dass seine Leute bereit sind, ihre Waffen abzugeben und sich zu ergeben. Den Beweis traten seine Männer direkt an, indem sie aus dem Rathausfenster eine weiße Flagge hissten.

Ach ja, ich hatte vorher noch den Peter und den Gerdi Vierkotten beauftragt, am Turm der Laurentiuskirche eine weiße Fahne zu hissen. Der Hermann-Josef Grümmer war auch dabei und der Johannes Wienhusen besorgte die Fahne. Auf die vier war Verlass!

Schließend sollte die Übergabe der Stadt schriftlich dokumentiert werden. Der Hauptmann Kuhlmann und ich unterzeichneten das Dokument. So schnell wird man Stellvertreter des Bürgermeisters! Im Krieg ist eben alles möglich.

Die Truppen der Amis verteilten sich währenddessen in der Innenstadt und übernahmen die einzelnen Gebäude. Der Peter und der Gerdi Vierkotten trauten sich mittlerweile gemeinsam mit Hermann-Josef Grümmer aus dem Bunker hinter dem Bock hervor. Ich erzählte den Amis, dass die drei die weiße Flagge am Kirchturm gehisst hatten. Kurzerhand wurden Peter Vierkotten und einige andere Bürger mit weißen Armbinden ausgestattet und zu Hilfspolizisten ernannt. Ordnung musste schließlich sein.

Später setzten die Amis den Bäckermeister Jakob Kirch noch als Vorsitzenden des Bürgerausschusses ein. Er war somit so etwas wie der Bürgermeister unter dem Befehl der Militärregierung.

Für uns in Bergisch Gladbach war der Krieg aus. Zum Jubeln war uns nicht zumute, aber wir waren erleichtert und durften uns so langsam in ein Alltag ohne Bomben und Kugelhagel gewöhnen, an einen Alltag ohne Nazi-Parolen, ohne SS-Druck und ohne die vielen Fragen, wohin manche Leute verschwanden, wie Juden oder offensichtlich Andersdenkende.

Übrigens: Am selben Freitag übernahmen die Amerikaner die Kontrolle über das KZ Buchenwald bei Weimar. Nach all dem schrecklichen und unsäglichen Leid durften nicht nur wir in Bergisch Gladbach das kleine Pflänzchen „Hoffnung“ nähren.

Es haben sich auch einige Zeitzeugen gemeldet, die sich noch an Charly Vollmann erinnern. Wir dokumentieren ihre Berichte:

Charly Vollmann

Else Krisch: Meine Tante war Nachbarin von Charly Vollmann am Wapelsberg. Ich habe sie oft besucht. Darum kann ich mich noch sehr gut daran erinnern, wie Charly Vollmann die Damen gerne mit „Jode Merje“ zu begrüßen pflegte.

Ich habe auch noch das Bild vor Augen, wie die Amerikaner die Handstraße heraufkamen und überall weiße Betttücher aus den Fenstern hingen.

Maria Cramer hat als Kind auf der Johannesstraße gewohnt. Als die Amerikaner dort entlang Richtung Romaney zogen, trat ein Soldat aus der Reihe heraus und ging in die Wohnung der Familie. Offensichtlich vermutete er dort Widerstand. Glücklicherweise konnte ein Nachbar Englisch und vermittelte, sodass der Soldat schließlich weiter zog. Maria Cramer erinnert sich auch an eine frühere Beobachtung im Jahr 1939. Entweder wurden die Eigentümer oder möglicherweise auch die Plünderer eines „Judengeschäftes“ an der Laterne aufgehängt.

Norbert Müller hat erlebt, wie er an der Hand seines Großvaters den Amerikanern entgegenspaziert ist. Die Truppen kamen über Dellbrück – Ostfriedhof – Harthofstraße – Gierather Straße. Ob sie dann am Schlodderdicher Weg abgebogen sind, konnte er nicht mehr beobachten. Die Menschen gingen den Amerikanern mit Taschentüchern winkend entgegen. Die Anwohner hingen weiße Betttücher aus den Fenstern. Leider wurde dennoch das erste Haus auf Bergisch Gladbacher Gebiet mit Maschinengewehren beschossen.

Adolf Zierden betrauert seinen Bruder, der als 15-jähriger auf dem Konrad-Adenauer-Platz durch Granat- oder Artilleriebeschuss zu Tode kam. Der Junge hatte sich nach dem ersten Einschlag hinter der Bude des Pferdemetzgers (ungefähr dort, wo später Keppels Büdchen stand) versteckt. Ein zweiter Einschlag brachte das Gebäude zum Einsturz und begrub den Jungen unter sich.

Ludwig Krämer wurde am letzten Kriegstag noch durch Granatsplitter verletzt. Auch kann er sich daran erinnern, wie die Panzer in die Stadt einzogen.

Luzy Kierspel ist die jüngste Tochter (von 13 Kindern) der Familie Wilhelm Hamm. Alle drei Brüder sind im Krieg gefallen. Zum Kriegsende arbeitete Luzy Kierspel als Verkäuferin bei Textil Neuendorf (heute Deiters Karnevalsshop). In der Kriegszeit wurde sie auch zum Kriegsdienst in der Glaswolle-Fabrik verpflichtet. Daran hat sie grauenhafte Erinnerungen. Der Chef des Textilhauses Neuendorf hat sie und ihre Kollegin schließlich „da heraus geholt“.

Auch noch in Erinnerung sind die Bombennächte. „Wir sind in der Nacht nie in den Keller gegangen. Das wollte der Vater nicht. Meistens waren wir ein paar Stunden wach und sind dann hungrig ins Bett gegangen, da die Brotscheiben für‘s Frühstück schon abgezählt waren. Das Hungergefühl werde ich nie vergessen. Ich werfe bis heute keine Scheibe Brot weg.“

Familie Vollmann (v.r.n.l.): Charly Vollmann, seine Frau Adele, sein Sohn Karl August Peter Paul, dessen Frau Hilde(gard), und deren Mutter „Oma“ Feske

Die Familie Hamm wohnte wie Charly Vollmann in Unterhebborn. „Tante“ Vollmann und „Onkel“ Vollmann wohnten hinter dem Drahtzaun im Nachbarhaus. „Wir Kinder kletterten dann über den Zaun und es gab Kamellchen von der „Tante“ Vollmann“, erinnert sich die Seniorin.

Nachfahren von Charly Vollmann bei der Platz-Einweihung

Onkel Vollmann war ein netter Mann. Was er mit seinem Lastwagen transportierte, wussten die Nachbarskinder nicht. Dass er die Stadtmitte vor dem Bombardement verschont hat, wurde sich später erzählt. „Da waren wir sehr stolz auf unseren Nachbarn.“

Die prägendste Erinnerung für Luzy Kierspel war jedoch die erste Durchfahrt der amerikanischen Panzer im April 1945: „Die Panzer kamen von Gladbach die Odenthaler Straße hoch. Wir Kinder standen in Unterhebborn, auf der Höhe der Engelsfuhr an der Straße. Wir hatten keine Angst. Besonders fiel mir auf, dass alle Soldaten dunkelhäutig waren.

Und ein Soldat hielt Essen hoch. Eine Orange oder Brot. Damit signalisierte er uns wohl, dass wir bald etwas zu essen bekommen werden.“

Außerdem erinnert sich die damals 16-Jährige, dass die gesamte Familie im Haus versammelt war und von Soldaten besucht wurde, die sich umgeguckt haben. „Mein Vater hatte eine weiße Flagge in den Speicher gehängt. Wir saßen da, wie die Mäuse in der Ecke.“

Zudem berichtet Luzy Kierspel, dass sich in der Gaststätte Fett an der Odenthaler Straße (heutiges Restaurant „Osteria del Corso“) das Quartier der US-Soldaten befand.

Erich Müller berichtet: Meine Eltern haben das Haus gekauft, in dem Charly Vollmann mit seiner Familie gelebt hatte. Hier wurde auch sein Lastwagen untergestellt!

Mit einem solchen Laster hatte Charly Vollmann seinen Lebensunterhalt verdient. Das Foto wurde bei der Platz-Einweihung gemacht.

Pressestelle Stadt BGL

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2 Kommentare

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  1. Liebe iGL-Redaktion, liebe Mitleserinnen und Mitleser,
    ich möchte mich recht herzlich für Euren interessanten und ehrenden Bericht über “Charly Vollmann” bedanken. Auch wenn Einiges vom Hörensagen auch in unserem nach wie vor in Dellbrück lebenden Familienzweig mündlich überliefert worden ist, sind wir trotzdem besonders über Euren “Zeitzeugenbericht” erfreut und dankbar, den wir haben daraus durchaus noch wissenswerte “alte Neuigkeiten” erfahren.

    Mein eigener Großvater Franz Vollmann war ein enger Verwandter Karl Vollmann aus Hoboken N.J. Er wurde ungefähr zur gleichen Zeit wie Charly´s Vater Peter Vollmann in den 1880er Jahren nicht in Überesse sondern noch in der damaligen kleinen famileieneigenen Bäckerei in der Odenthaler Straße geboren und hat aber seinen “Vetter Karl” Charly Vollmann noch vor dem 1. Weltkrieg in Pittsburg persönlich kennengelernt. Mein Großvater Franz Vollmann ist bis kurz vor dem 1. Weltkrieg zur See gefahren und was Schiffskoch auf einem der deutschen Passagier-Liniendampfer zwischen Hamburg und New York bzw. Neu-England. Opa Franz hat unsere “Pittsburger Verwandtschaft” regelmäßig besucht und die verwandtschaftlichen Beziehungen gepflegt, wie sich das für einen Seemann gehörte.

    In dieser Zeit enstand auch die jahrzehntelange Freundschaft zwischen meinem Großvater Franz und seinem amerikanischen “Vetter” Karl (Charlie), die bis zum frühen Tod meines Opas im Jahre 1947 währte und die auch nach der “Umsiedlung” Karls in die alte Heimat der Familie nach Bergisch-Gladbach Bestand hatte. Danach sind leider die bis dahin doch durchaus lebhaften Beziehungen meines nach wie vor in Dellbrück lebenden Familienzweigs zur Verwandtschaft in Bergisch-Gladbach eingeschlafen. Ich weiß über die Bergisch-Gladbacher Familiengeschichte nach 1947 deshalb auch nur sehr wenig, weil ich selbst erst im September 1939 geboren wurde und beim Tod meines Großvaters Franz im Jahre 1947 noch ein kleiner Junge war, der in Dellbrück aufgewachsen ist.

    Glücklicherweise war aber das, was sich 1945 unter der “besonderen Beteiligung” von Vetter “Karl” bei der Beendigung der Nazi-Terrorherrschaft und dem Dank “Charly Vollmann” besonders friedlich verlaufenden Einmarsch der US-Army in Bergisch-Gladbach abgespielt hat, auch in unserem Dellbrücker Familienzweig immer Allgemeingut. Von der späten Ehrung “Charly Vollmanns” und der Benennung des kleinen Platzes neben dem schönen alten Rathaus in GL zu seinen Ehren haben wir in Dellbrück aber leider erst vor Kurzem, also viel zu spät, erfahren. Aber so oder so sind wir sehr stolz darauf, dass unsere Gladbacher Nachbarn den vorbildlichen Mut, die Umsicht und die zutiefst demokratische Gesinnung von Charly Vollmann” bis heute nicht vergessen haben.

    Wenn wir rechtzeitig von seiner Ehrung erfahren hätten, wären wir (das sind meine direkten Nachkommen bis i. d. 2. Generation (Sohn, Enkel und Angerhörige) und ich selbst sicher mit dabei gewesen.

    Nochmals mit herzlichem Dank und nachbarschaftlichen Grüßen aus Dellbrück (früher mal Rheinisch-Bergischer Kreis, Bürgermeisterei Merheim),
    Dr. Wilhelm Vollmann.

  2. Wow! Was man nicht alles herausfindet, wenn man mal aus Neugier über die NS-Zeit in BGL liest.
    Herr Vollmann war einer dieser kleinen Helden, die Tragödien einem Trostpflaster verpasste.
    Und meine Großeltern scheinen direkt neben ihm gewohnt zu haben. Total spannend!

    Danke für den Artikel!